Elektronische Kampfführung

TopStar Smart Receiver für GNSS in Störumgebungen

Thales hat den TopStar Smart Receiver vorgestellt. Das kompakte System kombiniert Positionierung, Navigation und Zeitgebung für Landfahrzeuge, Drohnen und Munition in Umgebungen mit elektronischen Störungen, etwa bei militärischen Einsätzen.

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Computergenerierte Darstellung eines militärischen Einsatzszenarios in hügeligem Gelände mit Bergen im Hintergrund: Im Vordergrund rechts stehen zwei grün lackierte gepanzerte Radfahrzeuge auf einer Wiese, vor ihnen mehrere Soldaten in gedeckter Tarnkleidung. Auf beiden Fahrzeugen sowie auf einem Flugkörper links im Bild und auf einer Drohne im oberen Mittelbereich sind leuchtend markierte Module hervorgehoben. Von diesen Plattformen führen helle, grünlich schimmernde Verbindungslinien zu einer vergrößerten Darstellung einer elektronischen Baugruppe im rechten oberen Bildbereich. Die Baugruppe ist als rechteckige Leiterplatte mit sichtbaren Chips, Kontakten und Befestigungspunkten innerhalb eines kreisförmigen grafischen Overlays dargestellt. Links fliegt ein raketenähnlicher Flugkörper mit roter Spitze über das Tal, darüber eine kleine weiße Drohne mit V-Leitwerk. Im mittleren Bildbereich liegt eine militärische Stellung oder Basis mit Zelten, Fahrzeugen, befestigten Flächen und Infrastruktur. Die grafischen Verbindungslinien visualisieren die Einbindung desselben Empfängers oder Navigationsmoduls in unterschiedliche Plattformen wie Landfahrzeuge, Drohnen und Munition. Das Bild veranschaulicht damit die Vernetzung eines kompakten PNT-Systems für Positionierung, Navigation und Zeitgebung in einem militärischen Umfeld unter Bedingungen gestörter oder gefährdeter Signalverfügbarkeit.
Der TopStar Smart Receiver von Thales bündelt Positionierung, Navigation und Zeitgebung in einem kompakten Modul. Das System ist für den Einbau in Landfahrzeuge, Drohnen und Munition vorgesehen.

Thales hat den TopStar Smart Receiver als neue PNT-Lösung (Positioning, Navigation, and Timing) für militärische Anwendungen präsentiert. Das System bündelt Positionsbestimmung, Navigation und Zeitgebung in einer kompakten Einheit und ist für Einsätze in elektronisch umkämpften Umgebungen ausgelegt. Nach Unternehmensangaben lässt sich der Empfänger in Landfahrzeuge, Drohnen und Munition integrieren. Ziel ist es, Navigations- und Zeitinformationen auch dann bereitzustellen, wenn Störungen durch elektronische Kampfführung den Betrieb herkömmlicher Systeme erschweren.

Welche Funktionen vereint der TopStar Smart Receiver?

Der TopStar Smart Receiver kombiniert drei zentrale Funktionen in einem Gerät: Positioning, Navigation and Timing. Damit sollen militärische Plattformen über eine gemeinsame Lösung für Ortsbestimmung, Navigation und Zeitsynchronisation verfügen. Zur Ausstattung gehört ein GNSS-Empfänger für zwei Konstellationen. Er verarbeitet Signale militärischer Systeme, Galileo PRS sowie ziviles GPS. Laut Thales erhöht dies Genauigkeit und Verfügbarkeit und soll zugleich Schutz gegen Spoofing bieten.

Ein zentrales Element ist die Anti-Jamming-Funktion. Dafür nutzt das System eine adaptive CRPA-Antenne (Controlled Radiation Pattern Antenna), die Störsignale von Jammern reduzieren soll. Thales gibt an, dass der Betrieb dadurch in deutlich geringerer Entfernung zu Störquellen möglich ist als mit einem konventionellen GPS-Empfänger. Genannt wird ein Abstand, der bis auf das Dreißigfache näher an einen Jammer heranreichen kann.

Neben Navigation und Positionsbestimmung übernimmt das System auch die Zeitsynchronisation taktischer Funkgeräte. Dafür ist ein integrierter Hochleistungsoszillator vorgesehen. Nach Angaben des Unternehmens kann die Synchronisation von taktischen Funkverbindungen nach dem Ausfall von GNSS-Signalen bis zu 48 Stunden aufrechterhalten werden. Bei herkömmlicher Ausrüstung liege dieser Zeitraum bei rund 30 Minuten.

Wo ist der TopStar Smart Receiver vorgesehen?

Die Lösung ist für die Integration in verschiedene militärische Plattformen vorgesehen. Dazu zählen Landfahrzeuge, Drohnen und Munition. Durch die kompakte Bauform soll sich der Empfänger auch in Anwendungen einsetzen lassen, in denen nur begrenzter Bauraum verfügbar ist. Thales beschreibt das System zudem als derzeit besonders kompakte und kosteneffiziente Option für diese Einsatzfelder. Im Mittelpunkt steht dabei die Verbindung mehrerer Funktionen in einer einzelnen Einheit.

Der TopStar Smart Receiver wird nach Unternehmensangaben vollständig innerhalb einer europäischen industriellen Basis produziert. Die Endmontage erfolgt am Standort Valence in Frankreich.

FAQ: GNSS-Störung, Anti-Jamming und militärische Navigation in elektronisch umkämpften Umgebungen

Was ist der Unterschied zwischen Jamming und Spoofing bei GNSS?

Jamming stört oder überdeckt das Satellitensignal, sodass der Empfänger keine verlässlichen Daten mehr erhält. Spoofing geht einen Schritt weiter und täuscht dem System falsche Positions- oder Zeitdaten vor. Für militärische Anwendungen ist deshalb Schutz gegen beide Bedrohungen wichtig.

Reicht ein Anti-Jamming-Empfänger allein aus, um in gestörten Umgebungen sicher zu navigieren?

Nicht in jedem Szenario. Ein robuster Empfänger verbessert die Verfügbarkeit deutlich, ersetzt aber keine mehrschichtige Navigationslösung mit zusätzlichen Sensoren oder Backup-Verfahren. Gerade bei längeren Ausfällen bleibt Redundanz entscheidend.

Warum ist die Zeitsynchronisation bei einem PNT-System so wichtig?

Sie ist notwendig, damit taktische Funkgeräte und vernetzte Systeme auch bei gestörtem GNSS koordiniert arbeiten können. Fällt die Zeitbasis weg, leidet oft schneller die Kommunikation als die reine Navigation. Eine stabile Holdover-Funktion erhöht deshalb die Einsatzfähigkeit deutlich.

Wie testet man, ob ein GNSS-Empfänger wirklich gegen Störungen robust ist?

Das gelingt nur mit realistischen Labor- und Feldtests unter definierten Störbedingungen. Entscheidend ist, wie stabil Position und Zeit unter Jamming oder Signalverlust tatsächlich bleiben. Datenblätter allein reichen dafür meist nicht aus.

Welche Auswahlkriterien sind bei einem GNSS-Receiver für militärische Anwendungen am wichtigsten?

Wichtig sind Störfestigkeit, Anti-Spoofing-Fähigkeit, Plattformkompatibilität, Schnittstellen und Umweltrobustheit. Ebenso relevant sind Integrationsaufwand, Versorgungssicherheit und langfristige Verfügbarkeit. Für Beschaffer zählt deshalb nicht nur die Leistung, sondern der gesamte Lebenszyklus.