Internetzugang ist wichtiger als Design oder Marke

Deutsche trauen Autoindustrie eine Rückkehr zu alter Stärke zu

Laut einer Bitkom-Umfrage erwarten 69 Prozent der Deutschen autonomes Fahren als künftigen Standard. Eine knappe Mehrheit wünscht sich sogar, dass KI gegebenfalls eingreift und abbremst. Das Fazit: Ein Auto muss heute auch digital überzeugen.

Stilisierte Visualisierung eines Fahrzeugs in einer digitalen Simulationsumgebung mit leuchtendem Wireframe, Datenströmen und kreisförmiger Prüfsequenz als Symbol für Software-in-the-Loop in der Fahrzeugentwicklung.
Beim Blick in die Zukunft der Mobilität überwiegt der Optimismus: 85 Prozent sehen die Digitalisierung als Chance für die Mobilität, nur 12 Prozent bewerten sie als Risiko.

Rückläufige Nachfrage, harter internationaler Wettbewerb und Stellenabbau – die deutsche Automobilindustrie steht unter Druck. Nur mit digitalen Innovationen wird es aus Sicht der Deutschen einen Weg aus der Krise geben: 79 Prozent sind überzeugt, dass die Branche ohne digitale Innovation im Wettbewerb nicht bestehen kann; 70 Prozent halten Kooperationen mit Tech-Unternehmen für notwendig, um international mithalten zu können. Zugleich wird der deutschen Automobilindustrie das Comeback zugetraut: 71 Prozent vertrauen darauf. Rund die Hälfte (49 %) meint, die deutsche Automobilbranche sollte sich wieder stärker auf klassische Werte besinnen. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Befragung unter 1.003 Personen ab 16 Jahren in Deutschland im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.

Die Deutschen sehen eine ganze Reihe von Faktoren, die es der Branche derzeit schwermachen: 7 von 10 (69 %) sehen steigende Benzin- und Energiepreise als eine der aktuell größten Herausforderungen, dicht gefolgt von Handelskriegen mit 67 Prozent. Einschränkungen von Verbrennungsmotoren sehen knapp über die Hälfte (56 %) als Herausforderung, die Marktdurchdringung von Elektroautos 50 Prozent. Die Abhängigkeit von Batterielieferanten ist für 48 Prozent problematisch, die Diskussion um autofreie Innenstädte für 30 Prozent.

Balkendiagramm zu Autokaufkriterien mit Fokus auf Konnektivität und digitaler Ausstattung.
Beim Kauf eines Autos setzen die Deutschen weiterhin auf Ingenieurskunst und Qualität, erwarten aber auch digitale Innovationen wie moderne Software, KI und autonome Technologien.

Neue Wettbewerber sehen 53 Prozent als Herausforderung für die Position der deutschen Automobilindustrie, einen Mangel an Ingenieurinnen und Ingenieuren mit IT-Fachwissen nennen 38 Prozent. Den Trend zu vernetzten und autonomen Fahrzeugen sieht lediglich ein Viertel (25 %) als Herausforderung, digitale Verkehrsangebote wie Carsharing, Mitfahrdienste oder Fahrtenvermittler sogar nur 17 Prozent.

Autokauf: Internetzugang schlägt Design und Marke

Wie wichtig digitale Innovationen inzwischen sind, zeigt auch der Blick auf die Kaufkriterien: Für 80 Prozent der Deutschen ist ein Internetzugang, etwa für Entertainment oder Kommunikation, beim Autokauf wichtig (2023: 66 %). Damit liegt die Konnektivität beim Autokauf inzwischen deutlich vor klassischen Kriterien wie Design und Marke mit jeweils 56 Prozent. 77 Prozent legen Wert auf neue Fahrassistenzsysteme, 74 Prozent auf die Kompatibilität des Cockpits mit dem eigenen Smartphone, 71 Prozent auf Dienste auf Basis von Fahrzeugdaten und 66 Prozent auf Online-Updates der Fahrzeugsoftware. Rund der Hälfte (53 %) sind Technologien für das automatisierte Fahren wichtig.

Weiterhin ganz oben stehen aber klassische Kriterien: Sicherheit liegt mit 98 Prozent an der Spitze, dicht gefolgt von Umwelteigenschaften wie dem Verbrauch (94 %), Komfort beziehungsweise Bequemlichkeit (93 %) sowie dem Anschaffungspreis (92 %). Die Art des Antriebs ist 83 Prozent wichtig, die Motorleistung 70 Prozent.

KI im Auto überzeugt vor allem bei Sicherheit und Schutz

Infografik mit Balken zu Umfragewerten über KI-Unterstützung beim Autofahren.
Ein Großteil der Deutschen erwartet sich vom KI-Einsatz in Fahrzeugen vor allem mehr Schutz und Sicherheit was sich auch auf direktes Eingreifen ins Fahrverhalten erstreckt.

Auch beim Einsatz Künstlicher Intelligenz zeigt sich, was die Menschen von einem modernen Auto erwarten: Besonders groß ist das Interesse an Anwendungen, die Sicherheit und Schutz erhöhen. 83 Prozent würden es begrüßen, wenn eine KI das Fahrzeug bei einem erkannten Diebstahlversuch automatisch blockiert. 78 Prozent fänden gut, würde eine KI das Fahrzeug automatisch übernehmen, um Unfälle zu vermeiden. 69 Prozent befürworten eine KI, die Fahruntüchtigkeit etwa durch Übermüdung oder Alkohol erkennt und vom Fahren abrät. Und mehr als die Hälfte (53 %) will sogar eine KI, die bei überhöhter Geschwindigkeit oder riskantem Fahrverhalten aktiv ins Auto eingreift.

Standard statt Hype: Dem autonomen Fahren gehört die Zukunft

Noch einen Schritt weiter geht das autonome Fahren – und auch hier verändert sich die Haltung der Deutschen deutlich: 69 Prozent gehen inzwischen davon aus, dass autonomes Fahren in Zukunft Standard sein wird (2025: 53 %). Der Anteil derjenigen, die autonomes Fahren für einen vorübergehenden Hype halten, hat sich innerhalb eines Jahres von 43 auf 24 Prozent fast halbiert.

Die Nutzungsbereitschaft ist schon jetzt hoch: Nahezu alle können sich vorstellen, ein autonomes Verkehrsmittel zu nutzen. Besonders hoch ist die Bereitschaft bei autonomen Bussen (71 %) und U- oder S-Bahnen (69 %). Aber auch einen autonomen Privat-Pkw würden 62 Prozent nutzen, ein autonomes Taxi 60 Prozent und einen Shuttle- oder Mini-Bus 59 Prozent. Bei Schiffen (32 %) und Flugzeugen (30 %) ist die Offenheit deutlich geringer.

Eigene Erfahrungen mit automatisiertem Fahren bei Autos gibt es bislang jedoch vor allem auf den unteren Stufen. 47 Prozent haben bereits Systeme auf Level 1 genutzt, 34 Prozent teilautomatisiertes Fahren auf Level 2. Deutlich seltener sind Erfahrungen mit höheren Automatisierungsstufen: Level 3 haben bislang 5 Prozent, Level 4 lediglich 2 Prozent als Fahrer oder Beifahrer erlebt.

Rechtliche Unsicherheiten und Angst vor Technik

Noch stehen dem autonomen Fahren aus Sicht vieler aber Hürden entgegen. Die Vorbehalte richten sich dabei nicht gegen die Idee des autonomen Fahrens an sich, vielmehr sehen 63 Prozent unsichere rechtliche Rahmenbedingungen als Hürde, 59 Prozent sorgen sich vor technischen Problemen und 47 Prozent vor Hackerangriffen. Gleichzeitig werden Vorteile gesehen: 44 Prozent erwarten einen besseren Verkehrsfluss, 41 Prozent eine geringere Lärmbelastung und jeweils rund vier von zehn mehr Sicherheit für Insassen (41 %) beziehungsweise andere Verkehrsteilnehmer (39 %).

Infografik mit Balkendiagramm zu Vertrauen in autonome Fahrzeuge und Prognose zur Nutzung autonomer Mobilität.
Immer mehr Menschen sehen autonomes Fahren als eine Technologie, die künftig ganz selbstverständlich zum Mobilitätsalltag gehört.

Auch beim politischen und gesellschaftlichen Umgang mit autonomem Fahren zeigt sich ein positives Bild: 54 Prozent finden, Deutschland sollte beim autonomen Fahren eine Vorreiterrolle einnehmen, 50 Prozent sprechen sich für eine aktive staatliche Förderung aus und Tests auf öffentlichen Straßen am eigenen Wohnort würden immerhin 45 Prozent begrüßen.

Mobilität im Wandel: Ein Fünftel fährt seltener Auto

Der Wandel der Mobilität zeigt sich auch am bereits veränderten Mobilitätsverhalten. Im Vergleich zu 2024 hat dabei vor allem das Flugzeug eingebüßt: 36 Prozent der Deutschen fliegen nach eigenen Angaben heute seltener, nur 1 Prozent häufiger. Taxis nutzen 29 Prozent seltener, nur 4 Prozent häufiger. Fahrtenvermittler wie Uber oder Bolt entwickeln sich hingegen stabil.

Den eigenen Pkw nutzen 21 Prozent seltener, aber auch 16 Prozent häufiger. Verloren haben auch Bus und Bahn. Im Fernverkehr werden diese von 21 Prozent seltener und 6 Prozent häufiger genutzt, im Nahverkehr stehen sich 15 Prozent mit seltenerer und 13 Prozent mit häufigerer Nutzung gegenüber. Umgekehrt wird stärker auf Carsharing zurückgegriffen: 11 Prozent nutzen es heute öfter und nur 3 Prozent seltener. Den größten Zuwachs verzeichnet das eigene Fahrrad: 43 Prozent nutzen es im Vergleich zu 2024 häufiger, nur 8 Prozent seltener. Bike-, Scooter- oder Moped-Sharing nutzen 14 Prozent häufiger und 10 Prozent seltener. Zu Fuß gehen 26 Prozent häufiger und 5 Prozent seltener.

Warum verändert sich das Mobilitätsverhalten?

Gründe für Veränderungen des eigenen Mobilitätsverhaltens sind vor allem äußere Faktoren: 61 Prozent der Menschen, die ihr Mobilitätsverhalten geändert haben, wollen das Klima schonen. Gestiegene Energie- und Benzinpreise nennt rund die Hälfte (51 %). Unter Menschen mit rückläufiger Pkw-Nutzung nennen sogar 78 Prozent gestiegene Benzin- und Energiepreise als Grund für ihr verändertes Mobilitätsverhalten. Weitere äußere Faktoren sind die Sorge vor Infektionskrankheiten (21 %), der Wegfall von Dienstreisen (18 %) sowie Unzuverlässigkeit im Bahnverkehr (25 %) und gestiegene Preise im ÖPNV (14 %).

Neue Mobilitätsangebote führen hingegen sehr viel seltener zu einem veränderten Mobilitätsverhalten – nur 16 Prozent nennen dies als Grund. Die Einführung des Deutschlandtickets war für 15 Prozent ursächlich, ebenso die Nutzung eines Mobilitätsbudgets (15 %). Häufigeres Homeoffice führte bei 6 Prozent zu einer Veränderung der Mobilität.