Die Fertigung moderner Halbleiter erfordert ein Zusammenspiel hochpräziser Maschinen, spezialisierter Materialien und kontrollierter Umgebungen. Dieser Überblick zeigt, welche Technologien den Takt in der Chipproduktion vorgeben – vom Kristall bis zum Bauteil.
Martin ProbstMartinProbstMartin ProbstOnline-Redakteur
Diese Schnittzeichnung zeigt das Innere einer modernen EUV‑Belichtungsmaschine. Das 13,5‑nm‑Licht wird in einem Laser‑induzierten Zinnplasma erzeugt und durch eine Kette aus multilagenbeschichteten Spiegeln in ultrahohem Vakuum geführt. Die violett markierten Strahlwege verdeutlichen die komplexe Optik, die das Licht präzise auf den Wafer projiziert. Der EUV-Scanner ist eines der aufwendigsten Systeme der Halbleiterfertigung – und doch nur eines von vielen entscheidenden Gliedern in einer hochkomplexen Prozesskette.ASML
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Die Herstellung von Halbleitern ist eine der technologisch
anspruchsvollsten Aufgaben der heutigen Industrie. Im Zentrum dieser Fertigung
stehen hochspezialisierte Maschinen und Materialien, die in orchestrierten
Prozessketten zusammenwirken. Ziel dieses Textes ist es, die zentralen
Maschinen, Geräte und Materialien nicht als Randnotiz im Prozess, sondern als
Hauptakteure zu beschreiben – mit Fokus auf deren technische Funktion,
Aufgabenprofil und Bedeutung im Gesamtsystem der Halbleiterproduktion.
Kernaussagen zur Halbleiterfertigung
Hochpräzise Prozesskette: Die Halbleiterfertigung vereint Kristallzucht, Lithografie, Schichtabscheidung, Dotierung, Ätzen und Reinigung in exakt gesteuerten Prozessschritten unter Reinraumbedingungen.
Schlüsselmaschinen und Materialien: EUV-Scanner, CVD-/ALD-Anlagen, Ionenimplantatoren und CMP-Systeme bestimmen Strukturtreue und Ausbeute; Materialien wie Si, SiC und GaN definieren Leistungsfähigkeit und Effizienz.
Kosten- und Technologietreiber: Die Lithografie – insbesondere EUV-Technologie – ist der teuerste und kritischste Faktor in der Chipproduktion, da sie die Strukturgröße und damit die Innovationsgrenze vorgibt.
Was machen Kristallzucht- und Waferbearbeitungsanlagen?
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Der Schnitt durch einen Czochralski‑Ofen zeigt den beheizten Tiegel mit geschmolzenem Silizium, umgeben von Graphit‑Isolationsschichten. Eine rotierende Ziehstange mit Keimkristall taucht in die Schmelze ein und zieht langsam einen Einkristall heraus, während die Temperatur millikelgenau geregelt und der Inertgasfluss kontrolliert wird. Diese Apparatur liefert monokristalline Ingots mit Durchmessern von bis zu 300 mm.Mersen
Die Grundlage jeder Halbleiterfertigung ist der
monokristalline Siliziumwafer. Hierfür wird hochreines Silizium in
Czochralski-Kristallziehanlagen verarbeitet. Diese Maschinen bestehen aus einem
Quarzschmelztiegel, in dem das Silizium unter Vakuum oder Schutzgasatmosphäre
geschmolzen wird. Ein rotierender Impfkristall zieht dabei langsam einen
Einkristallstab (Ingot) aus der Schmelze. Die Temperaturregelung dieser Anlagen
ist hochpräzise, Abweichungen im Sub-Kelvin-Bereich führen bereits zu
Kristallfehlern. Die gezielte Steuerung der Rotationsgeschwindigkeit und der
Ziehgeschwindigkeit ermöglicht eine präzise Kontrolle der Kristallorientierung
und -qualität. Ein entscheidender Parameter ist der Sauerstoffgehalt, der im
Kristall durch den Kontakt mit dem Quarztiegel eingebracht wird – ein Faktor,
der gezielt gesteuert werden muss, da Sauerstoffausfällungen später zu
Ausfällen führen können.
Anschließend wird der Ingot mit CNC-gesteuerten Drahtsägen
in Scheiben geschnitten. Diamantbesetzte Drähte garantieren eine gleichmäßige
Schnittqualität bei minimalem Materialverlust. Die Schnittparameter – etwa
Drahtvorschub, Geschwindigkeit, Kühlmitteldurchfluss – werden exakt geregelt.
Eine typische Drahtsäge erreicht Schnittgeschwindigkeiten bis zu 2
m/min bei Submikrometer-Toleranz. Für die abschließende Planarisierung sorgen
chemisch-mechanische Poliermaschinen (CMP), die mit Slurrys aus abrasiven
Partikeln (z. B.
Siliziumdioxid) und Chemikalien (z. B.
KOH) arbeiten. Die Kombination aus mechanischem Abtrag und chemischer Reaktion
entfernt mikroskopische Unebenheiten und erzeugt eine spiegelglatte Oberfläche mit einer Rauheit von weniger als 1 nm RMS.
Welche Rolle spielt die Lithografie bei Strukturierung?
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Die optische Strukturierung erfolgt durch Belichtungssysteme
– sogenannte Stepper oder Scanner. Diese Geräte projizieren das Maskenlayout
mithilfe von hochentwickelten Linsensystemen auf den Fotolack. Die gängigsten
Systeme arbeiten mit tief-ultraviolettem Licht (DUV), in der Spitzentechnologie
kommen Extreme Ultraviolet (EUV) Scanner mit 13,5-nm-Laserlicht zum Einsatz.
EUV-Scanner benötigen Vakuumkammern und vollständig reflektive Masken, da
EUV-Licht in der Atmosphäre vollständig absorbiert würde. Die Masken selbst
bestehen aus Multilayer-Spiegeln mit Molybdän- und Siliziumschichten, die
konstruktive Interferenz erzeugen.
Die Ausrichtung des Musters erfolgt mit Hilfe von
Alignment-Systemen, die mit Interferometrie und aktiver Fokusregelung arbeiten. EUV-Scanner, wie sie von ASML gebaut werden, arbeiten mit
Spiegeloptiken im Gigahertzbereich für Scanbewegungen und erreichen eine
Overlay-Präzision im einstelligen Nanometerbereich. Um die thermischen
Ausdehnungen der Masken zu kompensieren, kommen In-situ-Temperatursensoren und
Echtzeit-Korrektur-Algorithmen zum Einsatz.
Zur Vorbereitung des Lacks wird der Wafer zuvor in
Spin-Coatern beschichtet, deren Rotation mit bis zu 5000 U/min eine homogene
Lackdicke im Bereich von 50–150 nm
sicherstellt. Die anschließende Entwicklung des Lacks erfolgt in
Track-Systemen, die Präzision in Belichtung, Backbake und
Entwicklerprozess vereinen. Hierbei werden Temperatur, Trocknungszeit,
Entwicklerkonzentration und Diffusionseigenschaften exakt gesteuert, um gleichmäßige Kantenprofile und hohe Auflösung zu
erzielen. Optische Defekterkennung in diesen Anlagen erkennt Pinholes, Bridging
oder Unterentwicklung sofort inline.
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CVD, PVD und ALD: Abscheidung funktionaler Schichten
CVD-Anlagen (Chemical Vapor Deposition) sind für die
gasphasenbasierte Abscheidung isolierender oder halbleitender Schichten
zuständig. Sie arbeiten mit Temperaturbereichen zwischen 400 °C und
1100 °C, wobei Precursor-Gase wie Silan (SiH4), Ammoniak (NH3), TEOS
oder Dichlorsilan (SiH2Cl2) an der Waferoberfläche
reagieren und Oxide, Nitride oder Siliziumschichten bilden. Die Plasma-unterstützte Variante (PECVD) ermöglicht
niedrigere Prozesstemperaturen bei gleichmäßiger
Abscheidung auf strukturierten Oberflächen.
Prozesskammern enthalten RF-Generatoren, Temperaturplatten mit PID-Regelung
sowie Gasflusssteuerungen im Sub-sccm-Bereich für homogene Schichtbildung.
PVD-Anlagen (Physical Vapor Deposition), insbesondere
Magnetron-Sputter-Systeme, ermöglichen die Abscheidung metallischer Schichten
unter Hochvakuum. Hierbei wird das Targetmaterial (z. B. Kupfer, Tantal) durch Argonionen abgetragen und
auf den Substratflächen abgeschieden. Der Prozess ist
anisotrop und ermöglicht präzise
Kontrolle der Schichtdicke. Schichtuniformität,
Partikelarmut und Haftfestigkeit sind entscheidende Parameter. Inline-Optiken
oder Massenspektrometer überprüfen die
Ablagerung während des Prozesses. Substratrotation
und Targetkühlung verhindern lokale Überhitzung.
Atomic Layer Deposition (ALD) – Die Serie aus vier Bildern beschreibt einen vollständigen ALD‑Zyklus. Ausgangspunkt ist eine Oberfläche mit OH‑Gruppen. In Schritt 1 adsorbiert Trimethylaluminium (TMA) auf diese Stellen, Schritt 2 spült überschüssige Moleküle ab. Schritt 3 führt Wasser ein, das mit den verbliebenen Al‑Vorläuferresten zu Al₂O₃ reagiert; Schritt 4 spült erneut. Durch die selbstlimitierenden Reaktionen wird in jedem Zyklus eine atomar dünne Schicht aufgebaut.By Véronique Cremers, Riikka Puurunen, Jolien Dendooven - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=84676295
ALD-Anlagen (Atomic Layer Deposition) sind modular
aufgebaute Reaktoren, in denen alternierend Precursor- und Reaktionsgase
eingebracht werden. Die selbstlimitierenden Reaktionen gewährleisten eine
Schichtdickenkontrolle im Bereich von 0,1 nm
pro Zyklus. Typische Anwendungen umfassen Gate-Dielektrika, Barriere- und
Kapselungsschichten sowie Kondensatorisolierungen. ALD-Anlagen verfügen über Gas-Sequenzer, Spülphasen, Lecktests und meist über
in-situ QCM-Messsysteme (Quartz Crystal Microbalance), um die Massezunahme pro
Zyklus zu kontrollieren.
Zur gezielten Beeinflussung der Halbleitereigenschaften wird
Dotierung eingesetzt. Ionenimplantatoren bestehen aus mehreren
Funktionseinheiten: einer Plasma-Ionenquelle zur Erzeugung der gewünschten
Ionenspezies, einem Massenselektor, der nur die gewünschten Teilchen
durchlässt, sowie einer Hochspannungs-Beschleunigungsstrecke, die die Ionen mit
exakt definierter Energie in den Wafer einschießt. Durch elektrostatische
Linsen und Magnetfelder wird der Strahl fokussiert und rasterförmig über den
Wafer geführt. Aktuelle Systeme erreichen eine Präzision im Bereich von ±1 % bei der Dosisverteilung und
Tiefenauflösung von wenigen Nanometern. Dabei
entstehen jedoch Gitterdefekte, die durch einen anschließenden
Temperprozess (Rapid Thermal Annealing, RTA) bei über 1000 °C in
wenigen Sekunden repariert werden müssen.
Magnetron‑Sputtersystem – Diese mehrkammerige Sputteranlage nutzt Magnetron‑Kathoden, um per Argon‑Plasma Atome aus Metall‑Targets (z. B. Kupfer, Tantal) herauszuschlagen. Die abgetragenen Atome kondensieren als dünner Film auf rotierenden Wafern. Jede Kammer ist für einen anderen Werkstoff ausgelegt, die Prozesse laufen bei Hochvakuum mit in‑situ‑Überwachung der Schichtdicke.DLR
Diffusionsöfen – meist als Horizontal- oder Vertikalanlage
ausgeführt – ermöglichen die gleichmäßige Dotierung ganzer Waferstapel durch
die Diffusion gasförmiger Precursoren wie Phosphordichlorid (POCl3) oder
Diboran (B2H6). Die Prozessführung erfordert präzise Regelung der
Temperaturzonen, kontrollierte Gasflüsse, Laminarströmung und minimalste
Kontamination. Die Reproduzierbarkeit der Dotierungsprofile hängt direkt von
der thermischen Gleichmäßigkeit ab – Abweichungen von wenigen Grad können die
elektrischen Eigenschaften drastisch beeinflussen.
Diese Aufnahme zeigt mehrere Spin‑Coating‑Stationen unter gelber Reinraumbeleuchtung, um den Fotolack vor vorzeitiger Belichtung zu schützen. In diesen Maschinen wird flüssiger Photoresist auf dem Wafer verteilt und bei 3000 - 6000 U/min zu einem gleichmäßigen Film von typischerweise 50–200 nm Dicke ausgezogen. Das präzise Rezept aus Drehzahl, Beschleunigung und Lösungsmittel bestimmt die später erreichbare Linienbreite und gleichmäßige Dicke des Lacks.By Guillaume Paumier (user:guillom) - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3077453
Wie funktioniert Ätzen auf Nanometerebene?
RIE-Anlagen (Reactive Ion Etching) sind hochkomplexe
Systeme, die chemisch-reaktive Gase (z. B.
CF4, SF6, Cl2) in einem Plasma aktivieren. Durch die Überlagerung
mit einem elektrischen Feld werden die erzeugten Ionen auf den Wafer
beschleunigt. Dies erlaubt es, selektiv und anisotrop Material zu entfernen.
Entscheidend ist die Kontrolle von Prozessparametern wie Gasflussraten,
Kammerdruck, Plasmadichte und RF-Leistung. Je nach Zielmaterial (z. B. SiO2, Si, Metall) werden
unterschiedliche Gasgemische eingesetzt. Endpoint Detection mittels optischer
Emissionsspektroskopie erlaubt den exakten Stopp des Ätzvorgangs, wenn eine
bestimmte Tiefe oder Schicht erreicht ist.
Für isotrope Prozesse oder die Entfernung größerer Flächen
kommen klassische Nassätzbäder zum Einsatz. Diese bestehen meist aus Teflon-
oder Quarzbehältern mit beheizten chemischen Ätzlösungen, z. B. Flusssäure,
Salpetersäure oder Mischungen wie Piranha-Etch.
Prozesskontrolle erfolgt über Zeit, Temperatur und
Konzentration; die Homogenität wird durch
Diffusion und Rühren beeinflusst. Rückstände werden durch Spülstationen entfernt, die mit ultrapurem Wasser (UPW) arbeiten.
Die Partikelreduktion und Entfernung chemischer Rückstände
ist zentral für die Ausbeute. Reinigungsanlagen bestehen aus Sequenzmodulen für
chemische Bäder, Spülkammern, Trocknungseinheiten und Prozesssteuerung. Die
Megasonic-Reinigung nutzt hochfrequente Schallwellen, um Kavitationsblasen zu
erzeugen, die mikroskopische Partikel abheben. Die Schwinger werden
typischerweise mit 1–2 MHz
betrieben und exakt positioniert, um gleichmäßige
Feldverteilungen zu erzeugen.
Chemische Reinigung (z. B.
RCA-Prozesse) basiert auf exakt abgestimmten Säure-Basen-Mischungen:
SC-1 (NH4OH:H2O2:H2O) entfernt organische Stoffe, SC-2 (HCl:H2O2:H2O)
Metallionen. HF-Dips dienen zur Entfernung von nativen Oxiden. Die abschließende Trocknung erfolgt kontaktlos durch Isopropanol-Verdampfung
oder Marangoni-Technik, bei der Oberflächenspannung
zum Trocknen genutzt wird. Eine typische Reinigungssequenz dauert 10–30 Minuten und umfasst bis zu zehn Prozessschritte.
Der hier gezeigte GCA Autostep 200 ist ein Step‑and‑Repeat‑Belichtungsgerät für die 365‑nm‑„i‑Line“-Photolithografie. Über ein Linsensystem projiziert er das Maskenmuster feldweise auf den Fotolack, wobei der Wafer nach jedem Schritt präzise weiterbewegt wird.By a13ean - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21317199
Nach der Frontend-Verarbeitung beginnt die Backend-Stufe.
Dicing-Sägen mit Diamanttrennscheiben oder gepulsten Lasern zerschneiden die
Wafer in einzelne Chips. Die Anlagen sind mit Laseralignmentsystemen
ausgestattet, die Position und Orientierung erkennen und exakte Trennlinien
vorgeben. Lasersägen ermöglichen kleinere Verlustzonen (Kerf Width < 30 µm) und
vermeiden mechanische Spannungen.
Die Chips werden mit Die-Bondern auf Trägerstrukturen
(Leadframes, Substrate) platziert. Die Platzierung erfolgt unter
Reinraumbedingungen mit Genauigkeiten von ±3 µm. Für die elektrische Verbindung sorgen
Drahtbonding-Maschinen (Ultraschall-, Thermosonic- oder
Thermokompressionsverfahren) mit automatischer Drahtführung und
Inline-Pull-Tests zur Qualitätsprüfung. Flip-Chip-Bonder nutzen Lötbumps
und Reflow-Öfen zur direkten Verbindung von Chip- und
Substratpads.
Die Verpackung erfolgt durch Moldmaschinen, die das Bauteil
in Kunststoff, Keramik oder Metall einschließen. Testhandler, Burn-in-Öfen und
elektrische Testsysteme (ATE – Automated Test Equipment) prüfen Funktion,
Geschwindigkeit, Stromaufnahme und Robustheit unter Lastbedingungen. Nur
geprüfte Bauteile gelangen in den Markt.
Welche Materialien definieren die Qualität eines Chips?
Neben den Maschinen spielen die Materialien eine
entscheidende Rolle. Silizium ist der Standard, doch für Leistungselektronik
und Hochfrequenztechnik gewinnen SiC und GaN an Bedeutung – beide Materialien
haben höhere Bandlücken, erlauben höhere Temperaturen und Spannungen.
Fotolacke bestehen aus Polymermatrizen mit empfindlichen
Photoinitiatoren und Lösungsmitteln. Ihre Auswahl bestimmt Auflösung,
Belichtungsschwelle, Entwicklungsrate und Trockenfilmstärke. Prozessgase wie
Silan, TEOS, WF6, NF3, Ar, N2, O2 und HCl werden in Reinheitsgraden von
>99,9999 % eingesetzt – schon ppb-Verunreinigungen können zu
Ausschuss führen.
Metallisierungsmaterialien umfassen Kupfer (gute
Leitfähigkeit), Aluminium (bessere Elektromigration), Tantal, Kobalt, Titan,
Wolfram für Barriere- und Seed-Layers. Dielektrika reichen von SiO2 über Si3N4
bis hin zu organisch modifizierten Low-k-Materialien wie SiCOH.
Für Packaging werden Epoxidharze, Lötlegierungen (SnAgCu),
Underfills und Moldcompounds verwendet – abhängig von thermischen und
elektrischen Anforderungen.
FAQ: Maschinen in der Halbleiterfertigung
Was ist die teuerste Maschine in der Halbleiterfertigung?
EUV-Lithografiescanner von ASML mit bis zu 350 Mio. USD – entscheidend für Nodes ab 7 nm.
Durch Czochralski-Kristallzucht, Sägen und chemisch-mechanisches Polieren zu spiegelglatten Substraten.
Warum ist Reinraumtechnik so wichtig?
Schon einzelne Partikel können Mikrochips zerstören – daher Luftfiltration, UPW und automatisierte Transporte.
Welche Materialien ersetzen Silizium?
Siliziumkarbid (SiC) und Galliumnitrid (GaN) für Hochleistung und Hochfrequenz, wegen höherer Bandlücken und Temperaturfestigkeit.
Schlüsseltechnologien: Was ist am teuersten – und warum?
Unter allen Geräten und Systemen der Halbleiterfertigung
sticht ein Komplex besonders hervor: die Lithografie – und hier insbesondere
die Extreme Ultraviolet (EUV)-Technologie. EUV-Scanner, wie sie derzeit
ausschließlich von ASML gebaut werden, gelten als das teuerste Einzelgerät in
einer Fab. Pro Anlage werden Kosten zwischen 200 und 350 Millionen
US-Dollar veranschlagt. Der technologische Aufwand ist immens: Die Systeme
projizieren mit 13,5-nm-Strahlung Strukturmuster auf den Wafer, wobei das Licht
aus einem Laser-induzierten Zinnplasma im Hochvakuum erzeugt wird. Der gesamte
Strahlengang erfolgt über hochpräzise Spiegeloptiken mit atomarer Glätte –
klassische Linsen funktionieren bei diesen Wellenlängen nicht mehr. Bereits
kleinste Vibrationen oder Temperaturschwankungen machen eine Belichtung
unmöglich, weshalb das gesamte System aktiv stabilisiert ist. EUV ist nicht nur
teuer, sondern auch der Engpassfaktor für fortschrittliche Nodes ab 7 nm abwärts.
Auch DUV-Scanner (Deep Ultraviolet), insbesondere
Immersionsscanner mit ArF-Laser, kosten im zweistelligen Millionenbereich und
sind elementar für Nodes zwischen 28 nm
und 5 nm. Zusätzlich zu den Belichtungsgeräten sind
die zugehörigen Masken extrem aufwendig: Ein
kompletter EUV-Maskensatz kann je nach Layerzahl mehrere Millionen Dollar
kosten – und muss mit höchster Präzision gefertigt, inspiziert und justiert werden.
Zu den weiteren teuren Maschinengruppen zählen
Ionenimplantatoren (10–30 Mio. USD),
ALD-/CVD-Systeme (je nach Cluster 5–15 Mio. USD), CD-SEMs (mehrere
Millionen) und High-End-Inspektionssysteme (AOI, Scatterometrie). Generell
gilt: Je näher ein Gerät am
eigentlichen Strukturierungsprozess arbeitet, desto teurer und kritischer wird
es. Maschinen, die Ausbeute (Yield), Strukturtreue oder Overlay-Genauigkeit
direkt beeinflussen, sind systemrelevant.
Maschine / System
Funktion
Kosten (ca.)
EUV-Lithografiescanner (ASML Twinscan NXE)
EUV-Belichtung feinster Strukturen (<7 nm)
200–350 Mio. USD
DUV-Immersionsscanner (ArF, z. B. ASML TWINSCAN NXT)
DUV-Belichtung (28–5 nm), Multi-Patterning
70–120 Mio. USD
Ionenimplantator (z. B. Axcelis, Applied Materials)
Strukturvorlage je Layer, hochpräzise Fertigung notwendig
1–5 Mio. USD
CMP-Systeme (Chemical Mechanical Polishing)
Planarisierung nach Abscheidung oder Ätzen
2–5 Mio. USD
Wafer-Handling- und AMHS-Systeme
Wafertransport & Automatisierung in der Fab
1–3 Mio. USD
Rapid Thermal Annealing (RTA) Systeme
Aktivierung von Dotieratomen nach Implantation
1–3 Mio. USD
Welche Infrastruktur macht eine Fab erst möglich?
Diese Centrotherm‑Anlage enthält mehrere vertikale Quarzrohre, in denen Waferstapel auf 800–1100 °C erhitzt werden. Über definierte Gasflüsse (z. B. POCl₃, B₂H₆, O₂) diffundieren Dotierstoffe in das Silizium oder es wächst ein thermisches Oxid. Die Steuerung regelt Temperaturzonen und Gaswechsel für einheitliche Dotierungsprofile; Waferkassetten werden automatisiert eingefahren und entladen.By Guillaume Paumier (user:guillom) - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3077396
Alle Prozesse finden unter streng kontrollierten Bedingungen
statt. Reinräume der ISO-Klasse 1–5 garantieren partikelarme Umgebung durch
mehrstufige Luftfiltration (ULPA-Filter) und 500–1000 Luftwechsel pro Stunde.
Temperaturen werden auf ±0,1 °C, Luftfeuchte auf ±1 % geregelt.
Ultrapures Wasser (UPW) wird durch mehrstufige
Reinstwasseranlagen (Ionenaustausch, Umkehrosmose, UV-Oxidation, Filtration)
erzeugt – mit Leitfähigkeiten unter 0,055 µS/cm. Chemikalienhandling erfolgt
vollautomatisch in geschlossenen Versorgungssystemen. Gase werden zentral über
Gasracks und -panels bereitgestellt, Leckagesensorik und Sicherheitsventile
verhindern Unfälle.
Abgasreinigungssysteme wie Nasswäscher, thermische
Oxidatoren oder Plasma-Scrubber entfernen toxische Komponenten. Die
Waferbewegung innerhalb der Fab erfolgt mit AMHS-Systemen, die
Transportkassetten autonom zu den jeweiligen Prozessstationen bringen – getaktet,
rückverfolgbar und kontaminationsfrei.