Phasenmodulation für Holografie, Quantencomputing und Optik

Fraunhofer IPMS zeigt Flächenlichtmodulatoren

Auf der Photonix Japan 2026 zeigt das Fraunhofer IPMS, wie sich Flächenlichtmodulatoren kundenspezifisch weiterentwickeln lassen. Mit einem Evaluierungskit können Interessierte verschiedene Spiegelarchitekturen auf derselben Plattform testen.

Schwarze Leiterplatte mit zentralem Mikrochip und farbigem Testmuster auf hellem Hintergrund.
REALHOLO Chip des Fraunhofer IPMS

Flächenlichtmodulatoren (Spatial Light Modulators, SLMs) ermöglichen es, Licht in Amplitude und Phase auf mikroskopischer Ebene genau und schnell zu modulieren. Als Schlüsseltechnologie moderner optischer Anwendungen bilden sie die Grundlage für Fortschritte in der Mikrolithografie, der Mikroskopie und der adaptiven Optik sowie bei holografischer Bild- und Mustererzeugung und im Quantencomputing. Das Institut entwickelt SLMs auf Basis mikroelektromechanischer Systeme (MEMS). Diese SLMs bilden eine Technologieplattform für Wellenlängen vom tiefen Ultraviolett (DUV) bis zum Nahinfrarot. Auf dieser Grundlage realisiert das Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme IPMS anwendungsspezifische Lösungen.

Ein diffraktives optisches Bauelement reflektiert Licht nicht einfach nur wie ein herkömmlicher Spiegel. Die speziell gestaltete Struktur beugt das Licht und lenkt es dadurch in bestimmte Richtungen.

Dr. Michael Wagner, Leiter des Geschäftsfeldes Spatial Light Modulators am Fraunhofer IPMS

Wo lässt sich SLM-Technologie einsetzen?

Aktuelle Fortschritte in der Flächenlichtmodulation erweitern das Spektrum möglicher Anwendungen. So lassen sich in der Mikroskopie Proben mithilfe präzise gesteuerter einachsiger Kippspiegel selektiv und hochauflösend ausleuchten. In der Halbleiterindustrie helfen Modulationsverfahren im UV- und DUV-Spektralbereich Lithografieprozesse zu optimieren. Auch für die Materialbearbeitung bietet die Technologie Potenzial: Mithilfe zweiachsiger Kippspiegel lässt sich Licht verlustarm umverteilen und so die Effizienz der Materialbearbeitung steigern. Für die 3D-Holografie ermöglicht die präzise Phasenmodulation die Erzeugung echter räumlicher Darstellungen. Anders als bei 2D-Darstellungen mit simuliertem Tiefeneindruck entsteht dabei ein tatsächlich dreidimensionales Hologramm.

Die SLMs des Fraunhofer IPMS können die Lichtintensität präzise steuern. Die Amplitudenmodulation eröffnet Anwendungen, etwa in der Laserstrahlformung, der optischen Signalverarbeitung und bei Displaytechnologien.

Im Quantencomputing formen SLMs Laserstrahlen mithilfe holografischer Verfahren. So entstehen fokussierte Lichtpunkte, die als optische Pinzetten einzelne neutrale Atome festhalten. Zahlreiche Atome lassen sich dadurch gleichzeitig in flexiblen Anordnungen kontrollieren. Die Lichtmuster können dynamisch an unterschiedliche Quantenoperationen angepasst werden. Der Betrieb der SLMs im ultravioletten Wellenlängenbereich unterstützt zudem die erforderliche Anregung der Atome.

Evaluierungskits für Flächenlichtmodulatoren

Damit interessierte Unternehmen Flächenlichtmodulatoren erproben können, bietet das Fraunhofer IPMS Evaluierungskits an. Mit einem solchen Kit lassen sich verschiedene Spiegelarchitekturen auf derselben Plattform testen. Je nach eingesetztem Aktor können die Mikrospiegel gekippt oder vertikal ausgelenkt werden. Das »Diffractive MEMS KiT« basiert auf einem Array aus analogen Kipp-Mikrospiegeln und ermöglicht eine hochauflösende optische Amplitudenkontrolle bei hoher Geschwindigkeit. Alternativ ist das Kit auch mit einem analogen Senkspiegelarray zur Phasenmodulation erhältlich.

Leiterplatte mit orangefarbenen Flachbandkabeln auf hellem Hintergrund.
Customer Evaluation Kit mit Steuerelektronik, Verbindungskabel und 256 x 256 Spiegel-Bauelement

Der diffraktive MEMS-Baustein des Instituts verfügt über 256 × 256 einzeln ansteuerbare Kippspiegelelemente mit einer Kantenlänge von jeweils 16 µm. Jedes Spiegelelement lässt sich unabhängig und nahezu stufenlos zwischen der Ausgangsposition und einer definierten Kippstellung bewegen. So lässt sich das Licht gezielt in unterschiedliche Richtungen lenken. Der Baustein eignet sich sowohl für DUV-Licht als auch für längere Wellenlängen. Neben dem Mikrospiegelchip umfasst das Kit die vollständige Ansteuerungselektronik, eine Schnellstart-Software und eine PC-Schnittstellenbibliothek.

Die Einsatzmöglichkeiten reichen von 3D-Displays und spiegelbasierender adaptiver Optik bis zum Quantencomputing mit neutralen Atomen. Die Technologie könnte damit innovative industrielle Lösungen und wissenschaftliche Fortschritte fördern, etwa in der Astronomie und im Quantencomputing.


Fraunhofer IPMS auf der Photonix Japan 2026

Das Fraunhofer IPMS nimmt bereits zum elften Mal an der Photonix Japan teil und unterstreicht damit das langjährige Engagement auf dem japanischen Photonikmarkt. Die Messe findet vom 30. September bis 2. Oktober 2026 in Makuhari (Chiba) statt. In Halle 8 am Stand 49-39 präsentiert das Institut das Evaluierungskit sowie ein Portfolio leistungsstarker Flächenlichtmodulatoren. Darüber hinaus können Besucher in Acrylglas eingebettete Bauelemente aus unmittelbarer Nähe begutachten. Für persönliche Gespräche mit den Forschenden können vorab über die Institutswebsite Termine vereinbart werden. Ein japanisch-englischer Dolmetscher steht vor Ort zur Verfügung.