Chancen und Ziele des Zusammenschlusses

Was aus BMK unter dem Dach von Hanza wird

BMK gehört jetzt zur Hanza-Gruppe – ein Schritt mit Signalwirkung für den Elektronikfertigungsstandort Augsburg. Was steckt hinter dem Zusammenschluss, und was verändert sich für Mitarbeitende, Kunden und die strategische Ausrichtung? Die BMK-Geschäftsleitung erklärt im Gespräch mit der Redaktion, warum BMK eine Schlüsselrolle spielt und wie die gemeinsame Zukunft aussieht.

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BMK aus Augsburg gehört seit Ende letzten Jahres zur schwedischen Hanza Group – laut eigenen Aussagen für alle Beteiligten die Ideallösung.

Wenn zwei große Namen der Auftragsfertigung zusammengehen, horcht die Branche auf. Genau das war beim Zusammenschluss von Hanza und BMK der Fall, denn hier übernimmt nicht einfach ein Wettbewerber einen anderen, um Marktanteile zu bündeln. Hinter dem Schritt stehen Nachfolge, strategische Ergänzung und der Wunsch, Kunden künftig breiter unterstützen zu können.

„Die Gespräche mit Hanza sind schon über die letzten Jahre immer wieder geführt worden. Man hat sich gegenseitig beobachtet und war vom Konzept überzeugt“, heißt es seitens der BMK-Geschäftsleitung. Ausschlaggebend war schließlich die Nachfolgeregelung, die die Eigentümer geklärt haben wollten, denn die drei Gesellschafter sind Mitte bis Ende 60 und aus dem familiären Umfeld gab es keine Nachfolger, die operativ einsteigen wollten. „Es war den Gesellschaftern sehr wichtig, ein langfristiges Konzept für die Firma zu finden und eine Sicherheit für die Mitarbeiter bieten zu können“, erklärt COO Bärbel Götz. Hanza passte aus Sicht der Beteiligten besonders gut, weil beide Unternehmen als Auftragsdienstleister arbeiten und keine eigenen Produkte fertigen. Gemeinsam können sie ihren Kunden damit ein breiteres Leistungsspektrum anbieten. 

Was bedeutet der Zusammenschluss für die Mitarbeiter?

Für die Belegschaft war die Nachricht naturgemäß mit gemischten Gefühlen verbunden. „Im Endeffekt: ein lachendes und ein weinendes oder unsicheres Auge“, berichtet Bärbel Götz. „Einerseits hatte die Nachfolgefrage bereits über Jahre eine Rolle gespielt, andererseits löst jede Veränderung zunächst Fragen aus und uns war bewusst, dass diese Veränderung im ersten Schritt auch Angst machen kann." Entscheidend für die positive Aufnahme sei gewesen, „dass kein internationaler Konzern und keine Private-Equity-Gesellschaft eingestiegen ist, sondern wirklich ein europäisches Unternehmen, das mit dem BMK-Konzept weitermachen will", ergänzt Götz. Somit hat die Lösung mit Hanza vor allem Sicherheit und Stabilität geboten.

Der Zusammenschluss wird im Gespräch ausdrücklich nicht als klassischer Verkauf beschrieben, sondern als Anteilstausch. „Die Gesellschafter der BMK haben ihre Unternehmensanteile in Aktien umgewandelt. Im Zuge dieses Tauschs erwarben sie jeweils rund neun Prozent an der Hanza AB und zählen damit nun zu deren größten Aktionären.“ Das sei auch für die Mitarbeiter ein wichtiges Signal gewesen, so die Geschäftsleiter.

Bärbel Götz: "Hanza ist kein Private Equity und kein internationaler Konzern, sondern ein europäisches Unternehmen mit ähnlichem Verständnis."

Augsburg wird Elektronikzentrum der Gruppe

Innerhalb der Hanza-Strategie wird Augsburg zum zentralen Elektronikstandort. „Augsburg ist künftig das Elektronikzentrum, weil wir hier wirklich die ganze Klaviatur abbilden können“, so die Einschätzung von Bärbel Götz. Damit schließt Hanza eine strategische Lücke. Während das Unternehmen bislang stärker Mechaniklastig geprägt war, bringt BMK umfassende Elektronikkompetenz ein. Zugleich ist der Standort ein wichtiger Baustein für den Markteintritt und Ausbau in Deutschland: „Das war für Hanza ein lang geplanter Schritt.“ Für BMK bedeutet das zusätzliche Wachstumschancen auf Basis des bestehenden Kundenstamms und darüber hinaus.

Wie profitieren Kunden vom europäischen Fertigungsverbund?

Für Kunden liegt einer der größten Mehrwerte im erweiterten Netzwerk. „Postalisch heißen wir Hanza BMK“, heißt es im Gespräch. BMK bleibt regional verankert, kann aber künftig internationaler agieren. Der Unterschied liegt in den zusätzlichen Möglichkeiten. „BMK ist in Deutschland und der DACH-Region stark aufgestellt, viele Kunden sind jedoch international tätig. Denen können wir jetzt deutlich mehr bieten. Wenn ein Kunde etwa in Deutschland oder Österreich sitzt, aber auch einen Standort in Polen hat, kann der Verbund dort regional oder lokal quasi noch ein Interface bieten", erklärt Florian Weiß, Head of Business Development Region Central Europe. Hanza arbeitet an vielen Standorten in verschiedenen Regionen. Diese Struktur soll nicht zentralistisch gesteuert werden. „Da gibt es kein Headquarter, wo irgendwas definiert und bestimmt wird, sondern es soll wirklich jede Region autark arbeiten. Jede Region soll selbst beantworten, was für ihre Kunden am wichtigsten ist: welche Dienstleistungen, Maschinen, Gebäude und Infrastruktur benötigt werden“, so Weiß. Dahinter steht ein strategischer Ansatz: komplette Supply Chains aus einer Hand anzubieten. Oder, wie er es formuliert: „All you need is one.“ Gerade vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen gewinnt dieses Modell an Bedeutung: „Man sieht, dass es den ein oder anderen Euro wert ist, einen lokalen Partner in Europa zu haben.“ 

Investitionen sichern technologischen Vorsprung bei Hanza BMK

BMK will seinen bisherigen Kurs konsequent fortsetzen. „Investitionen waren immer ein Kernerfolgsfaktor – und das wird auch so bleiben“, betont CFO Gisela Cohrs. Geplant sind weiterhin Ausgaben in Maschinen, Infrastruktur sowie Digitalisierung und KI. Der Zusammenschluss verändert diese Strategie nicht grundlegend: „Ich würde nicht sagen, dass wir extrem viel mehr machen – wir gehen unseren Weg weiter“, ergänzt sie. Gleichzeitig bringt Hanza strukturiertere Prozesse eines börsennotierten Unternehmens ein – etwa in Budgetierung und Steuerung. 

Bleibt die BMK-DNA erhalten?

Kultur spielte vor dem Zusammenschluss eine große Rolle. Bärbel Götz und Gisela Cohrs schildern, dass die globale HR-Leiterin von Hanza zwei Tage vor Ort war, um mit BMK über Kultur, Führung und Zusammenarbeit zu sprechen. Dabei ging es darum, ob 32 Jahre inhabergeführter Mittelstand mit dem Hanza-Ansatz zusammenpassen.

„Hanza hat auch schon einmal eine mögliche Akquisition aufgrund der fehlenden kulturellen Übereinstimmung eingestellt“, schmunzeln die Beiden. Bei BMK habe man deshalb den Kollegen sagen können: „Es wird weitergehen wie gehabt, das wird passen. Vielleicht wird es ein bisschen anders werden.“

Natürlich gibt es Unterschiede. BMK steht für bodenständigen bayerischen Mittelstand, Hanza ist ein börsennotiertes Unternehmen mit skandinavischem Hintergrund. „Wir waren eher zurückhaltend, auch im öffentlichen Auftreten.“ Nun gehe es darum, beide Welten zusammenzuführen – „über viele Gespräche und gegenseitiges Verständnis“, beschreiben die beiden Frauen die Situation. CFO Gisela Cohrs fügt noch ein kulturelles Highlight hinzu: „Unsere Schweden haben eine echte Leidenschaft für Wiener Schnitzel.“ Für die Integration kann das nicht schaden. Manchmal beginnt europäische Zusammenarbeit eben nicht im Konferenzraum, sondern beim gemeinsamen Essen.

Gegenseitige Lerneffekte

CFO Gisela Cohrs: „Der Zusammenschluss verändert nicht die grundsätzliche Ausrichtung, sondern verstärkt sie.“

Hanza profitiert von BMKs Erfahrung im deutschen Markt. „Natürlich lernt Hanza ganz extrem von BMK den Umgang mit deutschen Kunden, weil das unser nationaler Markt ist, unser Zuhause und unsere Heimat." Europa sei zwar Europa, aber Kundenkommunikation unterscheide sich zwischen Ländern und Kulturen deutlich“, konstatiert Florian Weiß. Besonders spannend ist der Unterschied im Outsourcing-Verständnis. In Skandinavien sei man früher bereit gewesen, komplette Lieferketten auszulagern. „Das Konzept von Hanza ist ja jetzt nicht klassisch, nur einzelne Dienstleistungen zu verkaufen, sondern sie übernehmen bzw. optimieren die gesamte Supply Chain“, so Weiß. Die Botschaft laute sinngemäß: „Konzentrier dich mit Marketing, Vertrieb und Entwicklung auf dein Kerngeschäft. Produktion und Lieferantenhandling überlässt du uns.“

Der typische deutsche Mittelstand tickt häufig anders. „Viele Unternehmer sagen, dass sie ihr Know-how im Haus haben möchten und am liebsten alles selbst machen wollen. Genau hier müssen wir erklären, warum ein stark integrierter Fertigungspartner Vorteile bringen kann“, fasst Florian Weiß zusammen.

Welche Märkte stehen im Fokus?

BMK bedient bereits heute eine breite industrielle Kundenbasis. Consumer-Anwendungen gehören bewusst nicht dazu. Durch den Zusammenschluss öffnen sich weniger komplett neue Industrien, aber neue Kontakte innerhalb bestehender Märkte.

Ein Bereich, der ausdrücklich genannt wird, ist Defense, was laut Florian Weiß immer relevanter wird. „Sowohl Hanza als auch BMK haben sich in den vergangenen Jahren strategisch entschieden, dort Fuß zu fassen, inklusive entsprechender Zertifizierungen. Für Kunden entsteht vor allem ein breiteres Leistungsspektrum. Hanza kann Elektronik, Mechanik, Kabelkonfektion, Blechbearbeitung und weitere Bestandteile im Verbund abdecken. Wir können komplette Produktionen übernehmen und in dem Kontext die Elektronik, die Mechanik, die Kabel, die Bleche in unserem Verbund selber bereitstellen.“ Das reduziere Komplexität und könne Volumeneffekte ermöglichen.

Wo steht Hanza BMK in fünf Jahren?

Florian Weiß: „Beide Firmen sind mittlerweile auch im Defense-Bereich unterwegs. Das wird leider ja immer relevanter.“

Eine exakte Fünfjahresprognose ist durch die derzeitige wirtschaftliche und geopolitische Lage schwierig. Die Richtung ist aber klar: BMK wird weiter in Hanza integriert, da Elektronik in allen Bereichen nachgefragt wird, bleibt Augsburg wichtiger Elektronikstandort und das Angebot soll technologisch und regional wachsen. „Wir werden dann ein vollständiger Teil von Hanza sein. Es wird hoffentlich mehr Standorte geben, mehr Technologien, die wir anbieten können“, so Bärbel Götz.

Eine personelle Weiche ist mittlerweile auch gestellt. Seit 1. Juni ist Dr. Markus Ernst neuer Managing Director von Hanza BMK. Unter seiner Leitung will der EMS-Dienstleister seine Marktposition ausbauen und dank erweitertem Dienstleistungsportfolio in der Mechanik und der Gerätemontage neue Potenziale erschließen.

Das Fazit der drei Gesprächspartner fällt deutlich aus: „Hanza hat nicht nur unser Nachfolgeproblem gelöst, sondern war auch ein wichtiger Schritt, den aktuellen Herausforderungen in Deutschland und auch weltweit zu begegnen." Je kleiner man allein gegenüber politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen sei, desto schwieriger werde es. Der Verbund biete dagegen viele Chancen, erfolgreich weiterhin bestehen zu können.

Oder, noch knapper: „Gemeinsam sind wir eindeutig stärker.“ Für die deutsche Auftragsfertigung könne dieser Zusammenschluss deshalb mehr sein als eine Unternehmensmeldung. „Es ist schon ein neues Kapitel für die deutsche Auftragsfertigung oder für die Auftragsfertigung in Europa“, heißt es im Gespräch. Die Kombination aus Elektronik, Mechanik, europäischen Standorten und Supply-Chain-Kompetenz schafft ein Angebot, das in Zeiten von Resilienz, Reindustrialisierung und wachsender Elektronikanteile genau den Nerv vieler Industriekunden trifft.

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