Wo Prozesse gezielt ergänzt werden sollen, kommt es auf ein stimmiges Verhältnis von Aufwand, Nutzen und Integration an. Gerade bei Varianten und Sonderserien sind Lösungen gefragt, die sich in bestehende Prozesse einfügen, beherrschbar bleiben und ihren Nutzen im Betrieb belegen. Ansätze von Delta Electronics kombinieren dafür Robotik, Peripherie und Software zu Lösungen für klar definierte Abläufe.
Petra GottwaldPetraGottwaldChefredakteurin Elektronik-Titel
2 min
Effizient automatisierter Nebenprozess durch den Einsatz des D-BotDelta Electronics
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Nicht
jede Aufgabe in der Elektronikfertigung rechtfertigt eine Serienmaschine. Für Prozesse
wie die Bestückung von Sonderbauteilen, die außerhalb der Hauptlinie
organisiert sind, braucht es ein sinnvoll gewähltes Automatisierungsniveau. Dieses
muss zur Anforderung passen, sich in bestehende Abläufe einfügen und mit
vertretbarem Aufwand realisieren lassen.
Für
Anbieter von Electronics Manufacturing Services (EMS) ist dies besonders
relevant. Viele Kernprozesse sind heute bereits hoch entwickelt und stabil. Zusätzlicher
Handlungsdruck entsteht dort, wo kurzfristige Kundenaufträge und kleine
Losgrößen mehr Flexibilität verlangen. Entsprechend gewinnen Lösungen an
Bedeutung, die auch ergänzende Fertigungsschritte wirtschaftlich tragfähig und
planbar machen.
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Kollaborative
Lösungen für manuelle Arbeitsschritte
Modular
aufgebaute Anwendungen auf Basis der Delta D-Bot-Plattform sind auf solche
Anforderungen ausgelegt. Der Ansatz verbindet Cobot, Greifer, Peripherie und
Bedienoberfläche zu einer abgestimmten Lösung für definierte Arbeitsschritte.
In der Elektronikfertigung ist das vor allem dann interessant, wenn ein Prozess
zügig umgesetzt, später erweitert und an weitere Aufgaben angepasst werden
soll. Der Ansatz zielt dabei nicht nur auf einzelne Bestückungsaufgaben,
sondern auf ein breiteres Spektrum typischer Anwendungen in der EMS-Fertigung.
Dazu zählen etwa Handhabungsaufgaben, die Beladung von Prüfanlagen oder weitere
selektive Prozesse, die sich als klar abgegrenzte Module umsetzen lassen.
Wie
sich ein solcher Lösungsansatz in der Praxis umsetzen lässt, zeigt ein Projekt
bei einem EMS-Dienstleister. Dort mussten in wiederkehrenden Sonderserien
großformatige Kondensatoren manuell bestückt werden. Ein Mitarbeiter entnahm
die Bauteile aus Styropor-Trays, setzte sie einzeln in die Leiterplatte ein und
übergab die Baugruppe danach an den nächsten Prozessschritt. Der Ablauf band
Personal, erfolgte in unregelmäßigen Chargen und ließ sich nur begrenzt
kontinuierlich organisieren. Zur Entlastung dieses Arbeitsschrittes, wurde ein kollaborativer
Roboter der D-Bot-Serie von Delta Electronics eingesetzt.
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In
der ersten Ausbaustufe positionierte der Mitarbeiter das Tray an einem
definierten Platz und eine Leiterplatte in einer festen Aufnahme. Der Cobot übernahm
die vollständige Bestückung mit 68 Kondensatoren. Danach wurde die bestückte
Leiterplatte dem weiteren Fertigungsprozess zugeführt. Währenddessen konnte der
Mitarbeiter andere Aufgaben bearbeiten. Nach einer ersten Testphase wurde die Anlage
erweitert. Zusätzliche Ablageplätze für Trays und Leiterplatten ermöglichten
einen entkoppelten Materialfluss. Während eine Baugruppe bestückt wurde, konnte
der Mitarbeiter die Nächste bereits vorbereiten. Material- und Werkstückwechsel
erfolgten zeitlich entkoppelt, was Wartezeiten reduzierte und die Verfügbarkeit
erhöhte.
Für
solche Anwendungen umfasst das Portfolio innerhalb der D-Bot-Serie sechsachsige
Cobots mit Traglasten bis 30 kg und Reichweiten bis 1.800 mm. Schnittstellen
wie EtherNet/IP, Modbus und weitere Kommunikationsinterfaces erleichtern die
Einbindung in bestehende Fertigungs- und Prozessstrukturen. In industriellen
Umgebungen trägt die Schutzklasse IP66 dazu bei, das System gegenüber
Verunreinigungen robuster auszulegen und Reinigungsprozesse zu vereinfachen.
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Skalierbare D-Bot Add-on-Zellen als Erweiterung der HauptlinieDelta Electronics
Hinzu
kommen Sicherheitsfunktionen für die Zusammenarbeit mit Menschen auf dem Niveau
von PL d Cat. 3 / SIL 3, darunter Safe Position, Speed und Torque Limits sowie
sichere I/Os. Funktionen wie eine kontaktbasierte Reaktion („Reflex Safety“)
sorgen dafür, dass Bewegungen bei unerwarteten Ereignissen unmittelbar
angepasst werden. High-End-Sensorik ergänzt das Sicherheitskonzept. Relevante
Parameter wie Positionen, Geschwindigkeit, Drehmoment, Zonen, Grenzwerte und
Kollisionserkennung können vorab definiert werden. Für die praktische Umsetzung
sind außerdem klar abgegrenzte Arbeitsräume, wechselbare Greifer und
Applikationen sowie eine modular konfigurierbare Software relevant. So lassen
sich neben Bestückungsaufgaben auch Handhabung, Prüfanlagen-Beladung oder weitere
selektive Prozesse abbilden.
Für
EMS-Dienstleister ist entscheidend, welche wirtschaftlichen Effekte sich im
laufenden Betrieb erzielen lassen. Ein modularer Zuschnitt begrenzt den
Integrationsaufwand. Projektumfang, Inbetriebnahme und Anpassungen bleiben
überschaubar. Im beschriebenen Fall ließ sich die Lösung aus Roboter, Greifer,
Peripherie und Integration innerhalb weniger Tage mit einem Investitionsaufwand
unter 50.000 Euro umsetzen.
Relevant
wird das vor allem dort, wo steigende Kosten, intensiver Wettbewerb und
kurzfristige Kundenaufträge die Fertigung flexibler machen müssen. Gerade bei
kleinen Losgrößen und wechselnder Auslastung tragen stabile Abläufe dazu bei,
den Personaleinsatz besser zu planen und Unterbrechungen zu reduzieren. Werden
manuelle Routinen entlastet, verbessern sich Verfügbarkeit und Planbarkeit im
Betrieb. Gerade bei begrenzten Stückzahlen lassen sich Prozesse damit
verlässlicher planen. Ist die Lösung zudem auf weitere Anwendungen übertragbar,
kann dies die Investitionssicherheit erhöhen.
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Ein
Ansatz mit Perspektive
Für
EMS-Unternehmen bietet sich ein genauer Blick auf Abläufe an, die regelmäßig
Personal binden und sich dennoch nur begrenzt mit Serienanlagen abdecken
lassen. Gerade bei Varianten und Sonderserien können modulare Konzepte deshalb
ein sinnvoller Weg sein, um Fertigung schrittweise weiterzuentwickeln.
Teilautomatisierung wird damit zu einer Option, mit der sich variable
Anforderungen strukturiert in bestehende Produktionsumgebungen integrieren
lassen.
Autor:
Jan Zuse, Sales & Business Development Delta
Electronics