Mehr Nachhaltigkeit bei Steckverbindern dank Econidur-Beschichtung
Die neue Beschichtungstechnologie Econidur senkt den Einsatz von Gold in Steckverbindern und verbessert gleichzeitig Korrosionsbeständigkeit, elektrische Leistung und CO₂-Bilanz – ein Lösungsansatz für hohe technische und ökologische Anforderungen.
Andrea ColomboAndreaColombo
Jean-Baptiste SerpagliJean-BaptisteSerpagli
Volker BrichzinVolkerBrichzin
Vergoldete Steckverbinder-Kontakte: Die Econidur-Beschichtung mit Nickel-Phosphor-Unterschicht senkt den Goldbedarf und verbessert gleichzeitig Korrosionsschutz, Übergangswiderstand und CO₂-Bilanz.Yura Borisov - @stock.adobe.com
Anzeige
Ein Steckverbinder muss
während des Betriebs effektiv funktionieren und hohen Belastungen standhalten. Die
Kontakte sind dabei von besonderer Bedeutung, denn sie müssen eine hervorragende
elektrische Leitfähigkeit für die zuverlässige Übertragung von Signalen und
Energie aufweisen. Deshalb wird bereits bei der Auswahl der
Beschichtungsmaterialen, die auf das kontaktierte Basismaterial aufgebracht
werden, viel Wert darauf gelegt, elektrische und mechanische Anforderungen zu
erfüllen. Gut gewählte Beschichtungsmaterialien ermöglichen einen geringen
Übergangswiderstand, um Verluste zu minimieren. Darüber hinaus schützen die
gewählten Materialien den Kontaktbereich vor Korrosion und sorgen für eine hohe
Zuverlässigkeit in Bezug auf Steckzyklen und Mikrobewegungen.
Warum ist Korrosionsschutz essenziell für Steckverbinder?
Anzeige
Die
Kontaktflächen eines Steckverbinders sind von der Anzahl der
Mikro-Kontaktpunkte abhängig. Je höher deren Anzahl zwischen zwei
Kontaktflächen ist, desto zuverlässiger ist die Übertragungsleistung. Wenn
Korrosion auftritt, werden Mikro-Kontaktpunkte reduziert, was sich auf die
Leistung auswirken kann. Insofern ist Korrosion einer der hauptsächlichen
Faktoren, die zu Problemen an den Kontaktflächen führen – und zugleich einer
der wichtigsten Gründe, weshalb Basismaterialien durch eine Oberflächenbehandlung
geschützt werden sollten.
Funktion und Aufbau von Steckverbinder-Beschichtungen
Mit
Beschichtungen aus Edelmetallen, insbesondere Gold, wurden in der Vergangenheit
gute Ergebnisse erzielt. Da die Kosten für diese Rohstoffe jedoch stark
schwanken können und diese sich nachteilig auf die CO2-Bilanz des
Produkts (Product Carbon Footprint, PCF) auswirken, kommt es darauf an, die
Edelmetall-Schicht so dünn wie möglich zu machen. Aus technischen Gründen, beispielsweise
hinsichtlich des Galvanisierungsprozesses, gibt es eine Untergrenze bei der Dicke
von Edelmetall-Beschichtungen. Deshalb ist eine zusätzliche Unterschicht
erforderlich, um die Performance der gesamten Beschichtung zu optimieren. Diese
Sperrschicht aus Nickel soll verhindern, dass Atome aus der
Oberflächenbeschichtung in das Basismaterial diffundieren. Die Hauptaufgabe der
auf der Sperrschicht aufgebrachten Kontaktschicht ist es, vor Korrosion zu schützen
und für einen niedrigen Reibungskoeffizienten zu sorgen. Die Schicht kann aus
reinem Gold oder Palladium-Nickel mit einem Goldüberzug bestehen. Die Produktbeschichtung
Econidur verwendet nun eine Nickel-Phosphor- (NiP-) Legierung mit Vergoldung.
Das bedeutet, dass der Goldverbrauch reduziert bzw. Palladium-Nickel ersetzt wird
(Bild 1).
Anzeige
Bild 1: Funktionen der einzelnen Beschichtungslagen zur Unterstützung einer zuverlässigen Signal- und Stromübertragung.TE
Auch der Gold-Standard hat
Nachteile
In der Vergangenheit haben
sich Goldoberflächen auf einer Nickelsperrschicht bewährt, wenn es darum ging,
leistungsstarke Merkmale, unter anderem eine hohe Anzahl von Steckzyklen, zu
erzielen. Die Materialeigenschaften von Gold machen es äußerst widerstandsfähig
gegen Oxidation, was Korrosion und Verschleiß verhindert. Vergoldete Kontakte
galten bisher als Premium-Lösung. Es gibt jedoch auch einige Nachteile, wie die
erheblichen Kostenschwankungen und eine unvorteilhafte CO2-Bilanz.
Daher werden Anstrengungen unternommen, die Goldschicht zu reduzieren.
Bild 2: TE Connectivity stellt die neue Steckverbinder-Beschichtung Econidur für eine verbesserte Nachhaltigkeit vor.TE
TE hat intensiv daran
geforscht, die Beschichtungstechnologie für Steckverbinder-Kontakte zu
optimieren. Das Bestreben war, die Beschichtungslagen (einschließlich der Sperrschicht)
in einer Stapelkonfiguration so aufeinander abzustimmen, dass auch in
anspruchsvollen Anwendungen sehr gute Ergebnisse erzielt und gleichzeitig ökologische
Anforderungen berücksichtigt werden können. Basierend auf diesen Vorbedingungen
soll die Produktbeschichtung Econidur (Bild 2) auf Nickel-Phosphor-Basis (NiP)
Anwendern auch dabei helfen, ihren CO2-Fußabdruck zu reduzieren.
Anzeige
Für mehr Nachhaltigkeit
arbeiten Ingenieure daran, Edelmetalle aus der Kontaktbeschichtung zu verbannen. Econidur ist eine Beschichtungstechnologie, die anstatt einer reinen
Goldschicht eine NiP-Legierung mit Goldüberzug verwendet. Die Reibungskorrosion
(Fretting) wurde in einem Standard-Vergleichstest mit 100.000 Versuchsdurchläufen
untersucht, um die Langlebigkeit von mit Econidur beschichteten Steckverbindern
nachzuweisen.
Die NiP-Beschichtung nutzt
eine ausgeklügelte Stapelkonfiguration unterhalb der dünnen Goldschicht.
NiP-Schichten sind deutlich härter und abriebfester als Kupfer. Sie halten
Vibrationen genauso gut stand wie eine dickere Goldbeschichtung. Neben der
Vibrationsfestigkeit erreicht die Produktbeschichtung Econidur mindestens die
gleichen mechanischen und elektrischen Eigenschaften wie eine konventionelle
Edelmetallbeschichtung, z. B. aus Palladium-Nickel (PdNi) mit zusätzlicher Vergoldung.
Damit kann sie solche Beschichtungen ohne Einschränkung ersetzen.
NiP-beschichtete Kontakte können auch mit PdNi-beschichteten Kontakten zusammengesteckt werden –
die Steckbarkeit über Kreuz ist gegeben und durch Tests nachgewiesen.
Einsatzgebiete in Industrie und Fahrzeugtechnik
Anzeige
Überall auf der Welt sind
Industrien und Kommunikationsnetzwerke auf robuste Verbindungen und eine
zuverlässige Datenübertragung angewiesen. Die Kontaktbeschichtung von
Steckverbindern leistet einen wichtigen Beitrag zu dieser erforderlichen
Robustheit und Zuverlässigkeit.
Bild 3: Die Econidur-Beschichtung zeigt eine gute Leistung beim Einsatz in Automatisierungssteuerungen – sie ist robust und bietet eine zuverlässige Signalintegrität bei hohen Datenraten in anspruchsvollen Umgebungen.Aumm graphixphoto/Shutterstock.
Ein Kontakt mit Econidur soll Robustheit in anspruchsvollen Anwendungsumgebungen und eine hohe
Signalintegrität bei Hochgeschwindigkeits-Datenübertragungen gewährleisten. Die
Beschichtung ist geeignet für industrielle Einsatzfälle, etwa in Automatisierungssteuerungen
oder Motorsteuerungssystemen, aufgrund ihrer dauerhaften Vibrationsbeständigkeit,
ihrer Robustheit gegen Gaseinflüsse und der Beständigkeit gegen Fretting (Bild 3). Dank ihrer hohen Leistungsfähigkeit sind mit Econidur beschichtete
Steckverbinder sogar unempfindlich gegenüber Vibrationen in Fahrzeugen. Sie
unterstützen zudem eine zuverlässige Signalübertragung bei Datenraten bis zu
mehreren Gigabit pro Sekunde.
Nachhaltigkeit im Fokus
Anzeige
Durch die Produktbeschichtung Econidur für Steckverbinder werden Edelmetalle, die neben anderen negativen
Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft bei ihrer Gewinnung auch für ihren
Beitrag an einer hohen CO2-Belastung bekannt sind, reduziert.
Dadurch wird der CO2 -Fußabdruck eines Produkts (Product Carbon
Footprint, PCF) erheblich verringert. Die Produktbeschichtung kann nach
Unternehmensangaben auf der Grundlage der Norm ISO 14067 den PCF-Wert im
Vergleich zu PdNi-Beschichtungen mit Vergoldung um über 44 Prozent senken, abhängig
von der Schichtdicke, den Leistungsanforderungen und dem Steckertyp. Im
Vergleich zu reinen Goldbeschichtungen ist sogar eine CO₂-Reduzierung von bis
zu 76 Prozent möglich (Bild 4).
Bild 4: Mit Econidur sinken die CO₂-Emissionen je nach Schichtdicke, Leistungsniveau und Steckertyp um über 44 Prozent.TE
Damit unterstützt die
Produktbeschichtung Anwender bei der Reduzierung von Scope-3-Emissionen in
ihrer Lieferkette – ohne Kompromisse bei der Funktionalität der Produkte.
Darüber hinaus sind die Elemente Nickel und Phosphor weit verbreitet und können
viel einfacher abgebaut werden. Deshalb ist eine NiP-Legierung besonders gut
geeignet, um Engpässe in der Lieferkette auszugleichen.
Wo wird Econidur bereits eingesetzt?
Anzeige
TE verfügt über ein breites
Produktportfolio, aus dem in Zukunft eine ganze Reihe von mit Econidur beschichteten
Steckverbindern hervorgehen wird. Die strategische Umsetzung beginnt mit den
MicroSpeed- und SMC-Steckverbindern.
Bild 5: MicroSpeed-Steckverbinder sind prädestiniert für die hohen Anforderungen bei der High-Speed-DatenübertragungTE
MicroSpeed-Steckverbinder (Bild
5) unterstützen eine hohe Datenübertragungsrate und verfügen über einen
miniaturisierten Rasterabstand von 1 mm. Es können Datenraten von bis zu 25
Gbit/s erreicht werden. Die platzsparenden und geschirmten Steckverbinder mit ihrer
Fähigkeit zum Blindstecken sind robust und durcg ihrer doppelschenkligen
Federkontakte in den Buchsen äußerst zuverlässig.
SMC-Steckverbinder
ermöglichen Flexibilität beim Design aufgrund der großen Anzahl an Steckerkonfiguration,
darunter Board-to-Board-, Board-to-Wire- und Board-on-IDC-Varianten. Die
Kombination aus kurzen Steckern mit gleichzeitig hoher Pin-Anzahl ist besonders
nützlich in Anwendungen mit beengtem Platzangebot. Der SMC-Steckverbinder mit seinem
Rastermaß von 1,27 mm ist robust und arbeitet zuverlässig auch unter widrigen
Bedingungen (Bild 6).
Bild 6: SMC-Steckverbinder bieten eine hohe Flexibilität beim Design.TE
Es gibt einen stufenweisen
Einführungsplan, um die Econidur-Beschichtung auf andere TE-Produktfamilien,
einschließlich neu entwickelter Produkte, auszuweiten.
Das
TE-Werk in Adelberg ist Vorreiter bei der Umsetzung der Econidur-Technologie. Um
die erforderlichen galvanischen Prozessschritte für diese Beschichtung
durchzuführen, wurde hier eine spezielle NiP-Beschichtungsanlage errichtet. In
der Produktion kommen bewährte Galvanisierungsanlagen zum Einsatz, die für den
NiP-Galvanisierungsprozess Elektrolyte verwenden. Die Technologie wird derzeit noch
einem Qualifizierungsprozess unterzogen. Ziel ist, im Januar 2026 die
Produktion zu starten. Um die Produktbeschichtung auf verschiedene
Produktfamilien anzuwenden, werden im Zuge der Lokalisierung zukünftig weitere
Galvanisierungsanlagen installiert.
Wie wird die Qualität der Beschichtung sichergestellt?
Alle mit Econidur beschichteten Steckverbinder durchlaufen einen strengen
Qualitätssicherungsprozess. Neu entwickelte Messverfahren tragen dazu bei, eine
hohe Produkt- und Prozessqualität für die geforderte Performance zu erfüllen.
Diese Messmethoden kombinieren verschiedene spektroskopische Verfahren zur
Bewertung der Schichtdicke und -struktur.
Die vollständige
Steckverbinder-Qualifizierung basiert auf IEC-Anforderungen und der 4-Gas-Prüfung
für die Automobilindustrie. Für industrielle Anwendungen ist die Klasse 1 gemäß
IEC 60512 erfüllt und kann je nach Reibungs- und Vibrationsanforderungen vorausgesetzt
werden. Auch die Anforderungen der Automobilnorm LV214 können erfüllt werden.
Neben diesen Normen werden
weitere Tests zur Bewertung der Beschichtungsqualität durchgeführt: Der
Salpetersäuredampftest (NAV-Test) dient zur Bewertung der Poren in der Econidur-Schicht. Die Ergebnisse aus diesem Test können zur Validierung der
Beschichtungsqualität herangezogen werden. Der Neutral-Salzsprühnebel-Test
(NSS-Test) dient zur Bewertung des Korrosionsverhaltens. Zur Beurteilung der
Vibrationsbeständigkeit wird zusätzlich ein Fretting-Test durchgeführt. (bs)
Autoren
Andrea
Colombo, Produktmanager bei TE Connectivity
Volker
Brichzin, Senior Director Engineering bei TE Connectivity
Jean-Baptiste
Serpagli, Senior Manager Sustainability bei TE Connectivity