Softwaredefinierte Funkgeräte auf 10 Watt optimiert
Ein softwaredefiniertes Funkgerät für mobile Anwendungen wurde auf minimale Leistungsaufnahme getrimmt. Welche Funktionen bleiben erhalten, welche entfallen und wie effektiv ist das Ergebnis? Eine Analyse zwischen Effizienzgewinn und Systemgrenzen.
Florin HurgoiFlorinHurgoi
Chance FletcherChanceFletcher
5 min
Wie lässt sich ein softwaredefiniertes Funkgerät effizienter machen und was bedeutet das für Funktion und Einsatzbereich?Mihai Barbu - stock.adobe.com
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Bestimmte Anwendungen der elektronischen Kampführung (EW) und der
Kommunikation erfordern den Einsatz mobiler Systeme mit geringerem
Stromverbrauch für längere Betriebszeiten und mit reinen Empfängerfunktionen
für die Spektralüberwachung. Dieser Artikel behandelt diese Anwendungen durch
Evaluierung des Moduls ADRV9009-ZU11EG, das zwei ADRV9009-Transceiver
von Analog Devices und einen Zynq UltraScale+ MPSoC ZU11EG von AMD auf einer
einzigen Leiterplatte kombiniert, um ein hochintegriertes, kommerziell
erhältliches System-on-Module
(SOM) für Software-Defined Radio (SDR) zu schaffen. Bild 1 zeigt ein Bild
des SOM.
Bild 1: Das ADRV9009-ZU11EG SOM.ADI
Jeder Transceiver vom
Typ ADRV9009 verfügt über zwei Sende-, zwei Empfangs- und zwei
Beobachtungskanäle, so dass das SOM insgesamt vier Sendekanäle, vier
Empfangskanäle und vier Beobachtungsempfängerkanäle umfasst. Das SOM ermöglicht
viele verschiedene Anwendungsfälle, unter anderem die FR1-Kommunikation, die
Skalierung der Kanalanzahl für MIMO-Systeme und die Minimierung der
Leistungsaufnahme für den Einsatz in Anwendungen mit hohen
Stromsparanforderungen.
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Der Testaufbau im Detail
Das Board ADRV2CRR-FMC ist die Trägerkarte, an die das SOM
angeschlossen wird. Der EVAL-ADP-I2C-USB-Controller kann mit dem On-Board
Sequencer-IC ADM1266
des
SOM kommunizieren, um Spannungsschienen zu überwachen und verschiedene
Spannungsparameter, wie z. B. Eingangsschwellenwerte, zu programmieren. Der
Computer ermöglicht dem Benutzer die Nutzung einer umfassenden Suite von Tools
zur Evaluierung des SOMs, einschließlich IIO Oscilloscope,
Python-Bibliotheken und Verbindungsverifizierung über Ethernet oder UART (Bild 2). Die Wiki-Seite des SOM
enthält
alle notwendigen Informationen zur Evaluierung des SOM. Alle Tests und
Leistungsmessungen wurden bei Raumtemperatur in einer kontrollierten
Laborumgebung durchgeführt. Um die Leistungsmessungen für den Einsatz in
anderen Umgebungen zu validieren, wären weitere Messungen bei anderen
Temperaturen erforderlich.
Bild 2: Blockschaltbild des Testaufbaus.ADI
Grundlegende Fähigkeiten des SOM
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Das SOM arbeitet von 75 MHz bis 6 GHz und bietet eine
HF-Bandbreite von 200 MHz in den Empfängern bei einer Abtastrate von
245,76 MSPS in den ADCs und bis zu 450 MHz HF-Bandbreite für die
Sender und Beobachtungsempfänger bei einer Abtastrate von 491,52 MSPS in
den DACs. Es sind ein Processing Subsystem (PS) und eine Programmierbare Logik mit
DDR-Speicher für das Multiprozessor-System-on-Chip (MPSoC) und die
Datenverarbeitung, der IC HMC7044B
für
die Taktung sowie zahlreiche Kommunikationsschnittstellen vorhanden. Bild 3 zeigt eine Übersicht des SOM.
Die Taktgeberchips unterstützen zwei Hauptbetriebsarten: Die
Standard-Taktgeberarchitektur des SOM nutzt den On-Board-HMC7044B und den
HMC7044B auf der Trägerkarte für die Multichip-Synchronisation (MCS). MCS ist
ein Verfahren, das zur Synchronisierung der On-Board-Transceiver-Chips
verwendet wird. Diese Architektur ist in Abhängigkeit von der Anzahl der
kaskadierten Taktgeberchips skalierbar. Der andere Modus ist der
Taktverteilungsmodus, bei dem die internen PLLs umgangen werden. Einige der
Unterschiede zwischen diesen Taktmodi werden in diesem Artikel besprochen.
Weitere Informationen zu den verschiedenen Betriebsmodi der HMC7044B, den
MCS-Fähigkeiten des SOM und den Kompromissen bei der Verwendung der beiden Modi
finden Sie darüber hinaus auf der Wiki-Seite des SOM.
Bild 3: Blockschaltbild des SOM.ADI
In der Standardkonfiguration mit vier Empfangs- und vier
Sendekanälen und null Beobachtungskanälen bei maximalen Abtastraten und
Bandbreiten und ohne Initialisierungskalibrierungen wurde die Leistungsaufnahme
des SOM mit 31,5 W gemessen. Der boardeigene Power Management-IC (PMIC) ADM1177 wurde zur
Messung der Leistungsaufnahme des Systems zusammen mit einem Python-Skript
verwendet, das acht Messungen des PMIC mittelt, um sicherzustellen, dass keine
Spitzen oder Täler die Leistungsdaten verfälschen.
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Eine Methode zur Überprüfung des Stromverbrauchs umfasste die
Summierung der Leistungsaufnahme einer jeden aktiven Komponente an Bord und die
Schätzung des Wirkungsgrads der einzelnen Komponenten im Stromverteilungsnetz
(PDN). Bei diesem Ansatz waren einige der wichtigsten Stromverbraucher
die Transceiver ADRV9009, die Taktverteilungs-Chips HMC7044B und AD9542
sowie
der MPSoC und die unterstützenden Schaltkreise. Diese boten Ziele zur
Reduzierung des Stromverbrauchs. Die PDN-Wirkungsgrade wurden auf Grundlage der
Spannungen, der geschätzten Stromaufnahme pro Schiene und der Betriebsart des
Reglers auf etwa 74 Prozent für die HF-Versorgung und 84 Prozent für die digitale
Stromversorgung geschätzt.
Modifikationen zur Verringerung
der Leistungsaufnahme
Um die Leistungsaufnahme zu minimieren, muss eine Kombination aus
Hardware- und Softwareänderungen vorgenommen werden. Für grundlegende
Software-Änderungen bieten IIO-fähige Tools wie das IIO-Oszilloskop-Tool von
ADI die Möglichkeit, SDR-Parameter über eine grafische Benutzeroberfläche neu
zu konfigurieren. Zu den Funktionen des Tools gehören das Ein- und Ausschalten
von Kanälen, das Aktivieren/Deaktivieren von Initialisierungs- oder
Tracking-Kalibrierungen, die Neukonfiguration von Frequenzen/Bandbreiten sowie
Überwachungsfunktionen wie das Plotten von FFTs oder das Lesen/Schreiben von
Registern verbundener SPI-Geräte. Die gleichen Änderungen können auch mit
Python durchgeführt werden, aber aus Gründen der Einfachheit der
Implementierung wurde jedoch das Tool verwendet. Für tiefgreifendere Änderungen
müssen neue Software-Builds in Hardware-Beschreibungssprache (HDL) kompiliert
und geladen werden. Die Konfiguration neuer Software-Builds in HDL gibt dem
Benutzer die Möglichkeit, Funktionen vollständig zu deaktivieren, anstatt sie
einfach abzuschalten.
Der angestrebte Anwendungsfall für das SOM war eine reine
Empfangskonfiguration mit mindestens zwei Kanälen, jedoch können die in diesem
Artikel beschriebenen Details zur Abschätzung des Stromverbrauchs für viele
verschiedene Anwendungsfälle verwendet werden, indem die Ausgangsmessungen und
die Zwischenergebnisse pro Änderung verglichen werden. Die anfängliche
Konfiguration für den reinen Empfängereinsatz bestand aus vier Empfangskanälen
mit einer Bandbreite von 200 MHz, wobei die ADCs mit 245,76 MSPS liefen,
Tracking-Kalibrierungen aktiviert waren, Initialisierungskalibrierungen
deaktiviert waren, die Beobachtungsempfänger und die Sender deaktiviert waren,
wobei ihre JESD-Links in HDL vollständig entfernt wurden. Die Leistungsaufnahme
des Systems wurde mit 23,4 W ermittelt. Ein Vergleich zwischen der
Ausgangsmessung und dieser Konfiguration zeigt, dass die Transmitter des
ADRV9009 (mit aktiviertem JESD) etwa 8 W bzw. 2 W pro Transmitter
verbrauchen.
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Um festzustellen, wie viel Strom mit IIO Oscilloscope eingespart werden
kann, wurde einer der eingebauten ADRV9009-Transceiver mit Hilfe der
Abschaltfunktion eines Empfängerpaares ausgeschaltet, so dass zwei Empfänger in
Betrieb blieben. Die im Blockschaltbild gekennzeichneten ungenutzten
Taktausgänge des HMC7044B wurden ebenfalls deaktiviert. Die Kombination der
skizzierten Änderungen verringerte die Leistungsaufnahme des Systems auf
21,9 W. Im nächsten HDL-Build wurde einer der ADRV9009-Transceiver durch Eliminierung
seiner JESD-Links vollständig deaktiviert und der andere Transceiver mit einer
niedrigeren Abtastrate von 122,88 MSPS und 100 MHz instantane Bandbreite
(IBW) neu konfiguriert. Bei dieser Konfiguration beträgt die Leistungsaufnahme
des SOM 17,2 W.
Um den Stromverbrauch weiter zu senken, wurden unkritische
Stromverbraucher für einen minimalen Betrieb des SOM ermittelt. Der minimale
Betrieb des SOM setzt voraus, dass der MPSoC für die Datenverarbeitung
verwendet wird. Das SOM hat zwei Sätze von DDR-Chips an Bord: PS DDR and PL
DDR. PS DDR wird in den meisten Fällen verwendet und ist für den Betrieb des
SOM wesentlich. Auf PL DDR wird in der Regel zugegriffen, wenn ein erheblicher
Teil des PS DDR durch andere On-Board-Tasks belegt ist. Bei der minimierten
Kanalkonfiguration und der niedrigeren Abtastrate wären die PL-DDR-Chips nicht
erforderlich, weshalb sie in HDL deaktiviert wurden. Auch andere
Peripheriekomponenten wie USB 3.0, DisplayPort und Serial Gigabit Media-independent Interface (SGMII)
Ethernet-Funktionen wurden deaktiviert. Der Taktgeber-Chip AD9542 wurde
ebenfalls deaktiviert. Zusätzlich wurde die Eingangsspannung des SOM auf
5 V reduziert, indem einige Änderungen an der Pin-Konfiguration des Power-ICs LTM4636
vorgenommen
und die Über-/Unterspannungsschwellen in ADI Power Studio
mit
dem EVAL-ADP-I2C-USB neu programmiert wurden. Die Senkung der Eingangsspannung
bei bestimmten Reglern kann dazu beitragen, die zusätzliche Verlustleistung zu
verringern. Mit diesen Änderungen wurde eine Leistungsaufnahme des SOM von
12,8 W gemessen.
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Für Anwendungen mit
strengeren Stromsparanforderungen sind erhebliche Hardwareänderungen
erforderlich. Die Stromversorgungen wurden durch Änderungen der
Pin-Konfiguration in den Puls-Skipping- oder Burst-Modus versetzt,
was den Gesamtwirkungsgrad der Stromversorgungen bei geringerer Stromaufnahme
erhöht. Die PL_DDR-Schienen auf der MPSoC-Seite wurden kurzgeschlossen, die
PL-DDR-Chips und Netzteile wurden physisch entfernt, ebenso wie der AD9542, der
deaktivierte ADRV9009, unbenutzte Quarze sowie die unbenutzten Low Voltage
Positive Emitter-Coupled Logic (LVPECL)-Takt-Pull-Ups des HMC7044B, um
sicherzustellen, dass den deaktivierten Komponenten kein Leckstrom zugeführt
wurde. Die Eingangsfrequenz des HMC7044B wurde auf 245,76 MHz reduziert
und für den Taktverteilungsmodus konfiguriert, um die internen PLLs zu umgehen,
und die Arm-Core-Taktfrequenzen des MPSoC wurden von 1,3 GHz
auf 300 MHz reduziert. Mit diesen Änderungen wurde eine Leistungsaufnahme
des SOM von 10 W gemessen. Bild 4 zeigt das Blockschaltbild für den Low-Power-Betrieb des SOM.
Bild 4: Blockschaltbild für den Low-Power-Betrieb des SOM.ADI
Schlussfolgerung
Die Software- und
Hardware-Rekonfigurierbarkeit des ADRV9009-ZU11EG ermöglicht den Einsatz in
Anwendungen mit hohen Stromsparanforderungen. Die IIO-basierten Bibliotheken
von ADI oder Tools wie IIO Oscilloscope können zur Evaluierung der
Leistungsaufnahme des SOMs mit einer benutzerfreundlichen Schnittstelle und
minimalem Aufwand eingesetzt werden. Die Optimierung des PDN-Wirkungsgrads auf
dem SOM durch Herabsetzung der Eingangsspannungsschwelle und Änderung der
Betriebsmodi der integrierten Leistungs-ICs kann den Gesamtwirkungsgrad
erhöhen. Eine Neukonfiguration der HDL zur Reduzierung von Abtastraten und
Betriebsbandbreiten sowie die Deaktivierung ungenutzter Funktionen oder
Peripheriegeräte führt zu einer weiteren Reduzierung der Leistungsaufnahme,
ohne dass Hardwareänderungen erforderlich sind. Für Anwendungen, bei denen der
Stromverbrauch unbedingt minimiert werden muss, kann eine Kombination der oben
beschriebenen Änderungen mit erheblichen Hardwaremodifikationen vorgenommen
werden, um eine stark reduzierte Leistungsaufnahme zu erreichen, und zwar auf
Kosten der meisten zusätzlichen SOM-spezifischen Funktionen, wie z. B. die
Skalierbarkeit der On-Board-Kanalanzahl. (na)
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Autor:
Florin Hurgoi,
System Design Engineer bei Analog Devices
Chance Fletcher, System Applications Engineer bei Analog Devices