Silicon Saxony Days 2026

Sustainability Gate mit starken Fachimpulsen

Das Sustainability Gate der Silicon Saxony Days 2026 versammelt Sprecher aus Industrie, Verbänden und Forschung, die regulatorische, technische und strategische Perspektiven auf nachhaltige Elektronik zusammenführen.

Grüner Keimling wächst aus einem Mikrochip auf einer Leiterplatte, daneben Logo Silicon Saxony Days.
Das Sustainability Gate der Silicon Saxony Days beleuchtet umweltbewusste Elektronik entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Mit dem Sustainability Gate setzen die Silicon Saxony Days 2026 einen eigenen Schwerpunkt auf eines der zentralen Zukunftsthemen der Elektronikindustrie. Der Themenstrang bündelt Vorträge, Diskussionen und Praxisimpulse rund um nachhaltige Elektronik, regulatorische Anforderungen, ressourcenschonende Fertigung und Kreislaufwirtschaft. Damit richtet sich das Sustainability Gate an alle, die Nachhaltigkeit als konkrete Entwicklungs-, Produktions- und Managementaufgabe entlang der gesamten Wertschöpfungskette verstehen.

Die 20. Silicon Saxony Days finden vom 15. bis 17. Juni 2026 am Flughafen Dresden statt. Erstmals erstreckt sich das Branchenevent über drei Tage. Anlass sind die 20. Ausgabe des Flagship-Events und das 25-jährige Jubiläum von Silicon Saxony e. V. Erwartet werden mehr als 900 Fachleute aus dem europäischen Technologie- und Innovationsökosystem. Thematisch deckt die Veranstaltung Mikroelektronik, Smart Systems, Software sowie People & Skills ab.

Das Sustainability Gate ergänzt dieses Umfeld um einen klaren Nachhaltigkeitsfokus: Wie wirken neue gesetzliche Vorgaben auf die Elektro- und Digitalindustrie? Wie lassen sich Produkte nachhaltiger entwickeln? Welche Rolle spielen Batteriepass, Recycling, digitale Produktpässe und wiederverwertbare Materialien? Und wie kann die Elektronikindustrie Prozesse so umbauen, dass Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit zusammenwirken?

Montag: Gesetzliche Vorgaben und Nachhaltigkeitsmanagement

Den Auftakt macht Andreas Ernst vom Hauptsponsor ASMPT mit „ESG That Pays Off: Practice Instead of Principles“. Der Programmpunkt ist als kleine Podiumsdiskussion mit weiteren Expertinnen und Experten aus Industrie und Wissenschaft angelegt. Im Mittelpunkt steht ein pragmatischer Blick auf ESG: Verantwortungsvolles Handeln entfaltet seinen Wert vor allem dort, wo Unternehmen ihre Wertschöpfungsketten realistisch analysieren und wirtschaftlich sinnvolle Maßnahmen ableiten.

Einen stärker innovations- und förderpolitischen Blick eröffnet Jochen Kerbusch vom BMFTR mit „Research, Development and Transfer of Resource-Efficient Information and Communication Technologies – A Policy Perspective“. Der Vortrag gibt einen Überblick über Green-ICT-Lösungen, technologische Schwerpunkte und strategische Zielsetzungen im Spannungsfeld von Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Zudem zeigt er Anknüpfungspunkte für Wissenschaft und Industrie im Roadmapping der Hightech Agenda Deutschland.

Quentin Zapf von Prettl bringt mit „GoZero: How Prettl Strategically Implements Climate Neutrality“ die Unternehmenspraxis auf die Bühne. Im Zentrum steht die konzernweite Initiative zur Klimaneutralität, die 2020 gestartet wurde und sich an den drei Scopes des Greenhouse Gas Protocols orientiert. Der Beitrag zeigt, wie Klimaschutz als strategisches Transformationsprogramm mit messbaren Ergebnissen umgesetzt wird – von direkten Emissionen bis zur schrittweisen Einbindung von Scope 3.

Christian Eckert vom ZVEI rückt anschließend die regulatorische Perspektive in den Mittelpunkt. Sein Vortrag „Sustainability Regulation: Challenges for the Electrical and Digital Industry“ beleuchtet Lieferkettenvorgaben, Berichtspflichten, Ecodesign und Chemikalienregulierung. Im Fokus stehen die praktischen Konsequenzen für Unternehmen, die komplexe Anforderungen unter Zeitdruck erfüllen und zugleich Zielkonflikte zwischen Energieeffizienz, Kreislaufwirtschaft, Produktsicherheit und Chemikalienrecht lösen müssen.

Mit Kerstin Sann-Ferro vom VDE folgt ein Beitrag, der Regulierung und technische Umsetzbarkeit verbindet. Unter dem Titel „EU Battery Regulation and Standardization – Product Compliance Across the Battery Lifecycle“ geht es um CO₂-Fußabdruck, Sorgfaltspflichten, Batteriepass und Kreislauffähigkeit. Der Vortrag zeigt, wie Verordnung und Normung ineinandergreifen und welche Punkte für die Produktkonformität entlang des Batterie-Lebenszyklus besonders relevant sind.

Programmübersicht Sustainability Gate

Datum Sprecher Unternehmen Vortragstitel
15. Juni 2026 Andreas Ernst ASMPT ESG That Pays Off: Practice Instead of Principles
15. Juni 2026 Jochen Kerbusch BMFTR Research, Development and Transfer of Resource-Efficient Information and Communication Technologies – A Policy Perspective
15. Juni 2026 Quentin Zapf Prettl GoZero: How Prettl Strategically Implements Climate Neutrality
15. Juni 2026 Christian Eckert ZVEI Sustainability Regulation: Challenges for the Electrical and Digital Industry
15. Juni 2026 Kerstin Sann-Ferro VDE EU Battery Regulation and Standardization – Product Compliance Across the Battery Lifecycle
16. Juni 2026 Yusuf Elamin / Christopher Warter Siemens From Customer Sustainability Requirements to Necessary Design Adjustments
16. Juni 2026 Andre Alcalde Celus Embedding Sustainability into Schematic Design – How Early Design Decisions Affect the Environment, Costs and Risks
16. Juni 2026 Frank Liebusch Elesta Sustainable Relays for Safety Control Systems
16. Juni 2026 Joseph Notaro Dukosi Building a Sustainable Battery Value Chain – It All Starts with the Individual Cell
16. Juni 2026 Marc Nikutowski essemtec Digital Solder Paste Jetting Technology for Green, Flexible and Circular PCB Manufacturing
16. Juni 2026 Martin Metzler McDermid Alpha Cleaning Up the Past to Protect the Future: How Old Tin and Zero-PFAS/PFOS Materials Enable Modern Chips
16. Juni 2026 Yannick Graf Dürr Cleantech Systems Towards Greener Semiconductor Manufacturing: How Modern Air Pollution Control Technologies Support
16. Juni 2026 Wilfried Lepuschitz B-Produced Digital Product Passport for the Electronics Industry
17. Juni 2026 Andreas Nierlich xPlain Data Causal AI as the Key to an Economically Viable Circular Economy in Electronics Manufacturing
17. Juni 2026 Patrick Gallit MTM Ruhrzinn Recycling as a Key to Carbon Neutrality, Cost Efficiency and Resilience
17. Juni 2026 Thomas Ruch Stannol Urban Mining in Germany: Between Potential and Reality
17. Juni 2026 Ole Gerkensmeyer Nexperia Proactive Sustainability: From Regulated Carbon Footprint to the Uncharted Territory of Electronic Waste Reduction Beyond Recycling

Dienstagvormittag: Von der Designidee bis zum Prototyping

Gleich zwei Sprecher schickt der Session-Sponsor Siemens ins Rennen: Yusuf Elamin und Christopher Warter. Ihr Vortrag „From Customer Sustainability Requirements to Necessary Design Adjustments“ zeigt, wie Ressourcendruck und Nachhaltigkeitsziele technische Produktentscheidungen verändern. Im Mittelpunkt stehen Energieeffizienz, recycelte Materialien, lebenszyklusorientierte Konzepte und kreislauforientiertes Design. Als konkretes Beispiel dient der kreislauffähige SIRIUS 3RW5-Z R11 Sanftstarter, dessen Wiederaufbereitung die CO₂-Emissionen bei der Herstellung deutlich reduziert.

Dass Nachhaltigkeit bereits bei den ersten Entwicklungsentscheidungen beginnt, zeigt Andre Alcalde von Celus. Sein Vortrag „Embedding Sustainability into Schematic Design – How Early Design Decisions Affect the Environment, Costs and Risks“ richtet den Blick auf die frühe Designphase. Bauteilauswahl, Architekturentscheidungen und datenbasierte Entwicklungsunterstützung werden hier zu Stellschrauben für nachhaltigere Elektronikentwicklung.

Einen sehr konkreten Baustein der funktionalen Sicherheit beleuchtet Frank Liebusch von Elesta mit „Sustainable Relays for Safety Control Systems“. Der Vortrag zeigt eine technische Antwort auf den Zielkonflikt zwischen hohen Sicherheitsanforderungen und reduziertem Ressourcen- sowie Energieeinsatz. Das Doppelankerrelais SID reduziert Bauvolumen, Rohmaterial, Leiterplattenfläche und Bauteilanzahl und senkt damit den Ressourceneinsatz in Produktion und Nutzung.

Mit Batteriesystemen beschäftigt sich Joseph Notaro von Dukosi. In „Building a Sustainable Battery Value Chain – It All Starts with the Individual Cell“ steht im Mittelpunkt, wie Nachhaltigkeit von der Zellüberwachung über die Nutzung bis zum Lebensende integriert wird. Der Beitrag beleuchtet Batteriearchitekturen, Zellüberwachung, Leistung, Sicherheit und Zuverlässigkeit sowie Batteriepass-Technologien auf Zellebene.

Dienstagnachmittag: Von der Halbleiterfab zur fertigen Platine

Marc Nikutowski von Sessionsponsor essemtec eröffnet den Block mit „Digital Solder Paste Jetting Technology for Green, Flexible and Circular PCB Manufacturing“. Der Vortrag zeigt, wie schablonenlose Lotpasten-Jet-Technologie Materialverbrauch, Reinigungsaufwand und Verbrauchsmittelabfall reduziert. Zugleich unterstützt der Ansatz flexible High-Mix-Produktion, präzise Lotpastendepositionierung sowie Reparatur- und Rework-Anwendungen mit weniger Ausschuss und manueller Nacharbeit.

Materialnah wird es bei Martin Metzler von McDermid Alpha. Sein Vortrag „Cleaning Up the Past to Protect the Future: How Old Tin and Zero-PFAS/PFOS Materials Enable Modern Chips“ ordnet zentrale Materialthemen im Semiconductor Packaging ein. Dabei geht es um recycelte und historisch gewonnene Zinnquellen, moderne Reinigungs- und Raffinationsprozesse, Low- und Ultra-Low-Alpha-Materialien sowie den Übergang zu Zero-PFAS/PFOS-Adhesives.

Yannick Graf von Dürr Cleantech Systems widmet sich mit „Towards Greener Semiconductor Manufacturing: How Modern Air Pollution Control Technologies Support“ der nachhaltigeren Halbleiterfertigung. Der Vortrag beleuchtet Energieintensität, Wasserverbrauch, Chemikalieneinsatz und komplexe Lieferketten in der Chipproduktion. Einen Schwerpunkt bilden moderne Abgasreinigungstechnologien, die Emissionen senken und Energieeinsparungen in der Halbleiterindustrie ermöglichen.

Mit Wilfried Lepuschitz von B-Produced kommt der digitale Produktpass in den Fokus. Sein Vortrag „Digital Product Passport for the Electronics Industry“ stellt einen Ansatz für die Elektronikindustrie vor, der auf dem UN Transparency Protocol basiert. Über IDS, verifiable credentials und dezentrale Identitäten entsteht ein sicherer Datenaustausch zu Herkunft, Fertigung, Montage und Reparatur. So werden Rückverfolgbarkeit, Kreislauffähigkeit und EU-Compliance unterstützt.

Mittwochvormittag: Recycling von Baugruppen

Andreas Nierlich von xPlain Data eröffnet den Recycling-Block mit „Causal AI as the Key to an Economically Viable Circular Economy in Electronics Manufacturing“. Der Vortrag zeigt, wie das Forschungsprojekt DaFiRe Produktions-, Design- und Lebenszyklusdaten mit adaptiven Messverfahren verbindet. Causal AI analysiert diese Daten, generiert Fehlerhypothesen und leitet passende Kreislaufstrategien wie Reparatur, Remanufacturing oder Recycling ab.

Sehr praxisnah wird es bei Patrick Gallit von MTM Ruhrzinn. Sein Vortrag „Recycling as a Key to Carbon Neutrality, Cost Efficiency and Resilience“ verbindet Kreislaufwirtschaft direkt mit Wettbewerbsfähigkeit. Für OEMs und EMS-Unternehmen steht im Zentrum, wie sekundäre Stoffströme Emissionen reduzieren, Kosten senken und Abhängigkeiten von Primärrohstoffen verringern.

Mit Thomas Ruch von Stannol folgt „Urban Mining in Germany: Between Potential and Reality“. Der Vortrag legt ein zentrales Nadelöhr der Kreislaufwirtschaft offen: Ein großer Teil der Elektronik erreicht die offizielle Sammlung gar nicht erst. Statt Recyclingtechnik allein stehen Sammelquote, Rücknahmesysteme und praxiserprobte Lösungen zur Erhöhung der Rückläufe im Mittelpunkt.

Ole Gerkensmeyer von Nexperia setzt mit „Proactive Sustainability: From Regulated Carbon Footprint to the Uncharted Territory of Electronic Waste Reduction Beyond Recycling“ einen klaren Schwerpunkt auf E-Waste-Reduktion. Der Beitrag zeigt, warum Wiederverwendung, Reparatur und Remanufacturing vor dem Recycling stehen. Nachhaltigkeit wird hier als proaktive Strategie verstanden, die kritische Rohstoffe sichert, ökologische Belastungen senkt und wirtschaftliches Potenzial erschließt.

Nachhaltigkeit als Industriepraxis

Das Sustainability Gate zeigt, wie breit Nachhaltigkeit in der Elektronikindustrie inzwischen verankert ist. Regulierung, Normung, Produktentwicklung, Materialeinsatz, Fertigung, Datenräume, digitale Produktpässe und Recycling greifen immer stärker ineinander. Genau darin liegt der Wert dieses Themenstrangs: Er macht sichtbar, wie aus Nachhaltigkeitsanforderungen konkrete technische Lösungen, neue Geschäftsprozesse und belastbare Industriepraktiken entstehen.