Siemens und BASF senken CO₂-Fußabdruck von Schaltgeräten
Siemens und BASF setzen beim Leistungsschalter SIRIUS 3RV2 auf biomassebilanzierte Kunststoffe. Damit erreicht der Nachhaltigkeitsgedanke eine sicherheitsrelevante Standardkomponente der Industrieautomation.
Martin ProbstMartinProbstOnline-Redakteur
Siemens EcoTech soll Umweltaspekte von Produkten transparenter machen – von nachhaltigeren Materialien über Energieeffizienz bis zur Kreislauffähigkeit industrieller Komponenten.Siemens
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Siemens Smart Infrastructure und BASF treiben den Einsatz nachhaltigerer Kunststoffe in der Industrieautomation voran. Im Mittelpunkt steht der Leistungsschalter SIRIUS 3RV2, der Maschinen, Motoren und elektrische Leitungen in industriellen Anwendungen schützt. Für Kunststoffkomponenten des Schaltgeräts nutzt Siemens die BASF-Materialien Ultramid BMBcert und Ultradur BMBcert. Dabei werden fossile Rohstoffe am Anfang der chemischen Wertschöpfungskette anteilig durch Rohstoffe aus erneuerbaren Quellen ersetzt.
Der Leistungsschalter SIRIUS 3RV2 von Siemens nutzt Kunststoffkomponenten aus Ultramid BMBcert und Ultradur BMBcert von BASF. Die Materialumstellung soll jährlich rund 270 Tonnen CO₂-Äquivalente einsparen.
Nach Angaben von Siemens lassen sich durch die Materialumstellung bei der Produktion des Leistungsschalters jährlich rund 270 Tonnen CO₂-Äquivalente einsparen. Der SIRIUS 3RV2 zählt damit zu den ersten elektrischen Sicherheitsprodukten, bei denen ein solcher Ansatz für Kunststoffkomponenten umgesetzt wird. Für die Schalttechnik ist das ein wichtiger Schritt, weil Nachhaltigkeit damit nicht nur bei großen Anlagen oder Energiesystemen ansetzt, sondern auch bei Komponenten, die millionenfach in Maschinen und Schaltschränken verbaut werden.
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Wie funktioniert der Biomass-Balance-Ansatz bei Kunststoffen?
Die eingesetzten BASF-Kunststoffe basieren auf dem sogenannten Biomass-Balance-Ansatz. Alternative Rohstoffe wie Bio-Methan oder Bio-Naphtha werden zu Beginn der chemischen Produktion eingespeist. Diese können beispielsweise aus nachwachsenden Quellen oder organischen Reststoffen stammen. Da chemische Produktionsverbünde sehr komplex sind, wird der nachhaltige Rohstoffanteil anschließend rechnerisch bestimmten Endprodukten zugeordnet.
Für Anwender bedeutet das: Die Kunststoffe sollen die gleiche Qualität und Leistungsfähigkeit bieten wie herkömmliche Materialien. Das ist bei einem Leistungsschalter entscheidend, denn er übernimmt sicherheitsrelevante Aufgaben. Er schützt elektrische Leitungen, Motoren und Maschinen bei Fehlern wie Kurzschlüssen und trägt dazu bei, Folgeschäden bis hin zu Bränden zu vermeiden. Eine nachhaltigere Materialbasis darf daher keine Abstriche bei elektrischer Sicherheit, mechanischer Stabilität, Temperaturbeständigkeit oder Lebensdauer mit sich bringen.
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BASF verweist bei den BMBcert-Materialien auf zertifizierte Massenbilanzsysteme wie ISCC PLUS und REDcert. Der Vorteil für Hersteller liegt darin, dass bestehende Produktdesigns und Fertigungsprozesse weitgehend erhalten bleiben können. Nachhaltigere Kunststoffe lassen sich damit vergleichsweise einfach in etablierte Produktfamilien integrieren.
Warum ist der Leistungsschalter SIRIUS 3RV2 relevant?
Der SIRIUS 3RV2 ist kein reines Demonstrationsprodukt, sondern ein breit eingesetzter Leistungsschalter für industrielle Anwendungen. Solche Geräte gehören zu den typischen Komponenten in Maschinen, Anlagen und Schaltschränken. Sie arbeiten meist im Hintergrund, sind für Betriebssicherheit und Anlagenschutz aber unverzichtbar.
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Gerade deshalb ist die Materialumstellung interessant: Wird ein häufig eingesetztes Standardprodukt nachhaltiger ausgelegt, kann der Effekt über hohe Stückzahlen spürbar werden. Siemens will den Einsatz nachhaltiger Materialien zudem auf weitere Produkte des SIRIUS-Portfolios für Industriesteuerungen ausweiten. Damit könnte der 3RV2 zum Ausgangspunkt für eine breitere Materialstrategie in der Niederspannungs- und Steuerungstechnik werden.
Was bedeutet das Siemens EcoTech-Label für Schaltgeräte?
Der Leistungsschalter gehört zu den ersten Produkten mit dem Siemens EcoTech-Label. Dieses Label soll Umweltaspekte eines Produkts transparenter machen. Siemens betrachtet dabei unter anderem nachhaltigere Materialien, den Energieverbrauch über die Lebensdauer sowie Aspekte der Kreislauffähigkeit.
Beim SIRIUS 3RV2 verweist Siemens neben den biomassebilanzierten Kunststoffen auch darauf, dass das Produkt über seine Lebensdauer weniger Energie verbraucht als sein Vorgänger. Damit kombiniert Siemens die Materialperspektive mit Effizienzvorteilen im Betrieb. Für Industrieunternehmen kann eine solche Kennzeichnung künftig an Bedeutung gewinnen, da Produktdaten zur CO₂-Bilanz, zur Materialherkunft und zur Ressourceneffizienz in Beschaffung und Nachhaltigkeitsberichten immer wichtiger werden.
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Wie senkt Kreislaufwirtschaft den CO₂-Fußabdruck im Schaltschrank?
BASF und Siemens setzen beim Leistungsschalter SIRIUS 3RV2 auf biomassebilanzierte Kunststoffe: Biomethan aus landwirtschaftlichen Abfällen und Reststoffen der Lebensmittelindustrie ersetzt dabei anteilig fossile Rohstoffe.Siemens
Die Kooperation von Siemens und BASF zeigt, dass Kreislaufwirtschaft in der Elektrotechnik nicht erst beim Recycling am Lebensende beginnt. Schon die Auswahl der Ausgangsrohstoffe kann dazu beitragen, den CO₂-Fußabdruck industrieller Komponenten zu senken. Der Ansatz ersetzt kein umfassendes Rücknahme- oder Recyclingkonzept für Schaltgeräte, erweitert aber die Möglichkeiten, Nachhaltigkeit bereits in der Produktentwicklung zu berücksichtigen.
Für die Elektroindustrie ist das ein pragmatischer Weg. Viele Komponenten müssen über Jahre normkonform, langlebig und zuverlässig funktionieren. Biomassebilanzierte Kunststoffe ermöglichen hier eine schrittweise Abkehr von fossilen Rohstoffen, ohne die technischen Eigenschaften der Materialien grundlegend zu verändern. Damit wird Nachhaltigkeit im Schaltschrank zunehmend zu einer Produkteigenschaft.