Fahrzeugelektronik der Zukunft

Automobilzulieferer fordern europäische Technologieallianz

Neue Fahrzeugarchitekturen könnten die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Automobilindustrie stärken. Der ZVEI hat deshalb gemeinsame Grundlagen definiert, um die Entwicklung neuer Fahrzeugmodelle zu beschleunigen.

Wie zentralisierte Rechenleistung, Chiplets und offene Toolchains nachhaltige SDV-Architekturen ermöglichen
Europa soll im Wettlauf um softwaredefinierte Fahrzeuge nicht den Anschluss verlieren.

Der ZVEI fordert eine gemeinsame Technologieoffensive für Fahrzeugelektronik, -halbleiter und Hochleistungscomputer. Damit will der Verband der Elektro- und Digitalindustrie verhindern, dass Europa den Anschluss im globalen Wettlauf um das softwaredefinierte Fahrzeug (Software Defined Vehicle, SDV) verliert. Die im ZVEI organisierte automobile Zulieferindustrie macht einen konkreten Vorschlag für eine gemeinsame neue E/E-Fahrzeugarchitektur (elektrisch/elektronisch).

Die neue E/E-Architektur entscheidet über die Zukunft des Fahrzeugs. Europa hat das Knowhow. Wenn die deutsche und europäische Automobilindustrie die E/E-Architektur der Zukunft beherrscht, können wir wieder skalieren.

Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung

Heute sind in vielen Fahrzeugen mehr als 160 einzelne Steuergeräte und mehrere Kilometer Kabel verbaut. Kombiniert mit Megatrends wie Elektrifizierung und Digitalisierung entsteht eine komplexe Struktur, die Kosten und Entwicklungszyklen aufbläht. Eine neue E/E-Fahrzeugarchitektur kann Abhilfe schaffen, indem sie die E/E-Struktur eines Fahrzeugs zentralisiert und damit Effizienzgewinne schafft.

Dazu definieren die Zulieferer in einem neuen Whitepaper Grundlagen, die Fahrzeuge von der Kompakt- bis zur Luxusklasse abdecken. Ziel ist es, standardisierte Schnittstellen und Protokolle festzulegen, um die Interoperabilität und Skalierbarkeit von Komponenten sicherzustellen.

Hier fnden Sie das Whitepaper.

Zusammenarbeit ist ein Muss

Der Wandel in der Automobilindustrie erfordert ein neues Maß an Zusammenarbeit in der Automobilindustrie. So müssen nicht-differenzierende Funktionen nicht mehrfach parallel entwickelt werden, sondern können kooperativ entstehen. Dies reduziert Entwicklungsaufwand, verkürzt Innovationszyklen und ermöglicht eine schnelle Implementierung neuer Fahrzeugmodelle.

Infografik zur zukünftigen E/E-Fahrzeugarchitektur (Electrical/Electronic Architecture) für softwaredefinierte Fahrzeuge (Software Defined Vehicle, SDV) nach dem ZVEI-Whitepaper „New E/E-vehicle architecture“. Die Grafik zeigt den Wandel von klassischen Steuergerätearchitekturen hin zu zentralisierten Hochleistungsrechnern (High Performance Computer, HPC) mit Zonencontrollern und intelligenten Sensoren sowie Aktoren. Dargestellt werden die wichtigsten Treiber der neuen Fahrzeugarchitektur wie steigende Softwareanteile, höhere Rechenleistung, Echtzeitfähigkeit, funktionale Sicherheit (ASIL), Cybersecurity, Skalierbarkeit und Resilienz der Lieferkette. Ein schematischer Architekturaufbau verdeutlicht die Kommunikation zwischen Cloud, HPCs, Zonencontrollern und dezentralen Steuergeräten. Zusätzlich werden typische Anwendungsfelder wie automatisiertes Fahren (ADAS), 5G-V2X-Kommunikation, Augmented-Reality-Head-up-Displays (AR-HUD) und Batteriemanagementsysteme (BMS) eingeordnet. Weitere Schwerpunkte sind standardisierte APIs, offene Softwareplattformen, Middleware, Software-Lebenszyklus, OTA-Updates, Multi-Sourcing sowie die Auswirkungen auf OEMs und Zulieferer. Die Infografik vermittelt kompakt die technologischen Grundlagen moderner zonaler E/E-Architekturen und die wichtigsten Anforderungen an die Entwicklung softwaredefinierter Fahrzeuge bis 2030.
Im Mittelpunkt der neuen E/E-Fahrzeugarchitektur stehen die Zentralisierung von Rechenleistung auf High-Performance-Computern (HPCs), zonale Architekturen, softwaredefinierte Fahrzeuge sowie standardisierte Schnittstellen als Grundlage zukünftiger Fahrzeugplattformen.

Der ZVEI fordert deshalb klare politische Rahmenbedingungen. Das beinhaltet die Unterstützung für europäische Technologieallianzen, gezielte Investitionen in Halbleiter- und Softwarekompetenzen sowie rechtliche Sicherheit für kooperative Entwicklungsmodelle und Open-Source-Software. Außerdem sollten öffentliche Förderprogramme strategisch auf skalierbare E/E-Architekturen, funktionale Sicherheit, Cybersecurity sowie softwarezentrierte Fahrzeugplattformen ausgerichtet werden. Zudem brauche es schnellere und damit innovationsfreundlichere Genehmigungs- und Standardisierungsprozesse.