Strukturgrößen unter 10 nm stellen hohe Anforderungen an Material und Prozess. HSQ-basierte Resists wie Medusa 84 bieten hierfür eine leistungsfähige Lösung mit klaren Vorteilen in Auflösung, Stabilität und Prozesskompatibilität.
Sabine SynkuleSabineSynkule
4 min
rookielion - @stock.adobe.com
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Mit der immer weiter zunehmenden Miniaturisierung
elektronischer Bauelemente steigen die Anforderungen an aktuelle
Lithographiesysteme kontinuierlich – und zwar nicht nur hinsichtlich der reinen
Auflösung, sondern ebenso in Bezug auf Stabilität, Prozesskontrolle und die
dafür eingesetzten Materialien. Besonders in der Elektronenstrahllithographie
zeigt sich zunehmend, dass klassische polymerbasierte Resists in vielerlei
Hinsicht an ihre Grenzen stoßen. Sie können die geforderten Strukturgrößen zwar
prinzipiell noch abbilden, stoßen jedoch bei Parametern wie Kantenpräzision,
chemischer Stabilität, Prozessrobustheit und Reproduzierbarkeit deutlich an
physikalische Limitierungen.
Warum sind klassische Resists im Sub-10-nm-Bereich limitiert?
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Anorganische Alternativen wie HSQ eröffnen hier neue
Möglichkeiten, da sie sich durch eine grundlegend andere Materialstruktur und
Reaktionsmechanik auszeichnen. Sie ermöglichen potenziell höhere Auflösungen,
bessere Ätzstabilität und eine insgesamt robustere Prozessführung. Die
kontinuierliche Entwicklung und Optimierung solcher HSQ-basierten Materialien
ist damit ein entscheidender Schritt, um die Skalierung in Richtung Sub-10-nm-Strukturen
zuverlässig weiterzuführen. Gleichzeitig sorgt sie dafür, dass
Prozesssicherheit, Materialhandling und Effizienz in der Fertigung nicht
kompromittiert werden.
Nanostäbchen: gezielt strukturierte, stabförmige Nanostrukturen, die mit einem Elektronenstrahl in einen Resist geschrieben und anschließend in ein Material übertragen werden.Allresist
Neben der eigentlichen Auflösung spielen jedoch eine Reihe
weiterer Aspekte eine wesentliche Rolle – etwa die Kompatibilität mit
bestehenden Anlagen, die Lagerstabilität der Materialien über längere Zeiträume
hinweg sowie die Reproduzierbarkeit der erzielten Ergebnisse. Der folgende
Beitrag zeigt daher nicht nur, welche Fortschritte moderne HSQ-Resists bereits
ermöglichen, sondern auch, wie diese Materialien in der Praxis eingesetzt
werden, welche Stärken sie haben und welche Potenziale sie in Forschung und
Industrie perspektivisch erschließen können.
Elektronenstrahllithographie als Schlüsselverfahren für Nanostrukturen
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Die Elektronenstrahllithographie (E-Beam-Lithographie) gilt
aufgrund ihres maskenlosen Arbeitens und der direkten Schreibweise als
prädestinierte Technologie für extrem feine Strukturen. Sie wird beispielsweise
für die Herstellung hochauflösender Masken in der Extreme-UV-Lithographie
eingesetzt oder für nano-optische Komponenten, bei denen jede geometrische
Genauigkeit entscheidend ist. Da der Elektronenstrahl die Strukturen Punkt für
Punkt direkt in den Resist schreibt, entsteht ein wesentlich höherer Freiheitsgrad
hinsichtlich möglicher Designs als in klassischen photolithographischen
Verfahren.
Elektronenstrahllithographie - was ist das?
Die Elektronenstrahllithographie dient dazu,
elektronenempfindliche Lacke gezielt zu strukturieren und wird sowohl bei der
Fertigung mikroelektronischer Schaltungen als auch bei der Herstellung von
Fotomasken für die Photolithographie eingesetzt. Sie gilt als
vielversprechendes Verfahren für Strukturgrößen im Bereich von 32 nm und
eröffnet darüber hinaus die Perspektive auf noch feinere Auflösungen in
zukünftigen Anwendungen.
Dabei werden die Resistmaterialien mit hochbeschleunigten
Elektronen bestrahlt, wodurch sich die chemische Struktur der im E-Beam-Resist
enthaltenen Polymere verändert. Diese Modifikation beeinflusst das
Löslichkeitsverhalten der Lacke in den eingesetzten Entwicklern – bei
Positivresists in der Regel organische Lösungsmittelgemische – und ermöglicht
eine präzise Strukturierung bis in den Nanometermaßstab. Die so erzeugten
Muster lassen sich anschließend auf andere Materialien übertragen, etwa durch
Metallisierung oder durch Ätzprozesse im darunterliegenden Substrat.
Dieser Vorteil bringt jedoch auch erhebliche technische
Herausforderungen mit sich: Da die Belichtung nicht flächig erfolgt, sondern
pixelartig, müssen die verwendeten Resists eine hohe Sensitivität aufweisen, um
akzeptable Prozesszeiten zu ermöglichen. Gleichzeitig sind exakte Kantenprofile
notwendig, um nachfolgende Ätzprozesse kontrolliert durchführen zu können, ohne
dass Strukturen verzerrt oder unterätzt werden. Die Anforderungen an die
Ätzresistenz sind deshalb ebenso hoch wie die Anforderungen an die
Belichtungsempfindlichkeit.
Die E-Beam-Lithographie bildet damit ein sehr präzises, aber
prozesskritisches Verfahren, bei dem die Wahl des geeigneten Resists einen
entscheidenden Einfluss auf die erzielbare Performance hat. Je kleiner die
Zielgeometrien, desto stärker treten die Schwächen klassischer polymerbasierter
Materialien in den Vordergrund – insbesondere hinsichtlich Kantenflanken,
ungewollter lateraler Vernetzung oder mangelnder thermischer Stabilität.
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Shadow-Wall-Strukturen: dreidimensionale, seitlich abgeschattete Nanostrukturen, die gezielt entstehen, um Materialabscheidung räumlich zu steuern.Allresist
Anorganische Materialien mit hoher Ätz- und Temperaturstabilität
Vor diesem Hintergrund rückt Hydrogen Silsesquioxane (HSQ)
als vielversprechender Werkstoff in den Fokus. HSQ ist ein anorganisches,
siliziumbasiertes Material, das unter Elektronenbestrahlung eine
siliziumoxidähnliche Struktur ausbildet. Diese zeichnet sich durch besonders
hohe Ätzstabilität und ausgezeichnete thermische Beständigkeit aus.
Im Gegensatz zu polymerbasierten Resists erfolgt die
Vernetzung bei HSQ ausschließlich im Fokusbereich des Strahls. Dadurch entsteht
kein lateraler chemischer Spread, und die resultierenden Strukturkanten bleiben
äußerst steil. Genau diese Eigenschaft ist für die Abbildung von Strukturen im
Sub-10-nm-Regime von zentraler Bedeutung.
Medusa 84 – ein von Allresist entwickelter HSQ-basierter
Resist – wurde speziell für derartige Anforderungen konzipiert. Ein Schwerpunkt
der Entwicklung lag auf der Verbesserung der Langzeitstabilität, da frühere
HSQ-Generationen oftmals eine relativ schnelle Gelierung zeigten. Durch die
gezielte Entfernung langkettiger Moleküle konnte dieser Prozess verlangsamt
werden, was die Lagerfähigkeit erheblich verbessert.
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Zusätzlich setzt Allresist auf Butylacetat in VLSI-Qualität
als Lösemittel. Dieses weist im Vergleich zu MIBK, das zudem in der EU als
kritisch eingestuft ist, ein deutlich günstigeres hygroskopisches Verhalten
auf. Dies wirkt sich positiv auf Handhabung, Reproduzierbarkeit und
Prozesssicherheit aus.
Leistungsmerkmale von Medusa 84 im Überblick
In der praktischen Anwendung zeigt sich, dass Medusa 84
vielfältige Einsatzmöglichkeiten erlaubt und gerade in komplexen
Strukturanforderungen seine Stärken ausspielt. Besonders bei
tiefenstrukturierten Masken, diffraktiven optischen Elementen oder
MEMS-Prozessen liefert der Resist stabile und hochpräzise Ergebnisse. Durch die
hohe Empfindlichkeit können Anwender mit geringeren Dosen arbeiten, was die
Gesamtprozesszeiten reduziert und die Produktivität steigert.
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Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass sich
Graustufenstrukturen erzeugen lassen. Durch gezielte Variation der
Elektronendosis können definierte Strukturhöhen realisiert werden – ein
entscheidendes Element für Anwendungen wie Metaoptiken oder Mikro-Linsenarrays.
Diese kontrollierte Dosissteuerung ermöglicht eine Vielzahl zusätzlicher
Designs, die mit klassischen Positiv- oder Negativresists nur schwer
realisierbar wären.
Darüber hinaus ist Medusa 84 thermisch bis etwa 600 °C
stabil und eignet sich somit für MEMS-Prozesse, bei denen hohe Temperaturen
unvermeidbar sind. Durch eine gezielte Nachtemperung kann die Resiststruktur
nahezu vollständig in Siliziumoxid überführt werden, was die Beständigkeit der
resultierenden Strukturen nochmals erhöht.
Auch hinsichtlich der Entwicklerkompatibilität zeigt sich
Medusa 84 flexibel. Der Einsatz von TMAH-Lösungen ist praxiserprobt und
ermöglicht eine differenzierte Prozesskontrolle. Tests mit variierenden
Entwicklungsbedingungen – sowohl bei der Temperatur als auch bei der Zeit –
zeigen, dass reproduzierbare Ergebnisse über ein breites Prozessfenster hinweg
erzielt werden können.
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Der Raith Voyager ist ein Direct-Write-E-Beam-System, mit dem extrem feine Strukturen ohne Maske direkt in einen Resist geschrieben werden.Allresist
Welche Vorteile ergeben sich für Forschung und Industrie?
Für Anwender im industriellen Umfeld ist ein weiterer Punkt
entscheidend: die Kompatibilität zu bestehenden Prozesslinien. Medusa 84 lässt
sich ohne Änderungen an typischen Prozessparametern wie Dosis, Entwickler oder
Nachbrennstufen einsetzen. Dies reduziert Qualifizierungsaufwände erheblich und
erleichtert die Integration in bestehende Fertigungsumgebungen.
Hinzu kommt, dass die Substratvielfalt sehr hoch ist, was
den Einsatz in unterschiedlichen Technologieplattformen ermöglicht.
Zudem wurden im Entwicklungsprozess gezielt typische
Schwächen früherer HSQ-Formulierungen adressiert. Bei einer Lagerung unter −18
°C ist Medusa 84 mindestens ein Jahr stabil. Selbst bei wiederholter Entnahme
und erneutem Einlagern bleiben die Materialeigenschaften weitgehend konstant.
Anwender berichten von hoher Wiederholgenauigkeit und verlässlicher Handhabung
– ein wichtiger Aspekt, da viele Anwender früher aufgrund limitierter
Haltbarkeit Vorbehalte gegenüber HSQ hatten. Diese Bedenken können mit der
aktuellen Generation weitgehend ausgeräumt werden.
Neue Perspektiven durch UV-Sensibilisierung
Parallel zur bestehenden Produktlinie arbeitet Allresist an
einer Erweiterung, die Medusa 84 durch den Einsatz fotoaktiver Komponenten auch
für UV-Lithographie nutzbar machen soll. Gelingt dies, könnte die Technologie
die Lücke zwischen hochauflösender E-Beam-Lithographie und kosteneffizienten
Hochdurchsatzverfahren schließen. Damit würde sich eine neue Nutzergruppe
erschließen, die HSQ-Resists bisher nicht in Betracht ziehen konnte.
Darüber hinaus bietet Allresist bereits heute
kundenspezifische Varianten an, etwa in Bezug auf Schichtdicken oder
Flaschengrößen. Einschränkungen bestehen lediglich bei Additiven, deren
Wechselwirkungen mit HSQ noch nicht vollständig vorhersehbar sind – ein
Bereich, der sich jedoch für zukünftige Forschungskooperationen anbietet.
Zukunftsperspektiven: UV-sensibilisierte HSQ-Resists für neue Lithographie-Anwendungen
HSQ-basierte Resists wie Medusa 84 bieten der
Elektronenstrahllithographie völlig neue Möglichkeiten, wenn es um
hochauflösende, ätzstabile und zugleich prozesssichere Anwendungen geht. Die
Kombination aus Strukturpräzision, robuster Prozessführung, hoher
Lagerstabilität und guter Drop-in-Kompatibilität macht sie sowohl für
Forschungseinrichtungen als auch für industrielle Anwender attraktiv.
Mit laufenden Entwicklungsarbeiten – insbesondere der
UV-Sensibilisierung – dürfte sich das Anwendungsspektrum weiter vergrößern. Die
Innovationskraft von HSQ-Resists liegt dabei nicht nur in der Materialwahl
selbst, sondern in der konsequenten Betrachtung der gesamten Prozesskette: von
der Formulierung über die Kompatibilität bis hin zur praxisnahen Unterstützung
durch Datenblätter, Support und Bildmaterial. Allresist positioniert sich damit
als verlässlicher Partner für präzise Nanostrukturierung – in Forschung und
industrieller Fertigung gleichermaßen. (bs)
Dieser Beitrag basiert auf Unterlagen von Allresist.