Substanz muss jetzt in Berlin entstehen

Was Silicon Saxony zum EU Chips Act 2.0 sagt

Europas größtes Halbleiter-Cluster begrüßt die Erweiterung des Förderrahmen im EU Chips Act 2.2, dem Flagship-Projekt für Fertigung und Buy-European-Komponente im öffentlichen Beschaffungswesen, und fordert eine kohärente deutsche Halbleiterstrategie.

Minimalistische Illustration einer Europakarte als Leiterplatte auf dunkelgrünem Hintergrund. Die Umrisse Europas sind aus kupferfarbenen Leiterbahnen, Kontaktpunkten, Pads und elektronischen Verbindungen gestaltet. Mehrere schwarze Mikrochips und Bauteile sitzen auf zentralen Regionen des Kontinents und sind über feine PCB-Strukturen miteinander verbunden. Nach Osten laufen zahlreiche Leiterbahnen aus der Europakarte heraus und verstärken den Eindruck eines vernetzten elektronischen Systems. Die Grafik visualisiert Europa als industrielle Elektronikplattform und steht sinnbildlich für den Ausbau von PCB-, IC-Substrat- und Elektronikfertigung im Rahmen des European Defence Industry Programme (EDIP). Das Bild vermittelt Themen wie Verteidigungselektronik, europäische Industriepolitik, technologische Souveränität, Lieferketten, Kapazitätsaufbau und strategische Fertigung in Europa.
Silicon Saxony wird den Dialog mit den Bundeswirtschaftsministerien, der Sächsischen Staatsregierung, den eigenen Mitgliedern sowie europäischen Silicon Europe-Partnern aktiv vorantreiben.

Die von der Europäischen Kommission vorgelegte Verordnung zum EU Chips Act 2.0 enthält aus Sicht von Silicon Saxony, dem mit dem Cluster Management Excellence Label Gold zertifizierten größten Halbleiter-Cluster Europas, mehrere strategisch richtige Weichenstellungen. Zugleich hängt die industriepolitische Substanz des Vorschlags am Ergebnis der Verhandlungen zum mehrjährigen Finanzrahmen 2028 - 2034 und damit am politischen Willen der Mitgliedstaaten, allen voran Deutschlands.

„Mit der Erweiterung des First-of-a-Kind-Rahmens auf Spezialmaterialien, Fertigungsanlagen, Leiterplatten, fortschrittliche Verpackung und fertigungsorientiertes Chipdesign wird genau jene Wertschöpfungstiefe in den Förderhorizont gerückt, die Sachsen in den vergangenen drei Jahrzehnten aufgebaut hat", erklärt Frank Bösenberg, Geschäftsführer von Silicon Saxony. Das sei die richtige industriepolitische Antwort auf das, was die europäische Halbleiterindustrie konsistent eingefordert hat. Mit den formulierten Ambitionen für Speicherchips zeichnet der Chips Act 2.0 somit insgesamt einen deutlich ganzheitlicheren Ansatz als in der Vergangenheit. Es ist nun von entscheidender Bedeutung, die formulierte Ambition mit den bereits vorhandenen Projekten auf europäischer und deutscher Ebene, die einer Bewilligung entgegensehen, zu synchronisieren.

Wie siehts mit der Finanzierung aus?

Ebenfalls ausdrücklich begrüßt Silicon Saxony die neuen Bestimmungen zum öffentlichen Beschaffungswesen (Artikel 30 bis 32), die für kritische Infrastrukturen eine Versorgungssicherheitserklärung mit nachweisbarem Anteil inländischer Unternehmen und eine Strategie zur doppelten Beschaffung vorsehen. „Das ist die überfällige Antwort auf die strategische Frage, wie europäische Halbleiter 'Demand-Pull' bekommen. Wir erwarten, dass insbesondere bei den geplanten europäischen KI-Gigafactories die Versorgungssicherheitserklärung konsequent angewandt wird.“ Auch die Idee sogenannter Europäischer Exzellenzregionen für Halbleiter wird begrüßt. Der Vorschlag sei Beleg dafür, dass man in Europa von den Erfahrungen aus Sachsen gelernt hat.

Kritisch bewertet Silicon Saxony, dass dem EU Chips Act 2.0 eine unmittelbare fiskalische Hinterlegung fehlt. Die Größenordnung zur Finanzierung der Vorhaben wird sich in den Verhandlungen zum nächsten mehrjährigen Finanzrahmen entscheiden. Hier solle die Bundesregierung der Halbleiterindustrie jene haushaltspolitische Priorität einräumen, die ihrer geopolitischen Bedeutung entspricht. Silicon Saxony unterstützt die Forderung der European Semiconductor Industry Association nach einer eigenständigen Halbleiter-Budgetlinie von mindestens 20 Milliarden Euro im Europäischen Wettbewerbsfonds.

Die nächste Aufgabe sieht Silicon Saxony in der Synchronisation des Chips Act 2.0 mit der bestehenden deutschen Halbleiterstrategie. Brüssel habe die Architektur gestellt, die industrielle Substanz müsse jetzt in Berlin, München und Dresden entstehen.