Profilbasierte Aluminiumgehäuse übernehmen in Embedded Systems weit mehr als nur Schutzfunktionen: Sie verbessern die Integration, unterstützen die passive Kühlung und lassen sich präzise an technische Anforderungen anpassen.
Bettina LochenBettinaLochen
4 min
Bild 1: Der Tubus der Gehäuseserien EMB und EMBFR 180 besteht aus einer Profilschale, einem Bodenblech sowie zwei Deckelplatten.Fischer Elektronik
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In
vielen elektronischen Bereichen ist der Einsatz von Embedded Systems zur
gängigen Praxis geworden. Damit diese Systeme auch unter anspruchsvollen
Einsatzbedingungen zuverlässig arbeiten, sind robuste und konstruktiv
durchdachte Gehäuselösungen unverzichtbar. Neben dem mechanischen Schutz vor
negativen äußeren Einflüssen müssen Gehäuse der implementierten Elektronik Integrationsmöglichkeiten
für Leiterplatten und Modulen bieten, oder zur Entwärmung der
Halbleiterbauteile beitragen. Je nach Anwendung kommen Aspekte wie die optische
und funktionale Anpassung an das jeweilige Gerätekonzept hinzu. Aluminiumgehäuse haben sich hierbei als ideale Lösung
etabliert. Insbesondere profilbasierte Aluminiumgehäuse ermöglichen durch die
präzise Realisierbarkeit zweckdienlicher Details im Strangpressprozess und der
hervorragenden Materialeigenschaften eine optimale Umhausung für
Elektroniksysteme wie beispielsweise Embedded Systems.
Modularität,
Funktionsintegration und thermische Performance von Aluminiumgehäusen
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Als erfahrener Hersteller von mechanischen
Elektronikkomponenten offeriert Fischer Elektronik, neben Kühlkörpern
und Steckverbindern, ein breites Portfolio von Aluminiumgehäusen in diversen
Größen und Ausführungen. Darunter befinden sich profilbasierte Gehäuse, welche
einem modularen sowie funktionsoptimierten Aufbau folgen, und aufgrund ihrer
thermischen Leistungsfähigkeit als Wärmeableitgehäuse bezeichnet werden.
Der Tubus der Gehäusefamilie „EMB“ besteht beispielsweise aus
einem stranggepressten und außen gerippten Aluminium-Schalenprofil (EN
AW 6060 T66) sowie einer 2 mm starken Bodenplatte (AlMg1). An die Profilkontur angepasste Deckelplatten (AlMg1) schließen den Tubus front- und rückseitig ab und
vervollständigen so den Grundaufbau. (Bild 1) Die Verwendung von stranggepressten Aluminiumprofilen erweist sich bei der Entwicklung von
Elektronikgehäuse als sehr vorteilhaft. Zum einen werden sie bei
Gehäuseherstellern als Meterware bevorratet und erst bei Bedarf zugeschnitten,
was Anwendern die Gelegenheit bietet die Gehäuse, neben den Standardlängen (105,
150, 200 und 220 mm), auch in kundenspezifischen Längen zu bestellen. Des
Weiteren lassen sie sich durch das Strangpressverfahren mit komplexen Geometrien,
geringen Toleranzen sowie einer hohen Reproduzierbarkeit wirtschaftlich
herstellen. Auf dieser Grundlage entstehen auch die Gehäuseschalen
der EMB-Gehäuseserien. Sie sind mit verschiedenen praktikablen Konturelementen
versehen, welche die Systemintegration erleichtern oder die Entwärmung der
Halbleiterbauteile unterstützen.
Zur Montage der Bodenplatte besitzen die EMB-Gehäuseschale bodenseitig
an beiden Schenkeln T‑Nuten, die der Aufnahme von Gewindestreifen (St1203)
dienen, über welche die Fixierung der Bodenplatten mit M3‑Torx‑Schrauben erfolgt.
Diese konstruktive Auslegung ermöglicht ein häufiges Öffnen und Schließen der
Gehäuse, was ein klarer Vorteil für Anwendungen ist, bei denen die Bodenplatten
regelmäßig abgenommen werden, um elektronische Komponenten zu warten oder
auszutauschen. Die Befestigung der Deckelplatten gewährleisten vier im
Schalenprofil integrierte Kanäle, welche an beiden Profilstirnseiten mit M3
Gewinden versehen sind.
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Durch innere Konturelemente eröffnen die Gehäuseschale
ein Montagesystem, das die Integration verschiedener Formfaktoren
ermöglicht.
Während Führungsnuten ein einfaches Einschieben von nicht
genormten Leiterkarten oder Montageplatten auf unterschiedlichen Ebenen
erlauben, bieten die in der Gehäusedecke integrierten T‑Nuten eine Aufnahme für
Gewindestreifen oder variable positionierbare T‑Nutensteine, über die sich,
abhängig vom Gehäuseformat, Mainboard‑Standards wie Mini‑ITX,
Mini‑STX, EBX, Nano‑ITX, EPIC, ETX/XTX und PC/104 mithilfe
geeigneter Befestigungselemente wie Abstandsbolzen montieren lassen.
Ein markantes Detail der EMB-Gehäusefamilie
bildet die äußere Rippengeometrie. Sie dient jedoch nicht als Eyecatcher,
sondern trägt vielmehr zur thermischen Leistung der Gehäuse bei. (Bild 2)
Da die vorrangige Funktion typischer Embedded
Systems meist nur in einer Aufgabe besteht, arbeitet die Elektronik dieser
Systeme mit niedrigen Spannungen und kleinen Strömen, und kann in der Regel ohne
Lüfter betrieben werden. Doch
selbst kleine Recheneinheiten erzeugen während des Betriebs kontinuierlich
Verlustwärme, die bei unzureichender Abfuhr zu Überhitzung der
Elektronik führt. Aufgrund der hervorragenden Wärmeleitfähigkeit der Legierung EN AW 6060 von bis zu 210 (W/m·K)
wirken die Gehäuse diesem Risiko entgegen, indem die Gehäuseschalen neben ihrer Funktion als robuste
Umhausung gleichzeitig als effektive Wärmesenke dienen.
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Bild 3: Das Gehäuse EMB FR 180 enthält zusätzliche Konturen zur Befestigung von Leistungstransistoren, Rth-Diagramme verdeutlichen die thermische Leistung der Profilschale.Fischer Elektronik
Mittels
einer thermischen Anbindung der wärmeproduzierenden Bauteile mit der
Gehäuseschale gelangt die Wärme in die Gehäuseschale, wird dort verteilt und
anschließend über die Oberfläche der Gehäuseschale an die Umgebungsluft
abgeleitet. Die gerippte Außengeometrie unterstützt diesen Prozess, da sie die
Oberfläche vergrößert und es so zu einem besseren Energieaustausch mit der
Umgebungsluft kommt. Damit Entwickler die thermische Leistung der Gehäuse
besser einschätzen können, stellen Hersteller Diagramme bereit, aus denen sich
der Wärmewiderstand der Gehäuseschale in Abhängigkeit von deren Länge direkt
ablesen lässt. Je geringer der Rth-Wert ausfällt, desto effizienter leitet die
Gehäuseschale die Wärme an die Umgebung
ab.
Üblicherweise
enthalten Embedded Systems keine Leistungstransistoren, da deren
Leistungsfähigkeit für die Anwendung solcher Systeme überdimensioniert wäre. Jedoch gibt es Anwendungen in denen sie gezielt eingesetzt
werden. Für solche spezialisierten Fälle hat Fischer Elektronik das
Gehäuse EMB FR 180 entwickelt, welches eine zuverlässige Befestigung und gleichzeitige
Entwärmung von Leistungstransistoren ermöglicht. Neben T-Nuten zur Befestigung
von 100 mm Europakarten und vier Führungsnuten zur Aufnahme von 160 mm
Europakarten enthält die Gehäuseschale
an der Innenseite beider Schenkel eine speziell entwickelte Kontur über die
sich mittels Transistorhaltefedern (THFU 2, THFU 3, THFU 4 und THFU 6)
verschiedenartige Transistorgehäusetypen einfach und schnell einclipsen lassen.
Die durch die
Geometrie der Haltefeder erzeugte Klemmkraft gewährleistet nicht nur eine
dauerhafte und vibrationssichere Fixierung der Transistoren, sondern bewirkt
zugleich einen optimalen Wärmeübergang zwischen dem Transistor und der
Gehäuseschale. Zur effektiveren Entwärmung der Transistoren verfügt die Schale auch seitlich auf den äußeren Schenkelseiten eine Rippengeometrie. (Bild 3)
Bild 4: Für Integrationen in unterschiedliche Einbausituationen lassen sich die Gehäuse der EMB-Serie durch Befestigungselemente erweitern.Fischer Elektronik
Die
Gehäuse-Variante EMB FR 180 hebt sich zusätzlich durch vier außenliegende
Designstreifen aus UL94‑V0‑zertifiziertem Kunststoff hervor. Eingeschoben in
dafür vorgesehene Führungsnuten der Gehäuseschale und
durch die front- und rückseitigen Deckelplatten fixiert, bilden sie ein
markantes gestalterisches Element. Die Designleisten sind in den Standardfarben
türkisblau, erikaviolett, ultramarinblau, feuerrot und narzissengelb
erhältlich, können jedoch auf Anfrage in zahlreichen weiteren RAL‑Farbtönen
ausgeführt werden.
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Erweiterungen und kundenspezifische Anpassungen für projektbezogende
Anforderungen
Für eine vibrationssichere Integration in unterschiedliche
Einbausituationen lassen sich die Gehäuse der EMB-Serie durch optionale
Befestigungselemente erweitern. Die sichere Befestigung der Gehäuse auf
Tragschienen mit Materialstärken zwischen 1 mm und 2,3 mm nach DIN EN 60715 TH
35 garantiert eine eigens dafür konzipierte Rastklammer, die aus einem
Aluminiumprofil mit patentierter Geometrie und einer dort fest eingepressten
Drahtformfeder aus rostfreiem Stahl besteht. Der aus Profilgeometrie und Feder
resultierende Aufrastmechanismus ermöglicht ein werkzeugloses Aufschnappen von
vorne auf die jeweilige Tragschiene.
Die unkomplizierte Montage an Tischflächen, Wänden oder
Decken, ohne den Gehäuseinnenraum zu beeinträchtigen, gewährleisten je nach
Gehäuse-Variante anschraubbare Befestigungslaschen oder einschiebbare
Befestigungsprofile. (Bild 4)
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Trotz
der vorhandenen Konturelemente und Erweiterungsoptionen benötigen Anwender
meist eine kundenspezifische Bearbeitung der Gehäuse. Der große Maschinenpark
der Firma Fischer Elektronik erlaubt selbstverständlich auch umfangreiche Modifikationen
sämtlicher Gehäusekomponenten nach Kundenvorgaben. Mittels Verfahren wie
„Stanzen/Nibbeln“, „Lasern“ oder „Fräsen“ lassen sich notwendigen Anpassungen
wie Durchbrüche, Lüftungsschlitze oder Frästaschen mit hoher
Bearbeitungsqualität einbringen. Darüber hinaus stehen Beschriftungsverfahren
wie das Siebdruckverfahren, Tampondruck, Untereloxaldruck und digitaler
UV-Druck zur Verfügung.
Bild 5: Für ein Corporate Design sind viele Eloxalfarben auf Anfrage realisierbar.Fischer Elektronik
Wärmeableitgehäuse wie die EMB-Serien werden
standardmäßig in den Oberflächenausführungen naturfarben eloxiert, schwarz
eloxiert oder einer Kombination aus beiden angeboten.
Damit Kunden die Möglichkeit haben ihren Gehäusen eine individuelle Note
zu geben bzw. harmonisch in das Corporate Design einzubinden, sind viele andere
Eloxalfarben auf Anfrage realisierbar. So entstehen vollständig an die
individuellen Anforderungen angepasste Gehäuse, die sowohl funktional als auch
optisch überzeugen. (Bild 5) (na)
Autorin:
Bettina Lochen, Staatlich geprüfte Technikerin im Bereich
Gehäuseentwicklung bei Fischer Elektronik