Modulare Testarchitekturen gewinnen an Bedeutung

Radartests in komplexen HF-Umgebungen

Radarsysteme müssen in stark genutzten und dynamischen HF-Umgebungen zuverlässig arbeiten. Damit steigen die Anforderungen an Testverfahren, Validierung und modulare Architekturen, die realistische und wiederholbare Tests ermöglichen.

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Radarsysteme sind für die Lage- und Bedrohungserkennung sowie Verfolgung von wesentlicher Bedeutung – ihr Aufgabenfeld wird zunehmend anspruchsvoller. In dem heute stark ausgelasteten und hart umkämpften elektromagnetischen Spektrum müssen sich Systeme in stark genutzter Signalumgebungen, bei absichtlichen Interferenzen und irreführende Übertragungen bewehren. Gleichzeitig müssen sie so weiterentwickelt werden, dass ihre Anpassungs- und Widerstandsfähigkeit sowie Agilität zunehmen. Um mit diesen Entwicklungen Schritt halten zu können, sind entsprechend ausgefeilte Validierungs- und Teststrategien erforderlich.

Veränderungen im elektromagnetischen Umfeld

Bei der Entwicklung der Radartechnik liegt der Fokus immer stärker auf Integration, Anpassungsfähigkeit und softwaredefiniertem Betrieb. Heute kombinieren zahlreiche Anlagen Radar, Kommunikation und elektronische Kriegsführung in einem einzigen HF-Frontend, was die Leistungsfähigkeit erweitert, aber auch zu einer höheren Komplexität führt. Auch kognitive Radararchitekturen, bei denen maschinelles Lernen zur Anpassung von Wellenformen, zur Optimierung des Beamforming und zur Umgehung von Störungen in Echtzeit eingesetzt wird, gewinnen an Bedeutung. Fortschritte bei digitalen programmierbaren Arrays, z. B. aktive elektronisch gesteuerte Arrays (Active Electronically Scanned Arrays; AESAs) ermöglichen eine feinere räumliche Steuerung und größere Beweglichkeit. Die entsprechenden Designs stellen neue Anforderungen an die präzise Synchronisierung über große Bandbreiten sowie stark genutzte Signalkanäle.

Anforderungen an Validierung und Testverfahren

Die benötigten Innovationen stellen erhebliche Herausforderungen für die Validierung und Tests dar. Aktuelle Radarsysteme müssen unter zahlreichen Bedingungen verlässlich funktionieren. Dazu zählen sich schnell ändernde Signale, ein schwankender Spektrumzugang sowie Bereiche, in denen Signale mehrdeutig oder absichtlich irreführend sein können.

Gleichzeitig beschleunigen sich die Entwicklungszyklen. Inzwischen wird von Testteams erwartet, dass sie mehr Funktionen in einem noch breiteren Spektrum von Einsatzszenarien überprüfen – und das in kürzerer Zeit. Diese Entwicklung erfordert flexible, programmierbare Testumgebungen, die eng getaktete HF-Aktivitäten präzise simulieren können und sich an weiterentwickelnde Systemanforderungen anpassen lassen.

Bei effektiven Radartests kommt es heute nicht nur auf eine hohe Signalgenauigkeit an, sondern auch auf die Fähigkeit zur Reaktion in Echtzeit. Um Verhaltensweisen wie Zieldiskriminierung, agile Strahlsteuerung und Interferenzunterdrückung unter realistischen Bedingungen beurteilen zu können, müssen Systeme eine präzise Steuerung von Timing, Doppler-Effekten und Signalamplitude unterstützen.

Aktueller HF-Kampfbereich

Durch Operationen im elektromagnetischen Spektrum (Electromagnetic Spectrum Operations; EMSO) hat sich die Bedrohungslandschaft von physischen Plattformen auf Aktivitäten auf Signalebene ausgedehnt. In diesem Bereich müssen Radarsysteme in der Lage sein, Ziele zu erkennen, zu verfolgen und zu klassifizieren. Dabei müssen sie Störungen, Spoofing und Spectrum Denial umgehen.

Radarsysteme im Militär müssen in der Lage sein, Ziele zu erkennen, zu verfolgen und zu klassifizieren. Dabei müssen sie Störungen, Spoofing und Spectrum Denial umgehen.

In diesem Zusammenhang bringen Tests neue Herausforderungen mit sich, die das hart umkämpfte und sich rasch entwickelnde Umfeld des HF-Spektrums widerspiegeln. Von Radarsystemen wird erwartet, dass sie ihre Leistung auch bei starker Überlastung durch Signale aufrechterhalten, wenn militärische und kommerzielle Sender in unmittelbarer spektraler Nähe zueinander betrieben werden. Sie müssen außerdem absichtlich erzeugten Interferenzen standhalten, wozu auch adaptive Störtechniken zählen, die sich während des Betriebs weiterentwickeln und verändern können. Angesichts eines immer dynamischeren Frequenzspektrums müssen Systeme innerhalb extrem kurzer Zeiträume - oft innerhalb weniger Millisekunden - Frequenzen wechseln, Wellenformen modulieren und Beams neu konfigurieren. Zur Validierung dieser Funktionsweisen sind Testaufbauten erforderlich, die mehrere HF-Signale gleichzeitig erzeugen bzw. verwalten können und dabei das Timing sowie die Signaleigenschaften präzise steuern.

Aktuelle Testumgebungen müssen auf modularen Systemen aufbauen

Diese Bedingungen sind in herkömmlichen Testumgebungen nur schwer zu reproduzieren. Over-the-Air-Tests (OTA) und Freiluft-Testbereiche bieten zwar realistische Bedingungen, jedoch mangelt es hierbei an Wiederholbarkeit und Kontrolle. Kammerbasierte oder Hardware-in-the-Loop-Aufbauten (HIL) bieten Isolation und Präzision, setzen jedoch eine flexible Instrumentierung voraus, die eine echtzeitfähige Emulation ermöglichen.

Um diese Anforderungen zu erfüllen, muss die Herangehensweise an Radartests verändert werden. Aktuelle Testumgebungen müssen auf modularen Systemen aufbauen, die rekonfigurierbare Signal-Transceiver, breitbandige HF-Ein- und Ausgänge sowie offene Software-Schnittstellen nutzen. Mithilfe dieser Kombination können Testingenieure sich weiterentwickelnde Bedrohungen von Spektren modellieren, Interferenzen präzise einspeisen und Systemreaktionen unter wiederholbaren, hochpräzisen Bedingungen beobachten. Dies unterstützt sowohl die Validierung als auch die iterative Entwicklung.

Was sind die aktuellen Herausforderungen für Radartests?

Da sich Radarsysteme sowohl in ihrer Architektur als auch in ihrer Funktion weiterentwickeln, müssen Testumgebungen Schritt halten und eine schnellere, besser wiederholbare Validierung für eine immer größer werdende Bandbreite an Einsatzbedingungen ermöglichen.

Eine der wachsenden Herausforderungen ist die Notwendigkeit, die Leistung aktiver, elektronisch gesteuerter Phased-Array-Antennen (AESAs) zu überprüfen. Für das Testen dieser Systeme sind oft Over-the-Air-Konfigurationen erforderlich, mit denen sich Beam-Agilität, Nebenkeulen-Verhalten und Abtastmuster unter realistischen Bedingungen beurteilen lassen. Die entsprechenden Szenarien basieren in der Regel auf kammerbasierten oder Nahfeld-Testaufbauten. Diese bieten sowohl realistische HF-Bedingungen als auch die für wiederholbare Ergebnisse erforderliche Messkonsistenz.

Testumgebungen müssen eine schnellere, besser wiederholbare Validierung für eine immer größer werdende Bandbreite an Einsatzbedingungen ermöglichen.

Gleichzeitig werden Radardesigns so erweitert, dass sie eine größere Bandbreite und eine höhere Kanalanzahl unterstützen. Dieses Wachstum führt zu einem starken Anstieg des Datenvolumens, wodurch Erfassungssysteme, Speicher und Nachbearbeitungs-Pipelines stärker belastet werden. Um mit den technologischen Fortschritten Schritt zu halten und Engpässe zu vermeiden, sind Architekturen mit hohem Durchsatz sowie Echtzeit-Analysetools unerlässlich.

Zudem müssen Testumgebungen schnelle Iterationen unterstützen. Der Zeitdruck erstreckt sich über die Entwicklungsphase hinaus auch auf die Produktions- und Wartungsphase. In den letztgenannten Phasen sind Automatisierung, integrierte Kalibrierung und ein geringer manueller Aufwand entscheidend, um sowohl Geschwindigkeit als auch Genauigkeit zu gewährleisten.

Die zunehmende Verwendung von handelsüblichen Komponenten sowie FPGA-basierten Signalketten erhöht zusätzlich die Komplexität. Diese Elemente können zu Schwankungen bei der Latenz sowie bei der Rauschleistung und beim Spektralverhalten führen. Aus diesem Grund ist es äußerst wichtig, Baugruppen nicht isoliert, sondern als Teil des gesamten Radarsystems zu charakterisieren. Dies ist besonders wichtig in der Spätphase des Entwicklungszyklus, wenn noch Integrations- und Designänderungen vorgenommen werden.

Softwaredefinierte Plattformen für mehr Flexibilität

Ältere Testsysteme wurden oft für bestimmte Radarmodelle, Wellenformtypen oder Frequenzbänder entwickelt. Diese Ansätze haben sich zwar bei früheren Generationen bewährt, haben jedoch Schwierigkeiten, mit den Anforderungen der sich heutzutage schnell weiterentwickelnden Radardesigns und der erweiterten Einsatzbereiche von Missionen Schritt zu halten.

Eine effektivere Strategie sieht eine plattformbasierte, softwaredefinierte sowie modulare Architektur vor. Mithilfe dieses Ansatzes können Testsysteme parallel zur Radarentwicklung angepasst werden, ohne dass die gesamte Hardware ausgetauscht werden muss. Eine der wichtigsten Funktionen ist die Möglichkeit, Echtzeit-Szenarien zu generieren. Dazu werden Ziele mit dynamischen Verzögerungen, Doppler-Verschiebungen und Dämpfungsprofilen eingespeist, wodurch reale Bedingungen präzise nachgebildet werden. Modulare Signal-Transceiver decken große Bandbreiten und Frequenzbereiche ab, während skalierbare Kanalanzahlen wiederum immer komplexere Systeme unterstützen. Offene Software-Schnittstellen ermöglichen die Integration von digitalen Zwillingen, Szenario-Generatoren sowie Rahmenwerken für die Missionsmodellierung. Kalibrierte und synchronisierte Signalpfade gewährleisten gleichzeitig die für zeitkritische Messungen wie Entfernungsverzögerung und Phasenkohärenz erforderliche Präzision.

Diese flexible Architektur unterstützt frühzeitiges Prototyping, Closed-Loop-Tests und kontinuierliche Validierung in allen Phasen: vom Design über die Produktion bis zum Lifecycle-Sustainment. Durch eine effektive Implementierung können Radarentwickler und Testingenieure parallel arbeiten, was die Zeit bis zur Fertigstellung verkürzt. Gleichzeitig steigt das Vertrauen in die Systemleistung unter den schwierigen Bedingungen, die für den Betrieb im elektromagnetischen Spektrum typisch sind.

Vorbereitung auf die Zukunft: Perspektiven für zukünftige Radartests

Entsprechend der Veränderungen im HF-Kampfbereich werden sich auch Radarsysteme weiterentwickeln. Seit 2025 werden Radartests nicht mehr nur eine einfache Validierung umfassen, sondern auch Simulation, Emulation und adaptive Reaktion beinhalten. Die zunehmende Komplexität multifunktionaler HF-Systeme macht flexible und skalierbare Testumgebungen erforderlich, die mit der Geschwindigkeit und Komplexität der Systeme selbst mithalten können.

Um diese Herausforderungen zu meistern, sind Testplattformen erforderlich, die einsatzspezifische Abläufe, die Erzeugung von Echtzeitszenarien sowie eine präzise Signalsteuerung unterstützen. Die Abkehr von festen, hardwareorientierten Testaufbauten hin zu modularen, programmierbaren Architekturen versetzt Entwicklungsteams in die Lage, Innovationen zu beschleunigen, ohne dabei realistische Signalbedingungen und Messgenauigkeit aus den Augen zu verlieren.

Angesichts des sich verschärfenden Wettbewerbs um Frequenzen wird die Fähigkeit, Radarsysteme unter realistischen Bedingungen zuverlässig zu testen, von entscheidender Bedeutung für die Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft und Wehrhaftigkeit sein. (bs)

Autor

Haydn Nelson, Business Development Manager, Radar- und HF-Tests, Emerson Test & Measurement