Leistungsmodule mit niedriger Bauhöhe und hoher Stromdichte
Stromvervielfachung: Optimal für anspruchsvolle Anwendungen
Mit steigenden Anforderungen an Stromdichte und Effizienz stoßen herkömmliche Stromversorgungsarchitekturen an ihre Grenzen. Die Factorized Power Architecture stellt eine leistungsfähige Alternative für aktuelle Hochstromanwendungen dar.
Tom CuratoloTomCuratolo
6 min
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KI-Prozessoren
können bis zu Tausende von Ampere aufnehmen, während sie mit Spannungen
deutlich unter 1 V betrieben werden. Dieser Strombedarf ist beispiellos und hat
das Stromversorgungsnetz (PDN; Power Delivery Network) zu einem erheblichen
Systemengpass gemacht.
Warum geraten klassische Architekturen an ihre Grenzen?
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Mit jedem Ampere, das
durch die Kupfer-Stromversorgungsebenen der Leiterplatte oder des Substrats
fließt, steigen die Leitungsverluste und Herausforderungen beim Wärmemanagement.
Die Bypass-Kapazität muss erhöht werden, um Transienten zu minimieren. Herkömmliche,
auf Spannungsmittelung basierende Architekturen, wie die Intermediate Bus
Architecture (IBA) und mehrphasige Buck-/Abwärtsregler, waren bei moderaten
Lasten ausreichend, entsprechen jedoch nicht mehr den heutigen Anforderungen
von <1 V und kA. Für diese Low-Voltage-/LV- und Hochstromanwendungen ist die
Stromvervielfachung eine leistungsfähigere Lösung als Topologien mit
Spannungsmittelung.
Die Factorized Power
Architecture (FPA) von Vicor ermöglicht Stromvervielfachung, indem sie die
Spannungsregelung und -wandlung neu definiert, um Hochleistungs-PDNs zu
optimieren. In anspruchsvollen Anwendungen sorgt die FPA für eine Stromvervielfachung
direkt am Lastpunkt und bietet so einen Wirkungsgrad, eine Stromdichte, geringes
Rauschen und ein Lastsprungverhalten, die mit herkömmlichen Mehrphasenansätzen
nicht erzielt werden können.
Entwicklung aktueller Stromversorgungsarchitekturen
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Die Stromversorgung
hat im Laufe der Zeit mehrere architektonische Entwicklungen durchlaufen, da
die Systemanforderungen gestiegen sind.
Der früheste Ansatz,
die Centralized Power Architecture (CPA), erzeugte alle Spannungen aus einer
einzigen Quelle und verteilte sie über die gesamte Platine. Während dies in
Systemen mit geringer Leistung funktionierte, erwies sich die CPA als unhaltbar,
sobald die Lasten eine Vielzahl niedrigerer Spannungen und höherer Ströme benötigten.
Die Verteilungsverluste entlang langer Kupferbahnen verringerten den Systemwirkungsgrad
und führten zu übermäßiger Wärmeentwicklung.
Die nächste Stufe
war die Distributed Power Architecture (DPA). Hier platzierten die Entwickler
modulare Brick-Wandler in der Nähe der einzelnen Lasten, um Leitungsverluste zu
reduzieren und die Flexibilität zu verbessern. Der DPA-Ansatz behob einige
Ineffizienzen der CPA, beanspruchte jedoch große Leiterplattenflächen und hatte
Schwierigkeiten, die Anforderungen an schnelle Lastsprünge zu erfüllen.
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Die Intermediate Bus
Architecture (IBA) versuchte, ein Gleichgewicht zwischen Effizienz und Kosten
herzustellen. Bei der IBA wandelte ein isolierter Buswandler mit festem
Verhältnis (K=1/4) 48 V auf 12 V herunter, die dann eine Reihe von nicht
isolierten Point-of-Load-Wandlern (niPOL) speisten (Bild 1). Duplizierte/redundante
Funktionen wurden so verringert, was die Wirtschaftlichkeit des Systems
verbesserte. Allerdings waren die in niPOLs verwendeten mehrphasigen
Buck-Wandler bei der Wandlung von 12 V auf <1 V mit Einschränkungen
hinsichtlich des Tastverhältnisses konfrontiert, was die Effizienz und das Lastsprungverhalten
beeinträchtigte. Bei Lastströmen im dreistelligen Ampere-Bereich benötigten die
Systeme große Bypass-Kapazitäten, um die Spannungsschienen zu stabilisieren.
Dies ging zu Lasten von Größe und Kosten.
Bild 1: Herkömmliche IBAs verwenden einen isolierten Buswandler (IBC) mit festem Verhältnis, um 48 V auf einen 12V-Zwischenbus herunterzuwandeln, der dann niPOL-Wandler speist.Vicor
Die
Skalierungsgrenzen der IBA machten deutlich, dass eine einfache
Weiterentwicklung herkömmlicher Architekturen nicht ausreichte. Um die
Anforderungen im kA-Bereich zu erfüllen, war eine völlig neue Strategie
erforderlich, die höhere Spannungen regelt, anschließend Spannungen wandelt und
Ströme direkt am Lastpunkt vervielfacht.
Interessant ist, dass
alle diese Architekturen auf den Prinzipien der Spannungsmittelung basierten,
bei denen der Zwischenbus auf eine feste Spannung heruntergewandelt wird und
nachfolgende Wandler diese Spannung zeitlich auf <1 V mitteln.
Wie funktioniert die Factorized Power Architecture?
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Für LV- und
Hochstromanwendungen bietet die Stromvervielfachung gegenüber der
Spannungsmittelung erhebliche Vorteile. Hoher Strom steht direkt am Lastpunkt
zur Verfügung, während das PDN auf einer höheren Spannung und einem niedrigeren
Strom gehalten wird. Dies minimiert die I2R-Verluste, und die
Gesamteffizienz des PDN verbessert sich.
Die FPA bietet einen
völlig neuen Ansatz zur Stromvervielfachung für leistungshungrige Elektroniksysteme.
Anstatt alle Wandlungs- und Regelungsfunktionen am Lastpunkt zu kombinieren,
trennt die FPA diese Stufen in zwei separate Leistungsmodule, um Stromdichte,
Wirkungsgrad und geringes Rauschen zu optimieren (Bild 2).
Die erste Stufe ist
das Pre-Regulator-Modul (PRM), ein Nulldurchgangsregler (ZVS; Zero Voltage
Switching). Das PRM erzeugt eine präzise geregelte „faktorisierte Busspannung“,
die auf Basis des gewählten Wandlungsverhältnisses des nachgeschalteten Voltage-Transformation-Moduls (VTM) eingestellt wird. Beträgt die Ziellastspannung
0,9 V und das ausgewählte VTM hat einen K-Faktor von 1/48, passt das PRM seine
Ausgangsspannung auf etwa 43,2 V an. Auf diese Weise stellt das PRM die exakt
benötigte Spannung an der Last bereit und arbeitet dabei mit einem
Spitzenwirkungsgrad von nahezu 99 Prozent.
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Bild 2: In der FPA reguliert das PRM die faktorisierte Busspannung, während das VTM eine Wandlung mit festem Verhältnis und eine Stromvervielfachung am Lastpunkt durchführtVicor
Das VTM ist ein
Sinusamplitudenwandler mit festem Verhältnis, der die Umwandlung und Stromvervielfachung
am Lastpunkt durchführt. Es funktioniert ähnlich wie ein DC/DC-Wandler und reduziert
die geregelte Busspannung, während es den Strom proportional erhöht. Im
Beispiel eines Übersetzungsverhältnisses von 1/48 erzeugt ein Strom von 1 A,
der mit 48 V in das VTM eintritt, 48 A bei 1 V. Mit Wirkungsgraden von bis zu
97 Prozent, einer Lastsprungantwort im Sub-ms-Bereich und einer sehr niedrigen Ausgangsimpedanz reduziert das VTM den
Bedarf an großen Bypass-Kondensatoren.
Zusammengenommen
machen diese Vorteile die FPA dichter, schneller und effizienter als jedes
herkömmliche Stromversorgungssystem.
Einsatz in Hochleistungsrechnern
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Hochleistungsrechnerplattformen
gehören zu den anspruchsvollsten Umgebungen für eine Stromversorgung, da
moderne Rechnerplattformen oft zwischen 500 und 2000 A bei sehr niedrigen
Spannungen verbrauchen. Der Versuch, diesen Strom über ein Motherboard mit
herkömmlichen Systemen zu liefern, führt oft zu inakzeptablen
Leitungsverlusten, übermäßigem Spannungsabfall und thermischen Hotspots in den
Kupferflächen der Leiterplatte.
Die FPA löst dieses
Problem, indem sie die Regelung vorverlagert und die Stromvervielfachung direkt
am Prozessorgehäuse platziert (Bild 3). Ein PRM regelt die entsprechende
faktorisierte Busspannung (um die 48 V) und verteilt sie mit relativ niedrigem
Strom über das PDN. VTMs, die sich neben dem Prozessor befinden, wandeln den
faktorisierten Bus in eine Betriebsspannung <1 V um und vervielfachen
gleichzeitig den Strom auf die erforderlichen Hunderte oder Tausende Ampere.
Die enge Platzierung reduziert Verteilungsverluste, minimiert die Induktivität
und gewährleistet eine saubere und stabile Stromversorgung des Prozessors.
Bild 3: Bei Hochleistungsrechnern (HPC) wird das VTM direkt unter dem Prozessor platziert, um vertikal hohe Ströme zu liefern. Durch die Stromvervielfachung am Lastpunkt minimiert FPA die Verteilungsverluste und sorgt für stabile Versorgungsspannungen <1 V.Vicor
Das Transientenverhalten
ist ebenso wichtig. KI- und HPC-Workloads verursachen schnelle
Stromschwankungen, wenn xPU-Cores aktiviert und deaktiviert werden. VTMs
reagieren in weniger als einer 1 ms (typischerweise 100 ns), um sofort Strom zu liefern, ohne dass
überdimensionierte Kondensatorbänke erforderlich sind. Dies führt zu
verbesserter Rechenstabilität und höherer Energieeffizienz.
Die FPA eignet sich
ideal für Vertical-Power-Delivery-/VPD-Konfigurationen, da die
Stromvervielfacher-VTMs sehr dünn sind und ihre Gehäuse einen geringen
Wärmewiderstand aufweisen. Durch ihre hohe Stromdichte benötigen sie im
Vergleich zu alternativen Lösungen weniger VTM-Komponenten, um
Hochleistungsprozessoren mit Strom zu versorgen. Dadurch können sie den Platz
unter dem Prozessor mit der verkleinerten Entkopplungskondensatorbank teilen.
Für viele
Systemarchitekten ist FPA die ideale Stromversorgungslösung für HPC, da sie die
Herausforderungen in Bezug auf Größe, Geschwindigkeit und Dichte direkt
adressiert.
Anforderungen in NewSpace-Anwendungen
Stromversorgungsnetze
für Satelliten in niedriger und mittlerer Erdumlaufbahn (LEO/MEO) müssen
Effizienz und geringes Rauschen mit der Widerstandsfähigkeit gegenüber
Strahlung und Temperaturschwankungen in Einklang bringen. Die
Nutzlastelektronik (z. B. Netzwerk-ASICs und FPGAs) erfordert mehrere Sub-1-V-
und LV-Schienen mit hohem Strom – und das alles innerhalb von Gewichts- und
Platzvorgaben, die wenig Spielraum für überdimensionierte
Stromversorgungshardware lassen. Herkömmliche Architekturen mit ihren großen
Kupferflächen und sperrigen Kapazitäten können einfach nicht skaliert werden,
um diese Anforderungen zu erfüllen.
Bild 4: Die FPA zerlegt die Leistung des herkömmlichen DC/DC-Wandlers in zwei unterschiedliche Funktionen und Leistungsmodule: ein Vorregelungsmodul (PRM) und ein Spannungswandlungsmodul (VTM). Die Schalttopologien und Steuerungssysteme jedes Moduls sind für geringe Störungen und Leistungsverluste optimiert und arbeiten mit Nulldurchgangsschaltung.Vicor
Die FPA bietet einen
anderen Ansatz. Ein 100-V-Bus von Solaranlagen oder Batterien wird durch einen
Buswandler mit festem Verhältnis (BCM) auf 33 V gewandelt (Bild 4).
Buck/Boost-PRMs regulieren diese Zwischenspannung auf präzise faktorisierte
Busse, während VTMs, die sich neben der Digitalelektronik befinden, die Busspannung
heruntertransformieren und den Strom auf die erforderlichen Schienen vervielfachen.
Durch die Stromumwandlung an der Last minimiert FPA die Verteilungsverluste und
verbessert die Leistungsdichte. Ein FPA-basiertes Stromversorgungsnetz
für Satelliten sollte auch Redundanz und Strahlungsresistenz aufweisen, um die Zuverlässigkeit zu
erhöhen. So können Leistungsmodule mit zwei Antriebssträngen einen unterbrechungsfreien
Betrieb gewährleisten, falls ein Pfad ausfällt. Strahlungstolerante
Soft-Switching-Designs tragen dazu bei, die im Orbit häufig auftretenden Single-Event-Effekte
(SEE) zu minimieren. Vicor ist derzeit das einzige Unternehmen, das
strahlungstolerante Stromvervielfachungsmodule mit diesen Eigenschaften und
dieser Leistungsfähigkeit anbietet.
Automatisierte
Testgeräte (ATE) sind ein weiterer Bereich, in dem sich die FPA bewährt hat. Dabei
wird von den Testköpfen, die zur Validierung von Halbleitern verwendet werden,
erwartet, dass sie mehr als 100 A mit sehr schnellen Stromschwankungen von etwa
7,5 A/µs liefern und mit sehr geringem Rauschen arbeiten. Herkömmliche
Mehrphasen-Buck-Wandler können solche schnellen Lastsprünge nicht bewältigen,
ohne auf große Kondensatorbänke zurückzugreifen. Dies begrenzt die Anzahl der parallel
testbaren Geräte und treibt die Gesamtsystemkosten in die Höhe. Außerdem sind
sie sehr störungsbehaftet.
Bild 5: In automatisierten Testgeräten regeln mehrere PRMs den 48V-Eingangsbus, während VTMs an jeder Lastbuchse den geregelten Bus transformieren und den Strom lokal vervielfachen.Vicor
Die FPA bietet einen
effektiveren Ansatz (Bild 5). Ein PRM regelt die vorgelagerte Spannung auf eine
höhere Stufe und verteilt diesen Ausgang auf den faktorisierten Bus im gesamten
Testsystem. VTMs, die sich in der Nähe der Testbuchsen befinden, senken die
Busspannung und vervielfachen den Strom direkt am Lastpunkt. Da es sich bei dem
VTM um einen Wandler mit festem Verhältnis ohne Regelkreisverzögerung handelt,
reagiert er in <1 µs auf plötzliche Stromanforderungen und ermöglicht dem
Tester, präzise Ströme zu liefern, ohne auf überdimensionierte Kapazitäten
angewiesen zu sein.
Die FPA führt auch
eine Kapazitätsvervielfachung durch, bei der die Kapazität am VTM-Eingang auf
den VTM-Ausgang übertragen und mit dem Quadrat des K-Faktors multipliziert
wird. Da weniger physikalische Kapazität benötigt wird, können Testköpfe
leichter und kompakter gestaltet werden. Durch die präzise, stabile und
schnelle Bereitstellung hoher Ströme verbessert FPA den Durchsatz bei der
Halbleitervalidierung und ermöglicht es Bedienern, Prozessoren, FPGAs und ASICs
unter realistischen dynamischen Bedingungen zu testen.
Fazit: Effiziente Versorgung für LV- und kA-Anwendungen
Für LV- und
Hochstromanwendungen ist ein Stromvervielfachungsansatz die logische Wahl bei
der Entwicklung eines leistungsstarken PDN. Die Factorized Power Architecture
von Vicor hat sich als die beste Wahl für anspruchsvolle
Stromversorgungssysteme von heute erwiesen. FPA bietet hohe Leistungsdichte, schnelle
Reaktionszeiten und flexible Designoptionen. Da die Komplexität der Systeme und
der Strombedarf weiter steigen, werden die Nachteile herkömmlicher Spannungsmittelungsarchitekturen immer deutlicher. Die Stromvervielfachung der FPA bietet einen bewährten Weg zu
einer effizienteren, skalierbaren Stromversorgung mit hoher Leistungsdichte. (bs)