Neue Maßstäbe in der Nanostrukturierung

HSQ-Resists optimieren E-Beam-Lithographie

Strukturgrößen unter 10 nm stellen hohe Anforderungen an Material und Prozess. HSQ-basierte Resists wie Medusa 84 bieten hierfür eine leistungsfähige Lösung mit klaren Vorteilen in Auflösung, Stabilität und Prozesskompatibilität.

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Mit der immer weiter zunehmenden Miniaturisierung elektronischer Bauelemente steigen die Anforderungen an aktuelle Lithographiesysteme kontinuierlich – und zwar nicht nur hinsichtlich der reinen Auflösung, sondern ebenso in Bezug auf Stabilität, Prozesskontrolle und die dafür eingesetzten Materialien. Besonders in der Elektronenstrahllithographie zeigt sich zunehmend, dass klassische polymerbasierte Resists in vielerlei Hinsicht an ihre Grenzen stoßen. Sie können die geforderten Strukturgrößen zwar prinzipiell noch abbilden, stoßen jedoch bei Parametern wie Kantenpräzision, chemischer Stabilität, Prozessrobustheit und Reproduzierbarkeit deutlich an physikalische Limitierungen.

Warum sind klassische Resists im Sub-10-nm-Bereich limitiert?

Anorganische Alternativen wie HSQ eröffnen hier neue Möglichkeiten, da sie sich durch eine grundlegend andere Materialstruktur und Reaktionsmechanik auszeichnen. Sie ermöglichen potenziell höhere Auflösungen, bessere Ätzstabilität und eine insgesamt robustere Prozessführung. Die kontinuierliche Entwicklung und Optimierung solcher HSQ-basierten Materialien ist damit ein entscheidender Schritt, um die Skalierung in Richtung Sub-10-nm-Strukturen zuverlässig weiterzuführen. Gleichzeitig sorgt sie dafür, dass Prozesssicherheit, Materialhandling und Effizienz in der Fertigung nicht kompromittiert werden.

Nanostäbchen: gezielt strukturierte, stabförmige Nanostrukturen, die mit einem Elektronenstrahl in einen Resist geschrieben und anschließend in ein Material übertragen werden.

Neben der eigentlichen Auflösung spielen jedoch eine Reihe weiterer Aspekte eine wesentliche Rolle – etwa die Kompatibilität mit bestehenden Anlagen, die Lagerstabilität der Materialien über längere Zeiträume hinweg sowie die Reproduzierbarkeit der erzielten Ergebnisse. Der folgende Beitrag zeigt daher nicht nur, welche Fortschritte moderne HSQ-Resists bereits ermöglichen, sondern auch, wie diese Materialien in der Praxis eingesetzt werden, welche Stärken sie haben und welche Potenziale sie in Forschung und Industrie perspektivisch erschließen können.

Elektronenstrahllithographie als Schlüsselverfahren für Nanostrukturen

Die Elektronenstrahllithographie (E-Beam-Lithographie) gilt aufgrund ihres maskenlosen Arbeitens und der direkten Schreibweise als prädestinierte Technologie für extrem feine Strukturen. Sie wird beispielsweise für die Herstellung hochauflösender Masken in der Extreme-UV-Lithographie eingesetzt oder für nano-optische Komponenten, bei denen jede geometrische Genauigkeit entscheidend ist. Da der Elektronenstrahl die Strukturen Punkt für Punkt direkt in den Resist schreibt, entsteht ein wesentlich höherer Freiheitsgrad hinsichtlich möglicher Designs als in klassischen photolithographischen Verfahren.

Elektronenstrahllithographie - was ist das?

Die Elektronenstrahllithographie dient dazu, elektronenempfindliche Lacke gezielt zu strukturieren und wird sowohl bei der Fertigung mikroelektronischer Schaltungen als auch bei der Herstellung von Fotomasken für die Photolithographie eingesetzt. Sie gilt als vielversprechendes Verfahren für Strukturgrößen im Bereich von 32 nm und eröffnet darüber hinaus die Perspektive auf noch feinere Auflösungen in zukünftigen Anwendungen.

Dabei werden die Resistmaterialien mit hochbeschleunigten Elektronen bestrahlt, wodurch sich die chemische Struktur der im E-Beam-Resist enthaltenen Polymere verändert. Diese Modifikation beeinflusst das Löslichkeitsverhalten der Lacke in den eingesetzten Entwicklern – bei Positivresists in der Regel organische Lösungsmittelgemische – und ermöglicht eine präzise Strukturierung bis in den Nanometermaßstab. Die so erzeugten Muster lassen sich anschließend auf andere Materialien übertragen, etwa durch Metallisierung oder durch Ätzprozesse im darunterliegenden Substrat.

Dieser Vorteil bringt jedoch auch erhebliche technische Herausforderungen mit sich: Da die Belichtung nicht flächig erfolgt, sondern pixelartig, müssen die verwendeten Resists eine hohe Sensitivität aufweisen, um akzeptable Prozesszeiten zu ermöglichen. Gleichzeitig sind exakte Kantenprofile notwendig, um nachfolgende Ätzprozesse kontrolliert durchführen zu können, ohne dass Strukturen verzerrt oder unterätzt werden. Die Anforderungen an die Ätzresistenz sind deshalb ebenso hoch wie die Anforderungen an die Belichtungsempfindlichkeit.

Die E-Beam-Lithographie bildet damit ein sehr präzises, aber prozesskritisches Verfahren, bei dem die Wahl des geeigneten Resists einen entscheidenden Einfluss auf die erzielbare Performance hat. Je kleiner die Zielgeometrien, desto stärker treten die Schwächen klassischer polymerbasierter Materialien in den Vordergrund – insbesondere hinsichtlich Kantenflanken, ungewollter lateraler Vernetzung oder mangelnder thermischer Stabilität.

Shadow-Wall-Strukturen: dreidimensionale, seitlich abgeschattete Nanostrukturen, die gezielt entstehen, um Materialabscheidung räumlich zu steuern.

Anorganische Materialien mit hoher Ätz- und Temperaturstabilität

Vor diesem Hintergrund rückt Hydrogen Silsesquioxane (HSQ) als vielversprechender Werkstoff in den Fokus. HSQ ist ein anorganisches, siliziumbasiertes Material, das unter Elektronenbestrahlung eine siliziumoxidähnliche Struktur ausbildet. Diese zeichnet sich durch besonders hohe Ätzstabilität und ausgezeichnete thermische Beständigkeit aus.

Im Gegensatz zu polymerbasierten Resists erfolgt die Vernetzung bei HSQ ausschließlich im Fokusbereich des Strahls. Dadurch entsteht kein lateraler chemischer Spread, und die resultierenden Strukturkanten bleiben äußerst steil. Genau diese Eigenschaft ist für die Abbildung von Strukturen im Sub-10-nm-Regime von zentraler Bedeutung.

Medusa 84 – ein von Allresist entwickelter HSQ-basierter Resist – wurde speziell für derartige Anforderungen konzipiert. Ein Schwerpunkt der Entwicklung lag auf der Verbesserung der Langzeitstabilität, da frühere HSQ-Generationen oftmals eine relativ schnelle Gelierung zeigten. Durch die gezielte Entfernung langkettiger Moleküle konnte dieser Prozess verlangsamt werden, was die Lagerfähigkeit erheblich verbessert.

Zusätzlich setzt Allresist auf Butylacetat in VLSI-Qualität als Lösemittel. Dieses weist im Vergleich zu MIBK, das zudem in der EU als kritisch eingestuft ist, ein deutlich günstigeres hygroskopisches Verhalten auf. Dies wirkt sich positiv auf Handhabung, Reproduzierbarkeit und Prozesssicherheit aus.

Leistungsmerkmale von Medusa 84 im Überblick

In der praktischen Anwendung zeigt sich, dass Medusa 84 vielfältige Einsatzmöglichkeiten erlaubt und gerade in komplexen Strukturanforderungen seine Stärken ausspielt. Besonders bei tiefenstrukturierten Masken, diffraktiven optischen Elementen oder MEMS-Prozessen liefert der Resist stabile und hochpräzise Ergebnisse. Durch die hohe Empfindlichkeit können Anwender mit geringeren Dosen arbeiten, was die Gesamtprozesszeiten reduziert und die Produktivität steigert.

Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass sich Graustufenstrukturen erzeugen lassen. Durch gezielte Variation der Elektronendosis können definierte Strukturhöhen realisiert werden – ein entscheidendes Element für Anwendungen wie Metaoptiken oder Mikro-Linsenarrays. Diese kontrollierte Dosissteuerung ermöglicht eine Vielzahl zusätzlicher Designs, die mit klassischen Positiv- oder Negativresists nur schwer realisierbar wären.

Darüber hinaus ist Medusa 84 thermisch bis etwa 600 °C stabil und eignet sich somit für MEMS-Prozesse, bei denen hohe Temperaturen unvermeidbar sind. Durch eine gezielte Nachtemperung kann die Resiststruktur nahezu vollständig in Siliziumoxid überführt werden, was die Beständigkeit der resultierenden Strukturen nochmals erhöht.

Auch hinsichtlich der Entwicklerkompatibilität zeigt sich Medusa 84 flexibel. Der Einsatz von TMAH-Lösungen ist praxiserprobt und ermöglicht eine differenzierte Prozesskontrolle. Tests mit variierenden Entwicklungsbedingungen – sowohl bei der Temperatur als auch bei der Zeit – zeigen, dass reproduzierbare Ergebnisse über ein breites Prozessfenster hinweg erzielt werden können.

Der Raith Voyager ist ein Direct-Write-E-Beam-System, mit dem extrem feine Strukturen ohne Maske direkt in einen Resist geschrieben werden.

Welche Vorteile ergeben sich für Forschung und Industrie?

Für Anwender im industriellen Umfeld ist ein weiterer Punkt entscheidend: die Kompatibilität zu bestehenden Prozesslinien. Medusa 84 lässt sich ohne Änderungen an typischen Prozessparametern wie Dosis, Entwickler oder Nachbrennstufen einsetzen. Dies reduziert Qualifizierungsaufwände erheblich und erleichtert die Integration in bestehende Fertigungsumgebungen.

Hinzu kommt, dass die Substratvielfalt sehr hoch ist, was den Einsatz in unterschiedlichen Technologieplattformen ermöglicht.

Zudem wurden im Entwicklungsprozess gezielt typische Schwächen früherer HSQ-Formulierungen adressiert. Bei einer Lagerung unter −18 °C ist Medusa 84 mindestens ein Jahr stabil. Selbst bei wiederholter Entnahme und erneutem Einlagern bleiben die Materialeigenschaften weitgehend konstant. Anwender berichten von hoher Wiederholgenauigkeit und verlässlicher Handhabung – ein wichtiger Aspekt, da viele Anwender früher aufgrund limitierter Haltbarkeit Vorbehalte gegenüber HSQ hatten. Diese Bedenken können mit der aktuellen Generation weitgehend ausgeräumt werden.

Neue Perspektiven durch UV-Sensibilisierung

Parallel zur bestehenden Produktlinie arbeitet Allresist an einer Erweiterung, die Medusa 84 durch den Einsatz fotoaktiver Komponenten auch für UV-Lithographie nutzbar machen soll. Gelingt dies, könnte die Technologie die Lücke zwischen hochauflösender E-Beam-Lithographie und kosteneffizienten Hochdurchsatzverfahren schließen. Damit würde sich eine neue Nutzergruppe erschließen, die HSQ-Resists bisher nicht in Betracht ziehen konnte.

Darüber hinaus bietet Allresist bereits heute kundenspezifische Varianten an, etwa in Bezug auf Schichtdicken oder Flaschengrößen. Einschränkungen bestehen lediglich bei Additiven, deren Wechselwirkungen mit HSQ noch nicht vollständig vorhersehbar sind – ein Bereich, der sich jedoch für zukünftige Forschungskooperationen anbietet.

Zukunftsperspektiven: UV-sensibilisierte HSQ-Resists für neue Lithographie-Anwendungen

HSQ-basierte Resists wie Medusa 84 bieten der Elektronenstrahllithographie völlig neue Möglichkeiten, wenn es um hochauflösende, ätzstabile und zugleich prozesssichere Anwendungen geht. Die Kombination aus Strukturpräzision, robuster Prozessführung, hoher Lagerstabilität und guter Drop-in-Kompatibilität macht sie sowohl für Forschungseinrichtungen als auch für industrielle Anwender attraktiv.

Mit laufenden Entwicklungsarbeiten – insbesondere der UV-Sensibilisierung – dürfte sich das Anwendungsspektrum weiter vergrößern. Die Innovationskraft von HSQ-Resists liegt dabei nicht nur in der Materialwahl selbst, sondern in der konsequenten Betrachtung der gesamten Prozesskette: von der Formulierung über die Kompatibilität bis hin zur praxisnahen Unterstützung durch Datenblätter, Support und Bildmaterial. Allresist positioniert sich damit als verlässlicher Partner für präzise Nanostrukturierung – in Forschung und industrieller Fertigung gleichermaßen. (bs)

Dieser Beitrag basiert auf Unterlagen von Allresist.