Wechsel bei Infineon in Dresden: Thomas Morgenstern (Bild) wird neuer Geschäftsführer bei Infineon Dresden, sein Vorgänger wechselt in die Konzernzentrale nach München.  Infineon

(Bild: Infineon)

| von Martin Large
Thomas Morgenstern, Geschäftsführer bei Infineon Dresden

Thomas Morgenstern, Geschäftsführer bei Infineon Dresden: „Unsere Kapazitäten sind jetzt schon zu fast 100 Prozent ausgelastet.“ Infineon

Infineon will in den kommenden Jahren etwa 1,1 bis 2,4 Milliarden Euro in seinen Standort in Dresden investieren. Das haben die beiden Standort-Geschäftsführer Thomas Morgenstern und Raik Brettschneider in einem Interview mit dem Nachrichtenportal oiger angekündigt. So stünde auch ein neues Fabrikmodul zur Debatte und neue Jobs seien geplant: In Summe soll die Belegschaft bis zum Jahresende 2021 von jetzt etwa 2800 auf 2900 Beschäftigte steigen.

„Unsere Kapazitäten sind jetzt schon zu fast 100 Prozent ausgelastet“, erklärt Thomas Morgenstern. Die Nachfrage für die Halbleiter aus Dresden sei groß. Viele Aufträge kämen aus dem Automobilsektor, der früh aus der Coronakrise wieder hochgefahren sei und für seine Elektroautos mehr Leistungselektronik als für Verbrenner braucht. Hinzu kommen der Digitalisierungschub und hohe Nachfragen als indirekte Folgen der Pandemie: Spielekonsolen, Computertechnik für Hausunterricht („Home Schooling“), Videokonferenzen und Heimkino („Video Streaming“), die alle auf elektronische Bauelemente angewiesen sind. Nicht zu vergessen: auch die allgemeine Industrie braucht immer mehr Spezialchips und Sensoren.

Technologische Gründe für den Halbleitermangel im Automobilsektor

Wo liegen wirklich die Gründe für die aktuellen Lieferschwierigkeiten bei Automotive-Halbleitern? all-electronics.de hat sich bei Experten von Globalfoundries und Silicon Saxony nach den technologischen und strategischen Hintergründen für den Chipmangel erkundigt. Die Antworten dürften nicht jedem gefallen.

Ausbau für 1,1 Milliarden Euro, neues Modul für 1,3 Milliarden Euro

Deshalb möchten Morgenstern und Brettschneider laut dem Medienbericht die Produktionskapazitäten für Automobil-, Leistungs- und andere Elektronik in den existierenden Fabrikmodulen für 1,1 Milliarden Euro ausbauen. Zudem erwägt die Infineon-Führung auf dem Werkgelände ein viertes Fabrikmodul für rund 1,3 Milliarden Euro zu errichten, das Chips auf 300 Millimeter großen Scheiben produziert. Es soll sich auf Leistungselektronik fokussieren, die hohe Spannungen und Ströme verträgt.

Ob und in welchem Umfang es ein viertes Fabrikmodul in Dresden-Klotzsche geben wird, hängt von der Marktlage und staatlichen Subventionszusagen ab. „Ein Beihilfeanteil von 25 Prozent oder mehr wäre notwendig“, sagte Raik Brettschneider. Eine entsprechende Ideenskizze habe Infineon Dresden nun für das Mikroelektronik-Förderprogramm „Wichtige Projekte von gemeinsamem europäischen Interesse – 2“ (IPCEI 2) bei Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) eingereicht. Parallel dazu bemüht sich das Unternehmen auch um IPCEI-2-Zuschüsse für die geplanten Erweiterungen in den bereits gebauten Fabrikmodulen.

Die Infineon-Manager verweisen auf die teils erheblichen Subventionen und anderen Vergünstigungen, die viele Hochtechnologie-Unternehmen in Amerika und Asien bekommen. Die Mikroelektronik spiele eine Schlüsselrolle für die gesamte Wirtschaft, begründet Brettschneider diesen Ruf nach Beihilfen. „In Sachsen und Dresden haben die Politiker das längst verstanden. Leider funktioniert das auf Bundes- und EU-Ebene noch nicht so gut“, sagt er. „Dabei sollte allen klar sein, wie wichtig die Halbleiterindustrie für die Lösung großer gesellschaftlicher Probleme bis hin zum Klimawandel ist.“

Offener Brief zur Situation im Bereich der Halbleiterherstellung in Europa

Silicon Saxony veröffentlicht einen offenen Brief an hohe politische Ämter, in dem der Verband Bedenken bezüglich der Situation in der Halbleiterherstellung in Europa äußert. Stichworte sind Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und digitale Souveränität – sogar von Bedeutungsverlust ist die Rede.

(ml)

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