Effiziente Stromversorgung in Industrieanwendungen
DC/DC-Power-Module verbessern EMV und Effizienz
DC/DC-Power-Module ermöglichen eine effiziente und EMV-konforme Stromversorgung in Industrieanwendungen. Durch hohe Integration, optimiertes Layout und abgestimmte Synchronisation lassen sich Entwicklungsaufwand, Verluste und Störungen gezielt reduzieren.
Timur UludagTimurUludag
4 min
Aktuelle DC/DC-Power-Module wie die der VDLM-Serie können die Anforderungen industrieller Anwendungen effizient erfüllen.Würth
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Industrielle Anwendungen wie z. B. Automatisierungssysteme, industrielle
Robotik oder Lagerlogistik basieren auf einer Vielzahl von Sensoren, Aktoren
und Steuergeräten. Diese wiederum erfordern eine präzise Spannungsregelung, um
die Funktion und Zuverlässigkeit der Systeme zu gewährleisten. Zwischengeschaltete
DC/DC-Buskonverter sind dabei in industriellen Anwendungen unverzichtbar, da
sie eine zentrale Rolle bei der Sicherstellung einer stabilen und effizienten
Energieversorgung spielen (Bild 1).
Bild 1: Konfiguration der Stromversorgung mit zwischengeschalteten Buskonvertern.Würth
In aktuellen industriellen Umgebungen, die durch eine Vielzahl
von Geräten und Systemen mit hohen Anforderungen an die Versorgungsspannung gekennzeichnet
sind, ist die Fähigkeit zur präzisen Spannungsumwandlung von entscheidender
Bedeutung. Die zwischengeschalteten Konverter ermöglichen es, eine oftmals
schwankende DC-Busspannung in eine stabile Ausgangsspannung umzusetzen, die
spezifisch auf die Anforderungen von Maschinen, Steuerungssystemen und anderen
elektrischen Lasten abgestimmt ist.
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Ein wesentlicher Vorteil dieser DC/DC-Wandler ist ihre
Fähigkeit, die Energieeffizienz zu maximieren, indem sie Verluste minimieren
und die Systemzuverlässigkeit erhöhen.
Wie reduzieren Power-Module die Systemkomplexität?
Je mehr Komponenten zum Aufbau eines Systems benötigt werden,
desto mehr sinkt die Zuverlässigkeit des Systems. Der beste Ansatz ist also die
Anzahl der erforderlichen Bauteile zu minimieren. Im Bereich der DC/DC-Wandlung
bedeutet dies einen Übergang von einem diskreten zu einem hochintegrierten
Ansatz.
Der Entwurf eines diskreten Wandlers erfordert
mindestens die folgenden Schritte:
Entwurf des
DC/DC-Wandlers selbst
Auswahl der
Topologie
Auswahl des
Controller-IC
Berechnung und
Auswahl der Leistungsbauteile (MOSFET, Diode, Induktivität)
Berechnen und
Auswählen der Eingangs- und Ausgangskondensatoren
Entwicklung
eines Prüfstands
Optimierung für
eine stabile Regelung über den gesamten Eingangs-/Ausgangsspannungs- und
Laststrombereich
Layout-Routing
für gutes EMV- und Wärmeverhalten
Validierung des
Gesamtentwurfs für eine einfache Fertigung
Pre-Compliance-Tests für EMV und Sicherheit
Logistikkette
und Produktionssicherheit
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Alle diese Schritte
wurden bereits bei einem MagI³C-Power Modul durchgeführt. Das EMV-Verhalten und
die thermische Leistung lassen sich mit dem kostenlosen Online-Design-Tool Redexpert
im Voraus abschätzen. Diese Daten ermöglichen es den Designern, ein Modul gezielt
auf der Basis von elektrischen Spezifikationen der Anwendung auszuwählen und
damit alle zuvor genannten Designschritte zu vermeiden. Die DC/DC-Power-Module mit
einem Eingangsspannungsbereich bis 36 VDC und einem Ausgangsstrom
von 4 bzw. 5 A bieten eine Lösung mit hoher Leistungsdichte, die darauf
ausgelegt ist, die hohe geforderte Leistung auf kleinstem Raum bereitzustellen.
Optimiertes
EMV-Verhalten durch symmetrisches Layout
Viele aktuelle
DC/DC-Power-Module arbeiten mit hohen Schaltfrequenzen. Eine hohe Schaltfrequenz ermöglicht es, die Größe
eines DC/DC-Wandlers zu reduzieren, da sie die Verwendung kleinerer passiver
Komponenten wie Induktivitäten und Kondensatoren erlaubt. Bei höheren
Frequenzen können diese Komponenten mit geringeren Werten arbeiten, da die
Energie pro Schaltzyklus schneller übertragen wird. Dies führt zu einer
Reduzierung der physischen Größe der Komponenten, was den gesamten Wandler
kompakter macht.
Damit geht einher, dass ein gut durchdachtes Layout mit
minimalen parasitären Komponenten unabdingbar ist.
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Bild 2: Prinzipieller Aufbau eines Tiefsetzstellers (Buck converter).Würth
Jede Leiterbahn, jedes Bauteil und jede Platzierung – wie im
Schaltplan in Bild 2 dargestellt –, die sich mit einem Layout-Tool wie Altium planen
lässt, entspricht einem realen Element im physikalischen Aufbau. Dieses weist
parasitäre Eigenschaften auf, die sich nachteilig auf die Anwendung auswirken
können.
Eine Leiterbahn auf einer Leiterplatte (PCB) weist verschiedene
parasitäre Eigenschaften auf - darunter parasitäre Induktivität, parasitäre
Kapazität und ohmschen Widerstand. Im Folgenden stehen insbesondere die
Auswirkungen der parasitären Induktivität einer Leiterbahn im Fokus und es wird
gezeigt, wie sich diese durch einen symmetrischen Layoutansatz minimieren lassen.
Die parasitäre Zuleitungsinduktivität eines Tiefsetzstellers kann mehrere nachteilige
Effekte verursachen:
Spannungsspitzen
(Overshoot)
EMV-Probleme
Leistungsverluste
Schwingungen
(Ringing)
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Spannungsspitzen (Overshoot): Die
parasitäre Induktivität kann während der Ein- und Ausschaltvorgänge der Transistoren
(MOSFETs) Spannungsspitzen verursachen. Diese Spannungsspitzen können die
Bauteile beschädigen oder die Effizienz des Konverters deutlich verringern.
EMV-Probleme: Die parasitäre
Induktivität kann elektromagnetische Felder verursachen, die in benachbarte
Stromkreise eingekoppelt werden und ggf. sogar andere, sich in der Nähe
befindliche elektronische Geräte stören.
Um diese Auswirkungen zu minimieren, ist es wichtig, das
Layout der Schaltung sorgfältig zu gestalten und geeignete Bauteile
auszuwählen, um die effektive parasitäre Induktivität zu reduzieren.
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Hierzu bietet sich ein Vergleich eines klassisch linearen
Layouts mit einem symmetrischen Layout in Bezug auf die vorhandenen parasitären
Induktivitäten an.
In Bild 3 sind zur Vereinfachung die VIN- und GND-Induktivität
durch die Gesamtinduktivitäten LPa_1 und LPA_2
dargestellt.
Bild 3: Vereinfachte Stromlaufpläne mit parasitären Zuleitungsinduktivitäten für lineares Layout (links) und ein symmetrisches Layout (rechts).Würth
Technisch gesehen, induziert die Induktivität eine Spannung, wenn
der durch sie fließende Strom plötzlich unterbrochen wird. Diese Spannung ist proportional
zur Geschwindigkeit der Stromänderung. Die induzierte Spannung ist somit die
Quelle der EMV-Störungen. Maßgeblich geht hier die parasitäre Induktivität in
die Gleichung ein, diese sollte deshalb durch ein gut durchdachtes Layout
möglichst minimiert werden.
Zur
Bestimmung der parasitären Induktivitäten des Layouts wurden beide
Layoutvarianten in ANSYS simuliert. Zum besseren Verständnis der Ergebnisse der Simulation und
inwieweit sie die induzierte Spannung beeinflussen, werden die beiden
Stromlaufpläne aus Bild 3 modifiziert. Das Resultat ist in Bild 4
gezeigt.
Im linearen Layout addieren sich die parasitären
Induktivitäten LPa_1 und LPa_2 im Gegensatz zum
symmetrischen Layout. Hier liegen die beiden parasitären Induktivitäten LPa_1
und LPa_2 parallel, sodass sich der effektive Wert halbiert. Durch
die halbierte parasitäre Induktivität reduziert sich auch der Wert der
induzierten Spannung VL, wodurch auch die EMV-Störungen reduziert
werden.
Bild 4: Vergleich der Stromläufe eines linearen- (links) und eines symmetrischen (rechts) Layouts.Würth
Die parasitäre Induktivität der CIN (MLCCs) fließt
hier nicht in die Betrachtung mit ein, da es hier um einen Vergleich der
verschiedenen Layoutvarianten geht. Sowohl beim linearen wie auch beim
symmetrischen Layout wurden die gleichen MLCCs als CIN verwendet.
Wie wirkt sich die Synchronisation mehrerer Module aus?
Die DC/DC-Power-Modul-Familie VDLM 1710x3601 besteht aus vollintegrierten
DC/DC-Wandlern, die den Schaltregler-IC mit integrierten MOSFETs, Kompensation sowie
eine abgeschirmte Induktivität in einem Gehäuse vereinen. Grundsätzlich
verursachen bei jedem DC/DC-Wandler, ob diskret oder wie beim Power-Modul
vollintegriert, die Schaltvorgänge der MOSFETs EMV-Störungen. Basierend auf der
Schaltfrequenz können diese Störungen in der EMV-Messung z.B. als
leitungsgebundene harmonische Störamplituden auftreten. Werden nun mehrere
DC/DC-Wandler in einer Power-Tree“-Konfiguration nach Bild 1
eingesetzt, kann es zu zwei EMV-Effekten kommen:
Schwebungen
Positive Überlagerung der Eingangsströme
Unter einer Schwebung versteht man bei sinusförmigen Wellen
die Interferenz zweier Wellen mit unterschiedlichen Wellenlängen, die nahe
beieinander liegen. Dadurch, dass die beiden Frequenzen ähnlich sind, kommt es
abwechselnd zur konstruktiven und destruktiven Interferenz. Als Resultat ändert
sich die Amplitude der resultierenden Welle periodisch. Diese Überlagerungen
sind im Spektrum der EMV-Messung als Amplituden zu sehen, die niedriger als die
Schaltfrequenz liegen. Die trapezförmigen Eingangsströme der
DC/DC-Wandler-Power-Module können wiederum durch eine Fourier-Analyse in ihre
sinusförmigen Komponenten zerlegt werden. Ein Frequenzunterschied kann auch
dann entstehen, wenn zwei DC/DC-Wandler trotz „gleicher“ Schaltfrequenz
aufgrund interner Toleranzen typischerweise um ±10 % abweichen.
Bild 5: Überlagerung der Eingangsströme im Sync-Modus.Würth
Eine positive Überlagerung der Eingangsströme entsteht, wenn
beide Power-Module exakt zur gleichen Zeit schalten, siehe hierzu Bild 5. Die Module werden dazu im Sync-Modus
betrieben.
Im Sync-Modus fließt der maximale Spitzenstrom im
Eingangskreis, was wiederum zu einer maximalen Spitze im Amplituden-Störspektrum
führt.
Weiterführende Information und Grundlagen zum Schaltverhalten
eines nicht isolierten DC/DC-Power-Moduls sind im „ABC der Power-Module“
nachzulesen. Weiterführende Information zur Filterung von DC/DC-Wandlern sind
im „DC/DC Converter Handbook“ beschrieben.
orteile der VDLM-Power-Module im industriellen Einsatz
Die vorgestellten Konzepte zeigen, dass aktuelle
DC/DC-Power-Module wie die der VDLM-Serie die Anforderungen industrieller
Anwendungen effizient erfüllen können. Durch die Integration aller relevanten
Komponenten in einem Gehäuse wird die Designkomplexität reduziert, was eine
schnellere Produktentwicklung und höhere Zuverlässigkeit ermöglicht. Ein
durchdachtes, insbesondere symmetrisches Layout wie bei den VDLM 171043601
& 171053601 minimiert parasitäre Induktivitäten und verbessert das
EMV-Verhalten. Simulationen und Messungen zeigen Vorteile gegenüber klassischen
linearen Layouts. Die Synchronisierung mehrerer Module erfordert gezieltes
Frequenzmanagement, um Schwebungen und Stromüberlagerungen zu vermeiden, was
EMV-Störungen reduziert. Die Lösungen bieten hohe Leistungsdichte bei kompakter
Bauweise und sind ideal für anspruchsvolle Industrieumgebungen, wodurch sie zur
Optimierung moderner Energieversorgungssysteme beitragen. (bs)
Autor: Timur Uludag, Senior Technical Marketing Manager bei der Würth Elektronik eiSos