Head-up Displays: Systemarchitektur und Technologien
Head-up Displays sind heute komplexe opto-elektronische Systeme im Fahrzeug. Ihre Architektur umfasst Bildgenerierung, Projektion und die optische Integration in die Windschutzscheibe. Verschiedene Displaytechnologien bestimmen Leistungsfähigkeit und zukünftige Entwicklung von HUD-Systemen.
Sabine SynkuleSabineSynkule
3 min
MdAtikurRahman - stock.adobe.com
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Head-up Displays (HUDs) haben sich im Automobil von
einfachen Informationsanzeigen zu hochintegrierten Anzeige- und
Interaktionssystemen entwickelt. Während frühe Systeme primär Geschwindigkeit
oder Warnsymbole darstellten, zielen aktuelle Entwicklungen auf großflächige,
tiefenvariable Projektionen, die mit Fahrerassistenzsystemen und
Umfelderfassung verschmelzen. Technologisch sind HUDs heute komplexe
opto-elektronische Systeme, deren Leistungsfähigkeit wesentlich von der
Bildgenerierung, der optischen Architektur und der Anpassung an die
Fahrzeugverglasung bestimmt wird.
Ein Automotive-HUD besteht aus einer Picture Generation Unit
(PGU), einer Projektionsoptik und einem Combiner. Die PGU erzeugt ein sehr
helles Ausgangsbild, das über Spiegel und Linsen so kollimiert wird, so dass es
dem Fahrer als virtuelles Bild in definierter Entfernung erscheint. Typische
virtuelle Bilddistanzen liegen bei klassischen HUDs bei wenigen Metern, bei
AR-HUDs deutlich weiter oder variabel.
Fahrer können virtuelle Objekte nahtlos fokussieren und den Fokus wieder verlieren.IdTechEx
Als Combiner dient entweder ein separates
teilreflektierendes Glas oder – zunehmend – die Windschutzscheibe selbst. Diese
übernimmt dabei eine aktive optische Funktion. Spezielle PVB-Zwischenschichten
und Beschichtungen sind notwendig, um Doppelbilder zu vermeiden,
Reflexionsgrade zu optimieren und die Abbildungsqualität über das gesamte
Eyebox-Volumen sicherzustellen. Die optische Auslegung ist stark
fahrzeugspezifisch und beeinflusst Bauraum, Sichtfeld und Bildhomogenität.
Funktionsweise eines HDU-Systems.IDTechEx
Zentrale technische Kenngrößen eines HUDs sind Leuchtdichte,
Field of View (FOV), Eyebox-Größe, Bildauflösung sowie die Fähigkeit,
unterschiedliche virtuelle Bildtiefen darzustellen. Insbesondere bei direkter
Sonneneinstrahlung sind extrem hohe Leuchtdichten erforderlich, da die
Projektion gegen starkes Umgebungslicht bestehen muss.
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Etablierte PGU-Technologien
TFT-LCD ist aktuell die dominierende Bildquelle in
Automotive-HUDs. Aufgrund ihrer Reife, der etablierten Lieferkette und der
vergleichsweise geringen Kosten weiterhin als gilt diese Technologie Mainstream-Lösung.
Typische Leuchtdichten liegen im Bereich von etwa 1500 bis 2500 nit. Nachteile
ergeben sich aus der begrenzten Effizienz des polarisierten Lichtpfads, dem
vergleichsweise hohen Energiebedarf sowie aus Einschränkungen bei Kontrast und
Farbdynamik. Zudem sind TFT-LCD-basierte Systeme empfindlich gegenüber
polarisierten Sonnenbrillen.
DLP (Digital Light Processing) auf Basis von
DMD-Chips bietet höhere Leuchtdichten, bessere Kontrastverhältnisse und ist
unempfindlich gegenüber Polarisation. Diese Eigenschaften machen DLP besonders
attraktiv für großflächige Windschutzscheiben-HUDs und erste AR-HUDs. Zudem
lassen sich größere Sichtfelder und variable Bildtiefen realisieren. DLP ist
klar dem Premiumsegment zuzuordnen: Die Technologie ist kostenintensiv, die
Zahl der Lieferanten begrenzt und der optische Aufbau benötigt erheblichen
Bauraum im Armaturenbrett.
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LCOS (Liquid Crystal on Silicon) kombiniert sehr hohe
Auflösungen mit kleinen Displaydiagonalen und erlaubt kompaktere
Projektionssysteme. Insbesondere in asiatischen Märkten stehen LCOS im Aufwind.
Einschränkungen ergeben sich durch den polarisierten Lichtpfad, den hohen
Rechenaufwand und eine geringere Gesamteffizienz im Vergleich zu DLP. Für
AR-HUDs wird LCOS dennoch als technisch interessante Alternative bewertet.
Aufkommende Bildgenerierungstechniken
Laser-scanned MEMS-Displays erzeugen das Bild durch
einen schwingenden Mikrospiegel, der modulierte Laserstrahlen zeilenweise über
das Sichtfeld führt. Die Technik zeichnet sich durch sehr kompakte Bauform,
hohe Kontraste und großen Farbraum aus. Erwähnenswert sind insbesondere der
geringer Energiebedarf und die Flexibilität bei der Projektionsdistanz.
Technische Herausforderungen bestehen in der Reduktion von Speckle-Effekten,
der aktuell begrenzten Auflösung sowie in der automobilen Qualifikation der
Laserdioden. Serienanwendungen existieren bislang nicht, das Potenzial für
zukünftige AR-HUDs wird jedoch als hoch eingeschätzt.
MicroLED-Mikrodisplays gelten als langfristig
besonders vielversprechend. Sie bieten sehr hohe Leuchtdichten, hohen
Wirkungsgrad, große Farbräume und lange Lebensdauer. Für HUDs sind insbesondere
selbstemittierende MicroLED-Mikrodisplays interessant, da sie kompakte PGUs mit
hoher Effizienz ermöglichen. Aktuell verhindern jedoch geringe
Fertigungsausbeuten, komplexe Mass-Transfer-Prozesse und hohe Kosten den
breiten Serieneinsatz. MicroLED-HUDs sind erst mit zunehmender
Industrialisierung der Technologie zu erwarten.
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Computer Generated Holography (CGH) stellt einen
grundlegend anderen Ansatz dar. Statt eines klassischen Bildes wird ein
Hologramm berechnet, das mithilfe kohärenter Laserquellen echte
dreidimensionale virtuelle Objekte erzeugt. CGH erlaubt mehrere Fokusebenen
ohne Auflösungsverlust und adressiert das Vergenz-Akkommodations-Problem
klassischer HUDs. CGH sind ein zentraler Enabler für zukünftige AR-HUDs, allerdings
ist hier auf den hohen Rechenaufwand, die Anforderungen an präzise
Phasenmodulatoren und die Kosten der Laserlichtquellen zu verweisen. Erste
Anwendungen werden im Premiumsegment erwartet.
Man unterscheidet zwischen Combiner-HUDs,
Windschutzscheiben-HUDs und AR-HUDs. Combiner-HUDs sind kostengünstig, bieten
jedoch nur begrenzte Bildgröße und feste Bilddistanz. Windschutzscheiben-HUDs
dominieren aktuell den Markt, stoßen aber bei Sichtfeld und Tiefenvariation an
physikalische und optische Grenzen. AR-HUDs gelten als langfristiger
Entwicklungspfad: Sie kombinieren große FOVs, variable Bildtiefen und die
Fusion mit ADAS- und Autonomiesystemen, sind jedoch derzeit noch teuer,
voluminös und technologisch anspruchsvoll.
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Fazit
Technisch betrachtet sind Head-up Displays hochkomplexe
Systeme an der Schnittstelle von Displaytechnik, Optik und Fahrzeugarchitektur.
TFT-LCD bleibt kurz- bis mittelfristig die dominierende Lösung, während DLP und
LCOS höhere Leistungsreserven für anspruchsvollere Anwendungen bieten.
Laser-MEMS, MicroLED und insbesondere CGH adressieren zentrale
Herausforderungen wie Bauraum, Effizienz und Tiefenwahrnehmung, befinden sich
jedoch noch auf dem Weg zur Serienreife. Die kommenden Jahre werden daher von einer
Koexistenz mehrerer Technologien geprägt sein, abhängig von Fahrzeugsegment,
Funktionsumfang und Kostenrahmen. (bs)
Dieser Beitrag basiert auf Unterlagen von IDTechEX.