Fortschritt in der Mikroelektronik durch Mess- und Prüftechnik
Die Mikroelektronik steht vor einem tiefgreifenden Wandel: Nicht mehr allein die Transistorverkleinerung entscheidet über Fortschritt, sondern neue Architekturen, 3D-Integration und hochpräzise Mess- und Prüftechnik.
Wie verändert Advanced Packaging die Mikroelektronik? Neue Architekturen, 3D-Integration und präzise Messtechnik treiben den Wandel.Merck
Anzeige
Die Entwicklung der Mikroelektronik ist eine der
bedeutendsten technologischen Errungenschaften des 20. und 21. Jahrhunderts. In
kaum mehr als fünfzig Jahren hat die Branche Beeindruckendes geleistet: Was
einst Schaltkreise mit wenigen Transistoren waren, sind heute Chips mit zig
Milliarden Komponenten. Dieser spektakuläre Entwicklungssprung beruht auf einer
kontinuierlichen Innovationsdynamik, die lange Zeit der Gesetzmäßigkeit von
Moore‘s Law folgte und sich dann durch neue Ansätze wie „More than Moore” und
Fortschritte beim „Packaging“ tiefgreifend gewandelt hat.
Ausgehend von der Prognose und tatsächlichen Beobachtung,
dass sich die Anzahl der Transistoren auf einem Chip alle zwei Jahre
verdoppelt, hat die Branche – im Sinne kontinuierlicher Verbesserung – sehr
schnell Transistoren immer weiter verkleinert. Dieses von Gordon Moore, dem
Mitbegründer von Intel, formulierte „Moore's Law” wurde zur Richtschnur für die
gesamte Halbleiterindustrie.
Anzeige
Über Jahrzehnte hinweg erwies sich diese Gesetzmäßigkeit
quasi als sich selbst erfüllende Prophezeiung. Mit jeder neuen Technologiegeneration (Node) wurden Transistoren immer
kleiner – von wenigen Mikrometern sind sie inzwischen auf Nanometergröße
geschrumpft. So konnten sie immer dichter gepackt werden, was
Leistungssteigerungen und eine höhere Energieeffizienz ermöglichte. Man befand
sich in einem Wettlauf um immer höhere Taktfrequenzen der Transistoren bei
gleichbleibendem Energieverbrauch pro Flächeneinheit. Diese Verbesserungen
basieren auf dem Konzept der „Skalierung“ und haben PCs, Smartphones,
Rechenzentren und künstlicher Intelligenz zum Durchbruch verholfen.
Moore‘s Law gilt, jedoch
langsamer und zu höheren Kosten
Seit den 2000ern rückt die Integration neuer Funktionen direkt auf oder um den Chip herum in den Fokus.Merck
Ende der 90er Jahre zeichneten sich gewisse physikalische
Grenzen ab. So führte die Verkleinerung der Transistoren zum Auftreten neuer Störeffekte,
wodurch sich das Tempo der Skalierung verlangsamte. Da keine signifikanten
Steigerungen der Taktfrequenz von Prozessoren erzielt werden konnten, ging die
Ära der „Transistorfrequenz” zu Ende. Die Industrie verfolgte daraufhin andere
Ansätze wie Parallelität (Mehrkern-Prozessoren/multi-core processors),
Optimierung von Chip-Architekturen oder Spezialisierung von Schaltkreisen. Um
den Fortbestand von Moore‘s Law zu sichern, werden auf technischer Seite neue
Transistorstrukturen eingeführt. Gleichzeitig fließen enorme Anstrengungen in
die Entwicklung neuer Materialien, neuer Architekturen und immer ausgefeilterer
Fertigungs- und Kontrollanlagen. Jede neue Komponenten-Generation (Nodes) geht
mit einem enormen Investitionsaufwand einher. Chipfabriken (Fabs) auf dem
neuesten Stand der Technik verschlingen heute schnell Investitionen im
zweistelligen Milliardenbereich. Nur sehr wenige Halbleiterunternehmen verfügen
über die nötigen Voraussetzungen zur Herstellung der modernsten
Chipgenerationen. Moore's Law setzt sich
fort, wenn auch langsamer und zu einem höheren Preis.
Anzeige
Angesichts dieser Herausforderungen schlug die Branche in
den 2000er Jahren eine neue Strategie ein: „More than Moore“ lautete fortan die Maxime. Dabei geht es nicht
mehr allein darum, die Transistordichte auf einem Chip immer weiter zu erhöhen.
Vielmehr rückt die Integration neuer Funktionen direkt auf oder um den Chip
herum in den Fokus. Ob Sensoren, analoge Komponenten, Funkmodule,
Leistungselektronik und MEMS – das Ziel ist heute nicht mehr nur die rein
digitale Rechenpower, sondern Funktionsvielfalt. Dieser Ansatz ist der Motor
hinter modernen System-on-a-Chip-Lösungen, die Prozessoren, Speicher,
Kommunikationsschnittstellen und spezialisierte Beschleuniger auf engstem Raum
vereinen. In vielen Bereichen wie der Automobilindustrie, dem Internet der Dinge
oder der vernetzten Medizin liegt der Mehrwert gleichermaßen in der heterogenen
Integration verschiedenster Funktionen wie im ausgeklügelten Design der
Transistoren.
Das LightSpeed ist ein aktuelles Gerät zur Inspektion von strukturlosen Defekten und bietet hohe Flexibilität für vielfältige Anwendungsbereiche.Merck
Gleichzeitig vollzieht sich in der Branche eine stille
Revolution, die die Welt der Mikroelektronik von Grund auf verändert: „Advanced
Packaging“. Was lange Zeit als simpler Schritt zur Ummantelung und zum Schutz von
Komponenten und Chips galt, entwickelt sich nun zu einem entscheidenden Innovationsfaktor. Da die klassische
Miniaturisierung einzelner Transistoren immer komplexer und kostspieliger wird,
eröffnet die dreidimensionale Integration – kurz 3D-IC – eine völlig neue
Dimension. „Advanced Packaging“ ermöglicht es, mehrere Chiplets in einem
einzigen Modul unterzubringen. Das Prinzip: Statt einer hochkomplexen
monolithischen Schaltung (mit allen Funktionen auf einem Chip) werden beim
Chipdesign die Funktionen auf mehrere separat optimierte Chips verteilt. Diese
werden anschließend in einem Modul kombiniert und über
Hochgeschwindigkeits-Schnittstellen miteinander verbunden – ein Ansatz, der die
Effizienz in der Fertigung steigert, Kosten senkt und enorme Flexibilität bei
der Architektur von Mikrochips eröffnet. Die Technologie dahinter: Um Chips mit
minimaler Latenz zu verbinden, kommen 2,5D- und 3D-Verfahren zum Einsatz, die
Silizium-Interposer, Mikro-Bumps oder direkte Kupfer-zu-Kupfer-Verbindungen
durch ein Substrat (sogenannte Silizium-Durchkontaktierung, TSV) nutzen. Durch
vertikales Stapeln – auch als 3D-Stacking bezeichnet – wird der Speicher so nah
wie möglich an den Prozessor gebracht, was die Bandbreite erhöht und
gleichzeitig den Stromverbrauch senkt. „Advanced Packaging“ wird damit zum „Gamechanger“
und Schlüsselfaktor für Leistung und Innovation.
Anzeige
„Moore‘s Law“ ist
nicht mehr der einzige Innovationstreiber
„Diese
Entwicklung läutet einen echten Paradigmenwechsel ein, denn die Gesamtleistung eines Systems hängt nun
nicht mehr allein von der Nanometer-Größe der Transistoren ab, sondern auch von
dessen Architektur und der heterogenen Integration“, erklärt Stefan Landis, Senior Global
Strategic Alliances & Technical Director im Bereich Metrology &
Inspection bei Merck. Die Grenzen zwischen Schaltungsdesign und
Systemdesign verschwimmen – das „Packaging“, einst nur von untergeordneter
Bedeutung, rückt ins Zentrum der Technologiestrategie. In der Welt der
Mikroelektronik treten wir nun in eine Post-Moore-Ära ein. „Moore‘s Law“ hat
zwar nach wie vor Bestand, es ist aber längst nicht mehr der einzige Treiber
von Innovation. Innovation findet heute an vielen Fronten statt: bei neuen
Architekturen wie neuromorphem Computing und KI-Beschleunigern, bei neuartigen
Materialien (Integration neuer Metalle, neuer Dielektrika, neuer
Halbleitermaterialien oder breitbandiger Halbleiter wie Siliziumkarbid oder
Galliumnitrid für die Leistungselektronik) und im engen Zusammenspiel von Hard-
und Software. Der einstige von „Moore‘s Law“ angetriebene Wettlauf um
Miniaturisierung weicht nun einem systemischeren und diversifizierteren Ansatz.
Während „More than Moore“ das Spektrum der Möglichkeiten durch die Integration
neuer Funktionen erweitert, ebnet „Advanced Packaging“ den Weg für dreidimensionale
und modulare Integration.
Diese Entwicklung läutet einen echten Paradigmenwechsel ein, denn die Gesamtleistung eines Systems hängt nun nicht mehr allein von der Nanometer-Größe der Transistoren ab, sondern auch von dessen Architektur und der heterogenen Integration.
Stefan Landis, Senior Global Strategic Alliances & Technical Director im Bereich Metrology & Inspection bei Merck.
Zunehmende
Komplexität verlangt nach mehr Merck-Lösungen
Präzision revolutionieren: Maßgeschneiderte, automatisierte und zukunftsfähige Inspektionslösungen für die Fertigung.Merck
Inmitten dieser neuen Revolution, die sich in der
Mikroelektronik und dem Halbleiterbereich abspielt, ist Merck perfekt
aufgestellt. „Mit unseren
Lösungen meistern wir nicht nur die Herausforderungen, die sich aus neuartigen
Materialien ergeben – wir sind auch mit Blick auf einen weiteren
zukunftsweisenden Megatrend sehr gut positioniert: die Konvergenz von
Elektronik und optischen Technologien“, so Landis. Auf beiden Feldern verfügt Merck über
ausgewiesene Kompetenzen. Diese Verschmelzung der Welt der Elektronen mit der
Welt der Photonen ebnet den Weg für bahnbrechende Technologien: von Augmented-
und Virtual-Reality-Geräten bis hin zu ultraschneller Kommunikation für
KI-Chips und Rechenzentren.
Anzeige
Die massiv voranschreitende Umstellung auf „Advanced
Packaging“ läutet auch in der Produktion einen Paradigmenwechsel ein, da sich die
Prüf- und Messtechnik (Metrologie &
Inspektion) beim „Advanced Packaging“ grundlegend von den Verfahren
unterscheidet, die bei herkömmlichen Halbleitertechnologien zum Einsatz kommen.
Das gilt vor allem für die sogenannte Front-End- und Back-End-Fertigung von
Transistoren (FEOL & BEOL). Erklären
lässt sich dieser Unterschied durch einen neuen Ansatz bei der Chiparchitektur:
weg von der Mikrofertigung von Transistoren mittels Planartechnik hin zu einer
systemzentrierten, heterogenen dreidimensionalen Integration.
„Advanced Packaging“
definiert Defekterkennung und Qualitätssicherung völlig neu
Hauptziel bei der FEOL-/BEOL-Fertigung ist es, auf einer
überwiegend flachen Siliziumoberfläche metallische Transistoren und
Verbindungselemente im Nanomaßstab zu realisieren. Die so erzeugten Strukturen
sind zweidimensional, repetitiv und extrem dünn (von wenigen Nanometern bis zu
einem Bruchteil eines Nanometers). Bei der Prüfung ausschlaggebender Parameter
wie Strukturdimensionen, Überdeckungsgenauigkeit und Rauheit kommen in erster
Linie hochauflösende optische Geräte und Elektronenmikroskopie (CD-SEM) zum
Einsatz. Aufgespürt werden sollen damit vor allem Strukturdefekte, Partikel
oder abweichende Abmessungen, die sich unmittelbar auf die elektrischen
Eigenschaften der Transistoren auswirken.
Anzeige
Im Gegensatz dazu erfolgt beim „Advanced Packaging“ –
einschließlich 2,5D-/3D-Packaging, Chiplets und Hybridbonding – ein Verbund
mehrerer Chips innerhalb desselben Moduls. Die Strukturen erstrecken sich in
den dreidimensionalen Raum, mit vertikalen Durchkontaktierungen (TSV),
Mikro-Bumps, Kupfer-Kupfer-Verbindungen sowie Polymerfüll- oder
Verkapselungsschichten. Landis:
„Die Dimensionen reichen
hier üblicherweise von Submikrometern bis zu Millimetern. Daraus ergeben sich
ganz andere Anforderungen an die verwendeten Messtechnologien, denn in einem
solchen Aufbau sind die meisten Defekte
verborgen. Nach dem Stapeln oder Bonden von Chips sind die wesentlichen
Grenzschichten nicht mehr einfach zugänglich. Hohlräume, Mikro-Voids oder
Fehlausrichtungen befinden sich im Inneren des Moduls.“ Die für die
Prüfung eingesetzten Geräte müssen daher in der Lage sein, solche Defekte zu
erkennen. Bei der klassischen CMOS‑Technologie hängen die Herausforderungen und
Optimierungsziele vor allem von elektrischen und geometrischen (dimensionalen)
Faktoren ab. Beim „Advanced Packaging“ spielen mechanische Spannungen eine
zentrale Rolle, mit Parametern wie unterschiedliche
Wärmeausdehnungskoeffizienten der Materialien, allgemeine Waferverformungen
(Warpage), Eigenspannungen oder Grenzschicht-Abspaltung. Die Messtechnik muss
hier Ebenheit, Wölbung, interne Spannungen oder Verformungen unter
Temperatureinfluss präzise erfassen können. Dazu sind spezielle Ansätze nötig.
Die Dimensionen reichen hier üblicherweise von Submikrometern bis zu Millimetern. Daraus ergeben sich ganz andere Anforderungen an die verwendeten Messtechnologien, denn in einem solchen Aufbau sind die meisten Defekte verborgen. Nach dem Stapeln oder Bonden von Chips sind die wesentlichen Grenzschichten nicht mehr einfach zugänglich. Hohlräume, Mikro-Voids oder Fehlausrichtungen befinden sich im Inneren des Moduls.
Stefan Landis, Senior Global Strategic Alliances & Technical Director im Bereich Metrology & Inspection bei Merck.
Für Komplexität sorgt auch die enorme Vielfalt der
eingesetzten Materialien: Während für das Front-End hauptsächlich Silizium
sowie hauchdünne dielektrische und metallische Schichten zum Einsatz kommen,
werden beim „Advanced Packaging“ dicke Kupferschichten, Polymere, Harze, Glas,
Lötlegierungen und mitunter Verbundwerkstoffe kombiniert. Da jedes Material
über unterschiedliche intrinsische Eigenschaften verfügt, müssen die
Bildgebungs- und Analyseverfahren entsprechend angepasst werden. Auch die
Größendimensionen verändern sich fundamental: Im Front-End liegt der Maßstab im
Nanometerbereich, wo Abweichungen von wenigen Nanometern entscheidenden
Einfluss auf die Leistung haben. Beim „Advanced Packaging“ hingegen gilt es,
mehrere Größenordnungen abzudecken: Mikro‑Bumps mit einigen Dutzend Mikrometern
Größe, TSVs mit mehreren Mikrometern Durchmesser sowie großflächige
Verformungen, die auf 300-mm-Wafern mehrere hundert Mikrometer betragen können.
„Die Mess- und Prüfgeräte müssen in der Lage sein, sowohl
feinste Details als auch großflächige Verformungen zuverlässig zu erfassen“, fasst Landis zusammen. Schließlich muss auch das Konzept
der Ausbeute (Yield) neu gedacht werden. Bei fortgeschrittenen
Logiktechnologien ist die statistische Kontrolle sehr großer Mengen identischer
Strukturen von entscheidender Bedeutung. Beim „Advanced Packaging“ hingegen
kann jedes Modul mehrere hochwertige Chips (Dies) enthalten. Schon eine einzige
Fehlausrichtung oder eine fehlerhafte Schnittstelle kann die Funktionsfähigkeit
des gesamten Systems beeinträchtigen. Die
Prüfung wird damit zu einem strategischen Faktor – und oft auch kostspieliger
pro Einheit, da die Module durch die neue Architektur viel werthaltiger
sind.
Anzeige
Warum Advanced Packaging neue Prüf- und Messverfahren braucht
Die Prüf- und Messverfahren beim „Advanced Packaging“
unterscheiden sich von denen herkömmlicher Halbleitertechnologien. Grund dafür
ist der Übergang von der nanoskaligen planaren Mikrofabrikation hin zu einer
heterogenen 3D-Integration, geprägt von multiplen Skalen und komplexen
physikalischen Wechselwirkungen. Mit dieser Entwicklung wandelt sich die Mess-
und Prüftechnik von einem rein lokalen Kontrollwerkzeug hin zum zentralen
Steuerungselement des gesamten Systems.
Da aktuell viele verschiedene Technologien angeboten und
implementiert werden, um den Anforderungen des „Advanced Packaging“ gerecht zu
werden, ist die Wettbewerbslandschaft entsprechend stark fragmentiert. Das hat
dazu geführt, dass neue Original Equipment Manufacturer (OEMs) und
Materialzulieferer in den Markt eingetreten sind. Dank seiner Kompetenzen im Bereich Metrologie
und Inspektion bringt Merck beste Voraussetzungen mit, um das zukunftsträchtige
Segment für „Advanced-Packaging“-Ausrüstung mitzugestalten – ein Markt, der in
den kommenden Jahren erheblich wachsen dürfte. Unser Ziel ist klar: Mit unseren
differenzierten technologischen Lösungen und ganzheitlichen Angeboten (von
Materialien, über Equipment bis hin zu Leitungssystemen in der Fab) wollen wir unsere
führende Rolle bei Mess- und Prüftechniklösungen für das „Advanced Packaging“ ausbauen.