Sicherere Straßen und schnellere Hilfe nach Unfällen sind aktuelle Herausforderungen, die sich der Automobilindustrie durch die Implementierung neuer Steuerungs- und Überwachungssysteme als Teil der Connected-Car-Revolution stellen. Auf dieser Basis wurde das paneuropäische E-Call-System (Emergency Call) konzipiert.

Eckdaten

Die skalierbare Testumgebung E6950A von Keysight zielt auf Konformitätsprüfung und End-to-end-Funktionstest von IVS-Modulen für E-Call-Systeme und besteht aus folgenden Komponenten:

  • GNSS-Emulator:
    N5172B EXG Signal-Generator oder N5182B MXG RF Vektor Signal-Generator
  • Emulator der Basisstation:
    Wireless-Test-Set E7515A UXM oder Wireless-Test-Set E5515C
  • PSAP-Emulator E6951A
  • Audio-Analysator U8903B

Automatische Notrufsysteme retten Leben

Zusammenstöße lassen sich durch stärker kontrolliertes Fahren, sichere Kraftfahrzeuge und eine bessere Infrastruktur vermeiden. Einen wesentlichen Fortschritt versprechen vernetzte Autos – Connected Cars. Aber was passiert eigentlich nach einem Unfall? 30 Prozent der Todesfälle ereignen sich bereits wenige Minuten nach dem Unfall, 70 Prozent innerhalb von zwei Stunden. Das heißt die Überlebenschancen steigen, wenn die Hilfskräfte den Unfallort so schnell wie möglich erreichen.

Hier spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, angefangen bei den Fähigkeiten der Passagiere, Rettungsdienste zu kontaktieren. Wichtig für eine effiziente schnelle Hilfe ist dann die Kommunikation kritischer Informationen zum Vorfall wie das Identifizieren des Unfallortes und Angaben zur Fahrtrichtung (wichtig bei Autobahnen oder Tunnels, damit die Hilfskräfte die nächstgelegene Auffahrt nehmen können), zur Anzahl der Passagiere sowie über den Fahrzeugtyp und seine Antriebsart.

In den letzten Jahren wurden immer mehr Fahrzeuge mit einem Hilfe-Knopf ausgerüstet, der bei Bedarf die Verbindung zu einer Notrufzentrale herstellt. Je nach Ausstattung kann das Auto seine Position selbst ermitteln und die Kommunikation zwischen dem Notdienst und den Passagieren einleiten. Wenn die Insassen dazu in der Lage sind, lässt sich auch die Art der benötigten Hilfe – Ambulanz, Feuerwehr oder Abschleppdienst – anfordern.

Zusammenspiel von Notruf-Zentrale und Fahrzeug

Bild 1: Aufbau eines typischen E-Call-Systems.

Bild 1: Aufbau eines typischen E-Call-Systems. Keysight

Das funktioniert jedoch nur, wenn das Fahrzeug mit einem solchen Notrufsystem ausgerüstet ist und die Passagiere auch in der Lage sind, es zu benutzen. Aus diesen Gründen hat die Europäische Union entschieden, ein System mit automatischer Aktivierung zu standardisieren. Alle Fahrzeuge, die in Europa vom April 2018 an in Europa produziert und verkauft werden, müssen damit ausgestattet sein. Ein vergleichbares System ist in Russland vorgeschrieben. Es arbeitet unter der Bezeichnung ERA-GLONASS seit Januar 2017.

Das paneuropäische Projekt E-Call wird von den Vereinigungen ACEA (European Automobile Manufacturers Association) und ERTICO-ITS (Intelligent Transportation Systems) mitgetragen. Es besteht aus einer über das öffentliche Netz erreichbaren Notruf-Abfragestelle (Public Safety Answering Point – PSAP) in den Notruf-112-Zentralen und einem bordgestützten System (In-Vehicle-System – IVS).

Tabelle 1: Das russische ERA-GLONASS hält sogar mehr Übertragungskapazität und Redundanz vor, als das paneuropäische E-Call.

Tabelle 1: Das russische ERA-GLONASS hält sogar mehr Übertragungskapazität und Redundanz vor, als das paneuropäische E-Call. Keysight

Allgemein muss ein Fahrzeug seine geografische Position mittels Satellitenempfänger  (GPS/GLONASS) ermitteln und übertragen, optional auch unterstützt durch das zellulare Mobiltelefonnetz. Es soll ein Unfallereignis beispielsweise durch das Auslösen von Airbags erkennen und einen Hilferuf zur Notfallzentrale über das 2G-/3G-Mobiltelefonnetz absetzen. Dabei zu übermitteln sind die Position zum Zeitpunkt des Unfalls und kurz davor, die Fahrtrichtung, die Anzahl der Passagiere (erkannt durch Sensoren im Sitz und/oder Sicherheitsgurt), Fahrzeugdaten wie Typ und Art des Kraftstoffs sowie Fahrer- oder Halterdaten. Falls noch möglich, stellt das Fahrzeug eine Zweiweg-Audioverbindung zu den Passagieren her, um weitere Details der Situation zu ermitteln.

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