Wie aus regulatorischem Druck Wettbewerbsvorteile werden
Nachhaltigkeit wird für EMS-Dienstleister zunehmend zur Eintrittskarte in Lieferketten. Die DBK Group zeigt, wie sich regulatorische Anforderungen und unternehmerischer Nutzen verbinden lassen.
Petra GottwaldPetraGottwaldChefredakteurin Elektronik-Titel
3 min
Der DBK-Standort in Rülzheim erhielt schon 2012 eine groß dimensionierte Photovoltaikanlage sowie Geothermie.DBK
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Für viele Elektronikfertiger ist Nachhaltigkeit längst kein freiwilliges Engagement mehr. Kunden, Ratingsysteme und gesetzliche Vorgaben verlangen belastbare Nachweise. Auch die DBK Group aus Rülzheim hat diesen Wandel in den vergangenen Jahren deutlich gespürt. Was heute unter den Schlagworten ESG, CO₂-Footprint oder Lieferkettentransparenz läuft, begann dort zunächst mit der Aufgabe, die vielfältigen Anforderungen strukturiert zusammenzuführen.
„Nachhaltige Entscheidungen wurden bei uns schon immer getroffen"
Nachhaltigkeitsbeauftragter Pascal Lefarth, DBK
Verantwortlich dafür ist Nachhaltigkeitsbeauftragter Pascal Lefarth, der die Aktivitäten der gesamten Unternehmensgruppe koordiniert. Dabei konnte das Unternehmen auf einer soliden Basis aufbauen. Nachhaltige Investitionen wurden bereits deutlich vor dem aktuellen ESG-Boom umgesetzt. So entstand der Standort in Rülzheim schon 2012 mit einer groß dimensionierten Photovoltaikanlage sowie Geothermie.
„Nachhaltige Entscheidungen wurden bei uns schon immer getroffen", beschreibt Pascal Lefarth die Ausgangssituation. Neu sei jedoch der enorme Dokumentationsaufwand. Während früher vor allem die tatsächliche Umsetzung zählte, werden heute Richtlinien, Nachweise und Audits zunehmend zur Voraussetzung für die Teilnahme an Ausschreibungen.
Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung bei Kundenbewertungen. Immer häufiger verlangen Auftraggeber standardisierte ESG-Nachweise. Fehlen diese, droht der Ausschluss aus dem Vergabeprozess.
So entschied sich DBK, ein Ecovadis-Rating durchführen zu lassen. Auslöser war die Forderung eines wichtigen Kunden. Der Aufwand zahlte sich aus: Das Unternehmen erreichte auf Anhieb eine Bronze-Medaille und positionierte sich damit im oberen Bereich der bewerteten Unternehmen.
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Die Erfahrung zeigt jedoch auch die Grenzen solcher Systeme. Häufig gehe es zunächst weniger um die konkrete Nachhaltigkeitsleistung als um die grundsätzliche Existenz von Nachweisen. „Die Kunden wollen oft wissen: Habt ihr das oder habt ihr es nicht?“, beschreibt der Nachhaltigkeitsmanager die Realität vieler Anfragen.
Neben Ecovadis veröffentlichte DBK erstmals einen umfassenden Nachhaltigkeitsbericht. Dieser orientiert sich am VSME-Standard, der speziell für kleine und mittlere Unternehmen entwickelt wurde. Ziel war es, nicht nur Kennzahlen zu präsentieren, sondern die Maßnahmen verständlich und praxisnah darzustellen.
Ein weiterer Meilenstein war die Erstellung eines gruppenweiten Carbon Footprints. Inzwischen liegen bereits zwei aufeinanderfolgende Bilanzen vor, sodass Entwicklungen und Trends sichtbar werden. Auf Basis dieser Daten wurde ein langfristiger Transformationsplan entwickelt. Das Unternehmen verfolgt definierte Klimaziele und orientiert sich an einem Netto-Null-Pfad bis 2045. Unterstützt wurde das Vorhaben durch eine Förderung des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA).
Für DBK ist der Nutzen solcher Analysen eindeutig: Erst wenn Emissionen transparent erfasst werden, lassen sich wirksame Hebel identifizieren und Prioritäten setzen.
Energiesparen statt Papierproduktion
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Auch in der Stickstofferzeugung liegen Kapazitäten zum Verbessern des CO₂-Footprints.DBK
Trotz der erzielten Fortschritte sieht der Nachhaltigkeitsmanager die größten Potenziale nicht in weiteren Berichten oder Ratings. Vielmehr wünscht er sich mehr Zeit für operative Verbesserungen. Auf seiner Projektliste stehen zahlreiche Maßnahmen zur Reduzierung des Energieverbrauchs. Dazu gehören die Optimierung der Druckluftversorgung, zusätzliche Mess- und Zähleinrichtungen sowie die Umsetzung von Verbesserungsvorschlägen aus der Belegschaft. Allein durch die Überarbeitung der bestehenden Photovoltaikanlage konnte deren Effizienz bereits deutlich gesteigert werden.
Weitere Ansatzpunkte liegen in der Stickstofferzeugung, bei Kompressorsystemen und im allgemeinen Energieverbrauch der Produktion. Viele Prozesse seien historisch gewachsen und würden heute nicht mehr zwingend den optimalen Betriebszustand darstellen. „Ich würde lieber Energieeinsparprojekte umsetzen als weitere Papiere produzieren“, fasst Lefarth seine Sicht auf die aktuelle Entwicklung zusammen.
Neben Energieeffizienz rückt das Thema Kreislaufwirtschaft stärker in den Fokus. Für Vertriebsleiter Andreas Weissenborn zeigt sich dabei ein interessanter Effekt: Kunden interessieren sich häufig stärker für konkrete nachhaltige Geschäftsmodelle als für Zertifikate.
Besonders positive Resonanz erhält beispielsweise die Reparatur und Wiederaufbereitung von Elektronikbaugruppen. Dabei werden Produkte aus dem Feld zurückgeführt, instandgesetzt und erneut genutzt. Solche Ansätze verlängern Lebenszyklen, reduzieren Ressourcenverbrauch und erhöhen gleichzeitig die Versorgungssicherheit.
Gerade in Zeiten angespannter Lieferketten gewinnen Refurbishment-Konzepte zusätzlich an Attraktivität. Denn häufig stehen nicht Nachhaltigkeitsziele im Vordergrund, sondern die schlichte Verfügbarkeit benötigter Komponenten und Systeme.
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Zwischen Anspruch und Realität
Gleichzeitig sehen die Verantwortlichen viele Herausforderungen kritisch. Themen wie PFAS-Regulierung, Lieferkettentransparenz oder Materialherkünfte verdeutlichen die Komplexität globaler Wertschöpfungsketten. Besonders mittelständische Unternehmen stoßen hier schnell an ihre Grenzen.
Hinzu kommt ein Spannungsfeld, das viele Branchen kennen: Nachhaltigkeit wird zwar von nahezu allen Marktteilnehmern gefordert, zusätzliche Kosten werden jedoch nur selten akzeptiert. Verbesserungen seien häufig dann willkommen, wenn sie kostenneutral bleiben. Trotz dieser Widersprüche ist für DBK klar, dass Nachhaltigkeit künftig ein entscheidender Wettbewerbsfaktor bleibt. Das gilt nicht nur für die Kundenakquise, sondern auch für die Positionierung als attraktiver Arbeitgeber.
Die Verantwortlichen sehen die bisher erreichten Meilensteine deshalb nicht als Ziel, sondern als Ausgangspunkt. Der nächste Schritt soll darin bestehen, messbare Verbesserungen direkt in der Produktion und entlang der Wertschöpfungskette zu realisieren. Erst dann, so die Überzeugung bei DBK, wird aus regulatorischer Pflichterfüllung echte nachhaltige Transformation.