Single-Pair-Ethernet (10BASE-T1S) ermöglicht durchgängige, standardisierte Datenkommunikation in Edge-Architekturen. Es reduziert Hardwarekomplexität, senkt Kosten und unterstützt die sichere Integration von OT- und IT-Systemen.
Henry MuyshondtHenryMuyshondt
Martn - @stock.adobe.com
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Industrieanlagen nutzen schon
seit langem digitale Daten zur Überwachung und Steuerung ihrer Produktionsanlagen.
Große Netzwerke in Fabriken, Rechenzentren und Geschäftsgebäuden haben die
Grenzen ihrer digitalen Informationsnetzwerke immer näher an die reale Welt
herangeführt. Physikalische Messungen von Größen wie Temperatur, Druck, Nähe
oder Licht werden in digitale Informationen umgewandelt, die das System
verarbeiten kann. Anschließend werden die Ergebnisse in Aktionen realer Geräte
wie Ventile, Lüfter, Netzteile, Anzeigen usw. umgewandelt. Netzwerke für Informationstechnologie
(IT) und Betriebstechnologie (OT) tendieren dazu, ähnliche Techniken zu
verwenden, um den Datenfluss im gesamten Unternehmen zu erleichtern.
Entwicklung zentralisierter Netzwerkarchitekturen
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Eine Möglichkeit, IT und
OT näher zusammenzubringen, besteht darin, ein einziges zugrunde liegendes
Netzwerk für die Kommunikation zwischen verschiedenen Systemen zu verwenden.
Als die Elektronik erstmals in die Automatisierungstechnik eintrat, wurden
verschiedene verteilte Subsysteme spezialisiert und durch die verwendete
Hardware definiert. Für diese domänenspezifischen Hardwarearchitekturen wurden
Kommunikationstechniken definiert, die für bestimmte Anwendungen optimiert
waren. Alle verwendeten spezielle Busse, was komplexe Gateways erforderte, um
Kommunikationsprotokolle von einem Hardwaresystem in ein anderes zu übersetzen.
Im Laufe der Zeit wurden
veraltete Ansätze durch zentralisierte, softwaredefinierte Architekturen
ersetzt. Anstelle unabhängiger und getrennter Bereiche oder Funktionen werden
die elektronischen Schnittstellen in einem Unternehmen in Zonen gruppiert und
mit einer zentralisierten Rechenplattform verbunden. Dabei kommt das aktuell allgegenwärtige
Ethernet zum Einsatz, um Daten dorthin zu transportieren, wo sie benötigt
werden. Die Technik ist skalierbar: Ein einzelner Software-Stack kann
verschiedene physische Hardware-Schichten verwenden, um Informationen mit
unterschiedlichen Geschwindigkeiten zu übertragen, ohne die Daten selbst zu
verändern. Unabhängig von der Bandbreite einer bestimmten Ethernet-Verbindung
wird ein einziges Ethernet-Rahmenformat verwendet. Ethernet-Switches passen die
Geschwindigkeit der Datenübertragung an jedem ihrer Ports automatisch an.
Bild 1: Netzwerktrends: Von Hardware-definiert zu Software-definiert.Microchip Technology
Am Rand des Netzwerks (Edge)
nehmen verschiedene Sensoren (Temperatur, Druck, Licht, Nähe usw.) Daten aus
der physischen Welt auf und wandeln sie in digitale Informationen um. Nach der
Verarbeitung wandeln Aktoren (Motoren, Leuchten, Ventilatoren, Ventile usw.)
die digitalen Daten in Aktionen um. Diese Geräte benötigen meist keine großen
Datenmengen – aber die Kabel müssen einfach und leicht zu installieren sein.
10BASE-T1S Ethernet wurde für diese Anwendungen entwickelt und bringt Ethernet
auf sehr einfache Geräte. Bild 1 beschreibt diesen technologischen Trend.
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Was leistet 10BASE-T1S in industriellen Netzwerken?
10BASE-T1S-Ethernet wurde speziell für diese zonalen Architekturen
entwickelt. Die Datenübertragung erfolgt mit 10 MBit/s über ein einzelnes
symmetrisches Adernpaar. Die Technik basiert auf den einfachen Mechanismen, die
verwendet wurden, als Ethernet vor mehr als 40 Jahren erstmals zum Standard
wurde, verbessert diese jedoch, um die gesamte verfügbare Bandbreite effektiver
zu nutzen.
Ethernet verwendete anfangs ein einzelnes Koaxialkabel, an das mehrere
Geräte direkt angeschlossen wurden. Die heute weit verbreiteten Switches wurden
später entwickelt, um die durch die Multidrop-Natur des ursprünglichen Schemas
verursachten Mängel zu beseitigen. Sie führten jedoch zu Komplexität und Kosten
und dazu, dass einzelne Punkt-zu-Punkt-Verbindungen zwischen einem Gerät und
einem Switch erforderlich wurden.
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Das ursprüngliche Ethernet funktionierte so, dass verschiedene Geräte die
Leitung, mit der sie verbunden waren, erkannten und dann versuchten, Daten zu
übertragen. Wenn nur ein Gerät mit der Übertragung begann, konnte es ein ganzes
Informationspaket senden. Wenn mehrere Geräte gleichzeitig zu senden
versuchten, kam es zu einer Kollision auf der Leitung, die von allen
angeschlossenen Geräten erkannt wurde. Diese schalteten die Übertragung dann ab
und versuchten es nach einer zufälligen Zeitspanne erneut. Diese Technik wurde als CSMA/CD (Carrier
Sense Multiple Access with Collision Detection) bezeichnet. Ihr größter Nachteil bestand darin, dass es zu
mehr Kollisionen kam, je mehr Geräte an das Single-Wire-Backbone angeschlossen
waren und immer mehr Zeit mit dem Zurücksetzen und erneuten Versuch
verschwendet wurde. Die effektive Bandbreite der Verbindung wurde dabei
erheblich begrenzt.
10BASE-T1S-Ethernet löst dieses Problem durch den Arbitrationsmechanismus
PLCA. Dieser ist für Halbduplex-Multidrop-Netzwerke wie 10BASE-T1S ausgelegt
und beseitigt die Probleme mit CSMA/CD in Multidrop-Mischsegmenten.
Mit PLCA beginnt der Übertragungszyklus mit einem Beacon, der von einem
Koordinatorknoten (Knoten 0) gesendeten wird und den die Netzwerkknoten zur
Synchronisierung verwenden. Nach dem Senden des Beacons geht die
Übertragungsmöglichkeit an Knoten 1 über. Wenn dieser keine Daten zu senden
hat, gibt er seine Möglichkeit an Knoten 2 weiter, usw. Der Vorgang wird fortgesetzt,
bis jedem Knoten mindestens eine Übertragungsmöglichkeit angeboten wurde.
Anschließend wird vom Koordinatorknoten ein neuer Zyklus eingeleitet, der einen
weiteren Beacon sendet.
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Um zu verhindern, dass ein Knoten den Bus blockiert,
unterbricht eine Jabber-Funktion die Übertragung eines Knotens, wenn dieser die
ihm zugewiesene Zeit überschreitet, sodass der nächste Knoten senden kann. Dies
hat keine Auswirkungen auf den Datendurchsatz und es kommt zu keinen
Datenkollisionen auf dem Bus. CSMA/CD kann zufällige Latenzen aufweisen, die
durch Datenkollisionen verursacht werden. PLCA bietet eine garantierte maximale
Latenz und andere Eigenschaften, die diese Einschränkungen überwinden. Bild 2
veranschaulicht die Funktionsweise von PLCA.
Bild 2: Funktionsweise von PLCA (Physical Layer Collision Avoidance).Microchip Technology
Sicherheit durch standardisierte Ethernet-Strukturen
Nachdem die Datenbits und -bytes aus der Leitung, die diese von einem Gerät
zum anderen transportiert hat, wiederhergestellt wurden, werden sie in einem
Standard-Ethernet-Paketformat an höhere Softwareschichten übergeben. Dieses
Format enthält eine Zieladresse, eine Quelladresse, einige Verwaltungsbits und
eine Nutzlast. Das Format ändert sich nicht mit Änderungen in der physikalischen
Schicht. Die Softwareschicht bleibt somit konstant, auch wenn sich die
Netzwerkgeschwindigkeiten ändern, wenn immer mehr Daten zur Verarbeitung durch
ein Computersystem aggregiert werden. Bild 3 zeigt das Gesamtkonzept.
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Bild 3: Ethernet vom Edge- bis zum Cloud-Bereich.Microchip Technology
Anstelle verschiedener Feldbusse und Protokolle an den Endpunkten eines
OT-Netzwerks können Ethernet-Mechanismen verwendet werden, um diese Geräte
anzuschließen. Sie alle können mithilfe gut verstandener Ethernet-Mechanismen
angesprochen werden.
Dazu gehören Sicherheitsmechanismen, um das Eindringen oder das Ausspähen
von Daten oder, schlimmer noch, die Störung der Systeme, die die Daten
verwenden, zu verhindern. Ethernet wird in hochsicheren Anwendungen wie dem
Bankwesen eingesetzt, da die Cyber-Resilienz von Ethernet-Netzwerken gut
entwickelt ist. Andere dedizierte Kommunikationstechniken verfügen
möglicherweise nur über wenige oder gar keine Cybersicherheitsfunktionen. Sie
müssten entwickelt und dann gewartet werden. Auch die Logistik für die
Bereitstellung dieser Funktionen müsste eingerichtet werden. Diese Logistik
kann komplexer sein als die Entwicklung und Herstellung eines Hardwareprodukts.
Es sind Einrichtungen mit kontrolliertem Zugang erforderlich, und es kann
überall in der Lieferkette zu Vertrauensbrüchen kommen. Es gibt nur sehr wenige
Halbleiterlieferanten, die für diese Aufgabe gerüstet sind.
Ethernet ist ein integraler Bestandteil der Datenanalyse-Infrastruktur. Big
Data wird zur Analyse von Trends und zur Bereitstellung von Dienstleistungen
verwendet. Vorausschauende Wartung, Ferndiagnose und andere Überwachungsdienste
erfordern den Zugriff auf alle Daten in einem System. Ethernet kann den Zugriff
auf die entlegensten Bereiche einer industriellen Infrastruktur ermöglichen.
Dies geht Hand in Hand mit der Möglichkeit, Software zur Verwaltung verschiedener
Prozesse und für dynamische Anpassungen bei technologischen Veränderungen zu
verwenden.
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Welche Rolle spielt Ethernet für funktionale Sicherheit?
Standardisierte Technik wie Ethernet vereinfacht auch die Entwicklung
funktional sicherer Systeme. Funktionale Sicherheit bedeutet, dass das System
bei einem Ausfall vorhersehbar reagieren kann, um weitere Probleme zu
vermeiden. Verschiedene Branchen haben unterschiedliche Standards. Im
Fahrzeugbereich gilt u. a. die Norm ISO26262. Industrielle Anwendungen richten
sich nach IEC61508. Medizintechnische, Consumer- und andere Anwendungen haben
ihre eigenen Standards – sie sind jedoch alle ähnlich. Funktionale Sicherheit
gilt für komplette Systeme, aber Entwickler müssen sicherstellen, dass die von
ihnen verwendeten Komponenten für funktionale Sicherheit bereit sind, um das
komplette System zertifizieren zu können.
So müssen Halbleiterbauelemente mit Handbüchern zur funktionalen Sicherheit
geliefert werden, in denen die Auswirkungen von Fehlermodi analysiert und
diagnostiziert sind. Dies wird als FMEDA (Failure Modes Effects and Diagnostic
Analysis) bezeichnet, was eine Methode zur Ermittlung von Fehlerursachen und
deren Auswirkungen auf das System ist. Sie wird in den frühen Phasen der
Systementwicklung angewendet, um Schwachstellen zu erkennen und zu beheben.
10BASE-T1S als Brückentechnologie zwischen OT und IT
10BASE-T1S Ethernet schafft neue Geschäftsmöglichkeiten für die Verbindung
von OT- und IT-Netzwerken, die Interoperabilität und Sicherheit erfordern. Der
Zugriff auf Daten kann von Edge-Knoten aus erfolgen und zur Aktivierung neuer
intelligenter vorausschauender Dienste sowie zur Nachverfolgung und Verwaltung
von Assets genutzt werden.
Die Systemkosten werden durch einfachere Komponenten, Software-Design und
Verkabelung reduziert. Gateways erübrigen sich. Die Anzahl der verwendeten
Switch-Ports wird reduziert, da mehrere Geräte über eine Zweidrahtleitung an
eine einzige Busleitung angeschlossen werden.
Das Risiko wird durch einheitliche Schnittstellen und bewährte
Sicherheitsmechanismen reduziert. 10BASE-T1S Ethernet ergänzt ältere Lösungen
am Rand von IIoT-Netzwerken. Es ermöglicht ein einheitliches Design,
Softwareentwicklung, Tests und Wartung auf allen Ebenen von OT- und
IT-Netzwerken. Einfachere Architekturen mit erhöhter Sicherheit reduzieren das
Risiko für Entwickler und ermöglichen funktional sichere Systeme. (bs)
Autor
Henry Muyshondt, Senior Marketing
Manager bei Microchip Technology