Effiziente Entwärmungskonzepte für mehr Sicherheit und Lebensdauer
Effiziente Entwärmungskonzepte sind eine zentrale Voraussetzung für die Funktionssicherheit und Lebensdauer elektronischer Bauteile. Je nach Anwendung kommen passive, aktive und materialgestützte Lösungen zum Einsatz.
Jürgen HarpainJürgenHarpain
5 min
Bild 1: Verschiedenartige Strangkühlkörper aus Aluminium liefern zur Entwärmung elektronischer
Bauelemente hervorragende Lösungsmöglichkeiten mittels freier Konvektion.Fischer Elektronik
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In Abhängigkeit der
Bauteilgröße und deren Verwendung in einer bestimmten Applikation, sind
effiziente Entwärmungslösungen mehr denn je nachgefragt. Ziel solcher Systeme
ist es, die elektronischen Bauteile in einem vom Hersteller spezifizierten
Temperaturbereich zu betreiben, um langfristig die positiven Eigenschaften und
Funktionsmerkmale dieser Bauteile zu gewährleisten. Zu hohe Temperaturen
beziehungsweise die sogenannte Verlustwärme entsteht im Bauteil selbst, da
nicht die gesamte zugeführte Energie in Leistung
umgewandelt wird. Es entstehen aufgrund physikalischer Vorgänge Verluste im
Bauteil, welche unmittelbar in schädliche Wärme umgewandelt werden. Wird es dem
Bauteil als Konsequenz zu warm, sind Fehlfunktionen oder Bauteilausfälle oder
gar eine Bauteilzerstörung vorprogrammiert.
Elektronische Bauteile erfordern je
nach Anwendung, Verlustleistung und Einsatzgebiet, effektvolle auf die
Applikation angepasste Entwärmungskonzepte. Fischer Elektronik als namhafter
Hersteller von verschiedenartigen Entwärmungskomponenten und auch Problemlöser
für unterschiedlichste Entwärmungsaufgaben, liefert ein umfangreiches
Standardprogramm und kann dieses ebenfalls mittels eines hochmodernen
Maschinenparks auf die Kundenbedürfnisse anpassen. Verschiedenartige Kühlkörpervarianten als
Aluminiumstrangpressprofil, Kupfer- oder Aluminiumblechbiegeteile für die
Bauteilentwärmung auf der Leiterkarte, aktive Lösungen als Lüfteraggregat oder
Flüssigkeitskühlkörper für Bauteile mit größerer Verlustleistung, ermöglichen
eine solide und sichere Entwärmung elektronischer Bauteile und Komponenten.
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Strangkühlkörper
aus Aluminium als Standardlösung
Stranggepresste Kühlkörper (Bild 1) aus Aluminium sind in der Elektronik zur
Bauteilentwärmung weit verbreitet, genauer gesagt, nach wie vor eine der am häufigsten eingesetzten
Entwärmungsmethoden. Beim Strangpressen wird wie im Extrusionsverfahren ein
erwärmter Aluminiumblock kurz vor der Schmelzgrenze durch eine Werkzeugmatrize
gepresst. Diese enthält als negativ die eigentliche Kühlkörpergeometrie. Das
genannte Aluminium ist eine spezielle Legierung und besitzt neben einer
hohen Wärmeleitfähigkeit weiterhin funktionelle Eigenschaften, wie ein relativ
geringes spezifisches Gewicht, eine hohe Festigkeit bei sehr guter
Zerspanbarkeit. Des Weiteren eignet sich das Material hervorragend für
vielzählige Oberflächenbeschichtungen.
Zu Beginn eines jeden Projektes steht
oftmals die Frage im Raum, welcher Kühlkörper sich am besten für die
Entwärmungsaufgabe eignet, beziehungsweise zur Applikation passt. Um das Thema
Auswahlprozess etwas einzugrenzen, ist es sinnvoll im ersten Schritt den so
genannten Wärmewiderstand überschlagsmäßig zu berechnen. Einfache
Berechnungsformeln liefern keine wissenschaftliche Ausarbeitung, helfen aber
dabei das Wärmeproblem einzugrenzen. Anhand des berechneten Wärmewiderstandes
kann unter Berücksichtigung der weiteren Randbedingungen, wie z.B. der max. zur
Verfügung stehende Einbauraum, eine Auswahl des Kühlkörpers anhand der in den
Katalogen der Kühlkörperhersteller gemachten numerischen Angaben, Diagrammen
oder graphischen Darstellungen erfolgen. Weiterhin liefert die Größe des
thermischen Widerstandes eine Aussage darüber, ob die Entwärmungsaufgabe passiv
mittels der freien Konvektion, aktiv mittels der forcierten Konvektion oder nur
durch den Einsatz von Flüssigkeiten zu lösen ist.
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Das Design des jeweiligen Kühlkörpers wird im Hause Fischer Elektronik
nicht einfach so gewählt, sondern genaustens analysiert. Hierfür wird eine
spezielle Simulationssoftware eingesetzt, die im Besonderen auf die
physikalischen Gegebenheiten, wie Wärmeleitung und -strahlung ausgelegt ist. Im
Detail wird der Wärmeverlauf im gesamten Kühlkörper betrachtet, da sich die thermische Performance
von Strangkühlkörpern aus dem richtigen Verhältnis zwischen Bodenstärke,
Rippenhöhe, -abstand und -anzahl zusammensetzt. Je nach entstandener
Kühlkörpergeometrie und dessen Materialverteilung, müssen im Vorfeld
gleichfalls die auftretenden Fertigungstoleranzen Beachtung finden.
Fertigungstoleranzen sind beim Strangpressverfahren unvermeidlich und obliegen
internationaler DIN-Normen.
In Punkto Durchbiegung der Montageflächen, aber
auch der Breiten- und Höhentoleranz, können diese je nach Größe des
Profilquerschnitts erheblich sein und erfordern oftmals eine mechanische
Nachbearbeitung, zumal ein Strangkühlkörper bei der Verwendung in der
Gesamtkonzeption der Applikation berücksichtigt werden muss. Oftmals stellt der
Kühlkörper eine im Gerät verbaute Komponente dar, weshalb dieser immer in
Zusammenhang mit anderen Bauteilen zu betrachten ist.
Bild 2: Leistungsstarke Lüftermotoren ergeben in Verbindung mit einem Aluminiumhohlkammerprofil mit innovativer Wärmetauschstruktur beste thermische Wirkungsgrad.Fischer Elektronik
Luft und Wasser liefern Performance bei der Entwärmung
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Gelangen die genannten Strangkühlkörper aus
Aluminium an ihre leistungstechnischen Grenzen, sind die in der Applikation
geforderten Temperaturdifferenzen zu klein oder ist die abzuführende
Verlustleistung der eingesetzten Bauteile zu groß, dann sind aktive
Entwärmungskonzepte in Form von sogenannten Lüfteraggregaten (Bild 2) sinnvoll einzusetzen. Lüfteraggregate
enthalten im Aufbau aus eine umschlossene Hohlkammer, welche in ihrem Aufbau
und Wärmetauschgeometrie jeweils auf die verwendeten
Lüftermotoren und deren Leistungsdaten, wie Luftgeschwindigkeit und -volumen, abgestimmt
sind. Der mittels der vorgeschalteten Lüftermotoren erzeugte Luftstrom, wird in
gerichteter Form durch die umschlossene Wärmetauschstruktur geleitet. Hierdurch
sind Lüfteraggregte als aktive Entwärmungslösung sehr effektiv und stellen
bereits in vielen Bereichen der Leistungselektronik eine erprobte Technik dar. Hierfür
stehen spezielle Systeme als Segment-, Miniatur-, Hohlrippen- oder
Hochleistungslüfteraggregat, mit Axial-, Radial- oder Diagonallüftermotor, zur
Verfügung. Die unterschiedlichen modularen Aufbauten der Lüfteraggregate sowie
deren technische Realisierung sind auf die vielfältigen Anwendungen,
Bauteilgrößen und der damit verbundenen abzuführenden Verlustleitung angepasst.
Effiziente innenliegende und strömungsoptimierte Wärmetauschflächen, ein- oder
doppelseitige exakt plan gefräste Halbleitermontageflächen, runden die
vielzähligen positiven Eigenschaften der Lüfteraggregate ab.
Bild 3: Für die Entwärmung von Hochleistungskomponenten stehen U-durchströmte
Flüssigkeitskühlkörper bis zu einer Verlustleistung von 8 kW zur Verfügung.Fischer Elektronik
Etliche
leistungstechnische Anwendungen erfordern die Wärmeabfuhr großer
Verlustleistungen, die mit aktiven Lösungsansätzen nicht mehr umzusetzen sind.
Nach dem Element Luft, folgt das Element Wasser, welches sich alleine durch die
Betrachtung der spezifischen Wärmekapazität gegenüber der Luft deutlich
unterscheidet. Die sogenannten Flüssigkeitskühlkörper (Bild
3) werden mit dem Kühlmedium
Wasser oder Öl betrieben und liefern ausgezeichnete sowie sehr leistungsfähige
Lösungen zur Bauteilentwärmung. Flüssigkeitskühlkörper aus dem Hause Fischer
Elektronik, in unterschiedlichen Ausführungen als I- oder U-durchströmte Variante, besitzen im
inneren Strömungskanal eine zueinander versetzte Lamellenstruktur. Diese ist
wärmeleitend über ein spezielles Lötverfahren mit der Basis- und
Bauteilmontageplatte verbunden, wodurch ein sehr guter Wärmetransport von dem
zu kühlenden Bauelement in die durchströmende Flüssigkeit umgesetzt wird.
Des
Weiteren sorgt die Struktur für eine homogene (flächige) Durchströmung des
Flüssigkeitskühlkörpers, womit gleichfalls die entstehenden Strömungsverluste
minimiert werden. Exakt plangefräste, dicke Halbleitermontageflächen dienen zur
Befestigung wärmeemittierender Bauelemente und erlauben darüber hinaus eine
freie Platzierung der Bauteile ohne jegliche Beschränkung. Nicht
nur aufgrund der 4-fach höheren Wärmekapazität des Wassers gegenüber der Luft,
erscheint eine Flüssigkeitskühlung als Entwärmungskonzept überragend und bei
etlichen Anwendungen durchaus als überlegenswert.
In Kontakt bleiben: Thermische Kontaktmaterialien
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Thermische Kontaktmaterialien (TIM) dienen zur Verbesserung der
Wärmeleitung beim Übergang von der einen Komponente auf die andere. Oftmals
betrifft das die Kontaktierung eines zu entwärmenden Bauteils auf einer
Wärmesenke. Die Oberflächen der Kühlkörper, aber auch der elektronischen
Bauteile, wirken auf den ersten Eindruck eben und glatt. Gemäß Literatur wird
lediglich mit einer Kontaktfläche, ohne mechanische Nachbearbeitung, von 2 bis
5 Prozent gerechnet. Die restliche Fläche ist ein Luftpolster, welches aus
Zwischenräumen besteht, in denen die Luft als thermischer Isolator fungiert.
Diese Luftpolster gilt es mit geeigneten Wärmeleitmaterialien auszugleichen, da
die Luft bekanntermaßen sehr schlecht die Wärme leitet. Leider wird vielfach
bei der Auswahl von Wärmeleitmaterialien nur der Wert der Wärmeleitfähigkeit
als Entscheidungskriterium betrachtet, ohne wirklich einen Blick auf die
vorhandene Einbausituation und die geforderten Randbedingungen zu werfen. Der
Wärmewiderstand, die thermische Impedanz bei appliziertem Anpressdruck, die
Eben- und Rauheit der Kontaktpaarung, die elektrische Isolierung oder Leitung
(Isolationswiderstand), der Temperaturbereich und die Durchschlagsfestigkeit,
sind nur einige Parameter, die es zu berücksichtigen gilt. Das bereits benannte
Auswahlkriterium der Wärmeleitfähigkeit ist damit zu begründen, dass diese zwangsläufig
zu einem geringeren Temperaturanstieg am elektronischen Bauteil und damit zu
einer längeren Lebensdauer führen muss.
Die Produktwelt der Wärmeleitmaterialien beinhaltet
unzählige unterschiedliche Ausführungen und Lösungsansätze. Angefangen von
altbekannten Wärmeleitpasten und -klebern bis hin zu silikonhaltigen und
silikonfreien Wärmeleitfolien, Schaum- und GEL-Folien, Grafit- und
Aluminiumfolien, Phasen-Change-Materialien in fest und flüssig, einseitig und
doppelseitig klebenden Folien, Kapton- und Glimmerscheiben sowie
Aluminiumoxydmaterialien, werden diese Materialien in den unterschiedlichsten
Konfektionen angeboten. Bei der Auswahl für die Applikation geeigneter
Wärmeleitmaterialien, ist es stets ratsam in einem ersten Schritt die
Kontaktpaarung zu betrachten. Erforderliche Randparameter, zu überbrückende
Spaltmaße, welche durch die Konvexität und Konkavität einer jeden
Kontaktpaarung gegeben sind, müssen genauestens einer Analyse unterzogen werden
(Bild 4).
Bild 4: Jede Auswahl an TIMs sollte zunächst mit einer genauen Betrachtung der Kontaktpaarung
und deren dazugehörigen Toleranzen starten, um die Auswahl einzugrenzen.Fischer Elektronik
Zu guter Letzt ist es vielfach notwendig die
angesprochenen Materialien speziell auf die Kundenapplikation bzw. die
Kontaktpaarung in Form besonderer Geometrien oder Zuschnitte anzupassen.
Wärmeleitfolien können aufgrund ihrer Eigenschaften und Weichheit relativ
einfach nach kundenspezifischen Vorgaben oder als Konstruktionsteil mittels
Stanzautomaten oder Schneidcutter produziert sowie konfektioniert werden. Aus
Platten- oder Rollenmaterial erfolgt mittels geeigneter CAD-Daten eine
toleranzgenaue Schneidvorlage. Darüber hinaus ist als weiterer echter Mehrwert
bei Fischer Elektronik ein-24-Stunden-Muster-Lieferservice gegeben, womit der
Anwender seine ausgewählten Materialien direkt an oder in der Applikation
schnell und unkompliziert testen sowie bewerten kann. (na)
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Autor:
Jürgen Harpain, Entwicklungsleiter bei Fischer Elektronik