ZVEI mit neuem Präsidenten

Daniel Hager ist neuer ZVEI-Präsident

Mit Daniel Hager steht ein neuer Präsident an der Spitze des ZVEI. Im Mittelpunkt seiner Agenda stehen industrielle KI, europäische Resilienz, Wettbewerbsfähigkeit und bezahlbare Energie.

Gruppe von Geschäftsleuten posiert im Freien für ein offizielles Foto vor einem Gebäude.
ZVEI-Spitze und Branchenvertreter versammeln sich nach der Wahl von Daniel Hager zum neuen Präsidenten des Elektro- und Digitalindustrieverbandes.

Daniel Hager ist neuer Präsident des ZVEI. Der Vorstand des Verbands der Elektro- und Digitalindustrie wählte den 54-Jährigen am 20. Mai 2026 in Frankfurt am Main für drei Jahre an die Verbandsspitze. Hager folgt auf Dr. Gunther Kegel und machte in seiner Eröffnungsrede zum ZVEI-eSummit deutlich, worauf er den Fokus legen will: Leistung, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit.

„Die Digital- und Elektroindustrie ist eine der tragenden wirtschaftlichen Säulen unseres Landes“, sagte Hager unmittelbar nach seiner Wahl. Diese Bedeutung für technologischen Fortschritt und gesellschaftlichen Wohlstand wolle er im politischen Dialog stärker verankern. Bundeskanzler Friedrich Merz forderte Hager auf der wichtigsten Veranstaltung der Branche dazu auf, den politischen Stillstand zu überwinden und überfällige Reformen bei Rente, Arbeitszeit und Sozialkosten einzuleiten. Deutschland müsse wieder stärker darauf schauen, was den Standort wirklich trage: Leistung, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit.

ZVEI fordert mehr Freiräume für industrielle KI

Einen besonderen Schwerpunkt setzte Hager auf die Entwicklung und Nutzung künstlicher Intelligenz. Deutschland und Europa stünden vor großen Transformationsaufgaben, während die USA und China beim Thema KI hohes Tempo vorlegten. In Europa werde dagegen noch zu häufig über Regeln diskutiert, die Innovation ausbremsten.

Eine besondere Stärke der deutschen Elektro- und Digitalindustrie liege in der Entwicklung von KI für industrielle Anwendungen – etwa für Roboter, die Prozessindustrie, Stromnetze oder Gebäude. Um dieses Potenzial auszuschöpfen, brauche die Branche mehr Gestaltungsfreiräume. Jede Regulierung müsse sich daran messen lassen, ob sie Industrie und Wirtschaft helfe oder Innovation behindere.

Den jüngst im Trilog gefundenen Kompromiss zum KI-Omnibus bewertet der ZVEI als deutliche Verbesserung. Allerdings seien aus Sicht des Verbands noch nicht alle relevanten Anwendungen erfasst. Hager forderte daher, Doppelregulierung auch bei Medizinprodukten abzuschaffen.

Warum Europa seine Mikroelektronik stärken muss

Auch die Resilienz Europas will der neue ZVEI-Präsident gezielt stärken. In geopolitisch schwierigen Zeiten sei Europa die „Lebensversicherung“, sagte Hager. Nur ein starkes Europa könne in einem Umfeld bestehen, das kaum noch anerkannten Regeln folge. Dafür müsse der Binnenmarkt ausgebaut und die EU zu einem Industriebeschleuniger werden, der Innovation, unternehmerische Initiative und faire Wettbewerbsbedingungen in den Mittelpunkt stellt.

Eine Schlüsselrolle kommt dabei nach Einschätzung des ZVEI der Mikroelektronik zu. Laut einer neuen Studie des Verbands wird sich der Halbleiterbedarf in Europa bis 2040 verdoppeln. Europa müsse darauf schnell reagieren und sein Mikroelektronik-Ökosystem stärken. Bei Schlüsseltechnologien dürfe der Kontinent nicht in einseitige Abhängigkeiten geraten.

Strompreis bleibt entscheidend für Elektrifizierung

Abhängigkeiten sieht Hager auch auf der Energieseite. „Die Zukunft ist elektrisch – egal ob im Auto oder im Gebäude“, betonte der neue ZVEI-Präsident. Aus Sicht des Verbands hängt die Attraktivität elektrischer Mobilität und elektrischer Wärme jedoch eng mit dem Strompreis zusammen. ZVEI-Umfragen zeigten demnach, dass Bürgerinnen und Bürger ihre Entscheidung für E-Mobilität oder elektrische Heizlösungen stark an den Energiekosten ausrichten.

Der Verband fordert deshalb, die Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß zu senken. Dies sei im Koalitionsvertrag angekündigt und werde auch von der EU-Kommission gefordert.

Daniel Hager seit 15 Jahren im ZVEI aktiv

Daniel Hager ist seit 15 Jahren im ZVEI engagiert. Unter anderem war er Vorsitzender des Fachverbands Elektroinstallationssysteme sowie Vorsitzender der Plattform Gebäude. Hauptberuflich ist Hager Vorsitzender des Aufsichtsrats der Hager Group.

Neu zu Vizepräsidenten gewählt wurden Dr. Peter Körte von Siemens, Dr. Frank Meyer von Bosch und Dr. Peter Weckesser von Schneider Electric. Dem Engeren Vorstand gehören außerdem Dr. Markus Bergholz von Kostal, Christian O. Erbe von Erbe Elektromedizin, Philip W. Harting von Harting, Tim Holt von Siemens Energy, Ulrich Leidecker von Phoenix Contact, Philipp Steinberger von Wöhner und Andreas Urschitz von Infineon an.