Beschichtungslinie für Elektronik

Vega baut Elektronikfertigung mit Rehm-Linie aus

Vega erweitert seine Elektronikfertigung: Eine neue Rehm-Beschichtungslinie, MES-Anbindung und energieeffiziente Reflow-Lötsysteme sollen Produktivität, Qualität und Nachhaltigkeit verbessern.

Mitarbeiter montiert gelbe Bauteile an einer Produktionslinie mit Kabeln und Maschinen in einer Fertigungshalle.
Zum Produktportfolio von Vega in Schittach gehören unter anderem Füllstands- und Drucksensoren.

Seit 1959 entwickelt Vega aus Schiltach innovative Messtechnik und ist heute mit Tochtergesellschaften in 28 Ländern sowie über 2.700 Mitarbeitenden international präsent. Der Messtechnikhersteller baut aktuell seine Produktionskapazitäten aus und zielt mit neuen Prozessen in der Produktion auf mehr Effizienz und Nachhaltigkeit.

Vega treibt seine Wachstumsstrategie mit mehreren Investitionsprojekten voran. In einem Großprojekt in Kuppenheim sind im ersten Bauabschnitt auf dem rund 10,4 ha großen Gelände mehrere Gebäudekomplexe geplant. Auf insgesamt 32.000 m² sollen zwei Produktionsgebäude mit Fertigungsflächen sowie ein integrierter Logistikbereich entstehen.

In Mason, USA, hat Vega 2025 die Produktionsfläche verdoppelt. Der Elektronikfertigung stehen dort 2.600 m² zur Verfügung.

Am Hauptsitz in Schiltach sind derzeit 1.300 Mitarbeitende tätig. Davon treiben rund 160 Entwicklerinnen und Entwickler sowie 100 IT-Expertinnen und -Experten die Füllstands- und Druckmesstechnik voran. In der Elektronikfertigung werden jährlich etwa 300 Millionen Bauteile auf vier SMT-Linien im Zweischichtbetrieb bestückt.

Zum Portfolio gehören unter anderem Füllstands- und Drucksensoren für chemische und pharmazeutische Anlagen, die Lebensmittelindustrie, die Trinkwasserversorgung, die Metallgewinnung, Kläranlagen sowie die Energieerzeugung.

Die Produktdiversifizierung erfordert ein hohes Maß an Innovation und Flexibilität in der Fertigung. Bei den derzeitigen Investitionsprojekten stehen neben den technischen Möglichkeiten auch Energieeffizienz und Produktivität im Fokus. Um die gesteckten Ziele zu erreichen, steht der Elektronikfertigung seit April 2026 eine neue Beschichtungslinie zur Verfügung. Neben drei Rehm-Reflow-Lötsystemen vom Typ VisionXP+ wurde gemeinsam mit Rehm Thermal Systems für den Beschichtungsprozess eine schlüsselfertige Gesamtlösung integriert. Das Herzstück der neuen Linie ist die ProtectoXP, ein flexibles Lackier- und Beschichtungssystem von Rehm Thermal Systems.

Damit geht Vega einen wichtigen Schritt im Hinblick auf die geplante Vereinheitlichung und Weiterentwicklung der Fertigung.

Neue Rehm-Beschichtungslinie für hochwertige Elektronik

Die Beschichtungslinie wurde inzwischen in die Fertigung integriert und im Realbetrieb abgenommen. Der Bedarf an zuverlässiger Beschichtung hochwertiger Elektronik in einem zunehmend automatisierten Umfeld steigt weiter. Der Bedarf an einer modernen, effizienteren Lösung sowie die definierten Produktivitätsziele veranlassten das Team um die Leiter der Elektronikfertigung, Marcel Schrempp und Michel Wucher, im November 2024 dazu, ein Benchmarking- und Investitionsprojekt zu starten.

Das Projektteam untersuchte den Markt und die technologischen Möglichkeiten. Nach einer ersten Test- und Evaluierungsphase fiel im Mai 2025 die grundlegende Entscheidung für die Rehm ProtectoXP sowie für eine schlüsselfertige Gesamtlösung von Rehm für die Beschichtungslinie. In der Findungsphase wurde auf Basis der spezifischen Anforderungen von Vega eine Komplettlinie konfiguriert. Neben neuen Handlingsmodulen, einer Inline-CCI-Inspektionsanlage und einem RDS UV LED-Trockner wurde auch ein Software-Leitsystem der Resitco GmbH, einer Tochtergesellschaft der Rehm-Gruppe, eingeplant.

Fünf Männer stehen in einer Produktionshalle vor Maschinen und halten Leiterplatten oder Bauteile in den Händen.
Das Vega-Projektteam freut sich über die Partnerschaft mit Rehm Thermal Systems

Bei den nachfolgenden Versuchsreihen mit unterschiedlichen Lacken und Materialien im Rehm-Applikationscenter in Blaubeuren testete Vega nicht nur die Anlage selbst. Auch Beratung, Analyse und Auswahl verschiedener Schutzlacke und Trocknungsverfahren waren Teil des Prozesses. Auf Basis der Ergebnisse wird die neue Beschichtungslinie mit integrierter ProtectoXP und modernem Lacktrockner als durchgängige Gesamtlösung betrieben. Die neueste Generation des RDS UV LED-Trockners wurde 2025 auf der productronica in München vorgestellt und nach ausgiebigen Tests als eine der ersten Anlagen in die Vega-Gesamtlösung integriert.

Je nach Auftrag werden die Baugruppen aus den verschiedenen SMT-Linien der neuen Beschichtungslinie zugeführt und dort – auch selektiv – beschichtet. Durch die Beschichtung mit einem UV-LED-Lack entfallen aufwendige Nacharbeiten. Zudem werden Qualität und Lebensdauer der elektronischen Baugruppen verbessert, da diese besser vor aggressiven Umwelteinflüssen wie Feuchtigkeit, Korrosion, Chemikalien oder Staub geschützt sind.

Auch Produktivität und Energieeffizienz der Linie wurden verbessert. Durch die Investition konnte ein um bis zu 70 % schnellerer Trocknungsprozess im Vergleich zu herkömmlichen Gas-UV-Lampen oder Konvektionsöfen erreicht werden. Die Einführung des Leitsystems spielt dabei eine entscheidende Rolle. Die herstellerunabhängige, modulare Leitsystemlösung wird als Device Manager zwischen den einzelnen Prozessanlagen und der MES-Software von Vega eingesetzt. So werden einzelne Aufträge gezielt durch die Linie geschleust, alle wichtigen Traceability-Daten gesammelt und wieder an das MES-System zurückgemeldet. Die Systemsoftware bindet die verschiedenen Linienmodule nahtlos an, führt die Daten zusammen und komprimiert sie. So können die Prozesse der Linie simuliert, analysiert, automatisiert und gesteuert werden.

Vorausschauend wurden die Linie und die Software bereits heute mit einer Nachrüstmöglichkeit für einen AMR-Roboter ausgestattet. Auf Basis der ersten Erfahrungen sollen künftig mit einem fahrerlosen Transportsystem weitere Vorteile für Effizienz und Prozessqualität erschlossen werden.

Marcel Schrempp geht mit der Anschaffung einen weiteren Schritt in Richtung Standardisierung und Automatisierung der Produktion. Einige manuelle Arbeitsprozesse entfallen bereits heute. Die zukunftsweisende Strategie wird durch die horizontalen Vernetzungsmöglichkeiten, eine Offline-Steuerung sowie die verbesserte Nutzung und Einbindung der Daten in die hauseigenen Datenbanken unterstrichen.

Wie Vega mit Hermes und MES-Anbindung die Produktion vernetzt

In der Elektronikfertigung von Vega wird vermehrt „The Hermes Standard“ genutzt. Künftig sollen die Potenziale durch die Integration weiterer Systeme erschlossen werden. In Kombination mit der IPC-CFX-Schnittstelle sorgt Hermes dafür, dass wichtige Baugruppeninformationen zuverlässig, einfach und vollständig von Maschine zu Maschine übermittelt und in der Produktionssteuerung verwendet werden. Durch die Nutzung der ViCON-Connect-Tools von Rehm können Anlagen einfacher offline vorbereitet und horizontal angesteuert werden.

Marcel Schrempp will künftig weitere Projekte zur Maschinenvernetzung, zur Automatisierung von Prozessschritten sowie zum Ausbau der Produktion auf den Weg bringen. Stillstandzeiten sollen so weiter reduziert werden. Die Wege in der Produktion und die Bedienung an der Maschine sollen zugleich noch einfacher gestaltet werden. Eine vereinfachte Prozessvorbereitung, geringerer Personaleinsatz sowie schnellere Reaktionen auf Alarmmeldungen und bei der Störungsbeseitigung steigern die Produktivität in der Fertigung deutlich.

Mit der Integration und Abnahme der neuen ProtectoXP-Linie wurde bereits ein wichtiger Schritt in diese Richtung gemacht. „Unsere Erwartungen an die technischen Möglichkeiten und die Effizienz wurden mit den Investitionen in das Rehm-Equipment voll erfüllt“, sagt Marcel Schrempp. „Auch unsere Nachhaltigkeitsstrategie wird positiv unterstützt.“

Rehm-Reflow-Lötsysteme senken Energie- und Stickstoffverbrauch

Derzeit stehen dem Unternehmen weltweit bereits vier VisionXP+ Reflow-Lötsysteme zur Verfügung. Die Konvektionslötsysteme der Vision-Serie sind flexibel, effizient und stehen für hohen Durchsatz auch bei häufigen Produktwechseln.

Industriehalle mit mehreren vernetzten Maschinen und Anlagen in einer sauberen Produktionsumgebung.
Die neue Rehm Thermal Systems Beschichtungslinie bei Vega Grieshaber.

Zukünftig sollen im Bestückungsprozess bei Vega weitere Energieeinsparungen durch eine verstärkte Nutzung der Rehm-Softwaremöglichkeiten erschlossen werden. Darüber hinaus sorgen optimierte Ofenisolierungen für eine nahezu neutrale Umgebungstemperatur sowie für ein schnelleres Aufheizen der Öfen nach der Abschaltung über das Wochenende. Ein zeitversetztes Einschalten zur Vermeidung von Stromspitzen sowie der von Rehm patentierte mechatronische Vorhang sollen beim Energieverbrauch weitere Einsparungen ermöglichen. Der mechatronische Vorhang passt sich durch entsprechende Programmvorgaben der jeweiligen Baugruppenhöhe an und hält stets den optimalen Abstand zur Baugruppe. Wärme- und Stickstoffverluste werden dadurch deutlich reduziert.

Vega und Rehm bauen Partnerschaft in der Elektronikfertigung aus

Die seit 2009 bestehenden Kontakte wurden über die Jahre hinweg vertieft. Die Kooperation mit Rehm Thermal Systems wird von beiden Seiten sehr geschätzt und aktiv vorangetrieben. Die Flexibilität und Kundenorientierung des Rehm-Projektteams bei der aktuellen Investition unterstreichen ein weiteres Mal die zielorientierte Arbeitsweise.

Auch das Projektteam der Rehm-Gruppe bewertet die Zusammenarbeit positiv: „Nicht nur die räumliche Nähe und der freundschaftliche Umgang, sondern auch der unkomplizierte Austausch und die gelebte Serviceorientierung sind uns allen wichtig“, so das Team. Marcel Schrempp von Vega aus Schiltach ergänzt: „Flexible Anpassungsfähigkeit und enge Zusammenarbeit werden auch künftig wichtige Wettbewerbsvorteile sein.“