29 Meter-Linie mit durchgängiger Prozessverriegelung
Ersa integriert bei Ziehl-Abegg eine vollautomatische Powerflow-basierte THT-Linie mit mehrstufigem Puffersystem, AOI-Anbindung, Line-Control-Steuerung und vollständiger Prozess-Traceability.
Petra GottwaldPetraGottwaldChefredakteurin Elektronik-Titel
2 min
Zentrale von Ziehl-Abegg am Standort KünzelsauZiehl-Abegg
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Ziehl-Abegg gehört zu den führenden Unternehmen der Luft-, Regel- und
Antriebstechnik, deren Produkte weltweit in Wärme- und Kälteanlagen sowie in
Reinraum- und Agraranwendungen eingesetzt werden. Nach der Inbetriebnahme einer
21 Meter langen EC‑THT‑Bestückungslinie im Jahr 2016 hat das Unternehmen in
Kooperation mit Ersa nun eine weitere vollautomatisierte Produktionslinie
umgesetzt, welche die bestehende Anlage um zusätzliche acht Meter übertrifft.
3D-Layout der Ziehl-Abegg-Anlage mit Ersa Powerflow Wellenlötanlage plus angebundener Peripherie mit acht Bestücktischen und automatisierter BestückkontrolleErsa
Bereits Anfang 2023 startete das Projekt für eine neue Bestückungslinie
auf Basis einer vorhandenen Ersa Powerflow Wellenlötanlage mit angebundener
Automatisierung. Innerhalb von zehn Monaten sollte in Künzelsau eine zweite
vollautomatisierte Fertigungslinie entstehen – ein echter Technologiesprung: Statt manuell aufgelegter Warenträger sollte künftig eine hochentwickelte Transport- und Peripherietechnik sämtliche Prozessschritte übernehmen, inklusive
vollautomatisierter Arbeitsplätze, integrierter Puffer und Null‑Fehler‑Strategie.
Mit der Projektleitung auf Seiten von Ziehl-Abegg wurde Adrian Schaaf betraut, als Abteilungsleiter Industrial Engineering für die SMT-Leiterplattenfertigung sowie die Montage der Regelgeräte im Werk Elektronik verantwortlich. Rückhalt erhielt das Projekt auf Managementebene: Joachim Ley, inzwischen CEO,
war zuvor bereits als Produktionsvorstand für die Elektronikfertigung zuständig
und unterstützte das Vorhaben maßgeblich.
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Die neu aufgebaute Linie umfasst acht Bestücktische mit integrierter
automatisierter Bestückkontrolle, von denen sechs vollautomatisch arbeiten und
über ein mehrstufiges Puffersystem auf drei Ebenen verfügen. Ergänzt wird die
Struktur durch diverse Hebe-, Senk- und Drehstationen sowie den Einsatz von
RFID‑Technologie zur durchgängigen Rückverfolgbarkeit. Hinzu kommt ein
ausgefeiltes Transportkonzept, das nicht nur eine effiziente Materiallogistik
ermöglicht, sondern durch eine Bypass‑Funktion auch Stausituationen abfedert.
Zusätzlich wurden Modifikationen an den Lötrahmen über eine Quertransportleiste
vorgenommen und ein AOI‑System von Viscom vollständig in die Linie integriert.
Zentrale Steuerungskomponenten wie Line Controller und SPS gewährleisten dabei
die präzise und reibungslose Koordination sämtlicher Prozessschritte. Auf
dieser technischen Basis lassen sich Produkte in hoher Variantenvielfalt
flexibel und dennoch mit stabiler Taktung fertigen. „Die Entscheidung für die
neue Linie fiel klar aus Produktivitätsgesichtspunkten“, betont Projektleiter
Adrian Schaaf.
RFID-gestützte Rückverfolgbarkeit, integrierte AOI, automatisierte Bestücktische und daten-bankgestützte MES Anbindung steigern bei Ziehl Abegg Produktivität, Variantenflexibilität und Qualitätsstabilität an der neuen 29 m LinieKurtz Holding GmbH & Co. Beteili
Herausforderung: enge
Platzverhältnisse
Mit der neuen Lösung erreicht
Ziehl-Abegg nun ein Qualitätsniveau, das der bereits hochautomatisierten EC‑THT‑Linie
entspricht – inklusive einer durchgängigen Prozess-Traceability sowie einer
deutlichen ergonomischen Entlastung für die Mitarbeitenden. „Wir haben zunächst in Workshops erarbeitet,
wie sich mit bestehenden Elementen auf der verfügbaren Fläche eine neue Lösung
realisieren lässt, welche die Produktivität spürbar verbessert. Ausschlaggebend
war der deutlich höhere Automatisierungsgrad – anhand wöchentlicher
Regelmeetings haben wir die komplette Linie Schritt für Schritt über
detaillierte Abläufe definiert“, erläutert Dominik Farrenkopf, vertrieblicher
Projektleiter bei Ersa, mit Blick auf die Angebotsphase. Eine besondere
Herausforderung stellten die räumlichen Gegebenheiten dar: Durch die um 90°
gedrehte Anordnung der Tische verblieb nur wenig Platz zwischen den
Arbeitsbereichen. Letztlich wurde sogar eine Wand entfernt, um die verfügbare
Produktionsfläche optimal auszunutzen. Die vorhandenen Werkstückträger konnten
– nach kleineren Modifikationen – problemlos weiterverwendet werden.
Die Anlage wurde am 22. Dezember
2023 angeliefert, nach einer kurzen Weihnachtspause in nur neun Tagen aufgebaut
– ein gemeinsamer Kraftakt von neun Technikern sowie Projektleitung und
Vertrieb. Am 8. Januar 2024 startete die Linie planmäßig in den Schichtbetrieb.
„Mehrere Fertigungsbereiche und sogar ein ganzes Werk sind auf den
reibungslosen Ablauf angewiesen – dank der partnerschaftlichen Zusammenarbeit
konnten wir den ehrgeizigen Zeitplan halten. Heute läuft die Linie stabil im 2‑Schicht-Betrieb“,
sagt Adrian Schaaf.
Mehr Output durch smarte
Datenanbindung
Die Software erwies sich neben
der Hardware als zentraler Erfolgsfaktor: Mit der neuen Linie führte Ziehl‑Abegg
die Line‑Control‑Steuerung ein, koppelte sie schrittweise ans MES an und
integrierte Werker‑Cockpits, die über eine eigene Software direkt mit der
Produktionsdatenbank kommunizieren. Die automatisierte Linie steigert
Produktivität und Flexibilität deutlich, bildet 300 der 330 THT‑Varianten von
Losgröße fünf bis 2.000 ab. Highrunner werden auf der EC/THT-Linie von 2016
gefertigt. Dank automatisierter Lötrahmenhandhabung reduziert sich die
körperliche Belastung der Mitarbeitenden um über 1.000 Tonnen pro Jahr. Damit
ist Ziehl‑Abegg für kommende Anforderungen – inklusive steigender KI‑Integration
– optimal aufgestellt.