Wegen staatlicher Vorgaben

Defu-Übernahme im Kupferfolienmarkt gescheitert

Die geplante Übernahme von Circuit Foil Luxembourg durch Defu Technology ist gescheitert. Regulatorische Vorgaben stoppten den Deal. Brancheninsider Thomas Michels erklärt, welche Signalwirkung das für Europas Elektronikindustrie hat.

Elektrolytische Kupferfolie wie sie Circuit Foil herstellt, ist unverzichtbar für Hochtechnologie-Anwendungen. Ihre strategische Bedeutung war mitentscheidend für das Scheitern der geplanten Übernahme durch Defu Technology.

Der chinesische Kupferfolien-Hersteller Jiujiang Defu Technology Co., Ltd. hat seine geplante Übernahme von Circuit Foil Luxembourg SA aufgegeben. Ausschlaggebend waren laut offizieller Begründung regulatorische Auflagen der luxemburgischen Behörden, die aus Sicht von Defu eine vollständige unternehmerische Kontrolle über das Zielunternehmen verhindert hätten. Der Schritt markiert einen weiteren Fall, in dem geopolitische und industriepolitische Rahmenbedingungen internationale M&A-Pläne in der Elektronikindustrie ausbremsen.

Strategisch bedeutender Deal im Kupferfolienmarkt

Die Übernahme war im Sommer 2025 angekündigt worden und hätte ein Volumen von rund 174 Mio. Euro umfasst. Defu plante, 100 Prozent der Anteile an Circuit Foil Luxembourg zu erwerben. Für den chinesischen Konzern wäre dies ein zentraler Baustein seiner internationalen Expansionsstrategie gewesen, insbesondere mit Blick auf den europäischen Markt.

Circuit Foil Luxembourg gilt als technologisch führender Hersteller von hochwertigen elektrolytischen Kupferfolien, die unter anderem in Leiterplatten, 5G-Infrastruktur, Rechenzentren sowie leistungsfähigen elektronischen Systemen eingesetzt werden. Das Unternehmen nimmt damit eine Schlüsselrolle in mehreren wachstumsstarken Elektroniksegmenten ein, in denen Materialqualität und Prozessstabilität entscheidend sind.

„Kupferfolie ist kein Basismaterial mehr“ – Thomas Michels zur Lage der europäischen Elektronikfertigung

Thomas Michels ist Managing Partner und CEO von ILFA Industrieelektronik und Leiterplattenfertigung. Zudem engagiert er sich in europäischen Branchenstrukturen, unter anderem im Vorstand des ZVEI-Fachbereichs Mikroelektronik sowie in Gremien von EIPC und IPC/GEA. Für all-electronics.de ordnet er die Bedeutung von Kupferfolie und die Lage der europäischen Lieferketten ein.

Herr Michels, warum ist Kupferfolie – speziell hochwertige elektrolytische Kupferfolie – heute ein strategisches Thema? 

Kupferfolie ist längst kein „einfaches Material“ mehr, sondern ein Schlüssel für moderne Elektronik: Leiterplatten, Hochfrequenzanwendungen, Rechenzentren, Leistungselektronik und zunehmend auch sicherheitskritische Systeme hängen an stabilen, qualifizierten Materialketten. Wenn solche Vorprodukte wegfallen oder nur noch aus wenigen Regionen verfügbar sind, wird aus einem Einkaufsthema schnell ein Resilienzthema.

Was sagt der Fall Defu/Circuit Foil Ihrer Ansicht nach über die aktuelle Lage in Europa aus? 

Er zeigt, dass Europa bei kritischen Technologien genauer hinschaut als noch vor wenigen Jahren. Bei Investitionen geht es nicht mehr nur um Kaufpreis und Arbeitsplätze, sondern stärker um Einflussrechte, Technologietransfer, IP-Schutz und Versorgungssicherheit. Das ist eine Entwicklung, die Unternehmen in strategischen Lieferketten künftig einkalkulieren müssen.

Wo ist Europa aus Ihrer Sicht in der Elektronikfertigung besonders verwundbar?

Häufig wird über „Schlüsselindustrien“ gesprochen, aber zu selten über die komplette Lieferkette. Selbst wenn einzelne Endprodukte oder Chip-Projekte gestärkt werden, bleibt die Abhängigkeit hoch, wenn Vorprodukte, Leiterplatten, Packaging oder Bestückungskapazitäten fehlen. Resilienz entsteht vertikal – vom Material bis zum System.

Welche Maßnahmen würden aus Ihrer Sicht wirklich helfen, um die europäische Produktion zu stabilisieren? 

Drei Dinge: Erstens Investitionsanreize, die auch für Mittelständler handhabbar sind. Zweitens weniger Bürokratie in Förderprogrammen – gerade während der Projektlaufzeit. Drittens mehr Planungssicherheit über verbindlichere, langfristigere Beschaffungs- und Industrieprogramme in kritischen Bereichen. Ohne verlässliche Perspektive investieren Unternehmen zu zögerlich, weil die Finanzierung dann schwer wird.

Sie sind in mehreren Verbänden aktiv. Was können Verbände leisten und wo liegen die Grenzen? 

Verbände können koordinieren, Fakten konsolidieren und eine gemeinsame Sprache finden – das ist entscheidend, weil widersprüchliche Zahlen oder Einzelinteressen politisch wenig Wirkung entfalten. Grenzen gibt es dort, wo Entscheidungen politische Prioritäten und Budgets betreffen. Aber ohne abgestimmte Industriepositionen passiert erfahrungsgemäß noch weniger.

Regulatorische Auflagen verhindern vollständige Kontrolle

Trotz grundsätzlicher Genehmigung durch die luxemburgische Regierung war die Transaktion an weitreichende Auflagen geknüpft. Diese hätten Defu lediglich eine eingeschränkte Beteiligung mit begrenzten Stimmrechten ermöglicht. Zudem wären zentrale Einflussmöglichkeiten auf Managemententscheidungen, Corporate Governance, geistiges Eigentum und strategische Geschäftsprozesse ausgeschlossen gewesen.

Aus Sicht von Defu stand dieses Modell im Widerspruch zum ursprünglichen Ziel der Akquisition, nämlich Circuit Foil vollständig in die eigene globale Wertschöpfungs- und Technologiestrategie zu integrieren. Nach mehreren Verhandlungsrunden entschieden sich beide Parteien daher, den Kaufvertrag einvernehmlich aufzulösen.

Signalwirkung für Investitionen in kritische Elektroniktechnologien

Der Abbruch der Übernahme unterstreicht die wachsende Sensibilität europäischer Staaten gegenüber ausländischen Investitionen in technologisch relevante Industriezweige. Kupferfolien sind längst kein reines Basismaterial mehr, sondern ein strategischer Faktor für moderne Elektronik, Leistungselektronik, Hochfrequenzanwendungen und Energiespeichertechnologien.

Kupferfolienmarkt zwischen Globalisierung und Regulierung

Die abgesagte Übernahme von Circuit Foil Luxembourg durch Jiujiang Defu Technology verdeutlicht die zunehmende strategische Bedeutung des Kupferfolienmarkts für die globale Elektronikindustrie. Hochwertige Kupferfolien sind eine Schlüsselkomponente für Leiterplatten, Hochfrequenzanwendungen, Rechenzentren, Leistungselektronik und zunehmend auch für energie- und datenintensive Systeme.

Gleichzeitig rücken Materialtechnologien stärker in den Fokus industriepolitischer Regulierung. Europäische Staaten bewerten Übernahmen in diesem Bereich nicht mehr ausschließlich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten, sondern auch im Hinblick auf technologische Souveränität, Versorgungssicherheit und Schutz geistigen Eigentums. Für internationale Investoren – insbesondere aus Asien – steigen damit die regulatorischen Hürden bei Akquisitionen in Europa deutlich.

Der Markt für Kupferfolien ist zwar global vernetzt, strategische Schlüsseltechnologien unterliegen jedoch zunehmend nationalen und regionalen Kontrollmechanismen. Für die Elektronikindustrie bedeutet dies eine wachsende Bedeutung lokaler Produktionskompetenzen und langfristiger Partnerschaften anstelle klassischer Übernahmestrategien.

Vor diesem Hintergrund gewinnt die staatliche Prüfung von Eigentümerstrukturen, Technologietransfers und Einflussrechten zunehmend an Bedeutung. Für internationale Investoren bedeutet dies, dass wirtschaftliche Attraktivität allein nicht mehr ausreicht, um Übernahmen in Europa erfolgreich umzusetzen.

Defu richtet Wachstumsstrategie neu aus

Für Defu Technology bleibt der Rückzug aus dem Deal ohne unmittelbare finanzielle Folgen. Bereits geleistete Anzahlungen werden vollständig zurückerstattet. Operativ sieht sich das Unternehmen weiterhin stabil aufgestellt und verfolgt nun verstärkt eine Inlandsstrategie.

Konkret plant Defu den Ausbau seiner Marktposition über eine Mehrheitsbeteiligung an einem chinesischen Kupferfolienhersteller, um Kapazitäten und technologische Kompetenzen im eigenen Land zu stärken. Damit verschiebt sich der Fokus von internationaler Akquisition hin zu organischem und nationalem Wachstum.