Susanne Ertl ist Director of Sales and Commercial Centre, DACH, bei Farnell.

Susanne Ertl ist Director of Sales and Commercial Centre, DACH, bei Farnell. (Bild: Farnell)

Der Raspberry Pi ist erwachsen geworden und hat seinen Einzug in die Industrie gehalten. Susanne Ertl von Farnell über den Erfolg des Single-Board-Computers, den Pi Pico, Distribution in Zeiten der Bauteileknappheit und darüber, warum Entwickler und Einkäufer heute um so mehr Online-Tools benötigen.

Die Pandemie hat einen Innovationsschub ausgelöst, auch in der Elektronik-Entwicklung. Werden Entwicklungskits stärker nachgefragt?

Susanne Ertl: Ja, wir verzeichnen seit einigen Jahren und eher unabhängig von der Pandemie eine stetig steigende Nachfrage nach Entwicklungskits. Die Ergebnisse unserer kürzlich durchgeführten globalen IoT-Umfrage zeigen, dass die Hälfte der Entwickler, die ein IoT-Projekt starten, mit einem Single-Board-Computer beginnen. Die Hälfte davon verwendet einen Raspberry Pi. Weiterhin zeigt die Studie, dass der Raspberry Pi nicht mehr nur bei Consumern beliebt ist, mittlerweile sind 44 Prozent der Raspberry Pis in Industrieanwendung zu finden. Von daher kann man hier ganz klar von einem Innovationsschub sprechen.

Was sind die Gründe dafür, dass der Raspberry Pi nun auch so stark im industriellen Kontext zum Einsatz kommt?

Susanne Ertl: In den vergangenen Jahren hat die Verwendung des Raspberry Pi im industriellen Kontext, aus verschiedenen Gründen stark zugenommen: einfache Verfügbarkeit, Community-Unterstützung und die Leistung, die bei niedrigen Kosten bereitgestellt wird, spielen eine wichtige Rolle. Durch eben diesen Trend der Modularisierung können Markteinführungszeiten stark verkürzt werden, was den Einsatz von Single-Board-Computern generell attraktiv macht. Aus Kundengesprächen wissen wir auch, dass es im Markt eine ganze Generation von Elektronikentwicklern gibt, die schon ihre Ausbildung mit dem Raspberry Pi begonnen haben. Sie bringen nun diese Kenntnisse sowie ihre Vertrautheit mit dem Raspberry Pi und ihre Begeisterung dafür in ihre tägliche Arbeit ein.

Der Einplatinencomputer Raspberry Pi 4 Model B kommt mit 4GByte DDR4 RAM, USB 3.0 und ist PoE-fähig.
Der Einplatinencomputer Raspberry Pi 4 Model B kommt mit 4GByte DDR4 RAM, USB 3.0 und ist PoE-fähig. (Bild: Farnell)

Wir wissen jedoch, dass es für Kunden nicht immer optimal ist, einen vollständigen Raspberry Pi 4 in ein Endgerät einzubauen. Raspberry Pi hat dies erkannt und Änderungen bei seinen neueren Produkten vorgenommen.  Erst kürzlich hat Raspberry Pi mit der Einführung von 32 Varianten seines Compute Module 4 auf die Kundenbedürfnisse reagiert und bietet damit das höchste Maß an Flexibilität und Optionen, das Elektronikentwicklern jemals zur Verfügung stand.  Diese erschwingliche, leistungsstarke „Standardlösung“ mit kleinem Formfaktor wird das enorme Wachstum bei der Verwendung von Single-Board-Computern wie dem Raspberry Pi noch weiter anschieben.

Wie kommt der neue Raspberry Pi Pico an und was ist das Besondere daran?

Susanne Ertl: Der Raspberry Pi Pico ist der neueste und kleinste Zugang der Raspberry-Pi-Familie und hat das Potenzial, den Mikrocontroller-Markt auf die gleiche Weise zu verändern, wie es beim ursprünglichen Raspberry-Pi-Board der Fall war. Für einen Preis von deutlich unter 5 € bietet der Pico eine flexible, äußerst preisgünstige Lösung für Entwicklungen, die auch direkt in Endprodukten eingesetzt werden kann und so deren Markteinführungszeit letztlich erheblich verkürzt.

Er ist das erste Produkt, das auf dem von Raspberry Pi entwickelten Chip, dem neuen Mikrocontroller RP2040, basiert. Der Mikrocontroller verfügt über zwei ARM-Kerne vom Typ Cortex-M0+, die mit bis zu 133 MHz takten. Ebenso sind 256 KByte SRAM eingebaut. Das programmierbare E/A-Subsystem (PIO) zeichnet den RP2040 aus. Das Pico-Board mit 40 Anschlüssen stellt 26 GPIO-Pins mit 3,3 V bereit. Das kleine Modul lässt sich mit Stiftleisten versehen oder auch direkt auf eine Trägerplatine auflöten. Das Board bietet ein breite Palette an flexiblen Ein/Ausgabe Optionen: 2×SPI; 2×I2C, 2×UART; 3×12Bit-ADC; 16 steuerbare PWM-Kanäle. Professionelle Entwickler, die bereits mit dem Raspberry Pi vertraut sind, können den Pico problemlos in ihre Projekte integrieren.

Der Pi Pico ist das erste Produkt, das auf dem von Raspberry Pi entwickelten Chip, der MCU RP2040, basiert.
Der Pi Pico ist das erste Produkt, das auf dem von Raspberry Pi entwickelten Chip, der MCU RP2040, basiert. (Bild: Farnell)

In welchen noch ziemlich unerschlossenen Anwendungsbereichen sehen Sie das größte Potenzial für den Raspberry Pi oder vergleichbare Systeme?

Susanne Ertl: Raspberry-Pi-Produkte werden bereits in verschiedenen Bereichen eingesetzt, wie beispielsweise für intelligentes Fertigungsdesign, zur Überwachung industrieller Automatisierungs- und Steuerungssysteme oder in der intelligenten Landwirtschaft zur Umweltüberwachung. Zudem verwenden unsere Kunden den Pi in medizintechnischen Anwendungen – wie zur Patientenüberwachung. In einigen Fällen führt die Verwendung von Raspberry-Pi-Geräten zu erheblichen Produktivitätsverbesserungen, da die Effizienz bzw. Leistungsfähigkeit von Maschinen als auch Prozessen gesteigert wird – der gesamte Betrieb kann „intelligenter“ gestaltet werden. Die Tatsache, dass die jüngste Generation von Entwicklern den Raspberry Pi bereits während der Ausbildung verwendet hat, hat die Wahl des Raspberry Pi in Industrie- und IoT-Anwendungen gefördert. Anpassungsfähigkeit und Benutzerfreundlichkeit sind hier wichtige Aspekte.

Wie macht sich die noch immer andauernde weltweite Halbleiterknappheit bei Farnell bemerkbar?

Susanne Ertl: Der Mangel an Halbleitern wirkt sich auf unterschiedliche Weise auf Farnell aus. Engpässe bei Halbleitern setzen Kunden und damit auch unsere Verkaufsmitarbeiter stärker unter Druck. Wir selbst bekommen die Herausforderungen im Zusammenhang mit der Verfügbarkeit von Bauelementen ebenfalls in der Produktion der Raspberry-Pi- und micro:bit-Single-Board-Computer zu spüren, die wir im Auftrag der Raspberry Pi Foundation und der Micro:bit Educational Foundation herstellen.

Beim Verkauf von Lagerbeständen gibt es eine Reihe neuer Herausforderungen, wenn es darum geht sicherzustellen, dass unsere Kunden die Produkte, die sie benötigen, zum richtigen Zeitpunkt und zum richtigen Preis erhalten. Da wir in den letzten zwei Jahren in unsere Langerbestände investiert haben, sind wir gut vorbereitet. Nichtsdestotrotz stehen wir eng mit unseren Herstellern und Kunden im Austausch, um in der gegenwärtigen Situation die Nachfrage bedienen zu können. Die derzeit höhere Nachfrage können wir dank vorausschauender Planung noch gut abdecken.

Haben sich die typischen Zyklen, für die die Halbleiterindustrie bekannt ist, verändert?

Susanne Ertl: Der Halbleitermarkt ist in der Vergangenheit dem weltweiten BIP gefolgt, aber dies hat sich jetzt geändert.  Die Elektronik ist verstärkt in unserem Leben präsent, ein Trend, der sich während der Covid-19-Pandemie rasch beschleunigt hat und zu einer stark steigenden Nachfrage nach Halbleitern geführt hat.  Die Verbindung zum globalen BIP ist jetzt gebrochen und wir gehen davon aus, dass der Halbleitermarkt mit zunehmender Akzeptanz des IoT weiter wachsen wird. Es gibt nur sehr wenige Märkte oder Produkte auf der Welt, die weder jetzt noch in Zukunft stark von auf Halbleitern basierenden Technologien abhängen bzw. abhängen werden.

Die Verbesserung der Geschwindigkeit und Funktionalität der globalen Transaktionswebsites für die Kunden von Farnell war 2020 eine Priorität und wird dies auch 2021 und darüber hinaus bleiben.
Die Verbesserung der Geschwindigkeit und Funktionalität der globalen Transaktionswebsites für die Kunden von Farnell war 2020 eine Priorität und wird dies auch 2021 und darüber hinaus bleiben. (Bild: Farnell)

Worin investiert Farnell aktuell am stärksten?

Susanne Ertl: Wie bei den meisten Unternehmen und Branchen im letzten Jahr wurde ein erheblicher Teil der Transaktionen als direkte Folge der Covid-19-Pandemie online abgewickelt. Die Verbesserung der Geschwindigkeit und Funktionalität unserer globalen Transaktionswebsites für unsere Kunden war eine Priorität im letzten Jahr und wird dies auch im Jahr 2021 und darüber hinaus bleiben. Wir haben speziell in die Verbesserung der Selfservicetools unserer Website investiert, beispielsweise in die Einführung intuitiverer, benutzerfreundlicherer BOM-Tools sowie in die Integration von Tools auf der Website, die unsere Kunden nutzen können, um ihren Produktauswahlprozess zu beschleunigen.

Dank der verbesserten Funktionalität auf unserer Website können Entwickler mithilfe von e-Guides das beste Produkt für ihr Design auswählen oder ein bestimmtes Teil an ihre spezifischen Bedürfnisse anpassen. Wir konzentrieren uns darauf, unseren Kunden bessere Möglichkeiten zu bieten, damit sie ihr Projekt so schnell, einfach und selbständig wie möglich umsetzen und abschließen können. Unsere Kunden haben bereits erkannt, welche Vorteile ihnen diese Tools bieten.

Können Sie einige Beispiele für Online-Tools nennen, die dem Entwickler oder auch dem Einkäufer unter die Arme greifen?

Susanne Ertl: Wir haben in den letzten Jahren eine Vielzahl verschiedener Online-Tools für unsere Kunden hinzugefügt – einige zur Unterstützung der Produktauswahl und andere zur Verbesserung des Einkaufserlebnisses. Ein Beispiel hierfür ist der e-Guide für Steckverbinder, ein Online-Referenztool, das detaillierte Informationen zu allen Steckverbindern führender Marken liefert und den Nutzern des Tools ermöglicht, schnell und einfach diejenigen Bauteile zu finden, die sie für ihre Verbindungsanforderungen benötigen. Der e-Guide zeigt und kategorisiert Steckverbinder auf übersichtliche Weise in einem einzigen Online-Hub und ist damit ein unschätzbares Hilfsmittel für Techniker, Entwickler und Ingenieure, die Ersatz für den beschädigten Steckverbinder einer Anwendung finden müssen, ohne die Artikelnummer zu kennen. Das gesuchte Produkt lässt sich anhand von Abbildungen leicht identifizieren. Die intuitive Benutzeroberfläche des e-Guides zeigt auch zugehörige Produkte und Zubehörteile, wie etwa Kabel und Drähte, Crimpwerkzeuge und andere Installationshilfen an. Damit finden Nutzer alle Produkte die sie für eine komplette Verbindungslösung benötigen.

Der e-Guide Steckverbinder ist ein Online-Referenztool, das detaillierte Informationen zu allen Steckverbindern führender Marken liefert.
Der e-Guide Steckverbinder ist ein Online-Referenztool, das detaillierte Informationen zu allen Steckverbindern führender Marken liefert. (Bild: Farnell)

Digitaler Thementag Board-Computing am 21.10.2021

Digitaler Thementag Board-Computing am 21.10.2021

Wie finden Entwickler das für sie passende Board? Hier setzt der Thementag Board-Computing von all-electronics.de an: er beleuchtet das Angebot an Embedded-Computing-Boards aus verschiedenen, fast schon ganzheitlichen Gesichtspunkten. Neben Vorträgen über verschiedene Board-Systeme und Standards, gibt es auch Präsentationen rund um die peripheren Themenbereiche Steckverbinder, Entwärmung und Gehäuse.

Weitere Informationen und die Anmeldung finden Sie hier.

Mit der API-Schnittstelle von Farnell – welche stetig weiterentwickelt wird – können Kunden die Produktverfügbarkeit in Echtzeit überprüfen. Gleichzeitig können sie eine effiziente Kostenberechnung für Bauelemente anstellen, Angebote einholen und Abrechnungen machen. Die API reduziert den Zeit- und Kostenaufwand für die Beschaffung von Produkten, indem Kunden für jedes Produkt auf komprimierte Daten zugreifen können. Mit der Schnittstelle wissen Anwender sofort, was verfügbar ist, wie viel ein Artikel kostet und wann er geliefert werden kann.

Warum werden solche Online-Tools besonders nachgefragt?

Susanne Ertl: Der Trend zu Online-Transaktionen hält seit vielen Jahren an, aber wir haben in allen Sektoren und in Ländern auf der ganzen Welt gesehen, dass die Covid-19-Pandemie diesen Trend noch weiter beschleunigt hat. Bei Farnell wickeln immer mehr Kunden Transaktionen mit uns über das Internet ab. Daher ist der Bedarf an schnelleren, effizienteren und benutzerfreundlicheren Transaktionswebsites größer als je zuvor.

Lokale Außendienstmitarbeiter, die persönlich mit Kunden zusammenarbeiten, waren schon immer ein Unterscheidungsmerkmal von Farnell, und wir werden auch in Zukunft auf dieses Modell zurückgreifen. Wir sind uns jedoch bewusst, dass Verbesserungen an unserem Webangebot, wie der e-Guide für Steckverbinder und die ePass-API, nicht mehr nur optional sind, sondern ein notwendiges Angebot für einen zunehmend digitalen Kundenstamm darstellen.

Wir planen, das Web-Erlebnis für unsere Kunden weiter zu verbessern, einschließlich Produktauswahl, Einkauf und Kundensupport, damit es schneller und einfacher ist, mit uns online zu arbeiten und bei uns einzukaufen.

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