Satellitenkommunikation für den Automotive-Bereich
Nicht-terrestrische Netzwerke schließen Funklücken im Auto
Nicht-terrestrische Netzwerke erweitern die Fahrzeugvernetzung um eine entscheidende Dimension: Satellitengestützte Kommunikation schließt Versorgungslücken, verbessert kritische Dienste und schafft die Basis für neue Mobilitätsangebote. Q&A mit Dietmar Schnepp, Product Technologist bei Molex
Wie machen NTN vernetzte Fahrzeuge zukunftssicher? Satellitenabdeckung schließt Funklücken und stärkt Sicherheit, OTA und neue Dienste.Molex
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Terrestrische Netzwerke
(TN) bieten Mobilfunkabdeckung über typische, bodengestützte Infrastruktur wie
Mobilfunkmasten und Basisstationen. Nicht-terrestrische Netzwerke (NTN) hingegen
nutzen Satelliten und andere Infrastrukturen in großer Höhe oder im Weltraum, um
eine Verbindung bereitzustellen.
Was sind nicht-terrestrische Netzwerke (NTN) und was umfassen sie?
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NTN bieten
gegenüber TN spezifische Vorteile aufgrund ihrer relativ großen Zellen, die eine
großflächige Abdeckung ermöglichen. Eine
einzelne Satellitenzelle im niedrigen Erdorbit (LEO) kann eine mittelgroße
Metropolregion oder sogar das Gebiet kleiner Staaten abdecken. Dies entspricht
einer mindestens zehnfach größeren Reichweite im Vergleich zu terrestrischen
Systemen. Diese umfassende Abdeckung
ermöglicht eine einfachere und kostengünstigere Anbindung in abgelegenen oder
schwer zugänglichen Gebieten.
NTN funktionieren jedoch
nicht isoliert und ersetzen auch nicht die Notwendigkeit von TN. Ihr wesentlicher
Vorteil liegt in der Fähigkeit eines Geräts oder Fahrzeugs, nahtlos zwischen verfügbaren
terrestrischen und nicht-terrestrischen Netzwerken zu wechseln. Zusammen können
NTN als auch TN nahezu flächendeckende Anbindung bieten.
Warum NTN für vernetzte Fahrzeuge entscheidend sind
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Man muss sich vor Augen
führen, wie wenig der Erdoberfläche tatsächlich mit Mobilfunk abgedeckt ist. Zwar
verfügen etwa 90% der weltweit besiedelten Gebiete über 4G-Anbindung, doch dies
macht nur einen geringen Teil der Erdoberfläche aus. Daher kommt es häufig zu Signalverlusten außerhalb dieser
Ballungszentren. Da vernetzte Fahrzeuge (wie öffentliche Verkehrsmittel,
landwirtschaftliche Maschinen und Schiffe) für Ortung, Geolokalisierung und
cloudbasierte Dienste zunehmend auf Mobilfunkabdeckung angewiesen sind, müssen
Netzwerke Lücken in der Abdeckung schließen, um einen zuverlässigen Dienst zu
gewährleisten. NTN helfen dabei, indem
sie Vehicle-to-Everything-/V2X-Kommunikation selbst in den entlegensten Regionen
ermöglichen. Sie tragen daher zu mehr Sicherheit, einem verbesserten
Nutzererlebnis, neuen Diensten, Fernwartung und sogar zu neuen Geschäftsmodellen
bei.
Welche Überlegungen sind bei der Integration von NTN-Hardware in ein
Fahrzeug zu berücksichtigen?
Wir haben einen Punkt erreicht,
an dem NTN-Technik in derzeit produzierte Fahrzeuge integriert werden kann. Das
bedeutet nicht, dass neue Modelle bereits jetzt Satelliten- und andere
NTN-Dienste nutzen, sondern dass Fahrzeuge zukunftssicher aufgestellt werden
können.
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Die Integration dieser
neuen Systeme und Hardware bringt jedoch eine Reihe technischer und gestalterischer
Überlegungen mit sich. Dabei sind Herausforderungen in den Bereichen Hardware,
Firmware und Systemarchitektur zu meistern. Verschiedene Satellitendienstanbieter
bieten proprietäre oder 3GPP-konforme Protokolle an, die unterschiedliche Frequenzspektren
nutzen und daher unterschiedliche Antennenkonzepte und -technologien erfordern.
Es gilt, den optimalen Kompromiss zwischen erwarteter Leistungsfähigkeit,
Kosten und Größe zu finden.
Die Platzierung und das
Gehäuse von Antennen und Transceivern sind dabei entscheidende Faktoren. Ideale
Montageflächen, wie das Fahrzeugdach, sind oft bereits durch Radar, LiDAR und
andere Sensorsysteme belegt. Entwickler müssen ein Gleichgewicht finden
zwischen zuverlässiger Rundumabdeckung mit minimalen Störungen, der Ästhetik
des Fahrzeugs sowie der Integration in bestehende HF-/Funksysteme.
NTN-V2X-Systeme müssen internationalen und nationalen regulatorischen Rahmenbedingungen entsprechen. Diese können alles umfassen, von der Zuteilung terrestrischer und nicht-terrestrischer Frequenzen, die sich weltweit erheblich unterscheidet, bis hin zu grenzüberschreitenden Handover-Anforderungen und Standards für Mindestanforderungen an die Servicequalität.Molex
Die zahlreichen anderen Funksysteme
teilen sich oft begrenzte Frequenzressourcen. Da sicherheitskritische Signale
auf NTN-fähiger V2X-Kommunikation basieren können, ist es wichtig, jegliche Interferenzrisiken
durch sorgfältige Frequenzplanung und andere Filter-, Abschirmungs- und
Isolationsstrategien zu minimieren.
NTN-Netzwerke bringen
zudem neue umgebungsbezogene Aspekte mit sich. Systeme müssen widerstandsfähig
gegenüber Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht oder extremen Wetterbedingungen
sein. Zudem treten Vibrationen und elektromagnetische Störungen (EMI) durch
terrestrische Signale sowie durch die Sende- und Empfangsimpulse von
Satellitenverbindungen auf.
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Schließlich müssen
NTN-V2X-Systeme internationalen und nationalen regulatorischen
Rahmenbedingungen entsprechen. Diese können alles umfassen, von der Zuteilung terrestrischer
und nicht-terrestrischer Frequenzen, die sich weltweit erheblich unterscheidet,
bis hin zu grenzüberschreitenden Handover-Anforderungen und Standards für Mindestanforderungen
an die Servicequalität. Systementwickler müssen regulatorische Änderungen
kontinuierlich überwachen und Over-the-Air-/OTA-Updates bereitstellen, um die
Einhaltung der Vorschriften sicherzustellen.
Welche Vorteile bietet
die Satellitenabdeckung für die moderne Mobilität?
NTN bieten fünf wesentliche
Vorteile für die vernetzte Mobilität. Erstens schaffen sie eine grundlegende Plattform
für flächendeckende, nahtlose Netzabdeckung und -kontinuität. Dadurch bleiben kritische
Fahrzeugfunktionen wie Navigation, V2X und Flottenmanagement weit über die
Grenzen herkömmlicher Mobilfunknetze hinaus online. Dies ist besonders nützlich
bei grenzüberschreitenden Anwendungen wie der Flotten- und Sendungsverfolgung
oder bei Fahrten in abgelegene Gebiete.
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Auch weniger kritische
Funktionen der Benutzererfahrung (UX), wie Streaming und Navigation,
funktionieren unabhängig vom Standort weiter. Ein einheitliches Nutzererlebnis
im Fahrzeuginnenraum hat sich schnell zu einem zentralen Verkaufsargument für
jeden Fahrzeughersteller entwickelt. NTN ermöglichen es, digitale Erlebnisse weltweit
auf einem einheitlichen Niveau bereitzustellen.
NTN dienen auch als
Plattform für neue Umsatzmodelle und digitale Dienste. Eine unterbrechungsfreie
Anbindung ermöglicht beispielsweise eine genaue nutzungsbasierte Abrechnung. On-Demand-Softwaredienste
und -Funktionen können nun in neuen Märkten ohne Weiteres bereitgestellt werden
– und das unabhängig von der Verfügbarkeit von TN.
Firmware-Updates,
Feature-Downloads und Fernsteuerungsdienste sind ebenfalls auf zuverlässige Anbindung
angewiesen. NTN bieten eine redundante und dauerhafte Verbindung für OTA-Updates
und Fernsteuerung – selbst während der Fahrt oder außerhalb des Netzes. Somit
ist gewährleistet, dass Fahrzeuge weiterhin sicher und zuverlässig
funktionieren.
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In Notfällen stellen NTN
einen zusätzlichen Kanal für die Übertragung lebenswichtiger Daten bereit. Dazu
gehören Unfallerkennung, Notrufe (eCalls) oder Ferndiagnosen, die alle eine
dauerhafte Kommunikationsverfügbarkeit erfordern.
Wie hilft NTN-Anbindung
den OEMs dabei, ihre Fahrzeugarchitekturen zukunftssicher zu gestalten und ihre
Angebote auf dem Markt zu differenzieren?
Wie andere
transformative Technologien etabliert sich NTN rasch als Standard. Vorausschauende OEMs haben die
nicht-terrestrische Anbindung bereits als Grundlage für ihre zukünftige Entwicklung
festgelegt. Diejenigen, die NTN-Anbindung als Plattform für Innovationen und
die Integration zusätzlicher Dienste nutzen, werden wahrscheinlich besser
positioniert sein, um neue Marktpotenziale auszuschöpfen.
Wie erwähnt, sind diese
Technologien bereits heute verfügbar. Molex arbeitet derzeit mit Fahrzeugherstellern
und Tier-1-Zulieferern zusammen, um diese Funktionen in Fahrzeuge zu
integrieren. Dabei entsteht eine ganze Branche von Dienstleistungen und
ergänzenden Technologien. Der Start von Satellitenkonstellationen in niedriger (LEO)
und mittlerer (MEO) Erdumlaufbahn ist bereits im Gange.
Dies ist ein
entscheidender Moment für die Branche. Wer jetzt Maßnahmen ergreift, um seine
Modellpalette zu stärken, positioniert sich als Fahrzeughersteller und Zulieferer,
der mit Molex zusammenarbeitet, optimal für den sich rasch entwickelnden Markt.