Spin-Qubits vom Labor in die Produktion

Imec koordiniert Quanten-Pilotlinie

An der Quanten-Pilotlinie SPINS arbeiten 25 Partner aus Forschung, Industrie und Bildung daran, den strategischen Rahmen des EU-Chipgesetzes in konkrete Maßnahmen umzusetzen. Im Fokus steht die Entwicklung von Quantenchips für Quantencomputeranwendungen.

Raster aus neun dunklen Mikrochips auf Leiterplatte in Schrägansicht
Die Quanten-Pilotlinie SPINS entwickelt halbleiterbasierende Spin-Qubits und Quantenchips im Rahmen des EU-Chip Acts.

Die Anwendungen der  Quanteninformatik reichen von der Arzneimittelforschung und der Materialwissenschaft bis hin zu extrem sicherer Kommunikation und Navigationssystemen der nächsten Generation. Zwischen der aktuellen Quantenforschung und der Herstellung von Quantenprozessoren klafft jedoch noch eine Lücke. Die Skalierung der Anzahl stabiler Qubits (auf bis zu einer Milliarde) ist der Schlüssel zum Bau zuverlässiger und fehlertoleranter Quantencomputer.

Anbetrachts der technologischen Komplexität, die unter anderem einen kryogenen Betrieb, hochpräzise Steuerelektronik und hochspezialisierte Herstellungsprozesse umfasst, und der strategischen Bedeutung von Quantenchips entstanden im Rahmen des EU-Chip Acts sechs komplementäre Quanten-Pilotlinien, die sich jeweils auf eine bestimmte Hardware-Plattform konzentrieren. Innerhalb dieses Portfolios befasst sich die Pilotlinie SPINS mit halbleiterbasierenden Spin-Qubits und fokussiert auf die Entwicklung von Quantenchips für Quantencomputeranwendungen. Das Forschungszentrum imec koordiniert diese Pilotlinie und leitet das europäische Konsortium von 25 Partnern aus Forschungseinrichtungen wie Fraunhofer, VTT und CEA-Leti, aus der Industrie (sowohl Großunternehmen wie Infineon und Siltronic als auch KMU und Start-ups) und aus akademischen Gruppen (wie der TU Delft und der Universität Jyväskylä).

Techniker in voller Schutzkleidung arbeitet in einem modernen Reinraumlabor
Angesichts der extremen Empfindlichkeit gegenüber Störungen aus der Umgebung erfordert die Skalierung von Qubits die Genauigkeit und Kontrolle einer Halbleiter-Reinrauminfrastruktur.

Mehr Quanten-Knowhow für Europa

Zu den ersten Projekten des Konsortiums gehören Prozess- und Designoptimierung, um eine robuste Grundlage für skalierbare, stabile und leistungsstarke Spin-Qubits auf drei verschiedenen Technologieplattformen zu schaffen: Si/SiGe, Ge/GeSi und SOI. SPINS zielt darauf ab, diese Technologie über Multi-Project-Wafer (MPW) und standardisierte Quanten-Prozessdesign-Kits (PDKs) vom Labor in die Produktion zu überführen, um die Eintrittsbarrieren für Start-ups und KMUs in der halbleitenden Quantentechnologie zu senken und die Grundlage für europäische Unternehmen zu schaffen, frühzeitig Quanten-Knowhow aufzubauen.

Das mit 50 Mio. EUR ausgestattete SPINS-Pilotprojekt wird durch die Kofinanzierung des „Chips Joint Undertaking“ (Chips JU) der Europäischen Union sowie die nationalen und regionalen Behörden der beteiligten Mitgliedsstaaten ermöglicht. Bei den weiteren europäischen Quantenforschungsprojekten handelt es sich um die Pilotlinien P4Q (Photonik für Quanten; koordiniert von der Universität Twente, NL), Champ-ION (Ionenfallen-Qubits; koordiniert von SAL, AT), Supreme (supraleitende Qubits; koordiniert von VTT, FI), Direqt (Diamant-Quantenchips; koordiniert von CNR, IT) und Q Planet (neutrale Atome; koordiniert von Pasqal, FR).