Die Gesamtsystemkosten sind entscheidend

Wann lohnt sich ein maßgeschneidertes Einbaunetzteil?

Standardnetzteil oder kundenspezifische Stromversorgung? Eine ganzheitliche TCO-Betrachtung zeigt, wann ein maßgeschneidertes Einbaunetzteil durch geringere Integrationskosten, höhere Effizienz und langfristige Verfügbarkeit überzeugt.

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Maßgeschneiderte Einbaunetzteile im TCO-Vergleich: Wie Effizienz, Integration, Lebensdauer und Verfügbarkeit Kosten senken.
Maßgeschneiderte Einbaunetzteile im TCO-Vergleich: Wie Effizienz, Integration, Lebensdauer und Verfügbarkeit Kosten senken.

Der reine Stückpreis eines Netzteils hat hinsichtlich der längerfristigen Wirtschaftlichkeit nur beschränkte Aussagekraft. Erst in der Betrachtung des Gesamtsystems wird deutlich, was eine Stromversorgung tatsächlich kostet: Die Stromversorgung wird Teil eines mechanischen, thermischen, elektrischen und normativen Gesamtsystems. Verglichen werden muss daher der Zustand, in dem das Endgerät vollständig montiert, geprüft und zulassungsfähig ist. Hinzuzurechnen sind externe Filter, Kabel, Mechanik, Montage, Verlustenergie, thermische Reserven, Qualifikation und langfristige Verfügbarkeit. Deshalb kann eine anwendungsspezifische Plug-and-Play-Lösung bereits bei der Beschaffung gleichauf liegen – und über den Lebenszyklus günstiger sein.

Verglichen werden müssen die Gesamtkosten beider Lösungen, also die TCO (Total Cost of Ownership). Je besser Bauform, Kennlinien und Lebensdauer mit den Anforderungen übereinstimmen, desto sinnvoller ist Standard. Je stärker Lastprofil, Temperatur, Eingangsspannung, Zulassung und Produktlaufzeit vom Katalogfall abweichen, desto vorteilhafter kann eine anwendungsspezifische Lösung werden. Zudem reduziert eine integrierte Lösung Verdrahtungsfehler, Varianten und Lieferpositionen.

Kundenspezifisch bedeutet folglich nicht automatisch teuer. Bei einer tragfähigen Serienmenge verteilen sich Entwicklungs- und Werkzeugaufwendungen über die Laufzeit. Entscheidend ist, beim Standardgerät sämtliche Zusatzteile und Integrationsschritte einzurechnen. Häufig werden Kosten in andere Baugruppen und Arbeitsgänge verschoben. Die integrierte Lösung schafft dagegen klare Verantwortlichkeiten für EMV, Wärmeabfuhr und Schnittstellen.

Warum der Netzteilpreis nicht den tatsächlichen Systemkosten entsprich

Tabelle 1 verdeutlicht den Effekt: Das kundenspezifische Netzteil ist als Einzelteil teurer, integriert aber Filter-, Anschluss- und Mechanikfunktionen. Beide Varianten erreichen dadurch dieselbe beschaffungsnahe Summe von 280 Euro je Gerät.

Tabelle 1: Illustrative beschaffungsnahe Kosten je Gerät; Entwicklungskosten sind im Serienpreis anteilig berücksichtigt.
Tabelle 1: Illustrative beschaffungsnahe Kosten je Gerät; Entwicklungskosten sind im Serienpreis anteilig berücksichtigt.

Netzteilpreis und Systemkosten im direkten Vergleich

Wirkungsgradangaben sind nur aussagekräftig, wenn sie zum realen Lastprofil passen. Viele Systeme arbeiten überwiegend bei mittlerer Leistung und rufen Spitzen nur kurzzeitig ab. Ein wegen Derating deutlich größer gewähltes Standardnetzteil läuft dann oft unterhalb seines optimalen Arbeitspunkts. Eine anwendungsspezifische Lösung hingegen kann auf den häufigsten Lastpunkt und die benötigte Spitzenleistung abgestimmt werden.

Bild 1:  Schematische Wirkungsgradkennlinien; maßgeblich ist der häufig genutzte Lastbereich.
Bild 1: Schematische Wirkungsgradkennlinien; maßgeblich ist der häufig genutzte Lastbereich.

Jedes Verlustwatt wirkt doppelt: Die Energie wird bezahlt und die Wärme muss abgeführt werden. Weniger Verlustleistung ermöglicht kleinere Kühlflächen, geringere Lüfterleistung oder niedrigere Innentemperaturen und schont temperaturkritische Bauteile. Der Wirkungsgrad beeinflusst damit Energiebedarf, Baugröße und Lebensdauer.

Die eingesparten Verlustenergiekosten trägt meist nicht der Systemhersteller selbst, sondern der Betreiber des Endgeräts. Für den Kunden des Netzteilherstellers bleibt der Vorteil dennoch relevant: Ein sparsameres Gesamtsystem bietet ein zusätzliches Verkaufsargument, senkt die Betriebskosten des Anwenders und stärkt die Nachhaltigkeitsbilanz. Bei hohen Stückzahlen summiert sich dieser Nutzen deutlich.

Das Beispiel betrachtet 600 W Spitzenleistung, zehn Jahre mit 8.000 Betriebsstunden pro Jahr und ein Lastprofil von 90 Prozent bei 300 W sowie 10 Prozent bei 600 W. Wegen Low-Line- und Temperatur-Derating wird die Standardlösung als Gerät der etwa 950-W-Klasse angesetzt; die kundenspezifische Lösung stellt 600 W im vereinbarten Worst Case bereit. Bei 0,25 Euro/kWh entstehen mit den angenommenen Wirkungsgraden 650 beziehungsweise 377 Euro Verlustenergiekosten.

Tabelle 2: TCO-Ergebnis je Gerät im Musterfall; Wartungs- und Ausfallkosten sind nicht enthalten.
Tabelle 2: TCO-Ergebnis je Gerät im Musterfall; Wartungs- und Ausfallkosten sind nicht enthalten.

Bei identischen beschaffungsnahen Kosten sinkt die TCO im Modell von 944 auf 660 Euro je Gerät – um 284 Euro oder rund 30 Prozent. Maßgeblich ist eine gewichtete Rechnung über alle Lastpunkte. Bei kürzerer Betriebszeit oder niedrigerem Strompreis wird der Energiehebel kleiner; bei 24/7-Betrieb, vielen Geräten oder höheren Innentemperaturen wächst er.

Wie Derating, Hold-up-Time und EMV die Netzteilauswahl bestimmen

Nennleistung ist nicht automatisch verfügbare Leistung. Viele Kataloggeräte reduzieren ihre Ausgangsleistung bei hoher Temperatur, niedriger Eingangsspannung, ungünstiger Einbaulage oder großer Höhe. Benötigt ein System 600 W bei 90 VAC und 60 °C, liefert ein nominelles 600-W-Gerät bei einem Derating auf 65 Prozent nur 390 W. Rechnerisch sind 923 W erforderlich; praktisch wird die 950-W-Klasse gewählt.

Bild 2: Derating kann bei 600 W Bedarf die Wahl eines 950-W-Standardgeräts erzwingen.
Bild 2: Derating kann bei 600 W Bedarf die Wahl eines 950-W-Standardgeräts erzwingen.

Die Überdimensionierung vergrößert Bauraum und Preis und verschiebt den häufigsten Betriebspunkt. In einer kundenspezifischen Spezifikation werden Eingangsspannung, Umgebungstemperatur, Einbaulage, Kühlanbindung und Spitzenlast gemeinsam definiert. Volle Leistung im Grenzfall wird so zu einer prüfbaren Eigenschaft.

Auch die Netzausfallüberbrückung muss am ungünstigsten Eingangspunkt bewertet werden. Eine Angabe bei 230 VAC sagt wenig über die Hold-up-Time bei 90 VAC, maximaler Last und erhöhter Temperatur aus. Benötigte 20, 25 oder 100 ms sind für klare Randbedingungen zu garantieren. [1][2] Ebenso entscheidet sich EMV im Endsystem: Leitungsführung, Gehäuse, Erdung und Lastsprünge können zusätzliche Filtermaßnahmen erfordern. Eine gemeinsame Entwicklung reduziert Nacharbeiten in der Zulassungsphase.

Derating, Hold-up-Time und EMV richtig berücksichtigen

Die MTBF (Mean Time Between Failures) beschreibt eine statistische Ausfallrate, aber keine Lebensdauerzusage für ein einzelnes Netzteil. Entscheidend ist, wie lange lebensdauerbestimmende Bauteile unter realen Einbaubedingungen funktionieren. Bei Elektrolytkondensatoren gilt näherungsweise: 10 K weniger Hotspot-Temperatur verdoppeln die Lebensdauer, 10 K mehr halbieren sie. In einem veröffentlichten Beispiel ergeben 82 °C rund 49.000 Betriebsstunden, 72 °C etwa 98.000 Stunden. Maßgeblich ist die Bauteiltemperatur aus Umgebung, Eigen- und Fremderwärmung – nicht die Raumtemperatur. Zur Bewertung gehören außerdem Einbaulage, Kühlung, Lastkollektiv, Eingangsspannung, Höhenlage, Schock, Vibration und Rippelstrom.

Ein weiterer TCO-Hebel ist die langfristige Verfügbarkeit. Wird ein Standardnetzteil abgekündigt oder geändert, können EMV- und Sicherheitsprüfungen, Dokumentationsänderungen, Requalifizierungen oder Zulassungsanpassungen nötig werden. Dafür sollte der Kunde eine Risikoreserve einplanen; im Musterfall werden pauschal 5 Prozent des Anschaffungswerts der Stromversorgung im System angesetzt. Bei Inpotron sind für kundenspezifische Produkte keine Abkündigungen vorgesehen. Das Lebenszyklusmanagement wird auf die Laufzeit des Endprodukts ausgerichtet; notwendige Bauteiländerungen werden kontrolliert geplant.

Wann sich kundenspezifische Netzteile wirtschaftlich lohnen

Standard passt tendenziell bei kleinen Mengen, kurzer Marktphase, moderater Umgebung und flexibler Integration. Kundenspezifische Lösungen gewinnen bei wiederkehrenden Serien, definiertem Bauraum, Low-Line und hoher Temperatur, genauer Hold-up-Time, anspruchsvoller Zulassung, Diagnosebedarf oder langer Produktlaufzeit.

Kundenspezifische Lösungen sind besonders dann wirtschaftlich, wenn sie Funktionen integrieren, das reale Lastprofil treffen und den Produktlebenszyklus absichern. Der Mehrwert liegt nicht im Etikett, sondern in nachweisbar geringerem Systemaufwand, weniger Verlustenergie und kontrollierten Änderungsrisiken. (na)

Autor:

Sebastian Bernhard, Team Multiprojekt-Management bei Inpotron Schaltnetzteile