Die Nachfrage nach KI-Servern und Rechenzentren treibt die weltweite EMS- und ODM-Industrie auf Rekordniveau. Europas Elektronikfertiger profitieren davon jedoch nur begrenzt, so beschreibt es die neuste EMS-Umfrage von in4ma.
Petra GottwaldPetraGottwaldChefredakteurin Elektronik-Titel
3 min
Der globale EMS-Markt profitiert vom KI-Boom. Europa nimmt bislang am Wachstum jedoch nur eingeschränkt teil. Während große, international aufgestellte Anbieter zulegen, geraten vor allem kleinere Fertiger zunehmend unter Druck.KI-unterstützt: ChatGPT
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Die weltweite EMS- und ODM-Industrie wächst derzeit so stark wie seit Jahren nicht mehr. Wie Dieter G. Weiss von in4ma auf dem EMS & PCB Forum 2026 erläuterte, steigerten die 100 größten EMS- und ODM-Unternehmen ihren Umsatz 2025 auf rund 835 Mrd. US-Dollar. Das entspricht einem Plus von 23,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Top 100 repräsentieren bereits etwa 86 Prozent des weltweiten Produktionsvolumens.
Zählt man kleinere Anbieter sowie die Fertigungsaktivitäten der OEMs hinzu, lag das weltweite Produktionsvolumen 2025 bei rund 969 Mrd. US-Dollar. Der insgesamt adressierbare Markt erreicht laut in4ma sogar 2,153 Billionen US-Dollar. Für 2026 wird eine weitere Beschleunigung erwartet: Die Top 100 könnten ihren Umsatz um 32,7 Prozent auf mehr als 1,1 Billionen US-Dollar steigern. Treiber sind vor allem Anbieter mit starkem Datacenter-Geschäft wie Wistron, Wiwynn, Accton oder Celestica.
Wachstum konzentriert sich auf wenige Unternehmen
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Hinter den beeindruckenden Wachstumszahlen verbirgt sich eine starke Marktkonzentration. Die 20 größten Unternehmen erwirtschafteten 2025 bereits 88 Prozent des Umsatzes der Top 100. Allein Foxconn kam auf einen Anteil von 30,8 Prozent. Zusammen kontrollieren Unternehmen mit Hauptsitz in Taiwan, China oder Hongkong mehr als 82 Prozent des betrachteten Produktionswerts. Europas Anteil innerhalb der Global 100 liegt dagegen lediglich bei 2,1 Prozent.
Ursache dieser Entwicklung ist vor allem die Nachfrage nach KI-Rechenzentren, Cloud-Infrastruktur und High-Performance-Computing. Datacenter-Produkte stehen inzwischen für 36 Prozent des Geschäfts der 30 größten Unternehmen. Weitere 38 Prozent entfallen auf Consumer-Produkte. Für Europa wichtige Segmente wie Industrie, Medizintechnik oder Verteidigung spielen im globalen Vergleich eine deutlich kleinere Rolle.
Auswirkungen auf Bauteile und Leiterplatten
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Die EMS- und ODM-Industrie erreicht 2025 ein Rekordvolumen von 835 Milliarden US-Dollar, getrieben von Datacenter- und KI-Nachfrage.KI-unterstützt: ChatGPT
Der KI-Boom beeinflusst längst die gesamte Elektronik-Lieferkette. Rechenzentren benötigen große Mengen an Halbleitern, MLCCs, Stromversorgungssystemen und hochwertigen Leiterplatten. Entsprechend konzentrieren sich viele Hersteller auf margenstarke Materialien für KI-Server. Der Umsatz der Hersteller von Leiterplatten-Basismaterialien stieg 2025 um 24,4 Prozent auf rund 18,7 Mrd. US-Dollar. Taiwan und China verantworten gemeinsam fast 70 Prozent der Produktion.
Für europäische Kunden bedeutet dies längere Lieferzeiten, teilweise höhere Preise und punktuelle Versorgungsengpässe. Gleichzeitig wächst die Gefahr neuer Bestandsaufbauten entlang der Lieferketten.
Europas Markt entwickelt sich zunehmend uneinheitlich
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Auf den ersten Blick erscheint die Entwicklung in Europa stabil: Die untersuchten EMS-Unternehmen erzielten 2025 im Durchschnitt ein Plus von 0,7 Prozent. Tatsächlich meldeten jedoch 777 der 1.025 analysierten Unternehmen sinkende Umsätze. Lediglich 248 Anbieter konnten wachsen; zwei große positive Ausreißer verbesserten das Gesamtergebnis deutlich. Zudem schlossen 41 Unternehmen ihre Geschäftstätigkeit.
Auch regional zeigen sich erhebliche Unterschiede. Westeuropa verlor durchschnittlich 5,5 Prozent Umsatz, während Osteuropa um 7,5 Prozent zulegte. Das Baltikum erreichte sogar ein Plus von 17,6 Prozent. Ein Teil dieses Wachstums ist allerdings auf die Produktion von HPC-Servern bei Foxconn-Standorten in Tschechien und Ungarn zurückzuführen. Viele dafür benötigte Baugruppen stammen weiterhin aus Asien.
Große Anbieter wachsen, kleine geraten unter Druck
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Die größten europäischen EMS-Unternehmen entwickelten sich in den vergangenen Jahren deutlich besser als der Gesamtmarkt. Zwischen 2020 und 2025 steigerten sie ihre Umsätze um 72,4 Prozent, während die gesamte europäische EMS-Produktion lediglich um 23,2 Prozent wuchs. Dieses Wachstum entstand jedoch vielfach durch Akquisitionen und Fertigungskapazitäten außerhalb Europas. Der europäische Anteil an der weltweiten EMS-Produktion lag 2025 bei rund 7,5 Prozent und könnte 2026 auf etwa sechs Prozent sinken.
Obwohl der europäische Markt auf den ersten Blick ebenfalls hinzugewinnt, ergeben nähere Betrachtungen ein negativeres Bild.KI-unterstützt: ChatGPT
Besonders schwierig bleibt die Lage für kleinere Unternehmen. In der DACH-Region meldeten 442 von 495 untersuchten EMS rückläufige Umsätze. Unternehmen mit weniger als fünf Millionen Euro Umsatz verloren im Durchschnitt 23,2 Prozent und rechnen auch für 2026 mit einem weiteren Minus. Größere und exportstarke Anbieter verfügen dagegen häufig über stabilere Auftragsbestände und erwarten wieder Wachstum.
Hinzu kommt, dass die zunehmende Fokussierung der globalen Elektronikindustrie auf KI-Infrastruktur die Abhängigkeit Europas von asiatischen Lieferketten weiter verstärken könnte. Während Investitionen in Rechenzentren weltweit neue Kapazitäten schaffen, profitieren europäische Fertigungsstandorte bislang nur begrenzt davon. Für EMS-Unternehmen wird es daher immer wichtiger, sich über Spezialisierung, technologische Kompetenz und resiliente Lieferketten vom reinen Volumengeschäft abzugrenzen
Während Automotive und Industrieelektronik weiterhin unter Druck stehen, entwickelt sich Aerospace & Defence zu einem wichtigen Wachstumsfeld.KI-unterstützt: ChatGPT
Während Automotive und Industrieelektronik weiterhin unter Druck stehen, entwickelt sich Aerospace & Defence zu einem wichtigen Wachstumsfeld. Das Segment machte 2025 rund 5,2 Prozent der europäischen EMS-Produktion aus und könnte bis 2030 auf etwa sieben Prozent steigen. Die 50 größten europäischen EMS-Anbieter in diesem Bereich erwirtschafteten zusammen rund 2,03 Mrd. Euro Umsatz. Gefragt sind dabei insbesondere Unternehmen mit entsprechenden Zertifizierungen und hoher Fertigungsqualität.
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Der globale EMS-Markt profitiert massiv vom KI-Boom. Europa kann am Wachstum bislang jedoch nur eingeschränkt partizipieren. Während große, international aufgestellte Anbieter zulegen, geraten vor allem kleinere Fertiger zunehmend unter Druck.