Siemens erweitert Schutzschaltgeräte um zirkulären Sanftstarter
Siemens Smart Infrastructure erweitert sein Portfolio für elektronische Schutzschaltgeräte und bringt mit dem Sirius 3RW5 -Z R11 einen wiederaufbereiteten Sanftstarter auf den Markt. Damit verbindet das Unternehmen schnelleren Stromkreisschutz mit Kreislaufwirtschaft in der Industrie.
Martin ProbstMartinProbstOnline-Redakteur
Das halbleiterbasierte Schutzschaltgerät SENTRON ECPD von Siemens schaltet Stromkreise elektronisch und begrenzt Kurzschlussenergie besonders schnell. Die Portfolio-Erweiterung umfasst zusätzliche Funktionen wie integrierte Fehlerstromüberwachung sowie eine geplante dreiphasige Variante.Siemens
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Siemens Smart Infrastructure baut sein Portfolio für industrielle Steuer- und Schutzgeräte weiter aus. Im Mittelpunkt stehen zwei Entwicklungen: Das halbleiterbasierte elektronische Schutzschaltgerät Sentron ECPD erhält zusätzliche Funktionen, zudem bringt Siemens mit dem Sirius 3RW5 -Z R11 einen wiederaufbereiteten Sanftstarter auf den Markt. Beide Produkte zielen darauf ab, elektrische Sicherheit, Anlagenverfügbarkeit und Nachhaltigkeit in industriellen Anwendungen zu verbessern.
Das Sentron ECPD wurde 2024 eingeführt und gilt laut Siemens als weltweit erstes Schutzschaltgerät seiner Art. Es nutzt Halbleitertechnologie, um Stromkreise elektronisch zu schalten und Kurzschlussenergie besonders schnell zu begrenzen. Nach Unternehmensangaben schaltet das Gerät bis zu 1.000-mal schneller als herkömmliche Lösungen, vereint mehr als zehn konfigurierbare Funktionen in einem Gerät und kann den Platzbedarf im Verteiler um 80 Prozent reduzieren.
Wie erweitert Siemens das Sentron ECPD?
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Die einphasige Version des Sentron ECPD soll künftig als eigenständiges Produkt mit integrierter Fehlerstromüberwachung erhältlich sein. Diese Residual Current Monitoring-Funktion, kurz RCM, überwacht Fehlerströme kontinuierlich und kann Abweichungen frühzeitig erkennen, ohne den Betrieb zu unterbrechen. Damit adressiert Siemens Anwendungen, in denen elektrische Sicherheit und hohe Verfügbarkeit gleichzeitig wichtig sind.
Relevant ist das unter anderem für Rechenzentren, Messe- und Veranstaltungsinfrastruktur, Beleuchtungsanlagen sowie industrielle Anwendungen. Dort können ungeplante Abschaltungen hohe Kosten verursachen oder kritische Prozesse stören. Die integrierte Fehlerstromüberwachung soll zudem wiederkehrende Prüf- und Inspektionsaufgaben vereinfachen, da Fehlerzustände kontinuierlich erfasst werden.
Warum ist ein halbleiterbasiertes Schutzschaltgerät relevant?
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Klassische Schutzschaltgeräte reagieren mechanisch oder elektromechanisch. Das SENTRON ECPD setzt dagegen auf eine elektronische Schaltfunktion mit Halbleitern. Dadurch lässt sich der Stromkreis sehr schnell trennen oder begrenzen. Gerade bei Kurzschlüssen kann diese Geschwindigkeit entscheidend sein, weil weniger Energie in Leitungen, Komponenten und angeschlossene Betriebsmittel eingetragen wird.
Für Planer und Betreiber ergibt sich daraus ein technischer Mehrwert: Schutzfunktionen lassen sich softwarebasiert parametrieren, verschiedene Funktionen werden in einem Gerät gebündelt und der Schaltschrank kann kompakter ausfallen. Siemens sieht darin einen Ansatz, um Stromkreisschutz schneller, präziser und flexibler zu machen. Auf der Roadmap steht außerdem eine dreiphasige Version für 400 V Wechselspannung, 32 A und 50 Hz. Sie soll sich für Infrastruktur- und Industrieanwendungen wie Förderbänder, Aufzüge, Wärmepumpen, Klimaanlagen, USV-Anlagen oder stabile Stromverteilungen bei Veranstaltungen eignen.
Was macht den SIRIUS 3RW5 -Z R11 zum zirkulären Sanftstarter?
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Mit dem SIRIUS 3RW5 -Z R11 bringt Siemens einen wiederaufbereiteten Sanftstarter auf den Markt. Das Gerät ist für einen zweiten Lebenszyklus ausgelegt und soll im Vergleich zu einem Neugerät eine bis zu 50 Prozent geringere CO₂-Bilanz erreichen.Siemens
Neben dem Ausbau des ECPD-Portfolios bringt Siemens mit dem Sirius 3RW5 -Z R11 einen wiederaufbereiteten Sanftstarter auf den Markt. Das Gerät basiert auf gebrauchten Sanftstartern, die in einem kontrollierten Verfahren geprüft, überarbeitet und für einen zweiten Lebenszyklus vorbereitet werden. Kritische Komponenten werden ausgetauscht, anschließend werden sämtliche Funktionen getestet. Laut Siemens erfüllt das wiederaufbereitete Gerät die Qualitätsstandards eines Neugeräts und bleibt hinsichtlich Installation, Parametrierung und Funktion vollständig kompatibel.
Der Nachhaltigkeitseffekt entsteht durch den geringeren Ressourcenbedarf gegenüber einem neu produzierten Gerät. Siemens beziffert die CO₂-Bilanz des wiederaufbereiteten Sanftstarters auf bis zu 50 Prozent weniger im Vergleich zu einem Neugerät. Die Umweltwirkung soll über Umweltproduktdeklarationen, kurz EPDs, transparent dokumentiert werden. Das Gerät ist CE-zertifiziert; CCC-, UL/CSA- und ATEX-Zertifizierungen befinden sich laut Siemens in Vorbereitung.
Wie unterstützt der Sanftstarter Kreislaufwirtschaft in der Industrie?
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Der Sirius 3RW5 -Z R11 wurde nach Prinzipien der Kreislaufwirtschaft entwickelt. Dazu zählen Modularität, einfache Demontage und Reparierbarkeit. Identifizierbare Komponenten erleichtern die Wiederaufbereitung, während Nutzungs- und Zustandsdaten aus dem ersten Lebenszyklus helfen, Geräte gezielt für einen zweiten Lebenszyklus vorzubereiten.
Ein ID-Link am Produkt sorgt für Rückverfolgbarkeit im ersten und zweiten Lebenszyklus. Siemens arbeitet außerdem an einer Datenarchitektur, die Asset Administration Shell und Distributed Ledger Technology auf Basis von IOTA nutzt. Damit ebnet das Unternehmen den Weg für einen digitalen Produktpass im Einklang mit der europäischen Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte, kurz ESPR.
Warum ist das für Schutz- und Schalttechnik ein Signal?
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Die Meldung zeigt zwei Stoßrichtungen, die in der Elektrotechnik zunehmend zusammenlaufen: Einerseits wird Stromkreisschutz durch Halbleiter schneller, kompakter und digital parametrierbar. Andererseits gewinnt Kreislaufwirtschaft auch bei industriellen Steuer- und Schutzgeräten an Bedeutung. Siemens adressiert damit nicht nur den Betrieb elektrischer Anlagen, sondern auch deren Ressourcen- und CO₂-Bilanz.
Für die Industrie ist dieser Ansatz relevant, weil Schutzgeräte und Sanftstarter in vielen Maschinen, Anlagen und Infrastrukturen eingesetzt werden. Wenn sich mehr Funktionen auf kleinerem Raum integrieren lassen und gleichzeitig wiederaufbereitete Geräte mit vergleichbarer Leistung verfügbar werden, entstehen neue Möglichkeiten für Schaltschrankbau, Instandhaltung und nachhaltige Beschaffung. Die eigentliche Botschaft lautet damit: Elektrische Schutztechnik wird nicht nur intelligenter und schneller, sondern auch stärker auf den gesamten Produktlebenszyklus ausgerichtet.