Mehr Leistung, weniger Hitze: Strategien für effektive Kühlung
Wie gelingt effektives Wärmemanagement bei komplexen elektronischen Baugruppen mit hoher Leistungsdichte? Mit den richtigen Lösungen zur Wärmeableitung lässt sich die Zuverlässigkeit und Lebensdauer erheblich steigern. Ausschlaggebend hierfür ist also die richtige Auswahl des Kühlkörpers sowie des passenden Thermal Interface-Materials.
Maria Cuesta-MartinMariaCuesta-Martin
Sebastian Mirasol-MenachoSebastianMirasol-Menacho
Marisa RoblesMarisaRobles
6 min
Wie gelingt effektives Wärmemanagement? Kühlkörper und Thermal Interface Materials steigern Leistung, Zuverlässigkeit und Lebensdauer.Würth Elektronik eiSos
Anzeige
In leistungselektronischen Systemen ist die
Wärmeableitung von Bauteilen einer der Schlüsselaspekte, da sie deren Leistung,
Zuverlässigkeit und Lebensdauer in positiver Weise beeinflusst. Ein Kühlkörper
dient hierbei als zentrales passives Kühlungselement und ermöglicht die
Ableitung der von elektronischen Bauteilen, Prozessoren oder
Leistungstransistoren erzeugten Hitze, indem sie diese über Leitung, Konvektion
und zu einem geringeren Teil über Strahlung an die Umgebung abgeben (Bild 1).
Bild 1: Wärmeableitung über den KühlkörperWürth Elektronik eiSos
Abhängig von seiner Geometrie, dem verwendeten Material,
der Position auf der Leiterplatte und der Befestigungsmethode in der Anwendung,
performt jeder Kühlkörper unterschiedlich. Zwischen der verfügbaren Oberfläche
eines Kühlkörpers und seinem thermischen Widerstand besteht ein enger
Zusammenhang: Je größer die Oberfläche, desto mehr Aluminium steht zur
Verfügung, um die entstehende Wärme besser abzuführen. Allerdings ist es
wichtig zu verstehen, dass auch der Typ und das Design des Kühlkörpers die
Leistung direkt beeinflussen, d.h. dass der thermische Widerstand nicht nur
durch die Oberfläche, sondern auch durch die Topologie des Kühlkörpers bestimmt
wird.
Vielfalt der Kühlkörper
Anzeige
Beim Wärmeübergang an die Umgebung spielen sowohl die
Luftkontaktfläche als auch die Topologie eine große Rolle bei der Kühlung von
Komponenten. Aus diesem Grund ist das Kühlkörper-Produktportfolio von Würth
Elektronik in zwei Hauptbereiche unterteilt: Kühlkörper der WE‑HIC-Serie sind dafür ausgelegt, mit flachen Elementen wie
integrierten Schaltungen (ICs) oder anderen SMT‑Bauteilen zu
interagieren. Hingegen wurde die WE‑HTO‑Serie für bedrahtete TO‑Gehäuse –
wie etwa für TO‑220 und TO‑247 –
entwickelt.
Gestanzte Aluminiumkühlkörper für bedrahtete TO‑Transistoren
verfolgen einen anderen Ansatz im Thermomanagement: Leichtbau und einfache
Konstruktion stehen im Vordergrund, nicht maximale Kühlleistung. Sie werden aus
dünnen Aluminiumblechen gestanzt und gebogen und besitzen flache, weit
auseinanderliegende Rippen sowie eine sehr dünne Grundplatte. Zwar sind sie
weniger effizient als extrudierte Kühlkörper, reichen jedoch für Anwendungen
mit geringer Leistungsaufnahme völlig aus. Für kleine Gehäuse wie TO‑220 oder
TO‑247 bieten sie ausreichende Kühlung bei geringem Gewicht und niedrigen
Kosten. Ihr einfaches Design ermöglicht zudem eine flexible Montage per Clip,
Kleben oder mechanischer Befestigung, kann jedoch in stark vibrierenden
Umgebungen die Zuverlässigkeit beeinträchtigen. Aufgrund ihrer geringen
thermischen Masse sind sie für Hochleistungsanwendungen ungeeignet. Ihr flaches
Profil macht sie dagegen besonders attraktiv bei beengtem Bauraum. Tabelle 1 zeigt typische Einsatzbereiche.
Tabelle 1: Überblick wofür sich für TO-Transistoren ausgelegte Kühlkörper eignen und deren Einsatzgebiete.Würth Elektronik eiSos
Bild 2: Unidirektionaler Kühlkörper für gleichmäßig gerichteten Luftstrom.Würth Elektronik eiSos
Extrudierte und somit massive
Kühlkörper gehören zu den am
weitesten verbreiteten und kosteneffizientesten Lösungen im Thermomanagement. Sie
bekommen ihre Form, indem erhitztes Aluminium durch eine formgebende Matrize
gepresst wird. Dadurch entstehen Kühlkörper mit parallel verlaufenden Rippen
über die gesamte Länge, die ein optimales Verhältnis zwischen Oberfläche und
struktureller Stabilität bieten. Unterschieden wird hierbei zwischen unidirektional
verlaufenden Rippen und bidirektionalen Rippen. Während unidirektionale Kühlkörper
für einen gleichmäßig gerichteten Luftstrom ausgelegt sind, eignen sich
bidirektionale Kühlkörper für uneindeutige Luftströme.
Anzeige
Bild 3: Bidirektionaler Kühlkörper für uneindeutige Luftströme.Würth Elektronik eiSos
Der Extrusionsprozess erlaubt zweidimensionale
Profilformen bei gleichzeitig sehr guter Wärmeleitfähigkeit. Für IC‑Gehäuse sind extrudierte Kühlkörper besonders effektiv,
wenn sie mithilfe geeigneter Wärmeleitmaterialien direkt auf die
wärmeerzeugenden Komponenten montiert werden. Das Herstellungsverfahren erlaubt
zudem eine kostengünstige Serienfertigung in hohen Stückzahlen, wenngleich die
Designs aufgrund des Prozesses generell auf zweidimensionale Profilformen
beschränkt sind. Ihre langen, durchgehenden Rippen fördern eine rasche
Wärmeabgabe durch natürliche Konvektion und machen sie besonders geeignet für
Anwendungen mit einem gleichmäßigen, gerichteten Luftstrom (Bild 2). Der Querschnitt der Rippen ermöglicht es dem
Kühlkörper, Wärme in Anwendungen an die Umgebung abzugeben, in denen der
Luftstrom uneindeutig ist und aus jeder Richtung kommen kann (Bild 3). Tabelle 2 zeigt, wofür sich die gerippten Kühlkörper
eignen und deren Anwendungsgebiete.
Die Effizienz des Wärmemanagements hängt maßgeblich von
der Wahl des richtigen Thermal Interface Materials (TIM) ab. Entscheidend ist
nicht nur die Verbindung zwischen Kühlkörper und Chipgehäuse, sondern die
passgenaue Abstimmung auf die Applikation. Der eigentliche Engpass der
Wärmeabfuhr liegt oft im Kontakt: Selbst scheinbar glatte Oberflächen weisen
mikroskopische Rauheiten auf, sodass nur punktuelle Berührungen entstehen.
Dabei bilden sich Luftspalte, die als thermische Isolatoren wirken und die Kühlleistung
deutlich mindern.
Anzeige
Tabelle 2: Anwendungen für uni- und bidirektionalen Kühlkörper.Würth Elektronik eiSos
Die Auswahl eines TIM darf sich daher nicht allein an der
im Datenblatt angegebenen Wärmeleitfähigkeit orientieren. Ausschlaggebend ist
vielmehr, welches Material die realen Anforderungen der Schnittstelle am besten
erfüllt. Eine hohe nominelle Wärmeleitfähigkeit führt nicht zwangsläufig zu
besserer Performance im Endprodukt. Zwar dient die Wärmeleitfähigkeit als
grundlegender Kennwert zur Einordnung eines Materials, sie beschreibt jedoch
nicht das tatsächliche Verhalten in der Baugruppe. Aufgrund der unebenen
Oberflächen erfolgt der Wärmetransfer zwischen Festkörpern nicht homogen.
Aufgabe des TIM ist es daher, isolierende Luftspalte zu verdrängen und die
Benetzung der Kontaktflächen zu verbessern (Bild 4).
Bild 4: Der thermische Kontaktwiderstand kann die Gesamtperformance eines thermischen Aufbaus maßgeblich bestimmen.Würth Elektronik eiSos
Würth Elektronik hält ein umfangreiches Portfolio an
thermischen Interface-Materialien bereit. Um Elektronikfertigern den aufwändigen Prozess des
Aufbringens von TIM auf die Kühlkörper zu erleichtern, gibt es von Würth
Elektronik mit den beiden Produktgruppen WE-HTOI- und WE-HICI bereits mit TIM
vorkonfektionierte Kühlkörper, die eine optimale thermische Wärmeableitung
bieten. Konkret kommen für die WE-HTOI-Kühlkörper die TIMs der Produktgruppe
WE-TINS und für die Kühlkörper der WE-HICI-Serie die TIMs der
WE-TTT-Produktreihe zum Einsatz.
In der praktischen Anwendung entspricht der thermische
Widerstand einer TIM-Schnittstelle nicht allein dem Leitungswiderstand des
Volumenmaterials. Vielmehr setzt er sich aus drei Anteilen zusammen: dem
thermischen Kontaktwiderstand an der ersten Grenzfläche, dem Wärmeleitwiderstand
des TIM selbst sowie dem thermischen Kontaktwiderstand an der zweiten
Grenzfläche.
Anzeige
RTIM ≈ Rcontact,1 + t/(k × A) + Rcontact,2
Diese Betrachtung bildet die reale Situation in der
montierten Baugruppe deutlich besser ab als die isolierte Bewertung der
Wärmeleitfähigkeit. Während der mittlere Wert den Materialwiderstand des TIM
beschreibt, sind die Kontaktwiderstände im Datenblatt oft nicht direkt
ersichtlich, beeinflussen jedoch die Gesamtperformance maßgeblich. Schlechter
Oberflächenkontakt kann zusätzliche Widerstände verursachen. Daher kann ein TIM
mit geringerer nomineller Wärmeleitfähigkeit in einer dünnen, gut kontrollierten
Schnittstelle eine bessere thermische Leistung erzielen als ein leitfähigeres
Material in einer dicken oder unzureichend kontaktierten Verbindung.
Das passende Kühlkörper-Design
Anzeige
Das Hauptziel jeder Kühlkörperkonstruktion besteht darin,
die Wärmeübertragung von einem heißen Bauteil an die umgebende Luft zu
maximieren und somit die Temperaturen der Bauteile in einem funktionalen Bereich
zu halten. Dies wird hauptsächlich durch die folgende Formel bestimmt:
Q = hconv × A × (Tsource - Tambient)
Q = abgeführte Wärme in W
hconv = konvektiver Wärmeübergangskoeffizient (10 W/m2K
für natürliche Konvektion, 15-50 W/m2K für erzwungene Konvektion)
A = gesamte Oberfläche, die mit der Umgebungsluft in
Kontakt steht
Tsource-Tambient = Temperaturdifferenz zwischen Wärmequelle/Kühlkörper
und Umgebungsluft
Anzeige
Um die abgeführte Leistung zu erhöhen, lässt sich die
Oberfläche vergrößern. Jedoch wird dies dadurch begrenzt, wie gut die
Grundplatte des Kühlkörpers die Wärme verteilen kann.
Wie also den richtigen Kühlkörper für eine Applikation auswählen?
Nehmen wir an, dass unser Ziel darin besteht, eine ausreichende Kühlung für
einen IC bereitzustellen, der sich bei etwa 85 °C stabilisiert, und sich
zwischen Wärmequelle und Kühlkörper ein (TIM) befindet. Dadurch lässt sich eine
Zieloberflächentemperatur von 80 °C sowie eine maximale
Umgebungstemperatur von 40 °C definieren. In unserem Beispiel wird eine Verlustleistung (PS) von 10 W und eine IC-Oberfläche (AIC) von 250 mm2 angenommen. Als erster Schritt gilt es zu ermitteln, welche minimale
Wärmeübertragungsrate (W/K) der Kühlkörper ins System einbringen muss, um die
Designziele erreichen zu können. Daraus lässt sich ableiten, wie groß der
Kühlkörper sein muss und welche mechanischen Randbedingungen zu berücksichtigen
sind.
Hilfreich ist es, die Konvektionsformel so umzuformen, so
dass die durch das Design festgelegten Parameter sich von denjenigen trennen
lassen, die verändert werden können (Bild 5).
Während 0,25 W/K die minimale Wärmeübertragungsrate an
die Umgebung ist, gibt es mit der natürlichen und erzwungenen Konvention zwei
mögliche Szenarien, um die Größe der Kühlkörperfläche zu ermitteln (Bild 5).
Bild 5: Es gibt zwei mögliche Szenarien, um die Größe des Kühlkörpers zu ermitteln.Würth Elektronik eiSos
Für einen Kühlkörper, der unter Bedingungen der
natürlichen Konvektion arbeitet, ist ein großer Abstand zwischen den Kühlrippen
erforderlich. Kommt der Kühlkörper hingegen in einer Umgebung mit erzwungener
Konvektion zum Einsatz, ließe sich auf derselben Grundfläche eine größere
Oberfläche erzielen, indem die Kühlrippen dünner ausgeführt und enger
beieinander angeordnet sind. Beide Kühlkörper würden die notwendige
Wärmeübertragungsrate liefern, um das vorgegebene Designziel zu erreichen.
Abhängig davon, in welcher Umgebung das endgültige Design betrieben wird, ist
es möglich, zwischen natürlicher oder erzwungener Konvektion zu wählen. Ist die
Flächengröße berechnet, folgt als nächster Schritt die Berechnung des thermischen
Widerstands eines Kühlkörpers. Hilfreich hierfür ist
folgende Formel:
RHS = 1 / (10 W/m2K × 0,0025 m2) = 4 K/W
Damit sind alle notwendigen Informationen vorhanden, um ein
thermisches System zu bewerten und um zu prüfen, inwiefern die ursprünglichen
Designziele erreicht wurden. Zu diesem Zweck lässt sich das in Bild 6 gezeigte thermische Widerstandsmodell verwenden.
Bild 6: Modell zur Berechnung des thermischen Widerstands des Kühlkörpers.Würth Elektronik eiSos
Da 10 W eine große Verlustleistung darstellt, spielt die
Auswahl des thermischen Interface‑Materials
(TIM) eine entscheidende Rolle. Wie man das passsende TIM aussucht, wird beispielhaft
mit dem wärmeleitfähigen Füllstoffpolster der WE‑TGF‑Serie von Würth Elektronik veranschaulicht. Um den thermischen
Widerstand möglichst gering zu halten, wurde eine Variante ausgewählt, die über
eine Wärmeleitfähigkeit von 3 W/mK verfügt und lediglich 0,5 mm dick ist. Dadurch ist eine Berechnung mittels nachfolgender Formel
möglich:
Da es sich hierbei um ein vereinfachtes thermisches
Modell handelt, das davon ausgeht, dass die gesamte Wärme vom Bauteil zum
Kühlkörper fließt und ausschließlich über natürliche Konvektion – ohne
Berücksichtigung von Strahlungsanteilen – an die Umgebung abgeführt wird, lässt
sich annehmen, dass das Design für eine erste Abschätzung hinreichend
konsistent ist. Gilt es jedoch, das System umfassender zu bewerten, sollte eine
thermische Simulationssoftware wie etwa Ansys‘ Icepak zum Einsatz kommen, um
komplexere Effekte wie Strahlung, Wärmestau, Luftströmungsmuster oder lokale
Hotspots realistisch zu modellieren. (na)
Autoren:
- Maria Cuesta-Martin
Product Manager EMC Shielding & Thermal Materials von Würth Elektronik
- Sebastian Mirasol-Menacho
Product Manager EMC Shielding & Thermal Materials von Würth Elektronik
- Co-Autor: Marisa Robles
Technisches Marketing eiCan von Würth Elektronik