Wenn Erfahrung loslässt – und Neugier übernimmt

26. EE-Kolleg: Branchentreff im Wandel

Es gibt Veranstaltungen, die man besucht und solche, zu denen man zurückkehrt. Das EE Kolleg auf Mallorca gehört für viele seit Jahren zur zweiten Kategorie. Nicht wegen des Ortes allein, sondern wegen der Haltung. 2026 war dabei ein besonderes Jahr – eines, das leise zeigte, wie Generationenwechsel gelingen kann.

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2026 stand das Kolleg unter dem Leitthema „Electronics Manufacturing 360° – Wo Innovation auf Erkenntnis trifft – im Herzen der Elektronikindustrie“. Treffender hätte man dieses EE-Kolleg kaum zusammenfassen können.

Im vergangenen Jahr haben sich mehrere langjährige Wegbegleiter des EE‑Kollegs in den Ruhestand verabschiedet. Persönlichkeiten, die Diskussionen geprägt, Wissen geteilt und das Kolleg über viele Jahre mitgetragen haben. Ihre Abwesenheit war spürbar – und gleichzeitig öffnete sie Raum. Raum für neue Stimmen, neue Fragen und rund 40 Teilnehmer, die 2026 zum ersten Mal dabei waren. Viele von ihnen gehörten zur Generation Z.

Ankommen ohne Schwellenangst

Auffällig war, wie schnell sich die Neulinge in der Menge der 120 Teilnehmer integrierten. Dominique Salzgeber von Finn Technologies/Rösnick Schweiz brachte es auf den Punkt: „Die Menschlichkeit hier hat mich beeindruckt – man wird sofort aufgenommen.“ Diese Offenheit zog sich durch viele Gespräche. Nicht selten fiel der Satz, dass man spätestens an der Kaffeemaschine „per Du“ sei. Für Mira Grünhoff von Pilot war genau das prägend: „Hier lernt man in kürzester Zeit unglaublich viele Menschen kennen.“ Dass viele Teilnehmer erstmals dabei waren – und aus unterschiedlichen Ländern kamen –, zeigte sich auch organisatorisch: Erstmals begleiteten Simultandolmetscher das EE‑Kolleg. Ein klares Signal, dass die Veranstaltung internationaler wird, ohne ihre persönliche Nähe zu verlieren.

Fachlich anspruchsvoll – thematisch weitergedacht

Das Programm 2026 bot dafür die passende Bühne: von elektrischer Alterung über miniaturisierte Bauformen, automatisierte SMT‑ und THT‑Prozesse bis hin zur Zukunft der Leistungsmodul‑Fertigung. Klassische Fertigungsthemen, fundiert und praxisnah. Gleichzeitig verschob sich der Fokus spürbar. Rohstoffverfügbarkeit, KI in operativen Prozessen, Materialfluss‑Automatisierung – aber auch Mental Health, Stoffwechsel und Kreativität fanden ihren selbstverständlichen Platz im Programm. Gerade die jüngeren Teilnehmer nahmen diese Themen nicht als Bruch wahr, sondern als notwendige Ergänzung. Technik wurde als System verstanden – bestehend aus Menschen, Entscheidungen und Verantwortung.

 Programmhighlight: High Voltage – Mallorca Edition

Kurzweilig und unterhaltsam war die Live Podcast Aufnahme „High Voltage – Mallorca Edition: Sand auf der Yacht, Salz auf der Leiterplatte

Eines der meistdiskutierten Highlights war die Live‑Podcast‑Aufnahme „High Voltage – Mallorca Edition: Sand auf der Yacht, Salz auf der Leiterplatte“. Sascha Nitz (Danfoss), Dominik Alfers (Rösnick) und Dan Mutschler (MTM Ruhrzinn) sprachen offen über die besonderen Herausforderungen der Marine‑Elektronik – praxisnah, extrem unterhaltsam und technisch fundiert. Der Podcast zeigte beispielhaft, wofür das EE‑Kolleg steht: komplexe Themen verständlich, ehrlich und mit einem Augenzwinkern zu vermitteln – und dabei Diskussionen anzustoßen, die noch lange nachwirken.

Warum Leistungsfähigkeit im Kopf beginnt

Die Kernaussage des ehemaligen Profisportlers Markus Hörmann: Leistungsfähigkeit entsteht nicht durch immer mehr Einsatz, sondern durch das richtige Zusammenspiel von Belastung, Regeneration und Selbstführung.

Dauerstress, hohe Taktung, volle Kalender – was im Berufsalltag Normalität ist, wird für viele Menschen schleichend zum Gesundheitsrisiko. Der ehemalige Profisportler und Unternehmer Markus Hörmann kennt diese Mechanismen aus eigener Erfahrung – und zeigte in seinem Vortrag eindrucksvoll, warum Gesundheit kein „Nice-to-have“, sondern die Grundlage für langfristigen Erfolg ist. Seine Kernaussage: Leistungsfähigkeit entsteht nicht durch immer mehr Einsatz, sondern durch das richtige Zusammenspiel von Belastung, Regeneration und Selbstführung.

Die wichtigsten Erkenntnisse:

  • Dauerstress wirkt körperlich und reduziert langfristig Leistungsfähigkeit.
  • Atmung ist der schnellste Hebel zur Stress‑ und Stoffwechselregulation.
  • Bewegung ja, Überlastung nein – Regeneration ist entscheidend.
  • Kleine, kontinuierliche Veränderungen sind wirksamer als radikale Maßnahmen.
  • Selbstführung ist Voraussetzung für Führung und nachhaltigen Erfolg.

Und wie schon Arthur Schopenhauer sagte: Gesundheit ist nicht alles – aber ohne Gesundheit ist alles nichts.

Netzwerken, das wirkt

Dass das EE‑Kolleg mehr ist als Wissensvermittlung, zeigte sich schnell. Fabian Riebeling von Dormakaba berichtete erstaunt: „Wir haben direkt am ersten Tag fünf Folgetermine vereinbart – das passiert sonst auf keiner Konferenz.“ Die Kombination aus fachlicher Tiefe, gemeinsamer Zeit und bewusster Entschleunigung schuf Kontaktqualität. Gespräche blieben nicht an Visitenkarten hängen, sondern führten weiter.

Mein persönliches Highlight

Inmitten von Gerüchten, Unsicherheit und offenen Fragen nach der Insolvenz konnte ich exklusiv mit dem neuen Eigentümer von Balver Zinn über die Zukunft des Unternehmens sprechen (zu lesen auf den Seiten 14-15). Es war spürbar, wie viel auf dem Spiel stand – für Mitarbeiter, Kunden und die gesamte Branche. Umso eindrucksvoller war für mich der Einsatz von Firmengründer Josef Jost: Mit großem persönlichen Engagement hat er darum gekämpft, dass Balver Zinn auch unter neuer Führung Sponsor des EE-Kollegs bleibt. Dieses Bekenntnis zu Verantwortung, Kontinuität und Gemeinschaft war ein starkes Zeichen – und ein Moment, der gezeigt hat, dass es bei dieser Übernahme um weit mehr geht als um Zahlen und Strukturen.

Lernen zwischen den Generationen

Bemerkenswert war das Zusammenspiel von Erfahrung und Nachwuchs. Jan Martin von Viscom SE hob genau das hervor: „Die Mischung aus junger Generation und erfahrenen Köpfen macht das Kolleg extrem wertvoll.“ Während langjährige Teilnehmer ihr Wissen teilten, stellten die Jüngeren andere Fragen: weniger nach der letzten Prozessoptimierung – mehr nach dem Warum, dem Kontext und den möglichen Folgen. Daraus entstand Dialog statt Reibung.

Der Abschlusstag

Auch Team 8 konnte seinen Streckenabschnitt einwandfrei beisteuern.

Nach all den intensiven technischen Sessions war der letzte Tag traditionell mehr als nur ein Ausklang – er war ein echtes Teambuilding-Highlight. Bis zum Schluss blieb geheim, was uns erwarten würde, einzig der Dresscode war vorgegeben: „kugelrund und kunterbunt“. Entsprechend kreativ und fröhlich starteten wir am Samstag, 28.03.2026, in einer großartigen Location in den Eventtag. Die Überraschung: In zehn Teams aufgeteilt sollten wir gemeinsam eine riesige Kugelbahn bauen. Es wurde konstruiert, diskutiert, improvisiert, gelacht – und mit vollem Einsatz um jede rollende Kugel gefiebert, die nicht stecken blieb. Nicht ganz unerwähnt bleiben darf: Die Teams mit weiblichem Teamkapitän haben klar am stärksten performt. Und ja, ich gebe es als eine der Teamkapitäninnen offen zu – auf unser Team 8 bin ich immer noch besonders stolz, wie perfekt wir unseren Abschnitt hinbekommen haben. Ein gelungener Abschluss mit Teamgeist, Leichtigkeit und einer wunderbaren Atmosphäre beim gemeinsamen Abendessen.

Kein Nachwuchsproblem – sondern eine Übergabe

Das EE‑Kolleg 2026 zeigte: Die Branche hat kein Nachwuchsproblem, sondern eine Gestaltungsaufgabe. Der Generationenwechsel ist im Gange – ruhig, respektvoll und auf Augenhöhe. Am Ende bleibt das Gefühl, Teil eines Netzwerks zu sein, das sich weiterentwickelt, ohne seine Werte zu verlieren. Und die Erkenntnis, dass der Nachwuchs nicht nur da ist – sondern längst mitgestaltet.

Vielleicht genau deshalb bleibt man dem EE‑Kolleg treu. Und kommt wieder zurück.