Da kein Netzteil vollständig verlustfrei arbeitet, entsteht ein Teil der eingesetzten Energie zwangsläufig als Wärme. Eine geeignete Wärmeableitung ist daher entscheidend für Effizienz, Zuverlässigkeit und Lebensdauer elektronischer Stromversorgungen.
Sabine SynkuleSabineSynkule
4 min
Das Entwicklungsteam muss abschätzen, wie viel Wärme entsteht, welche maximale Betriebstemperatur zulässig ist und welche Kühlstrategie dafür am besten geeignet ist.Traco Power
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Da kein elektrisches System zu 100 Prozent effizient arbeitet,
muss ein Teil der eingespeisten Energie zwangsläufig als Wärme abgeführt
werden. Deshalb muss das Entwicklungsteam abschätzen, wie viel Wärme entsteht,
welche maximale Betriebstemperatur zulässig ist und welche Kühlstrategie dafür
am besten geeignet ist. Dabei handelt es sich jedoch nicht nur um eine rein
elektrische Fragestellung: Wärmeableitung erfordert die Zusammenarbeit des
gesamten Teams, um sicherzustellen, dass auch mechanische und konstruktive
Anforderungen wie Bauraum, Gewicht und Gehäusedesign eingehalten werden.
Grundsätzlich gibt es zwei zentrale Ansätze, um die in
elektronischen Systemen entstehende Wärme zu beherrschen: passive und aktive
Kühlung. Bei der passiven Kühlung wird die Wärme allein durch physikalische
Effekte, insbesondere durch natürliche Konvektion, an die Umgebung abgegeben.
Die Dokumentation des verwendeten Netzteils liefert hierzu
wichtige Hinweise, etwa zu Temperaturbereichen, Montagebedingungen und
Kühlanforderungen. Ein gutes Beispiel ist die TBLC-90-Serie von Traco Power,
ein 90-W-Netzteil für die DIN-Schienenmontage, das ausschließlich durch
Konvektion gekühlt wird. Es ist für einen Betrieb von –20 °C bis +70 °C
ausgelegt. Oberhalb von +55 °C muss die Ausgangsleistung jedoch um 2,5 Prozent pro
Kelvin reduziert werden.
Bild 2: Dieses auf einer DIN-Schiene montierte Netzteil arbeitet mit Konvektionskühlung.Traco Power
Vorausgesetzt wird eine natürliche Luftströmung von 20 LFM
(linear feet per minute) um das Gerät herum. In der Installationsanleitung ist
außerdem die Einbaulage vorgegeben: Der Luftstrom soll von unten nach oben
verlaufen (Bild 2).
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Die Berechnung der Wärmeableitung
Leistungskomponenten in Netzteilen, etwa MOSFETs, besitzen
häufig massive Metalllaschen, die in das Gehäuse integriert sind (Bild 3). Da
der Siliziumchip direkt auf diesem Teil des Packages montiert ist, wird die
Wärme über dieses Metall nach außen abgeführt. Dennoch kann das Bauteilgehäuse
allein nur begrenzt Wärme aufnehmen.
Um diese Grenze zu bestimmen, muss im Datenblatt die
Kenngröße RθJA betrachtet werden, also der thermische Widerstand von
der Sperrschicht zur Umgebung (junction-to-ambient). Sie gibt an, um wie viele
Grad Celsius die Temperatur pro Watt Verlustleistung ansteigt.
Bild 3: Stromversorgungsgeräte haben eine Metalllasche (links, Mitte) oder ein Metallplättchen (rechts) zur Wärmeableitung.Traco Power
Ebenso wichtig ist die tatsächliche Umgebungstemperatur am
Einsatzort. Selbst in Büros oder Wohnräumen kann ein Netzteil zeitweise
direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt sein, wodurch die Umgebungstemperatur
auf über 30 °C steigen kann. Das kann dazu führen, dass Halbleiterbauteile ihre
zulässige Temperaturgrenze überschreiten.
Wenn die maximale Sperrschichttemperatur beispielsweise 150
°C (TJmax) beträgt und die Umgebungstemperatur 30 °C (TA) liegt,
stehen nur noch 120 °C Temperaturanstieg als Reserve zur Verfügung. Bei einem RθJA-Wert
von 23,9 °C/W können dann ohne zusätzlichen Kühlkörper nur etwa 5 W
Verlustleistung (PD) abgeführt werden, berechnet durch (TJmax – TA)
÷ RθJA.
Grundsätzlich ist die Metalllasche eines
Leistungshalbleiters jedoch nicht als eigentliche Wärmesenke ausgelegt. Sie
dient vielmehr dazu, die Wärme in eine größere thermische Masse zu übertragen –
beispielsweise in einen Kühlkörper, das Gehäuse oder metallisierte Bereiche der
Leiterplatte.
Kühlung über das Kupfer der Leiterplatte
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In einigen Anwendungen kann die Kupferfläche der
Leiterplatte selbst zur Wärmeabfuhr genutzt werden. Voraussetzung ist, dass
genügend Platz zur Verfügung steht, um eine ausreichend große Oberfläche
bereitzustellen. Für eine gute thermische Anbindung wird die Metalllasche des
Bauteils direkt auf die Leiterplatte gelötet.
Eine weitere Möglichkeit ist der Einsatz von Leiterplatten,
die mit Aluminium oder Kupfer verbunden sind. LED-Leuchten sind ein typisches
Beispiel, bei denen PCBs auf Aluminiumträgern basieren.
Wenn das Budget es zulässt und das Design es erfordert, kann
auch ein massiver Kupferblock, ein sogenannter Copper Coin, direkt in die
Leiterplatte integriert werden. Dadurch lassen sich verlustleistungsstarke
Bauteile thermisch daran ankoppeln (Bild 4). Dieser Ansatz ist besonders
hilfreich, wenn das System gekapselt ist und keine Lüftungsöffnungen möglich
sind.
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Bild 4: Verwendung einer in die Leiterplatte eingelassenen Kupfermünze zur Wärmeableitung.Traco Power
Hinzufügen eines Kühlkörpers
Kühlkörper und Leiterplatten bestehen typischerweise aus
Aluminium oder Kupfer und kombinieren thermische Masse mit möglichst großer
Oberfläche, um die Wärmeabgabe zu verbessern. Deshalb besitzen sie meist Rippen
oder Stifte zur Oberflächenvergrößerung.
Beide Materialien weisen gute Wärmeleitfähigkeit auf (237
W/mK für Aluminium und 401 W/mK für Kupfer), allerdings ist Aluminium als
Rohstoff etwa dreieinhalbmal günstiger als Kupfer.
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Für eine gute thermische Verbindung wird zwischen Bauteil
und Kühlkörper eine Wärmeleitfolie oder Wärmeleitpaste aufgebracht. Die
mechanische Fixierung erfolgt häufig über eine Schraube.
Um den gesamten thermischen Widerstand bei Einsatz eines
Kühlkörpers zu berechnen, benötigt man den Sperrschicht-zu-Gehäuse-Widerstand
(RθJC) des Halbleiters sowie die Widerstände von Kühlkörper und
Wärmeleitpaste. Angenommen, ein Halbleiter hat RθJC = 1,7 °C/W, der
Kühlkörper 2,67 °C/W und die Paste 0,33 °C/W, ergibt sich ein Gesamtwiderstand
(RTOTAL) von 1,7 °C/W + 2,67 °C/W + 0,33 °C/W = 4,7 °C/W. Die Betriebstemperatur
lässt sich dann mit (PD × RTOTAL) + TA
berechnen.
Wenn also wie zuvor 5 W bei einer Umgebungstemperatur von 30
°C abgeführt werden, ist mit einem Temperaturanstieg auf (5 W × 4,7 °C/W) + 30 °C = 53,5
°C zu rechnen.
Wann wird aktive Kühlung notwendig?
In manchen Fällen reicht ein Kühlkörper allein nicht aus –
entweder grundsätzlich oder unter extremen Betriebsbedingungen. Dann kommt
aktive Kühlung zum Einsatz, meist in Form eines Lüfters.
Bild 5: Aktive Kühlung.Traco Power
Das ist zwar effektiv, stellt jedoch auch eine potenzielle
Fehlerquelle dar. Wenn ein Wandler auf erzwungene Luftkühlung angewiesen ist,
muss sichergestellt werden, dass der Lüfter tatsächlich läuft. Oft ist auch
eine kontinuierliche Drehzahlüberwachung sinnvoll. Viele Halbleiterhersteller
bieten dafür passende Lüftercontroller an, etwa den EMC2301 von Microchip
Technology. Diese I2C/SMBus-Bausteine lassen sich leicht mit
Mikrocontrollern integrieren, unterstützen oft Closed-Loop-Regelung und
ermöglichen die permanente Überwachung des Lüfters.
Alternativ ist auch Flüssigkeitskühlung möglich. Diese wird
häufig in Elektrofahrzeugen eingesetzt, wo IGBTs, MOSFETs und Leistungsmodule
in sehr leistungsdichten Motorwechselrichtern und DC/DC-Wandlern verbaut sind.
Thermisches Design als Teil der Systementwicklung
Thermisches Design wird zunehmend wichtiger, da moderne
Anwendungen immer kleinere, kompaktere und leistungsdichtere Netzteile
erfordern. Welche Kühlmaßnahmen geeignet sind, hängt jedoch stark von Budget
und konstruktiven Rahmenbedingungen ab. Die bevorzugte und kostengünstigste
Lösung ist passive Kühlung durch natürliche Konvektion und einen Kühlkörper.
Aktive Kühlung, etwa durch Lüfter, ist der nächste Schritt, erfordert jedoch
Überwachung, da ein Lüfterausfall schnell zur Überhitzung und zum Ausfall des Netzteils
führen kann.
Um thermische Herausforderungen sicher zu beherrschen,
sollten Datenblatt und Installationsanleitung immer sorgfältig gelesen werden.
Bei Unklarheiten stehen Hersteller wie Traco Power in der Regel jederzeit mit
technischem Support zur Verfügung. (bs)
Dieser Beitrag basiert auf Unterlagen von Traco Power.