Substanz muss jetzt in Berlin entstehen
Was Silicon Saxony zum EU Chips Act 2.0 sagt
Europas größtes Halbleiter-Cluster begrüßt die Erweiterung des Förderrahmen im EU Chips Act 2.2, dem Flagship-Projekt für Fertigung und Buy-European-Komponente im öffentlichen Beschaffungswesen, und fordert eine kohärente deutsche Halbleiterstrategie.
Silicon Saxony wird den Dialog mit den Bundeswirtschaftsministerien, der Sächsischen Staatsregierung, den eigenen Mitgliedern sowie europäischen Silicon Europe-Partnern aktiv vorantreiben.
KI
Die
von der Europäischen Kommission vorgelegte Verordnung zum EU Chips
Act 2.0 enthält aus Sicht von Silicon Saxony, dem mit dem Cluster
Management Excellence Label Gold zertifizierten größten Halbleiter-Cluster
Europas, mehrere strategisch richtige
Weichenstellungen. Zugleich hängt die industriepolitische Substanz
des Vorschlags am Ergebnis der Verhandlungen zum mehrjährigen
Finanzrahmen 2028 - 2034 und damit am politischen Willen der
Mitgliedstaaten, allen voran Deutschlands.
„Mit
der Erweiterung des First-of-a-Kind-Rahmens auf Spezialmaterialien,
Fertigungsanlagen, Leiterplatten, fortschrittliche Verpackung und
fertigungsorientiertes Chipdesign wird genau jene Wertschöpfungstiefe
in den Förderhorizont gerückt, die Sachsen in den vergangenen drei
Jahrzehnten aufgebaut hat", erklärt Frank Bösenberg,
Geschäftsführer von Silicon Saxony. Das sei die richtige
industriepolitische Antwort auf das, was die europäische
Halbleiterindustrie konsistent eingefordert hat. Mit den formulierten
Ambitionen für Speicherchips zeichnet der Chips Act 2.0 somit
insgesamt einen deutlich ganzheitlicheren Ansatz als in der
Vergangenheit. Es ist nun von entscheidender Bedeutung, die
formulierte Ambition mit den bereits vorhandenen Projekten auf
europäischer und deutscher Ebene, die einer Bewilligung
entgegensehen, zu synchronisieren.
Wie siehts mit der Finanzierung aus?
Ebenfalls
ausdrücklich begrüßt Silicon Saxony die neuen Bestimmungen zum
öffentlichen Beschaffungswesen (Artikel 30 bis 32), die für
kritische Infrastrukturen eine Versorgungssicherheitserklärung mit
nachweisbarem Anteil inländischer Unternehmen und eine Strategie zur
doppelten Beschaffung vorsehen. „Das ist die überfällige Antwort
auf die strategische Frage, wie europäische Halbleiter 'Demand-Pull'
bekommen. Wir erwarten, dass insbesondere bei den geplanten
europäischen KI-Gigafactories die Versorgungssicherheitserklärung
konsequent angewandt wird.“ Auch die Idee sogenannter Europäischer
Exzellenzregionen für Halbleiter wird begrüßt. Der Vorschlag sei
Beleg dafür, dass man in Europa von den Erfahrungen aus Sachsen
gelernt hat.
Kritisch
bewertet Silicon Saxony, dass dem EU Chips Act 2.0 eine unmittelbare
fiskalische Hinterlegung fehlt. Die Größenordnung zur Finanzierung
der Vorhaben wird sich in den Verhandlungen zum nächsten
mehrjährigen Finanzrahmen entscheiden. Hier solle die
Bundesregierung der Halbleiterindustrie jene haushaltspolitische
Priorität einräumen, die ihrer geopolitischen Bedeutung entspricht.
Silicon Saxony unterstützt die Forderung der European Semiconductor
Industry Association nach einer eigenständigen
Halbleiter-Budgetlinie von mindestens 20 Milliarden Euro im
Europäischen Wettbewerbsfonds.
Die
nächste Aufgabe sieht Silicon Saxony in der Synchronisation des
Chips Act 2.0 mit der bestehenden deutschen Halbleiterstrategie.
Brüssel habe die Architektur gestellt, die industrielle Substanz
müsse jetzt in Berlin, München und Dresden entstehen.