Bewertung von Schaltern und Tastern beim Dampfphasen-Löten
Alle Lötverfahren befestigen Bauteile sicher auf Trägermaterial. Der Dampfphasenprozess überzeugt durch homogene Wärmeübertragung, exakte Temperaturführung und hohe Reproduzierbarkeit. Doch gilt dies auch für „offene“ SMT-Bauteile wie den Schaltern und Tastern?
Petra GottwaldPetraGottwaldChefredakteurin Elektronik-Titel
3 min
Würth Elektronik
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Komfort,
Sicherheit und der Zugriff auf eine ganze Reihe von Funktionalitäten – das
ermöglichen elektromechanische Komponenten. Selbst für den Einsatz in rauen
Umgebungen halten Schalter und Taster für IP-Anwendungen den Anforderungen
mühelos stand. Inwiefern sich diese auch für den Dampfphasenlötprozess eignen,
hat Würth Elektronik in einem Projekt mit IBL Löttechnik untersucht. Ziel war
es, die Anforderungen von maximal fünf aufeinanderfolgenden Lötzyklen
dedizierter Schalter und Taster zu erfüllen und deren Verarbeitbarkeit im
Dampfphasenlötprozess zu testen. Parallel dazu evaluierte das Expertenteam,
inwiefern die Funktion der Bauelemente durch den Dampfphasen-Lötprozess
beeinträchtigt wird. Ebenfalls analysierten sie, inwieweit eine Verschleppung
des eingesetzten Wärmeübertragungsmedium Galden möglich ist.
Versuchsaufbau für Schalter und Taster im Dampfphasenlöten
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In der Dampfphasen-Lötanlage VAC 745 von IBL Löttechnik wurden neben typischen Standard-Lötprofilen auch Lötzyklen gefahren, welche die elektromechanischen Komponenten absichtlich an ihre Belastungsgrenzen führtenWürth Elektronik
In den
Versuchsreihen galt es im ersten Schritt die jeweiligen initialen
Übergangswiderstände der verschiedenen Schalter und Taster zu vermessen. Auf
160 mm x 100 mm großen Testplatinen wurde zunächst die
bleifreie, No-Clean-Lotpaste von Loctite (GC10 SAC305T4 885V 52K) aufgetragen
und die elektromechanischen Komponenten des Unternehmens manuell bestückt.
Konkret: Kurzhubtaster der WS-TASV-IP67-Familie (6 mm x 6 mm
und 6.2 mm x 4.1 mm), Komponenten der DIP-Schalter-Familie
WS-DISV Small Compact mit Rastermaßen von 1.27 mm und 2.54 mm sowie
die Drehcodierschalter WS-ROSV-IP67 in der Baugröße
7 mm x 7 mm. Die gemäß IP67 klassifizierten
Drehcodierschalter sowie Kurzhubtaster sind nach IEC61058 und IEC60068 geprüft
und für den Einsatz in rauer Industrieumgebung ausgelegt.
Lötprofil 1 (Standardprofil)
Gradienten
< 2 K/s
Temperatur 150–200 °C
> 60 s
Zeit über Liquidus
60 s
Peaktemperatur
< 232 °C
Tabelle 1a: Eckdaten des Standard-Lötprofils, denen die elektromechanischen Kom-ponenten ausgesetzt waren.
Die
Testplatinen erhielten jeweils einen Temperaturmesssensor, um die zuvor
ausgearbeiteten Lötprofile exakt verfolgen zu können. In mehreren Chargen
durchliefen die Testplatinen im Dampfphasen-Lötprozess die verschiedenen
Lötprofile. Zum Einsatz kam dabei das Dampfphasen-Lötsystem VAC 745 von IBL
Löttechnik, befüllt mit dem Medium Galden HS235. Neben typischen
Standard-Lötprofilen wurden die elektromechanischen Komponenten auch einem an
die Belastungsgrenze hinsichtlich Laufzeit und Höchsttemperatur reichenden
Lötprofil ausgesetzt (Tabelle 1a+b).
Einige Chargen durchliefen bis zu fünfmal den Dampfphasenprozess, um den
maximalen Anforderungen von fünf Reflow-Zyklen, denen ein Bauteil laut IPC
TM-650 ausgesetzt werden darf, zu erfüllen. Die Testplatinen absolvierten
insgesamt mehr als 30 Lötzyklen (Bilder
1+2). Abschließend hat Würth Elektronik in seinem Prüflabor
die Komponenten hinsichtlich der Zuverlässigkeit der Lötverbindungen sowie der
elektrischen Eigenschaften der Komponenten umfassend geprüft.
Lötprofil 2 (Belastungsgrenze)
Gradienten
> 2 K/s
Temperatur 150–200 °C
< 60 s
Zeit über Liquidus
90 s
Peaktemperatur
< 234 °C
Tabelle 1b: In der zweiten Versuchsreihe zeigte sich, dass die Schalter und Taster auch hohen Belastungen während des Dampfphasen-Lötprozesses standhalten.
Welche Vorteile bietet das Dampfphasenlöten?
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Höhere
Packungsdichten durch die fortschreitende Miniaturisierung einerseits und der
steigende Anteil an komplexen Leistungsmodulen andererseits stellen
Elektronikfertiger im Fertigungsprozess elektronischer Baugruppen zunehmend vor
Herausforderungen. Wenngleich der Konvektions-Lötprozess das vorherrschende
SMT-Lötverfahren darstellt, findet der Dampfphasen-Lötprozess regen Zuspruch.
Vornehmlich bei stark unterschiedlich thermischen Massen der Bauelemente auf
der Baugruppe kann der Dampfphasen-Lötprozess seine Vorteile ausspielen.
Denn
während im Konvektions-Lötprozess oftmals Stickstoff als
Wärmeübertragungsmedium dient, um eine in-situ-Oxidation der Lötverbindungen zu
vermeiden, kommt beim Dampfphasenlöten das Perfluorpolyether (PFPE) Galden mit
festem Siedpunkt oberhalb der Liquidustemperatur des Lotes zum Einsatz. Galden
weist einige Vorteile auf: Als inertes Medium geht Galden keine Verbindung mit
anderen Stoffen ein. Zudem verdunstet die unschädliche und sehr stabile
Flüssigkeit rückstandlos und ist überdies nicht elektrisch leitfähig. Je nach
Anwendungsfall lässt sich ein Siedepunkt von 165 °C bis hin zu 260 °C
erreichen. Weil der Lötprozess mit heißem Dampf erfolgt, ist die
Wärmeübertragung rund zehnmal höher als beim klassischen
Konvektions-Lötprozess. Gleichzeitig wird eine Verschattung von Bauelementen
vermieden.
Das Temperatur-/Zeitprofil des ersten Durchlaufs zeigt den Standard-Lötprozess mit-tels Dampfphase.Würth Elektronik
Das
Verfahren ist denkbar einfach: Siedet die Flüssigkeit, bildet sich eine
gesättigte Dampfdecke, wodurch sich eine optimale Schutzgas-Atmosphäre bildet.
Taucht das Lötgut in die Dampfzone ein, kondensiert der Dampf an der Baugruppe.
Dadurch entsteht ein Flüssigkeitsfilm, dessen Oberflächenspannung mittels
Kapillarkräfte die Luft vollständig aus dem Lötgut verdrängt, wodurch jegliche
Oxidation an der Lötverbindung eliminiert wird. Eine Überhitzung der
elektronischen Baugruppe während des Prozesses ist physikalisch ausgeschlossen,
da die Dampftemperatur nicht über die Siedetemperatur des Mediums steigen kann.
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Unterschieden
werden zwei Dampfphasen-Verfahren: das Hub-Tauch-Prinzip und das
Injektionsprinzip. In der Versuchsreihe kam das Zwei-Kammern-Batchsystem VAC
745 des Pioniers in der Dampfphasenlöttechnik zum Einsatz, und damit das
patentierte Hub-Tauch-Verfahren des Herstellers. Die Integration einer
zusätzlichen Vakuumkammer in die Prozesskammer ermöglicht zudem die Evakuierung
der Baugruppen und Bauteile während der Lötphase und sorgt somit für eine
sehr hohe Lötqualität: Durch den erzeugten Unterdruck reduziert sich der
Porenanteil (Voids) erheblich, was zu zuverlässigeren und mechanisch stabileren
Lötverbindungen führt. Das Intelligent Profiling System (IPS) genannte Tool
ermöglicht dem Elektronikfertiger eine sehr präzise und wiederholbare Prozess-
und Lötprofilsteuerung. Hierbei wird mit dem „Soft Vapour Phase„-Prozess eine
im Dampfphasenlötsegment besondere Möglichkeit zur Regelung des thermischen
Eintrags in die Lötanwendungen realisiert.
Gut sichtbar im Temperatur-/Zeitprofil der zweiten Versuchsreihe: Die elektromecha-nischen Komponenten mussten einer deutlich längeren Peaktemperatur standhalten.Würth Elektronik
Was zeigen die Tests von Würth Elektronik und IBL Löttechnik?
In den
Versuchsreihen ließen sich mit dem Dampfphasen-Lötprozess sehr gute Ergebnisse
auf unterschiedlichsten Baugruppen erzielen. Im Nachgang realisierte die
Arbeitsgruppe auch Probeläufe auf Flexprint-Materialien und
Multilayer-Leiterplatten, ohne dass sich eine Überhitzung feststellen ließ. Es
galt herauszufinden, inwiefern das Galden in den Hohlräumen der Schalter und
Taster durch die nicht vollständig abdichtenden Bestückfolien (Pads)
kondensieren könnte. Um eine fundierte Aussage zu erhalten, wurde die
Versuchsreihe mit jeweils 30 Proben pro SMT-Bauteil für die Lötprozesse
eingesetzt. Im Versuchsverlauf ließ sich indes keine Verschleppung feststellen.
Häufig
geben Bauteilhersteller für ihre Bauteile zwar Temperaturprofile für den
klassischen Reflow-Lötprozess an, die Bauteile sind aber für das
Kondensationslöten nicht explizit getestet. Hier ist Erfahrung nötig, um eine
Beschädigung des Bauteils zu vermeiden. Würth Elektronik hat nun die ersten
Versuche, elektromechanische Komponenten im Dampfphasen-Lötprozess zu
verarbeiten, mit positiven Ergebnissen abgeschlossen. Die Versuche dienen als
Auswahlhilfe von passenden Produkten für den Dampfphasenprozess. Es gilt
hierbei zu beachten, dass der Produktionsprozess selbst durch verwendete
Parameter, vorhandene Ausstattung etc. Einfluss auf das Lötergebnis hat. Daher
sind vor dem Serieneinsatz entsprechende Eignungsprüfungen beim Kunden
unerlässlich.
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Das Experten- und Autorenteam, das die Versuchsreihe durchgeführt hat (v.l.n.r.): Fa-bian Altenbrunn (FAE), Andreas Aigner (Technisches Marketing) und Stephan Bächle (FAE, alle drei von Würth Elektronik) sowie Armin Leicht (Head of Quality QS) und Florian Wüst (CEO, beide von IBL-Löttechnik).Würth Elektronik
Autoren:
Fabian
Altenbrunn, Andreas Aigner, Stephan Bächle, Marisa Robles (alle Würth Elektronik) Armin Leicht, Florian Wüst (beide IBL Löttechnik)