Recyclingkunststoffe in der Elektrotechnik

Siemens und DOMO setzen auf recyceltes Polyamid für Schutzschalter

Siemens Smart Infrastructure und DOMO Chemicals nutzen ein recyceltes Hochleistungspolyamid für Fehlerstrom-Schutzschalter. Damit zieht Kreislaufwirtschaft in sicherheitsrelevante Komponenten der Elektroinstallation ein.

Mit TECHNYL 4EARTH von DOMO Chemicals setzt Siemens beim SENTRON 5SV3 auf ein nachhaltigeres Polyamid mit 50 Prozent recyceltem Nylon. Der Fehlerstrom-Schutzschalter erfüllt damit die Kriterien des Siemens EcoTech-Labels.

Siemens Smart Infrastructure und DOMO Chemicals arbeiten daran, nachhaltigere Kunststoffe in der Elektroindustrie breiter einzusetzen. Im Mittelpunkt steht der Fehlerstrom-Schutzschalter SENTRON 5SV3, Typ A/AC. Für einen Großteil der Abdeckungen und Gehäuse des Schutzschalters nutzt Siemens das von DOMO Chemicals entwickelte Hochleistungspolyamid TECHNYL 4EARTH. Das Material besteht zu 50 Prozent aus recycelten Rohstoffen, darunter chemisch recyceltes PA6 aus postindustriellen und Post-Consumer-Quellen wie Fasern und Textilfilamenten sowie Glasverstärkung.

Der SENTRON 5SV3 ist laut Siemens das erste Produkt des Unternehmens, das dieses Material einsetzt. Für die Elektroindustrie ist das ein relevanter Schritt, denn Fehlerstrom-Schutzschalter gehören zu den sicherheitskritischen Komponenten in privaten, gewerblichen und industriellen Elektroinstallationen. Sie unterbrechen den Stromkreis, wenn sie ein Ungleichgewicht im Stromfluss erkennen, und tragen so dazu bei, Menschen vor Stromschlägen und Anlagen vor Folgeschäden bis hin zu Bränden zu schützen.

Warum ist recyceltes Polyamid für Fehlerstrom-Schutzschalter relevant?

Der Fehlerstrom-Schutzschalter SENTRON 5SV3 von Siemens nutzt Gehäuse- und Abdeckungskomponenten aus TECHNYL 4EARTH von DOMO Chemicals. Das Hochleistungspolyamid enthält recycelte Rohstoffe und soll den CO₂-Fußabdruck des Schutzgeräts senken.

Bei elektrischen Schutzgeräten steht die technische Zuverlässigkeit an erster Stelle. Materialien für Gehäuse und Abdeckungen müssen mechanisch stabil, elektrisch geeignet, verarbeitbar und flammschutztechnisch belastbar sein. Siemens betont deshalb, dass das recycelte Material die gleiche Leistung und Qualität wie herkömmliche Werkstoffe bietet. Das ist die zentrale Voraussetzung, damit nachhaltigere Kunststoffe überhaupt in sicherheitsrelevanten Produkten eingesetzt werden können.

Das konkret eingesetzte Material TECHNYL 4EARTH C 52G1 V25 CR GY 2747 ist laut Siemens UL-zertifiziert. Die Zertifizierung soll Qualität und Sicherheitsstandards absichern. Zudem nutzt das PA6-Compound ein phosphor- und halogenfreies Flammschutzsystem und bietet laut Unternehmen gute Verarbeitbarkeit sowie elektrische Eigenschaften für anspruchsvolle Anwendungen. Damit adressiert DOMO Chemicals einen wichtigen Zielkonflikt der Elektroindustrie: mehr Recyclinganteil, aber ohne Abstriche bei Sicherheit, Normkonformität und Produktperformance.

Wie unterstützt TECHNYL 4EARTH die Kreislaufwirtschaft?

TECHNYL 4EARTH ist Teil des nachhaltigen Polyamid-Portfolios von DOMO Chemicals. Das Unternehmen bietet nach eigenen Angaben mechanisch und chemisch recycelte sowie massenbilanzierte Polyamid-Lösungen an. Für Siemens ist vor allem der Einsatz chemisch recycelter PA6-Rohstoffe relevant, weil sich damit hochwertige technische Kunststoffe für elektrische Anwendungen herstellen lassen.

Die Entwicklung zeigt, wie Kreislaufwirtschaft in der Elektrotechnik praktisch umgesetzt werden kann. Statt nur auf Recycling am Ende des Produktlebens zu schauen, beginnt der Ansatz bereits bei der Materialauswahl. Rezyklate aus Quellen wie Fasern und Textilfilamenten werden wieder in technische Kunststoffe überführt. So können fossile Primärrohstoffe anteilig ersetzt und die Umweltauswirkungen des Herstellungsprozesses reduziert werden.

Was bedeutet das Siemens EcoTech-Label für den SENTRON 5SV3?

Die Fehlerstrom-Schutzschalter SENTRON 5SV3, Typ A/AC, erfüllen laut Siemens die Kriterien des Siemens EcoTech-Labels. Dieses soll Umweltaspekte von Produkten transparenter machen. Neben dem Einsatz nachhaltiger Materialien verweist Siemens bei den Schutzschaltern auf die Lebensdauer: Die Geräte seien so ausgelegt, dass sie die Erwartungen der Norm IEC 61008-1 übertreffen. Siemens nennt dafür 10.000 Schaltspiele und spricht von einer hohen mechanischen und elektrischen Lebensdauer.

Auch die Erweiterbarkeit spielt in der Nachhaltigkeitsbetrachtung eine Rolle. Das standardisierte Zubehörsystem der SENTRON-5SV-Reihe ermöglicht laut Siemens einfache Hardware-Upgrades, etwa mit Hilfsschaltern oder Unterspannungsauslösern. Dadurch lassen sich bestehende Anwendungen funktional erweitern, was Maschinen und Schaltanlagen länger produktiv und kosteneffizient halten kann.

Warum ist der SENTRON 5SV3 ein Signal für die Elektroindustrie?

Der SENTRON 5SV3 ist kein reines Demonstrationsobjekt, sondern ein Schutzgerät für Anwendungen mit hohen Stückzahlen. Genau darin liegt die Bedeutung der Materialumstellung: Wenn recycelte technische Kunststoffe in Serienprodukten der Elektroinstallation eingesetzt werden können, entsteht ein Hebel für mehr Ressourceneffizienz in der Breite.

Siemens und DOMO Chemicals wollen die Verfügbarkeit des nachhaltigen Materials ausweiten, um die Nachfrage nach entsprechenden Lösungen in der Elektro- und Elektronikindustrie zu bedienen. DOMO verweist dabei auf seine Recyclingtechnologie, sein Lieferantennetzwerk und seine Erfahrung mit flammhemmenden Polyamid-Lösungen. Die erfolgreiche Entwicklung des Compounds zeige zudem das Potenzial der Depolymerisation für leistungsfähige, nachhaltigere Materialien.

Für die Branche macht die Kooperation deutlich: Nachhaltigkeit wird zunehmend zur Produkteigenschaft auch bei Schutz- und Schaltgeräten. Entscheidend ist dabei, dass Recyclinganteil, Flammschutz, elektrische Eigenschaften und Zertifizierungen zusammenpassen. Erst dann kann Kreislaufwirtschaft auch dort ankommen, wo elektrische Sicherheit nicht verhandelbar ist.