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Berthold Arends ist Director Quality Management Automotive bei der Marquardt GmbH und Vorsitzender des Arbeitskreises Funktionale Sicherheit des ZVEI.

Berthold Arends ist Director Quality Management Automotive bei der Marquardt GmbH und Vorsitzender des Arbeitskreises Funktionale Sicherheit des ZVEI.

Unter funktionaler Sicherheit (Functional Safety) versteht ISO 26262 eine Systemeigenschaft, die das Nichtvorhandensein eines unakzeptablen Verletzungsrisikos (absence of unreasonable risk) charakterisiert, das von einem fehlfunktionierenden System ausgehen könnte.Die ISO 26262 setzt hierbei einen Fokus auf die funktionale Sicherheit elektrischer beziehungsweise elektronischer Systeme in Fahrzeugen. Funktionale Sicherheit von E/E-Systemen betrifft demnach jedes System, welches elektrische/elektromechanische Komponenten beinhaltet, und umfasst die Systembetrachtung bestehend aus Aktuatorik, Sensorik sowie Steuerungselektronik.

Die Klassifizierung der Sicherheitsziele erfolgt nach einem von vier möglichen Sicherheitsklassen, die in der Norm als Automotive Safety Integrity Level (ASIL) bezeichnet und mit den Buchstaben A bis D unterschieden werden. „ASIL A“ kennzeichnet die geringste Sicherheitsklassifizierung, „ASIL D“ die höchste. Der ASIL wird mit Hilfe einer in der Norm enthaltenen Zuordnungstabelle für jedes Sicherheitsziel festgelegt, wobei jeweils die drei im Folgenden aufgelisteten Parameter in die Bewertung einfließen.

  • Exposition (Exposure):  Wie häufig befindet sich das Fahrzeug in einer Situation, in der eine Gefährdung auftreten kann?
  • Beherrschbarkeit (Controllability): Wie gut kann ein Verletzen des Sicherheitsziels durch den Fahrer oder durch einen anderen Verkehrsteilnehmer beherrscht werden?
  • Schweregrad (Severity): Er quantifiziert die Schwere der Auswirkung, die durch das Verletzen des Sicherheitszieles entstehen kann.

Um der automobilen Zulieferstruktur gerecht zu werden, beinhaltet die ISO 26262 Anforderungen zur Regelung der sicherheitsrelevanten Verantwortlichkeiten bei verteilter Entwicklung. Hierfür dient das DIA (Development Interface Agreement), das die explizite detaillierte Abstimmung zwischen den beteiligten Unternehmen an ihren Schnittstellen adressiert. Eine alleinige generelle Forderung des Kunden an seinen Zulieferer nach einer „ISO 26262-konformen Arbeitsweise“ oder die alleinige Nennung einer bestimmten Sicherheitsklassifizierung ist keinesfalls ausreichend. Eine explizite Abstimmung auf technischer Ebene insbesondere der Sicherheitsziele, deren Sicherheitsklassifizierung, der umzusetzenden Sicherheitsmaßnahmen etc. ist somit unabdingbar, um ein sicheres Produkt über Zuliefergrenzen hinweg zu entwickeln.

Neuer ZVEI-Arbeitskreis

Der ZVEI hat sich entschieden, einen Arbeitskreis bestehend aus Vertretern der gesamten Automobilzulieferkette zum Thema Funktionale Sicherheit gemäß ISO 26262 zu gründen.

Die ISO 26262 setzt sich unter anderem mit dem Systementwurf, der Hardware, der Software, und den begleitenden Entwicklungsprozessen auseinander. Eine zentrale Rolle fällt hierbei dem Sicherheitslebenszyklus (Safety Lifecycle) zu. Dieser regelt die Identifikation, Konstruktion, Überprüfung und Bewertung der verschiedenen Maßnahmen in kausaler Abfolge im Rahmen des branchenüblichen V-Modells.

Die Freigabe der normativen Teile der ISO 26262 erfolgte im November 2011. Begleitend hierzu hat sich der ZVEI entschieden, einen Arbeitskreis bestehend aus Vertretern der gesamten Automobilzulieferkette zum Thema Funktionale Sicherheit ISO 26262 zu gründen. Im Rahmen mehrerer Sitzungen wurden Teilaspekte der Norm detaillierter betrachtet. Dies umfasste unter anderem Themen wie „Development Interface Agreement“, „relative Hardware Metriken“ und „proven in use argument“ basierend auf Ausarbeitungen der Firmen Marquardt, Bosch und Kugler-Maag.

Des Weiteren wurde aufgrund des verstärkten Interesses bezüglich der rechtlichen Aspekte der Norm über den ZVEI ein Workshop mit juristischen Fachexperten im Oktober 2011 angeboten. Dieser fand sehr großen Anklang.

Das gemeinsame Ziel der Teilnehmer besteht darin, eine „Excecutive Summary“ zu veröffentlichen, um die Diskussionen innerhalb der beteiligten Firmen der Automobilzulieferindustrie als auch untereinander aktiv zu unterstützen.

(av)

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