IG-Metall: Geld und Jobsicherheit prägen Tarifrunde 2026
Vor der Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie erwarten die Beschäftigten höhere Entgelte und mehr Jobsicherheit. Wenig überraschend fällt die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage in der Automobilindustrie besonders kritisch aus.
Dr. Martin LargeDr. MartinLargeCvD Online all-electronics.de / Redakteur aIT/AP
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Arbeitgeber und Gewerkschaft haben einen Tarifabschluss für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie erzielt.Ronald Rampsch stock.adobe.com
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Kurz vor Beginn der Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie setzt eine große Beschäftigtenbefragung die ersten Marken für die anstehenden Verhandlungen. Die IG Metall hat nach eigenen Angaben 267.000 Beschäftigte aus rund 2.300 Betrieben befragt. 82,8 Prozent halten demnach eine moderate oder kräftige Entgelterhöhung für angemessen. Gleichzeitig sorgen sich mehr als die Hälfte um ihren Arbeitsplatz oder die Zukunft ihres Betriebs.
Die konkrete bundesweite Tarifforderung steht allerdings noch aus. Am 22. September beraten die regionalen Tarifkommissionen über ihre Forderungen, einen Tag später will der Vorstand der IG Metall die endgültige Forderung beschließen. Die ersten Tarifverhandlungen beginnen am 7. Oktober 2026.
Knapp die Hälfte der befragten Beschäftigten bewertet die wirtschaftliche Lage des eigenen Betriebs als gut oder sehr gut. Gleichzeitig halten 82,8 Prozent eine moderate oder kräftige Entgelterhöhung in der Tarifrunde 2026 für angemessen.IG Metall
Wie schätzen Beschäftigte die Lage ihrer Betriebe ein?
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Ein einheitliches Krisenbild ergibt die Befragung nicht. 31,7 Prozent der Teilnehmer bewerten die wirtschaftliche Situation ihres Betriebs als gut, weitere 14,5 Prozent sogar als sehr gut. Damit kommen 46,2 Prozent zu einer positiven Einschätzung. 32,2 Prozent antworten dagegen mit „geht so“. 16,9 Prozent halten die Situation ihres Unternehmens für schlecht und 4,7 Prozent für sehr schlecht.
Dabei zeigen sich laut Gewerkschaft deutliche Unterschiede zwischen den Branchen. Besonders positiv fällt die Wahrnehmung in der Luft- und Raumfahrt, der Rüstungsindustrie, im Schiffbau und im Energiesektor aus. Beschäftigte der Automobilindustrie und von Dienstleistungsunternehmen beurteilen die Lage ihrer Betriebe kritischer. Ihren Beitrag dazu haben sicher auch die jüngsten radikalen Sparpläne von VW geleistet. Diese Unterschiede dürften auch die Tarifrunde prägen. IG-Metall-Tarifvorständin Nadine Boguslawski spricht von einer „wirtschaftlich stark unterschiedlichen Lage“ in den Unternehmen. Neben höheren Entgelten nennt sie die Beschäftigungssicherung als einen Schwerpunkt für die Verhandlungen.
Trotz der angespannten Lage in Teilen der Industrie spricht sich eine klare Mehrheit für steigende Entgelte aus. 47,8 Prozent der Befragten halten eine moderate Erhöhung für angemessen, 35,0 Prozent eine kräftige Erhöhung. Eine kleine Entgelterhöhung befürworten lediglich 13,1 Prozent. Weitere 4,1 Prozent halten gar keine Erhöhung für angemessen. Zusammengenommen erwarten damit mehr als vier von fünf Befragten zumindest eine moderate Steigerung. Die Tarifrunde schließt dabei unmittelbar an den Abschluss von 2024 an. Dieser sah Entgelterhöhungen von insgesamt 5,1 Prozent in zwei Stufen vor. Die zweite Stufe von 3,1 Prozent trat zum 1. April 2026 in Kraft. Hinzu kommen unter anderem T-ZUG, Transformationsgeld, Urlaubs- und Weihnachtsgeld.
Die Entgeltfrage ist eng mit den gestiegenen Lebenshaltungskosten verbunden. 68,9 Prozent der Befragten nennen diese als eines der Themen, die ihnen Sorgen bereiten. Dahinter folgen die Kosten für Gesundheit mit 58,5 Prozent und die finanzielle Absicherung im Alter mit 58,1 Prozent. Fast ebenso groß ist die Sorge um die Beschäftigung. 56,7 Prozent beschäftigen sich mit der Zukunft ihres Betriebs, 56,3 Prozent mit der Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes.
„Die Beschäftigten haben ein sehr feines Gespür für die drängendsten Themen im Land: gute Reallöhne, zukunftsfähige Arbeitsplätze und soziale Sicherheit“, sagt IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner. Aus Sicht der Gewerkschaft verbindet die kommende Tarifrunde damit die Entgeltfrage stärker mit Beschäftigungs- und Standortsicherung.
Wann beginnt die Metall-Tarifrunde 2026?
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Nach den regionalen Beschlüssen am 22. September will der IG-Metall-Vorstand am 23. September die bundesweite Forderung festlegen. Am 7. Oktober beginnen die Tarifverhandlungen. Die derzeitigen Entgelttarifverträge laufen zum 31. Oktober aus. Damit endet zugleich die Friedenspflicht. Sollten Arbeitgeber und Gewerkschaft bis dahin keine Einigung erzielen, wären ab dem 1. November Warnstreiks möglich. Betroffen von der Tarifrunde sind bundesweit mehr als 3,7 Millionen Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie.