Es gibt Veranstaltungen, die man besucht und solche, zu denen man zurückkehrt. Das EE Kolleg auf Mallorca gehört für viele seit Jahren zur zweiten Kategorie. Nicht wegen des Ortes allein, sondern wegen der Haltung. 2026 war dabei ein besonderes Jahr – eines, das leise zeigte, wie Generationenwechsel gelingen kann.
Petra GottwaldPetraGottwaldPetra GottwaldChefredakteurin Elektronik-Titel
3 min
2026 stand das Kolleg unter dem Leitthema „Electronics Manufacturing 360° – Wo Innovation auf Erkenntnis trifft – im Herzen der Elektronikindustrie“. Treffender hätte man dieses EE-Kolleg kaum zusammenfassen können.Oliver Hagemes
Anzeige
Im vergangenen Jahr haben sich mehrere langjährige
Wegbegleiter des EE‑Kollegs in den Ruhestand verabschiedet. Persönlichkeiten,
die Diskussionen geprägt, Wissen geteilt und das Kolleg über viele Jahre
mitgetragen haben. Ihre Abwesenheit war spürbar – und gleichzeitig öffnete sie
Raum. Raum für neue Stimmen, neue Fragen und rund 40 Teilnehmer, die 2026 zum
ersten Mal dabei waren. Viele von ihnen gehörten zur Generation Z.
Ankommen ohne Schwellenangst
Anzeige
Auffällig war, wie schnell sich die Neulinge in der Menge
der 120 Teilnehmer integrierten. Dominique Salzgeber von Finn
Technologies/Rösnick Schweiz brachte es auf den Punkt: „Die Menschlichkeit hier
hat mich beeindruckt – man wird sofort aufgenommen.“ Diese Offenheit zog sich
durch viele Gespräche. Nicht selten fiel der Satz, dass man spätestens an der
Kaffeemaschine „per Du“ sei. Für Mira Grünhoff von Pilot war genau das prägend:
„Hier lernt man in kürzester Zeit unglaublich viele Menschen kennen.“ Dass viele
Teilnehmer erstmals dabei waren – und aus unterschiedlichen Ländern kamen –,
zeigte sich auch organisatorisch: Erstmals begleiteten Simultandolmetscher das
EE‑Kolleg. Ein klares Signal, dass die Veranstaltung internationaler wird, ohne
ihre persönliche Nähe zu verlieren.
Fachlich anspruchsvoll – thematisch weitergedacht
Das Programm 2026 bot dafür die passende Bühne: von
elektrischer Alterung über miniaturisierte Bauformen, automatisierte SMT‑ und
THT‑Prozesse bis hin zur Zukunft der Leistungsmodul‑Fertigung. Klassische
Fertigungsthemen, fundiert und praxisnah. Gleichzeitig verschob sich der Fokus
spürbar. Rohstoffverfügbarkeit, KI in operativen Prozessen, Materialfluss‑Automatisierung
– aber auch Mental Health, Stoffwechsel und Kreativität fanden ihren
selbstverständlichen Platz im Programm. Gerade die jüngeren Teilnehmer nahmen
diese Themen nicht als Bruch wahr, sondern als notwendige Ergänzung. Technik
wurde als System verstanden – bestehend aus Menschen, Entscheidungen und
Verantwortung.
Anzeige
Programmhighlight: High Voltage – Mallorca Edition
Kurzweilig und unterhaltsam war die Live Podcast Aufnahme „High Voltage – Mallorca Edition: Sand auf der Yacht, Salz auf der LeiterplattePetra Gottwald
Eines der meistdiskutierten Highlights war die Live‑Podcast‑Aufnahme
„High Voltage – Mallorca Edition: Sand auf der Yacht, Salz auf der
Leiterplatte“. Sascha Nitz (Danfoss), Dominik Alfers (Rösnick) und Dan
Mutschler (MTM Ruhrzinn) sprachen offen über die besonderen Herausforderungen
der Marine‑Elektronik – praxisnah, extrem unterhaltsam und technisch fundiert. Der
Podcast zeigte beispielhaft, wofür das EE‑Kolleg steht: komplexe Themen
verständlich, ehrlich und mit einem Augenzwinkern zu vermitteln – und dabei
Diskussionen anzustoßen, die noch lange nachwirken.
Warum Leistungsfähigkeit im Kopf beginnt
Anzeige
Die Kernaussage des ehemaligen Profisportlers Markus Hörmann: Leistungsfähigkeit entsteht nicht durch immer mehr Einsatz, sondern durch das richtige Zusammenspiel von Belastung, Regeneration und Selbstführung.Petra Gottwald
Dauerstress, hohe Taktung, volle Kalender – was im
Berufsalltag Normalität ist, wird für viele Menschen schleichend zum
Gesundheitsrisiko. Der ehemalige Profisportler und Unternehmer Markus Hörmann
kennt diese Mechanismen aus eigener Erfahrung – und zeigte in seinem Vortrag
eindrucksvoll, warum Gesundheit kein „Nice-to-have“, sondern die Grundlage für
langfristigen Erfolg ist. Seine Kernaussage: Leistungsfähigkeit entsteht nicht
durch immer mehr Einsatz, sondern durch das richtige Zusammenspiel von Belastung,
Regeneration und Selbstführung.
Die wichtigsten Erkenntnisse:
Dauerstress wirkt körperlich und reduziert
langfristig Leistungsfähigkeit.
Atmung ist der schnellste Hebel zur Stress‑ und
Stoffwechselregulation.
Bewegung ja, Überlastung nein – Regeneration ist
entscheidend.
Kleine, kontinuierliche Veränderungen sind
wirksamer als radikale Maßnahmen.
Selbstführung ist Voraussetzung für Führung und
nachhaltigen Erfolg.
Und wie schon Arthur Schopenhauer sagte: Gesundheit ist
nicht alles – aber ohne Gesundheit ist alles nichts.
Anzeige
Netzwerken, das wirkt
Dass das EE‑Kolleg mehr ist als Wissensvermittlung, zeigte
sich schnell. Fabian Riebeling von Dormakaba berichtete erstaunt: „Wir haben
direkt am ersten Tag fünf Folgetermine vereinbart – das passiert sonst auf
keiner Konferenz.“ Die Kombination aus fachlicher Tiefe, gemeinsamer Zeit und
bewusster Entschleunigung schuf Kontaktqualität. Gespräche blieben nicht an
Visitenkarten hängen, sondern führten weiter.
Mein persönliches Highlight
Anzeige
Inmitten von Gerüchten, Unsicherheit und offenen Fragen nach
der Insolvenz konnte ich exklusiv mit dem neuen Eigentümer von Balver Zinn über
die Zukunft des Unternehmens sprechen (zu lesen auf den Seiten 14-15). Es war
spürbar, wie viel auf dem Spiel stand – für Mitarbeiter, Kunden und die gesamte
Branche. Umso eindrucksvoller war für mich der Einsatz von Firmengründer Josef
Jost: Mit großem persönlichen Engagement hat er darum gekämpft, dass Balver
Zinn auch unter neuer Führung Sponsor des EE-Kollegs bleibt. Dieses Bekenntnis
zu Verantwortung, Kontinuität und Gemeinschaft war ein starkes Zeichen – und
ein Moment, der gezeigt hat, dass es bei dieser Übernahme um weit mehr geht als
um Zahlen und Strukturen.
Lernen zwischen den Generationen
Bemerkenswert war das Zusammenspiel von Erfahrung und
Nachwuchs. Jan Martin von Viscom SE hob genau das hervor: „Die Mischung
aus junger Generation und erfahrenen Köpfen macht das Kolleg extrem wertvoll.“ Während
langjährige Teilnehmer ihr Wissen teilten, stellten die Jüngeren andere Fragen:
weniger nach der letzten Prozessoptimierung – mehr nach dem Warum, dem Kontext
und den möglichen Folgen. Daraus entstand Dialog statt Reibung.
Anzeige
Der Abschlusstag
Auch Team 8 konnte seinen Streckenabschnitt einwandfrei beisteuern.Redaktion
Nach all den intensiven technischen Sessions war der letzte
Tag traditionell mehr als nur ein Ausklang – er war ein echtes
Teambuilding-Highlight. Bis zum Schluss blieb geheim, was uns erwarten würde,
einzig der Dresscode war vorgegeben: „kugelrund und kunterbunt“. Entsprechend
kreativ und fröhlich starteten wir am Samstag, 28.03.2026, in einer großartigen
Location in den Eventtag. Die Überraschung: In zehn Teams aufgeteilt sollten
wir gemeinsam eine riesige Kugelbahn bauen. Es wurde konstruiert, diskutiert,
improvisiert, gelacht – und mit vollem Einsatz um jede rollende Kugel gefiebert,
die nicht stecken blieb. Nicht ganz unerwähnt bleiben darf: Die Teams mit
weiblichem Teamkapitän haben klar am stärksten performt. Und ja, ich gebe es als
eine der Teamkapitäninnen offen zu – auf unser Team 8 bin ich immer noch
besonders stolz, wie perfekt wir unseren Abschnitt hinbekommen haben. Ein gelungener
Abschluss mit Teamgeist, Leichtigkeit und einer wunderbaren Atmosphäre beim
gemeinsamen Abendessen.
Kein Nachwuchsproblem – sondern eine Übergabe
Das EE‑Kolleg 2026 zeigte: Die Branche hat kein
Nachwuchsproblem, sondern eine Gestaltungsaufgabe. Der Generationenwechsel ist
im Gange – ruhig, respektvoll und auf Augenhöhe. Am Ende bleibt das Gefühl,
Teil eines Netzwerks zu sein, das sich weiterentwickelt, ohne seine Werte zu
verlieren. Und die Erkenntnis, dass der Nachwuchs nicht nur da ist – sondern
längst mitgestaltet.
Vielleicht genau deshalb bleibt man dem EE‑Kolleg treu. Und
kommt wieder zurück.