Leistung, Signale und Daten mit einer Leitung übertragen
Große Rundsteckverbinder der Größe M17 aufwärts werden meist über mehrere Leitungen mit der Peripherie verbunden. Eine neue Norm sorgt hier ab sofort für mehr Einfachheit. Einkabellösungen vereinfachen den Anschluss größerer Geräte im Feld.
Lisa GärttnerLisaGärttner
3 min
Standardisierte Einkabellösungen sind eine Schlüsselinnovation in der kompakten Maschinen- und Anlagenverkabelung.Phoenix Contact
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In einer Welt, in der
Maschinen immer kompakter werden, jeder Millimeter zählt und die Versorgungssicherheit
eine hohe Priorität hat, braucht es clevere Konzepte für Steckverbinder. Genau
hier setzen standardisierte Hybridsteckverbinder der Baugröße M17 an: Signale,
Daten und Leistung werden über einen einzigen Steckverbinder übertragen. Mit
dem Konzept eines einzigen Kabels lässt sich Platz sparen, die Installationszeit
reduzieren und das Risiko für Anlagenstillstände minimieren. Gerade Anlagenausfälle
kosten nicht nur Geld, sondern verbraten ebenso wertvolle Entwicklungszeit.
Warum sich die Verkabelung vom Sonderfall zum Standard entwickelt
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In den letzten Jahren
erfolgte die Maschinen- und Anlagenverkabelung meist über separate Leitungen
für die Leistungsversorgung sowie die Signal- und Datenübertragung. Allerdings
ist die klassische Zweikabellösung platzintensiv und aufwendig zu installieren.
Eine bessere Option sind Einkabellösungen,
die seit über einem Jahrzehnt auf dem Vormarsch sind. Bislang handelt es sich
jedoch meist um proprietäre Systeme, die keine herstellerübergreifende
Kompatibilität bieten. Mit dem Trend zum Dezentralisieren von Maschineneinheiten
wächst jedoch der Bedarf an kompakten, intelligenten Feldgeräten. Sie benötigen
flexible, platzsparende und leistungsfähige Verbindungstechnik.
Hinzu kommt die steigende
Bedeutung geopolitischer und marktseitiger Entwicklungen, welche in den letzten
Jahren zunehmend die Aspekte der Zukunfts- und Versorgungssicherheit bestimmten.
Standardisierte Produkte bieten hier klare Vorteile gegenüber
kundenspezifischen, proprietären Applikationen. So sind Anwender beispielsweise
nicht von einem einzigen Anbieter abhängig, wenn sie standardisierte Produkte
einsetzen.
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Bild 1: Ein Beispiel für ein Produkt nach dem internationalen IEC-Standard 61076-2-117 für große Rundsteckverbinder der Größen M17 bis M40, ist die M17-Pro-Hybrid-Serie von Phoenix Contact.Phoenix Contact
Um offene Standards im
Steckverbinderbereich voranzutreiben, haben verschiedene Hersteller den
IEC-Standard 61076-2-117 für große Rundsteckverbinder der Größen M12 bis M40
entwickelt und ratifiziert. Ein Beispiel für ein Produkt nach dem
internationalen IEC-Standard, ist die M17-Pro-Hybrid-Serie von Phoenix Contact,
die erste Einkabellösung der Pro-Serie des Herstellers (Bild 1).
IEC 61076-2-117 eröffnet neue Anwendungen für M17-Rundsteckverbinder
Steckverbinder des neuen
IEC-Standards 61076-2-117 übertragen Daten, Signale und Leistung gleichzeitig
über einen einzigen kompakten M17-Steckverbinder mit genormter Schnittstelle. Hiermit
reduziert der Steckverbinder den Platzbedarf auf Geräten, minimiert den
Materialeinsatz und vereinfacht die Systemarchitektur bei gleichzeitig voller
Funktion.
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Bild 2: Der aufgebrachte Farbcode sowie die mechanische Verriegelung verhindern das Fehlstecken der 50-V-Typen sowie der 630-V-Variante.Phoenix Contact
Neben dem standardisierten
Steckgesicht bietet die neue Produktfamilie weitere Vorteile. So folgen die
Anschlussgewinde ebenfalls der neuen Norm und die patentierte Oneclick-Schnellverriegelung
ermöglicht ein sicheres und schnelles Verkabeln im Feld. So lässt sich bis zu
70 Prozent der Anschlusszeit im Vergleich zu metrischen Schraubsteckverbindern
einsparen, was eventuelle Service-Einsätze vereinfacht. Zudem ermöglicht der
Berührschutz der Leistungskontakte den sicheren Einsatz von Stift- und
Buchseneinsätzen sowohl in Feld- als auch in Gerätesteckverbindern. Hierdurch lässt
sich eine Daisy-Chain-Verkabelung realisieren und der Installationsaufwand weiter
reduzieren.
Ein weiterer Vorteil ergibt
sich durch den aufgebrachten Farbcode sowie die mechanische Verriegelung: Sie
verhindern das Fehlstecken der 50-V-Typen (Type 2B, IEC 61076-2-117) sowie der
630-V-Variante (Type 2, IEC 61076-2-117). Das erhöht die Sicherheit und
vereinfacht die Montage (Bild 2). Zudem wurde die Bauhöhe der gewinkelten
Gerätestecker um 15 Prozent auf lediglich 30 mm reduziert. Hiermit
ist der M17 Pro Hybrid sehr flach und eignet sich für flexible
Kabelabgangsrichtungen. Weiterhin ermöglichen die hohen Anschlussquerschnitte
der Leistungskontakte bis 1,5 mm² einen Nennstrom von bis zu 16 A pro
Kontakt.
Hybridtechnik verbindet Daten, Signale und Leistung in einem Steckverbinder
Bild 3: Neben den Anschlüssen für die Stromversorgung verfügen die Stecker des neuen Standards über vier zusätzliche Signal- und Datenkontakte.Phoenix Contact
Jeweils vier zusätzliche
Signal- und Datenkontakte bieten zusätzliche Flexibilität beim Verkabeln von
Geräten (Bild 3). Hierdurch eignet sich der Hybridsteckverbinder für ein
breites Applikationsfeld, von Sensorik über Antriebe bis hin zu Steuereinheiten.
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Die neuen Rundsteckverbinder
bieten außerdem eine hohe Vibrations-, Schock- und Temperaturbeständigkeit und sind
somit für den Einsatz unter rauen industriellen Bedingungen ausgelegt. Hiermit
eignen sie sich ideal für Applikationen, die zuverlässig und langlebig
auszulegen sind, beispielsweise im Bereich der industriellen Automation, der Robotik
oder in mobilen Maschinen. Entsprechend breit gefächert ist das
Anwendungsspektrum. Beispiele reichen von Belüftungssystemen in der
Gebäudeautomation über Radantriebe in fahrerlosen Transportsystemen (Automated
Guided Vehicles, AGVs) bis hin zu Cobots in der Prozessautomation.
Ein besonders wachsendes
Einsatzfeld sind Kleinspannungsmotoren in der Industrieautomation.
Die energieeffizienten Antriebe kommen zunehmend in dezentralen
Maschinenmodulen zum Einsatz, beispielsweise für Positionieraufgaben,
Fördertechnik oder leichte Handling-Systeme. Sie benötigen eine kompakte
Schnittstelle, die sowohl Leistungsversorgung als auch Signal- und
Datenkommunikation zuverlässig abdeckt.
Fairer
Wettbewerb über verschiedene Hersteller hinweg
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Standardisierte
Steckverbinder sind ein entscheidender Faktor für globale
Versorgungssicherheit. Sie ermöglichen herstellerübergreifende Kompatibilität,
vereinfachen die Lagerhaltung und reduzieren das Risiko von Lieferengpässen. Mit
dem neuen IEC-Standard definieren Steckverbinderhersteller klare Anforderungen
an mechanische und elektrische Eigenschaften und sorgen so für den verlässlichen
Einsatz in verschiedenen Applikationen.
Auch für Hersteller bietet
die Norm Vorteile: sie schafft einen fairen Wettbewerb, fördert Innovation und
ermöglicht eine schnelle Markteinführung neuer Produkte. Vorteile, die bisher
vor allem aus der Welt der M5- bis M12-Steckverbinder bekannt waren, halten ab
sofort ebenso im Bereich der größeren Rundsteckverbinder Einzug. (ts)
Autorin:
Lisa Gärttner ist Product Manager Field Connectivity
bei Phoenix Contact