Hardware-Komponenten aus dem Movi-C-Baukasten und die dazugehörige Software auf dem Laptop.

Hardware-Komponenten aus dem Movi-C-Baukasten und die dazugehörige Software auf dem Laptop. Gemeinsam helfen sie bei einer schnellen Maschinenautomatisierung. (Bild: SEW-Eurodrive)

Software spielt bei der Automatisierung von Maschinen eine immer wichtigere Rolle. Dazu gehören bei SEW-Eurodrive die Engineering-Software Movisuite, die Softwareplattform Movirun Flexible oder die Softwaremodule Movikit. Das Zusammenspiel dieser drei Komponenten ermöglicht eine intuitive, schnelle und flexible Maschinenautomatisierung.

Mit der Engineering-Software Movisuite stellt SEW-Eurodrive dem Kunden ein kostenloses, durchgängiges Tool zur Realisierung seiner Maschinenautomatisierung zur Verfügung. Es unterstützt den Anwender bei der Planung, Konfiguration, Parametrierung, Inbetriebnahme, Bedienung und Diagnose von Automatisierungslösungen. Das betrifft sämtliche Komponenten des Automatisierungsbaukastens Movi-C – von der Steuerungstechnik über die Frequenzumrichter bis zu den Motoren und Getrieben. Außerdem erfolgt mit Movisuite auch die Programmierung der Softwaremodule Movikit.

Plattform für Parametrierung und Programmierung

Movirun ist die Softwareplattform des Automatisierungsbaukastens Movi-C und bildet den Grundbaustein zur Nutzung der Softwaremodule Movikit. Movirun Flexible ist eine frei programmierbare, offene Plattform für die Automatisierung mit Movi-C- und Fremdkomponenten. Sie dient als Basis für interpolierte Betriebsarten und anspruchsvolle Motion-Control-Anwendungen und beinhaltet ein modernes Programmiersystem nach IEC 61131-3. Durch integrierte Funktionen wie Positionieranwendungen, Energieversorgungslösungen oder synchronisierte Bewegungsfunktionen bringt Movirun Flexible viele Automatisierungsmöglichkeiten mit.

Für besonders anspruchsvolle oder kundenspezifische Anforderungen kommen die Softwaremodule Movikit zum Einsatz. Sie können mittels Movirun Flexible einfach auf einem Movi-C-Controller implementiert und anschließend programmiert bzw. parametriert werden. Auch hier bietet SEW-Eurodrive vielfältigen Kundennutzen, um hohe Funktionalität bei einfacher Parametrierung zu ermöglichen. Gleichzeitig besteht die Option, auch komplexe eigenprogrammierte Anwendungen mit den Movikit-Modulen zu implementieren.

Mit den entsprechenden Movikit-Modulen lassen sich auch Robotersysteme schnell in Betrieb nehmen und in Automatisierungsumgebungen integrieren.
Mit den entsprechenden Movikit-Modulen lassen sich auch Robotersysteme schnell in Betrieb nehmen und in Automatisierungsumgebungen integrieren. (Bild: SEW-Eurodrive)

Vorkonfigurierte Software-Bausteine für ein breites Einsatzspektrum

Die Softwaremodule Movikit sind vorkonfigurierte Software-Bausteine für unterschiedliche Aufgaben. Das Einsatzspektrum erstreckt sich von einfachen Antriebsfunktionen wie einer Drehzahlregelung bis hin zu anspruchsvollen Motion-Control-Funktionen, z. B. Robotersteuerungen. Die Softwaremodule werden auf dem Echtzeitbetriebssystem des Movi-C-Controllers betrieben. Movikit-Softwaremodule der Kategorie „Drive“ laufen auf dem Applikationsumrichter Movidrive. Über die Engineering-Software Movisuite wird das entsprechende Softwaremodul Movikit direkt einer Achse oder dem Controller zugewiesen und konfiguriert. Damit hat der Anwender in einer Parametrieroberfläche Zugriff auf alle relevanten Parameter – von der Motorinbetriebnahme bis zu den Softwareeinstellungen.

Im Video: SEW-Eurodrive stellt sein Movikit Robotics Softwaremodule für individuelle Robotiklösungen vor

Insgesamt stehen zwölf Kategorien mit über 35 Movikit-Softwaremodulen sowie zusätzlichen Add-ons zur Verfügung (siehe Kasten). Damit lassen sich nahezu alle Automatisierungsvorgänge umsetzen – entweder parametrierbar oder frei programmierbar. Durch die große Zahl verschiedener Movikit-Softwaremodule können vielseitige Applikationen realisiert werden.

Übersicht der Movikit-Softwaremodule

  • AutomationFramework: Softwaremodule mit Pack-ML-Kompatibilität
  • Motion: Softwaremodule für standardisierte Bewegungsregelung und -steuerung
  • Robotics: Softwaremodule zur Robotersteuerung
  • StackerCrane: Softwaremodul zum energieeffizienten Betreiben von Regalbediengeräten
  • Communication: Softwaremodule, die verschiedene Kommunikationsdienste zur Verfügung stellen
  • MultiAxisController: Softwaremodule zur Regelung gekoppelter Antriebe (bis zu vier Achsen)
  • PowerAndEnergySolutions: Softwaremodule zum Energiemanagement
  • PowerMode: Softwaremodul für das Energiemanagement
  • Visualization: Visualisierungstool zur Erstellung von Maschinen-/Anlagenbedienungsoberflächen
  • Drive: Softwaremodule für Positionierungsanwendungen mit Umrichtern von SEW-Eurodrive (kein Controller notwendig)
  • MultiMotion: Softwaremodule für universelle Bewegungsregelung und -steuerung interpolierender Achsen
  • SingleAxis: Softwaremodule für Drehzahl- und/oder Positionierbetrieb

 

So erlauben Softwaremodule der Kategorie Movikit StackerCrane die Realisierung von Regalbediengeräten, meist in Hochregallagern genutzt. Und Softwaremodule der Kategorie Movikit MultiAxisController ermöglichen die Inbetriebnahme von Parallelantrieben, wie sie beispielsweise in automatisierten Brückenkränen für die Logistik und Produktion eingesetzt werden. Zusätzlich bieten Add-ons wie das Movikit Motion addon AntiSway eine Vibrationsunterdrückung, um unerwünschte Schwingungen zu vermeiden.

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Movikit-Softwaremodule bieten dem Anwender hohe Flexibilität. Sie verkürzen die Inbetriebnahmezeiten durch einfache Parametrierung. Vor allem jedoch fördern sie Innovation, denn sie stellen neue Funktionen für eine Maschine bereit und ermöglichen dem Kunden, eigene Applikationen zu programmieren (siehe Interview). Auch dabei leistet SEW-Eurodrive Unterstützung. Moderne Softwarebausteine sind der Schlüssel für eine optimierte Produktion und Logistik und somit der Initiator für entscheidende Wettbewerbsvorteile. Daher wird SEW-Eurodrive auch in Zukunft mit neuen Movikit-Softwaremodulen die Automatisierung von Kundenapplikationen erleichtern.

SEW-Eurodrive, SPS 2022 Halle 3A 411

Die Autoren

Norbert Botesch, Produktmanager Applikationssoftware, SEW-Eurodrive und Hans-Joachim Müller, Marktmanager Antriebselektronik und Software, SEW-Eurodrive

Nachgefragt... bei Norbert Botsch und Hans-Joachim Müller

Hans-Joachim Müller (oben) und Norbert Botesch befassen sich bei SEW-Eurodrive mit Vermarktung und Weiterentwicklung des Movikit-Baukastens.
Hans-Joachim Müller (oben) und Norbert Botesch befassen sich bei SEW-Eurodrive mit Vermarktung und Weiterentwicklung des Movikit-Baukastens. (Bild: SEW-Eurodrive)

Auf welche Arten kann eine Inbetriebnahme mit den Software-Komponenten des Movi-C-Automatisierungbaukasten erfolgen?

Hans-Joachim Müller: Solange man nur die in den Movikit-Modulen integrierten Standardfunktionen verwenden möchte, ist die Inbetriebnahme mit sehr geringem Programmieraufwand verbunden, weil man ausschließlich über grafische Benutzeroberflächen parametrieren kann.

 

Und wenn man darüberhinausgehende Funktionen benötigt oder eine vorhandene eigene Anwendung integrieren will?

Hans-Joachim Müller: Unsere Software ist in dieser Hinsicht offen. Über den IEC-Editor kann man auf den Programmcode zugreifen und Veränderungen vornehmen, sodass der Kunde seinen gewünschten, speziellen Ablauf hinein programmieren kann. Zugleich gibt es für Anwender auf Wunsch auch die Möglichkeit, kundenspezifische Movikits gemeinsam mit unseren Applikationsingenieuren zu schaffen.

 

Welche Schnittstellen nach außen hat das System – oder ist es monolithisch?

Hans-Joachim Müller: Die Controller haben grundsätzlich eine standardkonforme EtherCat-Schnittstelle für die Ansteuerung der Umrichter und Servoverstärker in Echtzeit. Über die Schnittstelle lassen sich auch bequem Fremdkomponenten einbinden. Darüber hinaus haben alle Controller eine Feldbusschnittstelle, mit der sie in ein Bussystem integriert werden können. Hier bieten wir die gängigen Feldbusse an, also Profinet IO, Modbus TCP und EtherNet/IP. Der Vorteil für den Kunden ist, dass er eine Anlage schnell an ein anderes Bussystem anbinden kann, indem er sich für die entsprechende Hardwarevariante entscheidet. Die Software kann einfach übernommen werden. Die Geräte können aber auch als Profinet IO-Controller oder EtherNet/IP-Scanner fungieren. Somit lassen sich periphere Geräte auch über diese Bussysteme anbinden. Schließlich haben die Steuerungen noch eine EtherNet-Schnittstelle, mit der man zum Beispiel Daten über OPC-UA mit einer Visualisierung oder einem ERP-System austauschen kann.

 

Gibt es auch Schnittstellen zu anderen Softwaresystemen, etwa für die Fabrikautomatisierung?

Hans-Joachim Müller: Ja, wir arbeiten an den Schnittstellen zu anderen Softwaresystemen. Die Adaption an bestehende Systeme, z. B. zur Projektverwaltung oder der Datenanalyse, ist wichtig. Hierzu laufen bereits Projekte mit Kunden und Partnern, mit denen wir die Ausgestaltung dieser Schnittstellen definieren und vorantreiben. Letztlich gibt es auch hier – abhängig von der Anwendung und den Kundenbedürfnissen – viele unterschiedliche Anforderungen an die Software.

 

Neben den Movikit-Modulen gibt es in diesem Ökosystem auch Add-ons. Wie sieht hier die Unterscheidung aus?

Norbert Botesch: Movikit-Module bilden Grundfunktionen ab, z. B. einen Synchronlauf von zwei Achsen. Add-ons definieren Zusatzfunktion, die ergänzend zu den Movikit-Grundfunktionen integriert werden können.

 

Welche sind das konkret?

Norbert Botesch: Beispielsweise bekommt man mit dem Movikit Add-on AntiSway die Möglichkeit, Schwingungen bei gekoppelten Antrieben zu vermeiden. Das ist sehr wichtig für den Einsatz von Regalbediengeräten oder Krananwendungen. Ein anderes Beispiel ist die Kategorie Movikit Robotics. Hiermit lässt sich standardmäßig die Steuerung von zwei Achsen in Betrieb nehmen. Will ein Kunde weitere Achsen steuern, gibt es die Add-ons MediumModels oder LargeModels, die bis zu zwei bzw. bis zu vier Achsen hinzufügen.

 

Das kostet aber extra?

Norbert Botesch: Ja, das sind kostenpflichtige Funktionen. Aber auf diesem Weg lassen sich die Basismodule „schlank“ halten für Anwender, die nur die Grundfunktionen benötigen.

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