Bei der Prüfung von High-End-Elektronik während des Produktionsprozesses stoßen herkömmliche Teststifte an ihre Grenzen: Elektronikentwickler stellen höhere Anforderungen an die Spezifikationen, während Hersteller, die unter anderem die Automobilindustrie beliefern, eine höhere Produktivität anstreben.
Gabriel SikorjakGabrielSikorjak
3 min
Wie neue EFC-Teststifte den Kontaktwiderstand senken, Fehlalarme vermeiden und präzise Prüfungen bei engsten Toleranzen ermöglichen.Omron
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Zu den fest verankerten und unaufhaltsamen disruptiven Kräften, die die
Automobilindustrie neu gestalten, gehört die Elektrifizierung. Die
Marktanforderungen, Sicherheits- und Umweltvorschriften verlangen, dass alle
Autos – von Einstiegs- bis hin zu Premiummodellen – intelligenter,
assistentischer, vernetzter und nachhaltigkeitsbewusster werden. Um dies zu
erreichen, statten Automobilhersteller ihre Fahrzeuge mit mehr Sensoren,
Rechenleistung und Kommunikationsfunktionen aus und elektrifizieren immer mehr
Teilsysteme, von Wasserpumpen und Servolenkungen bis hin zum gesamten
Antriebsstrang.
Dieser Trend bietet Chancen für Hersteller von elektronischen Bauteilen sowie
Montagebetriebe in der Automobilzulieferkette. Herausfordernd sind jedoch die
hohen Qualitätsanforderungen und Stückzahlen der Branche. Diese erfordern
schnelle und äußerst genaue Testverfahren, mit denen einwandfreie Einheiten und
solche mit Mängeln korrekt identifiziert werden können. Dies muss mit minimalen
Fehlalarmen und ohne zeitaufwändige Nachprüfungen zur Korrektur
falsch-negativer Resultate erfolgen.
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Prüftechnik-Verbesserung für fortgeschrittene Elektronik
Bild 1: Pogo-Pins lassen nur eine begrenzte Toleranz zu, um sicherzustellen, dass die Pins mit den Kontaktpunkten verbunden werden.Omron
Kontakt-Testlösungen für hochentwickelte Geräte, die mit Prüfspitzen arbeiten,
könnten verhindern, diese Herstellerziele zu erreichen, da die
Testkontaktpunkte immer kleiner, enger beieinander liegen und mit herkömmlichen
federnden Testsonden immer schwieriger zu erreichen sind (Bild 1).
Außerdem ergibt die Verbindung mit dem Prüfling an nur einem einzigen Punkt
eine unzuverlässige Lösung. Jegliche Art elektronischer Geräte — von
Halbleiterwafern bis hin zu ECU-Modulen — sind davon betroffen, da die
Geometrien der Komponenten immer kleiner werden und die Leiterplattenbaugruppen
immer dichter bestückt sind. Zudem erschweren aufwendig konstruierte
vibrationsfeste Steckverbinder, wie sie in der Automobilindustrie verwendet
werden, den Prüfspitzen die Kontaktherstellung bei Platzierung auf der
Prüfvorrichtung (Bild 2).
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Bild 2: Vibrationsbeständige Steckverbinder sind für die Inspektion eine Herausforderung.Omron
Probleme mit Pogo-Pins – also Federkontaktstifte - sind bereits weit
verbreitet. Die Stifte stellen oft keinen ordnungsgemäßen Kontakt zum Testpunkt
her. Aktuellen Untersuchungen zufolge werden nur
in 80 Prozent der Fälle, in denen Tests mit Standard-Pogo-Pins durchgeführt
werden, die Messobjekte korrekt klassifiziert. Solche Fehler führen zu hohen Fehlalarmraten,
die eine Untersuchung und erneute Tests erfordern. Darüber hinaus beträgt die
typische Nennlebensdauer eines Pogo-Pins 100.000 Schaltspiele. Bei Stückzahlen
wie in der Automobil-Massenproduktion kann dies häufige Stillstände für den
Austausch erforderlich machen. Ungenaue Ergebnisse und häufige Unterbrechungen
beeinträchtigen die Produktivität und verursachen Lieferverzögerungen.
Darüber hinaus kann der Kontaktwiderstand aufgrund der herkömmlichen
Pogo-Pin-Struktur uneinheitlich sein und beträgt in der Regel nicht unter 70 mOhm.
Dies kann die Prüfung von Baugruppen verhindern, bei denen ein geringer
Kontaktwiderstand erforderlich ist. Ein allgemein akzeptierter praktikabler
Mindestdurchmesser für herkömmliche Federstifte beträgt etwa 0,35 mm. Eine
Verkleinerung unter diesen Wert kann einen zuverlässigen Kontakt mit den Testpunkten
verhindern, da die Prüfspitzen brüchig werden können, was zu häufigeren
Fehlfunktionen sowie Bruchschäden führt. Dennoch werden, um zukünftigen
Anforderungen gerecht zu werden, kleinere Teststifte benötigt. Es muss eine
Alternative gefunden werden, um eine effiziente, schnelle und genaue
Kontaktprüfung zu gewährleisten.
Herkömmliche Pogo-Pins sind sorgfältig entwickelt, geringe Positionierungsabweichungen
zu tolerieren, sowie eine Federkraft aufzuweisen, die gegen den Testpunkt des
Prüflings drückt und dabei eine robuste elektrische Verbindung mit geringem ohmschen
Widerstand sicherstellt.
Allerdings erhöht dieser Mechanismus die Komplexität des Designs, und es
kann zu Blockierungen oder anderen Fehlfunktionen kommen, wenn das Prüfobjekt
auf die Prüfvorrichtung platziert wird. Bei fehlerhafter Positionierung oder
übermäßiger Krafteinwirkung kann der Stift brechen oder die Feder versagen.
Eine weitere Verkleinerung des Mechanismus - um eine engere Positionierung zu
ermöglichen, die für das Testen dicht bestückter Leiterplatten erforderlich ist
- führt daher dazu, dass der Stift empfindlicher wird und leichter bricht.
Alternative zu herkömmlichen Pogo-Pins
Eine Alternative zu schaffen, die diese Einschränkungen überwindet und
gleichzeitig die Entwicklung hin zu kleineren Geometrien unterstützt, ist weder
einfach noch trivial. Bei einem dazu geeigneten Stift muss ausreichend sichergestellt
sein, seine Position am Testpunkt zu finden, gleichzeitig aber eine
ausreichende und gleichmäßige Kontaktkraft zu gewährleisten. Gleichzeitig ist
eine höhere Haltbarkeit notwendig, um Ausfälle zum Zwecke des Austauschs
defekter Stifte zu minimieren und Falsch-Negativ-Ergebnisse zu vermeiden, die ein
schlechter elektrischer Kontakt und inkonsistenter Kontaktwiderstand
verursachen können.
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Ein neuer Typ von Teststift, der aus einer speziell entwickelten
elektrogeformten (EFC) Metalllegierung und mit einem speziellen
Herstellungsverfahren hergestellt wird, bietet nun eine Lösung, diesen Anforderungen
gerecht zu werden.
Das kundenspezifische Material bietet mechanische Eigenschaften, die mit
denen von Edelstahl der Güteklasse 304 (SUS304/SS304) vergleichbar sind. Dazu gleichzeitig
elektrische Eigenschaften, die eine hervorragende Leitfähigkeit auf
Kupferniveau erreichen. Die Kombination aus Legierungseigenschaften und
speziellem Stiftdesign (Bild 3) ermöglicht einteilige Stifte, die nicht
den Größenbeschränkungen und der Blockierungsgefahr herkömmlicher
Federmechanismen unterliegen.
Bild 3: Die Form und das Material des Stifts können optimiert werden, um eine hohe Belastbarkeit für die Prüfung von Hochfrequenzsignalen oder für die Durchführung von Hochstromprüfungen zu gewährleisten.Omron
Mit den EFC-Stiften lassen sich hochzuverlässige Testvorrichtungen mit Abständen
von bis zu 0,175 mm erstellen. Da die Stifte in über 99,8 Prozent der
Testvorgänge einen einwandfreien Kontakt mit dem Testpunkt hestellen konnten,
ist das Risiko falsch-negativer Ergebnisse aufgrund eines schlechten
Stiftkontakts erheblich gesunken. Darüber hinaus erreichen sie je nach
Anwendung und Ausführung eine Langlebigkeit von bis zu 500.000 Steckzyklen,
wodurch sich die Effizienz erhöht und die Ausfallzeiten verringern. Ihr
einteiliges Design gewährleistet konsistente elektrische Parameter und einen
extrem niedrigen Kontaktwiderstand von typischerweise etwa 30 mOhm, was für die
Prüfung von Produkten wie OLED-Panels geeignet ist. Überdies ermöglicht Flexibilität
bei der Optimierung aller Aspekte der Stiftgröße, -form und -spitze eine
Anpassung der Stifteigenschaften an eine Vielzahl von Anwendungen.
Bild 4: Der schwimmende Kopfmechanismus der Steckdose verhindert ein falsches Einstecken.Omron
EFC-Pins eignen sich für Pin-Blöcke und komplette kundenspezifische Sockel
für Tests auf Platinenebene und werden auch in optimierten Vorrichtungen für
IC- und andere Komponententests oder sogar Gerätetests verwendet. Sie wurden
für die Prüfung von High-End-Modulen mit hohen Übertragungsgeschwindigkeiten
sowie von Hochleistungselektronik mit Werten weit über 2 A pro Pin für eine
einzigartige Bündelstruktur entwickelt und erreichen dabei höchste
Prüfbeständigkeit.
Das Standardprodukt - ein einzigartiger Teststecker für
USB-Typ-C-Verbindungen - kombiniert EFC-Stifte mit Harz-Pinspitzen und einem
speziellen Schwimmkopfmechanismus, der eine Toleranz von einem Grad in der
X-Y-Positionierung ermöglicht (Bild 4). Der schwimmende Kopf gewährleistet
ein schnelles und fehlerfreies Einstecken, um Unterbrechungen bei der
Verwendung in Testgeräten zu vermeiden, während die spezielle interne
Stiftstruktur die Lebensdauer der Testbuchsen im Vergleich zu herkömmlichen Mitteln
verlängert. (na)
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Autor:
Gabriel Sikorjak, Strategic Marketing Manager - High Frequency Domain, OMRON Electronic Components Europe