GBS EMS Group im Aufschwung

Wie ein EMS-Cluster Resilienz, Skalierbarkeit und KI verbindet

Mit der Integration von productware und einer klaren Fokussierung auf Synergien, digitale Exzellenz und KI positioniert sich die GBS EMS Group als EMS-Partner in Deutschland.

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Der Markt für Electronic Manufacturing Services (EMS) in Deutschland steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Volatile Lieferketten, steigende technologische Komplexität, geopolitische Unsicherheiten und der Fachkräftemangel erhöhen den Druck auf OEMs und EMS‑Anbieter. Die GBS EMS Group reagiert auf diese Anforderungen mit einem klaren strategischen Ansatz: einem integrierten Produktionscluster in Deutschland, der klassische EMS‑Leistungen mit Engineering, Lifecycle‑Services und dem gezielten Einsatz von KI verbindet.

Vom EMS‑Anbieter zum Manufacturing Solutions Provider

Während klassische EMS‑Dienstleister vor allem Leiterplatten bestücken und Baugruppen montieren, verfolgt die GBS EMS Group bewusst einen erweiterten Ansatz. „Wir verstehen uns nicht als einzelner Elektronikfertiger, sondern als strategisches Fertigungsnetzwerk im Zentrum Deutschlands“, betont Group CEO Kai Lenfert. Ziel sei es, Kunden nicht nur Produktionskapazitäten bereitzustellen, sondern Verantwortung entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu übernehmen. Entsprechend integriert die Gruppe systematisch vor‑ und nachgelagerte Leistungen wie Engineering‑ und Designunterstützung, Mechanik‑ und Kabelbaumfertigung, Systemintegration, Testkonzepte sowie Aftermarket‑ und Lifecycle‑Services.

Daniel Frieg (re) und Kai Lenfert freuen sich über die Erweiterung ihres EMS-Fertigungsnetzwerkes.

EMS‑Fertigungscluster gegen Marktvolatilität

Pandemie, Halbleiterkrise, geopolitische Spannungen und neue regulatorische Anforderungen haben die Verwundbarkeit globaler Lieferketten offengelegt. Die GBS EMS Group setzt deshalb bewusst auf ein zentrales Produktionscluster in Deutschland mit Standorten in Nordbayern und Hessen, das regionale Nähe mit industrieller Skalierbarkeit verbindet.

„Resilienz entsteht nicht zufällig. Sie ist das Ergebnis klarer Prozesse, regionaler Verankerung und einer strukturierten Organisation“, erklärt Kai Lenfert. Das Cluster ermögliche kurze Kommunikations‑ und Transportwege, abgestimmte Produktionsstandards sowie flexible Kapazitätsverschiebungen – ein entscheidender Vorteil in volatilen Märkten.

Übernahme von Productware

Ein weiterer Meilenstein ist die Übernahme von Productware. Damit erweitert die GBS EMS Group ihre technologische Tiefe insbesondere in den Bereichen Prototyping, NPI, Testentwicklung, Logistik und Aftermarket‑Services.

„Productware passt strategisch, technologisch und kulturell hervorragend zu uns. Gemeinsam können wir unseren Kunden ein noch breiteres Leistungsspektrum anbieten“, so der Geschäftsführer. Gleichzeitig erschließt die Gruppe neue industrielle Endmärkte, etwa in Bahntechnik, Defence und IoT, sowie zusätzliche Kundenpotenziale in West‑ und Südwestdeutschland. Productware bleibt dabei als eigenständige Gesellschaft miteigenem Marktauftritt bestehen.

Wie sich KI im EMS‑Umfeld einsetzen lässt

Künstliche Intelligenz spielt für die GBS EMS Group eine zunehmend zentrale Rolle. Bereits heute kommen KI‑Anwendungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zum Einsatz: im Vertrieb zur strukturierten Auswertung von Kundenanforderungen, im Einkauf zur Unterstützung von Beschaffung und Obsoleszenzmanagement sowie in der Produktion, insbesondere in der Qualitätssicherung.

In der Fertigung liegt der Fokus aktuell auf KI gestützter Bildverarbeitung zur Fehlererkennung sowie auf der intelligenten Auswertung von Prüf und Prozessdaten.

In der Fertigung liegt der Fokus aktuell auf KI‑gestützter Bildverarbeitung zur Fehlererkennung sowie auf der intelligenten Auswertung von Prüf‑ und Prozessdaten. Künftig soll KI insbesondere bei AOI, ICT und Funktionstests eine Schlüsselrolle spielen. Lernende Systeme ermöglichen eine schnellere Identifikation von Fehlerbildern, steigern die Prüfgenauigkeit und reduzieren gleichzeitig den manuellen Aufwand – ein wichtiger Hebel zur Stabilisierung von Qualität und Durchlaufzeiten.

KI als Antwort auf den Fachkräftemangel

Dabei versteht die GBS EMS Group KI nicht als Ersatz für menschliche Expertise, sondern als gezielte Unterstützung. Ein Beispiel ist die KI‑gestützte Kalkulation von Prototypen und Kleinserien. „Kunden erwarten hier oft sehr kurzfristig belastbare Angebote. Mit KI‑gestützter Kalkulation sind wir heute in der Lage, innerhalb weniger Minuten ein erstes Angebot zu erstellen“, erklärt Daniel Frieg, Geschäftsführer der GBS Electronic Solutions. Das entlastet interne Ressourcen, beschleunigt Entscheidungsprozesse und schafft spürbaren Mehrwert für Kunden. Gleichzeitig können sich Mitarbeitende stärker auf komplexe Aufgaben konzentrieren, bei denen Erfahrung und Fachwissen entscheidend sind.

Anforderungen an KI in der Elektronikfertigung

„Wichtig ist für uns, KI dort einzusetzen, wo sie konkret Mehrwert schafft“

Daniel Frieg, Geschäftsführer GBS.

In sicherheits‑ und qualitätskritischen EMS‑Umgebungen gelten für KI klare Leitplanken. „Zuverlässigkeit, Nachvollziehbarkeit und Beherrschbarkeit sind zwingend“, betont Frieg. KI‑Entscheidungen müssen transparent und überprüfbar sein, der Mensch bleibt bei kritischen Freigaben die letzte Instanz.

Investitionen in Automatisierung, Test und Digitalisierung

Um auch unter volatilen Marktbedingungen lieferfähig zu bleiben, hat die GBS EMS Group in den vergangenen zwei Jahren gezielt investiert: in automatisierte Montage, Dual‑Testsysteme für ICT und Funktionstest, Flying‑Probe‑Technologie, Lackiertechnik sowie selektives Löten. Ergänzt wird dies durch ein KI‑gestütztes Wareneingangssystem zur Steigerung von Transparenz und Effizienz. Für die kommenden Jahre sind weitere Investitionen geplant, unter anderem in Röntgentechnologie sowie in IT‑Infrastruktur, Digitalisierung und zusätzliche Zertifizierungen.

Supply Chain als Wettbewerbsfaktoren im EMS-Markt

Neben Fertigungskapazität und Technologie gewinnt im EMS‑Umfeld insbesondere die Beherrschung komplexer Lieferketten an Bedeutung. Bauteilverfügbarkeiten, kurzfristige Abkündigungen und lange Wiederbeschaffungszeiten stellen OEMs und EMS‑Dienstleister gleichermaßen vor Herausforderungen. Die GBS EMS Group setzt daher bewusst früh an – bereits in der Angebots‑ und Entwicklungsphase.

„Maximale Transparenz und Flexibilität entlang der gesamten Supply Chain sind für uns entscheidend“, erläutert der Geschäftsführer. Verfügbarkeiten, potenzielle Risiken und Alternativen würden konsequent bereits in der Kalkulation berücksichtigt. Ergänzt wird dieser Ansatz durch aktives Obsoleszenzmanagement sowie die kontinuierliche Qualifizierung von Alternativbauteilen, um bei Engpässen schnell reagieren zu können.

Ein weiterer zentraler Erfolgsfaktor ist die enge Verzahnung von Engineering und Fertigung. Durch die regionale Nähe innerhalb des Produktionsclusters können Entwicklungsabteilungen direkt mit den Fertigungsteams zusammenarbeiten. Design‑for‑Manufacturing‑Optimierungen erfolgen nicht zeitverzögert über mehrere Ebenen hinweg, sondern im direkten Austausch.

„Gerade bei Prototypen, kleinen Losgrößen oder regulierten Anwendungen macht dieser enge Schulterschluss den Unterschied“, so Daniel Frieg. Änderungen lassen sich kurzfristig umsetzen, Entscheidungswege verkürzen sich deutlich, und die Time‑to‑Market reduziert sich spürbar. Besonders in Branchen wie Medizintechnik, Automation, Bahn‑ oder Verteidigungstechnologie zahlt sich diese Transparenz auch im Hinblick auf Auditierbarkeit, Dokumentation und Compliance aus.

Flexibilität von Prototyp bis Serie

Ein zentrales Kennzeichen der GBS EMS Group ist die Fähigkeit, hohe Flexibilität mit industrieller Effizienz zu verbinden. Alle Standorte sind so ausgelegt, dass sowohl kleine Stückzahlen als auch kurzfristige Anforderungen wirtschaftlich umgesetzt werden können. Gleichzeitig verfügt die Gruppe über Strukturen, die eine effiziente Skalierung bis hin zur Volumenfertigung ermöglichen.

Geplant ist, den Bereich Prototyping bei Product-ware gezielt als zentrale Einheit innerhalb der Gruppe zu positionieren. Damit werden klare Schnittstellen zwischen Entwicklung, Prototypenbau und Serienfertigung geschaffen. „So verbinden wir Geschwindigkeit und Flexibilität in frühen Projektphasen mit Stabilität und Effizienz in der Serie“, erklärt die Geschäftsführung.

EMS‑Partner in Deutschland

Für die GBS EMS Group bedeutet Führungsanspruch nicht allein Größe oder Umsatz. „Führend zu sein heißt für uns, Komplexität beherrschen zu können – in der Lieferkette, in technologischen Anforderungen und in anspruchsvollen Projekten“, fasst Daniel Frieg zusammen. Die Kombination aus mittelständischer Flexibilität, gruppenweiter Skalierbarkeit, regionaler Produktion und digitaler Kompetenz soll die Grundlage dafür bilden. Mit ihrem integrierten Cluster‑Ansatz, der gezielten Nutzung von KI und der Erweiterung durch Productware positioniert sich die GBS EMS Group als stabiler, langfristiger Partner für OEMs – gerade in einem EMS‑Markt, der zunehmend von Dynamik und Unsicherheit geprägt ist.