Update des Smart Home Standards
Matter 1.5.1 erweitert Kamera- und Türklingelfunktionen
Matter 1.5.1 schärft die Kameraarchitektur von Matter nach. Das Update ergänzt Multi Stream, neue Medienformate und präzisere Vorgaben für PTZ, Chime und Intercom.
Matter 1.5.1 verbessert Kamera Streaming, PTZ, HLS, DASH sowie Chime und Intercom im Smart Home Standard.
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Die Connectivity Standards Alliance hat mit Matter 1.5.1 ein inkrementelles Update des Smart-Home-Standards vorgelegt, das vor allem auf Kameras, Videotürklingeln und angrenzende Gerätetypen zielt. Die Grundlage dafür wurde mit Matter 1.5 geschaffen. Seit November 2025 sind Kameras offiziell Teil der Spezifikation, inklusive WebRTC basierter Audio und Videoübertragung, lokalem und entfernten Zugriff über STUN und TURN sowie zugehörigen Kamera- und Türklingel-Bausteinen im offenen Matter-Umfeld.
Abkürzungen erklärt:
- PTZ: Pan Tilt
Zoom; Bezeichnet Kamerafunktionen zum Schwenken, Neigen und Zoomen. PTZ-Kameras
lassen sich also mechanisch oder digital ausrichten und vergrößern.
- HLS: HTTP Live
Streaming; Ein Streamingverfahren, bei dem Audio und Video in kleine Datenabschnitte
zerlegt und über das Web übertragen werden. Es wird häufig für Cloud Video und
mobile Endgeräte genutzt.
- DASH: Dynamic
Adaptive Streaming over HTTP; Ebenfalls ein Streamingstandard über HTTP. DASH passt die Videoqualität
dynamisch an die verfügbare Bandbreite an.
- CMAF: Common
Media Application Format; Ein einheitliches Medienformat für Streaming-Anwendungen. Es soll die
Verteilung von Audio und Video über verschiedene Plattformen und Protokolle wie
HLS und DASH vereinfachen.
- HEIC: High
Efficiency Image Container; Ein Bildformat, das bei geringerer Dateigröße eine hohe Bildqualität
ermöglicht. Es ist effizienter als JPEG und deshalb für Kamera-Snapshots
interessant.
- STUN: Session
Traversal Utilities for NAT; Ein Netzwerktechnikumfeld, das Geräten hilft, ihre öffentliche Erreichbarkeit
über Router und NAT-Strukturen hinweg festzustellen. Wichtig für direkte
Kommunikationsverbindungen.
- TURN: Traversal
Using Relays around NAT; Ein Verfahren, bei dem Mediendaten über einen Relay Server geleitet werden,
wenn keine direkte Verbindung zwischen Geräten möglich ist.
- WebRTC: Web Real
Time Communication; Ein offener Standard für Echtzeitkommunikation über IP-Netzwerke. Er wird für
Audio- und Videoübertragung mit geringer Verzögerung eingesetzt, etwa bei
Kamerastreams.
Matter 1.5.1 für Kamera Streaming und Videotürklingeln
Technisch relevant ist vor allem die Weiterentwicklung des Streamings. Matter 1.5.1 soll mehreren Empfängern oder Diensten parallel angepasste Video- und Audioströme bereitstellen, ohne für jede Nutzung einen vollständig separaten Stream aufzubauen. Damit lassen sich etwa ein hochauflösender Stream für Aufzeichnung, ein kleinerer Stream für mobile Clients sowie ein weiterer Stream für Analysefunktionen parallel aus einer geordneten Sitzung ableiten. Für Kamerahersteller ist das wichtig, weil Bandbreite, Session Management und Interoperabilität zwischen Kamera, Controller und Cloud-Diensten damit beherrschbarer werden. Die Camera-AV-Stream-Management-Architektur ist im Matter Umfeld bereits angelegt und wird im offenen SDK aktiv weitergeführt.
HEIC, HLS, DASH und CMAF in Matter 1.5.1
Auch in der Medienpipeline wird Matter 1.5.1 konkreter. Schnappschüsse können nun im HEIC-Format übertragen werden, was gegenüber JPEG bei kleinerer Dateigröße eine höhere Effizienz verspricht. Für aufgezeichnetes Video erweitert die Spezifikation die Uploadpfade um HLS und DASH auf Basis des CMAF-Interface-2-Profils. Aus technischer Sicht erleichtert das die Anbindung an moderne Cloud-und Medienplattformen, weil Aufzeichnung, Segmentierung und Verteilung näher an etablierte Streaming Workflows rücken. Im offenen Matter Projekt sind mit Push-AV-Stream-Transport und einem Kamera-Controller-Beispiel die dafür nötigen Uploadpfade bereits sichtbar, zudem wurde in der 1.5.1-Phase an DASH- und HLS-Unterstützung im Referenzserver gearbeitet.
PTZ-Verhalten und Recording-Validierung in Matter-Kameras
Neben Formaten und Transport adressiert das Update auch Betriebsdetails. Das PTZ-Verhalten wird flexibler beschrieben, insbesondere für Installationen, bei denen die Home-Position einer Kamera am Rand des mechanischen Schwenkbereichs liegt. Zusätzlich schärft Matter 1.5.1 die Validierung von Recording-Konfigurationen nach, um ungültige Setups früher zu erkennen. Für Hersteller und Plattformbetreiber ist das weniger spektakulär als ein neuer Gerätetyp, in der Praxis aber oft entscheidend, weil genau solche Randfälle die Interoperabilität und Zertifizierbarkeit bestimmen. Die laufende Weiterentwicklung von WebRTC, Transport und Kameratests im Matter-Projekt zeigt, dass diese Ebene derzeit klar im Fokus steht.
Chime- und Intercom-Funktionen in Matter 1.5.1
Über die Kamera selbst hinaus überarbeitet Matter 1.5.1 auch die zugehörigen Gerätetypen. Türklingeln erhalten Qualitätsverbesserungen und Fehlerkorrekturen. Bei Chime-Geräten kann ein Controller künftig gezielt einen bestimmten Klingelton anfordern, statt nur den Standardton auszulösen. Intercom-Geräte werden bei der Signalisierung präziser beschrieben und sollen integrierte Chime-Funktionen sauberer abbilden. Im offenen Matter-Datenmodell sind Chime als Cluster sowie Intercom und Audio Doorbell als eigene Gerätetypen bereits vorhanden. Das Update vertieft damit vor allem eine bestehende Architektur, statt eine neue Geräteklasse einzuführen.
Matter 1.5.1 als Feinschliff für den Kamera-Stack
Unterm Strich ist Matter 1.5.1 kein großer Ausbau des Geräteportfolios, sondern ein technischer Feinschliff des Kamera-Stacks. Für Gerätehersteller sind vor allem effizientere Streambereitstellung, modernere Medienformate und klarere Verhaltensregeln für PTZ, Recording und Begleitgeräte relevant. Für Plattformen und Smart-Home-Ökosysteme steigt damit die Chance auf konsistentere Implementierungen, geringeren Integrationsaufwand und besser planbare Performance bei Kamera- und Türklingel-Produkten.