Riesenrad

Die Größe und Beleuchtung des Riesenrads machen es zu einem echten Publikumsmagnet auf jedem Volksfest. (Bild: SEW)

Auf die Schnelle

Das Wesentliche in 20 Sek.

  • Früher wurde die Bremsenergie von Riesenrädern in Wärme umgewandelt und ging verloren.
  • Lösung: Ein neues Versorgungskonzept das mithilfe des Systems „Power and Energy Solutions“ Energie zwischenspeichert und bei Bedarf wieder abgibt.
  • Acht Doppelschicht-Kondensatormodule nehmen aus den Versorgern freiwerdende Energie auf und senken die Energiekosten.
  • Stirnrad-Getriebemotoren mit einem hohen Wirkungsgrad an den Reibrädern beziehen ihren Strom über Frequenzumrichter.
Getriebemotor
Energieeffiziente Stirnrad-Getriebemotoren treiben über Reibradpaare das Riesenrad an. (Bild: SEW-Eurodrive)

Ein Riesenrad zu montieren war einst ein kompliziertes Unterfangen - das erste echte Riesenrad, das US-amerikanische "Ferris Wheel" von 1893, musste beim Bau aufwändig mit Gerüsten gestützt werden und ging mit sieben Wochen Verspätung in Betrieb. Das transportable Riesenrad RR 40 von Gerstlauer aus dem schwäbischen Münsterhausen, stellt sich dagegen praktisch selbst auf. Hydraulikzylinder fahren die vier zentralen Stützen von einem Sattelauflieger hoch und ein kleiner Kran genügt, um die anderen Komponenten von weiteren vier Tiefladern aus zu montieren. Das Riesenrad wird mit Hilfe von vier Reibrädern gedreht und geht dank LED-Beleuchtung und eines neuartigen Antriebssystems von SEW-Eurodrive wirtschaftlich mit der Energie um.

Die vier Stirnrad-Getriebemotoren der Baureihe DRN von SEW-Eurodrive an den Reibrädern haben einen hohen Wirkungsgrad und beziehen ihren Strom über Frequenzumrichter vom Typ Movidrive modular. Diese wiederum sind über einen DC-Zwischenkreis hinter zwei Versorgungsmodulen MDP92A an das örtliche Netz angeschlossen.

Nichts geht mehr verloren

Wurde früher die Bremsenergie von Riesenrädern in Wärme umgewandelt und ging somit verloren, wird sie mit Hilfe des Systems „Power and Energy Solutions“ zwischengespeichert und bei Bedarf wieder abgerufen. Acht Doppelschicht-Kondensatormodule nehmen aus den Versorgern freiwerdende Energie bis zu 2.650 kWs auf und senken so die Energiekosten des Riesenrads um 20 bis 30 Prozent. Durch dieses neue Versorgungskonzept entsteht ein weiterer Vorteil. Während ein vergleichbares Riesenrad einen Anschluss benötigt, der deutlich über 250 kW zur Verfügung stellt, reicht für das neue System bereits ein um 140 kW kleinerer Netzanschluss aus, der wesentlich kostengünstigerer ist. Das schont die Umwelt und das Budget des Schaustellerbetriebs. Außerdem kann der Betreiber sein Fahrgeschäft auch an Plätzen aufstellen, an denen das bisher wegen fehlender elektrischer Infrastruktur nicht möglich war.

Der DC-Zwischenkreis mit seinen Supercaps gleicht auch Spitzenlasten aus. Sie fallen am Netzanschluss um den Faktor fünf geringer aus als sonst üblich. Trotz wesentlich geringerer Anschlussleistung steht den Antrieben stets die volle Leistung zur Verfügung. Und weil die modernen Versorgungsgeräte besonders dafür ausgelegt sind, wird durch einen Leistungsfaktor von 0,95 das Netz viel weniger mit Oberwellen belastet – gut für die Netzqualität. Das Zusammenspiel von Energiespeicher, Antriebsregelung und DC-Zwischenkreis wird durch einen Movi-C Controller gesteuert. Dort kommt das Softwaremodul Movikit-Powermode zum Einsatz. Es erfasst die Leistungs- und Energiedaten, übernimmt das Management des Zwischenkreises, des AC-Anschlusses und des Energiespeichers mit Funktionalitäten wie Gerätesteuerung, Energiezähler und Echtzeit-Datenerfassung.

Schaltschrank
Der Schaltschrank beinhaltet zwei Versorgungsmodule (Mitte oben) und vier Einachsmodule. Darunter ist der Blockspeicher mit den Doppelschicht-Kondensatormodulen eingebaut. (Bild: SEW-Eurodrive)

Riesenräder sind seit der Weltausstellung in Chicago 1893 Publikumsmagneten. Bei einem technischen Konzept mit so weit zurückreichender Geschichte erwartet man kaum noch Innovationen - doch sie sind möglich, wie das neue transportable Riesenrad RR 40 von Gerstlauer Amusement Rides beweist.

Auf transportable Riesenräder spezialisiert

Das sparsame Riesenrad mit einer Gesamthöhe von rund 43 Metern ist die neue Attraktion des alteingesessenen Münchner Schaustellerbetriebs Heinrich Willenborg, der auf transportable Riesenräder spezialisiert ist. 24 Gondeln, die über zackenförmige Träger außen am Rad montiert sind, bieten jeweils acht Fahrgästen einen ungehinderten Panoramablick. Die Antriebstechnik des Bruchsaler Spezialisten SEW-Eurodrive sorgt dabei für maximale Effizienz. „Gerade im Sonderanlagenbau ist es ganz wichtig, dass man Partner an seiner Seite hat, die wissen, worum es geht und den nötigen Service bieten“, betont Dominik Miller, der bei Gerstlauer das neue mobile Riesenrad gemeinsam mit dem Technischen Büro Augsburg von SEW-Eurodrive konzipierte.

Energiespeicher
Der Controller steuert das Zusammenspiel von Energiespeicher, Antriebsregelung und DC-Zwischenkreis. (Bild: SEW-Eurodrive)

Steiler Aufstieg mit Achterbahnen

Die Fahrgeschäfte aus dem kleinen Markt Münsterhausen mit seinen rund 2.000 Einwohnern sind eine ungewöhnliche Erfolgsgeschichte. Hubert Gerstlauer beginnt seine berufliche Laufbahn 1963 beim Anlagenbauer Schwarzkopf in Münsterhausen. Der Betrieb im Landkreis Günzburg hat seinerseits bereits eine außergewöhnliche Wandlung vollzogen. Baut die Firma ursprünglich Wohnwagen für Schausteller, steigt sie Mitte der 1950er Jahre in die Fertigung von Fahrgeschäften ein. Die Freundschaft des Firmenchefs mit einem Schausteller mündet in der ersten Achterbahn aus Münsterhausen, der „Düsenspirale“. Rund 30 Jahre lang behauptet sich Schwarzkopf mit Sonderanlagen für Vergnügungsparks auf dem Weltmarkt. 1992 übernimmt Gerstlauer die ehemaligen Produktionshallen von Schwarzkopf und steigt in den Bau kompletter Fahrgeschäfte ein. 1997 wird das erste transportable Riesenrad ausgeliefert, ein Jahr später die erste Achterbahn von Gerstlauer, die „G'sengte Sau“ für den Vergnügungspark Tripsdrill in Baden-Württemberg. In der Folge entwickelt das Unternehmen erfolgreiche Achterbahnkonzept wie den „Euro-Fighter“. Gerstlauer Amusement Rides fertigt heute mit rund 100 Mitarbeitern Achterbahnen, Riesenräder und Rundfahrgeschäfte sowie Transport-, Steuerungs- und Beleuchtungssysteme und ist in Europa, Nord- und Südamerika, Asien, Afrika und Australien vertreten.

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