Nahinfrarot-Bildgebung

Ultradünnes Bauteil macht Infrarotbilder sichtbar

Forscher der Universität Hasselt und von imec haben ein ultradünnes Bauteil entwickelt, das Nahinfrarotbilder ohne externe Stromversorgung in sichtbares grünes Licht umwandelt. Dadurch lassen sich Infrarotinformationen mit kostengünstigen herkömmlichen Kameras erfassen.

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Blaue Handschuhhand mit kleinen Mikrochips, daneben dieselbe Szene im roten Licht.
Das ultradünne Bauteil passt auf eine Handfläche und wandelt Nahinfrarotsignale in sichtbares grünes Licht um. Es kommt dabei ohne externe Stromversorgung aus.

Nahinfrarotes Licht liefert Informationen, die dem menschlichen Auge verborgen bleiben. In industriellen Anwendungen lässt sich damit beispielsweise der Wassergehalt oder Reifegrad von Früchten untersuchen oder die Zusammensetzung chemischer Produkte analysieren. Bislang sind dafür üblicherweise spezielle Nahinfrarotkameras erforderlich.

Das neue Bauteil des Instituts für Materialforschung IUMAT der Universität Hasselt soll diese Hürde senken. Es besteht aus 38 sorgfältig aufeinander abgestimmten ultradünnen organischen Schichten und ist nach Angaben der Forscher rund 100-mal dünner als ein durchschnittliches menschliches Haar. Die Struktur wandelt einfallendes Nahinfrarotlicht in sichtbares grünes Licht um, das anschließend beispielsweise mit einer Smartphone-Kamera aufgenommen werden kann.

OLED erzeugt sichtbares Bild ohne externe Stromversorgung

Grün dargestellte Nahinfrarot-Detailansicht eines 20-Euro-Scheins mit Sicherheitsmerkmalen.
Das neue Bauteil macht verborgene Sicherheitsmerkmale eines 20-Euro-Scheins im nahen Infrarotbereich sichtbar – darunter das Gesicht der mythologischen Figur Europa. Links ist der Geldschein im sichtbaren Licht zu sehen, rechts die Infrarotaufnahme.

Im Inneren der Struktur sind mehrere Nahinfrarot-Photodetektoren in Reihe geschaltet. Gemeinsam erzeugen sie ausreichend elektrische Leistung, um eine integrierte OLED anzusteuern. Diese organische Leuchtdiode übernimmt anschließend die Umwandlung des Infrarotbildes in sichtbares grünes Licht.

Eine zusätzliche Stromversorgung ist dafür nicht erforderlich. Gleichzeitig soll das Bauteil mit erheblich niedrigeren Lichtintensitäten auskommen als bisherige Lösungen. „Zudem arbeitet das Bauteil bereits bei einer Lichtintensität, die mehr als 4.000-mal geringer ist als bei vergleichbaren Geräten.“, erklärt Projektleiter Dr. Bernhard Siegmund.

Die Entwicklung erforderte mehrere Jahre Forschungsarbeit. Ein internationales Team aus Chemikern und Physikern untersuchte verschiedene Materialkombinationen, führte optische Simulationen durch und optimierte schrittweise den Aufbau der 38 Schichten.

Sicherheitsmerkmale eines 20-Euro-Scheins sichtbar gemacht

Wie gut die Technik funktioniert, demonstrierten die Forscher unter anderem anhand eines 20-Euro-Scheins. Dabei machte das Bauteil Sicherheitsmerkmale sichtbar, die im nahen Infrarotbereich liegen. Zu erkennen waren unter anderem das Gesicht der mythologischen Figur Europa sowie weitere Strukturen des Geldscheins.
Darüber hinaus gelang es dem Team, Strukturen unterhalb der Oberfläche biologischer Proben abzubilden. Daraus ergeben sich nach Einschätzung der Forscher mögliche Anwendungen in der Biomedizin, etwa bei der Überwachung von Heilungsprozessen nach Organtransplantationen. Weitere Einsatzfelder sehen sie in der Landwirtschaft, der Waldüberwachung sowie bei schwer zugänglicher Infrastruktur.