Prof. Klaus-Dieter Lang

28 Jahre wirkte Prof. Klaus-Dieter Lang in Berlin als Professor der TU für das Fachgebiet Aufbau- und Verbindungstechnik und Leiter des Fraunhofer-Instituts für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM. Das Bild zeigt ihn bei seiner Key-Note während der Messe eCarTec 2012 in München. (Bild: Marisa Robles Consée)

Über viele Jahre hat er nicht nur das Mikroelektronik-Institut zu einem der weltweit führenden Standorte für Entwicklungen gemacht, sondern war der productronic-Redaktion als Autor, Jury-Mitglied und Referent eng verbunden. Als Professor der TU Berlin für das Fachgebiet „Nano Interconnect Technologies“ und Leiter des Fraunhofer-Instituts für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM hat Prof. Klaus-Dieter Lang in den vergangenen 28 Jahren Berlin zu einem der weltweit führenden Standort für Entwicklungen gemacht, wie Elektronik in Produkte des täglichen Lebens integriert werden kann. Am 30. September 2021 hat er sich in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet, aber er wird der Fachwelt nicht ganz „verloren“ gehen, sondern weiter in einer Reihe von Arbeitskreisen, Fachgremien oder Veranstaltungen präsent sein.

Systemintegration war „sein Ding“

In der Fachwelt gilt er als ausgewiesener Experte der Systemintegration für Elektronik-Produkte und Fachmann für langlebige Chip-Verbindungen. Schon von Beginn an widmete sich der studierte Elektrotechniker bereits in den 1980ern am Fachbereich Elektronik der Humboldt Universität den Themen Halbleitertechnik, Aufbau- und Verbindungstechnik, Packaging und Qualitätssicherung. Während dieser Zeit promovierte und habilitierte er sich und wurde für die Ergebnisse seiner Arbeit mit dem „Humboldt-Preis“ geehrt. Nach dem Aufbau eines Bereichs „Mikrofügetechnik und optische Verbindungstechnik“ an der SLV Hannover gestaltete er seit der Gründung des Fraunhofer IZM im Jahr 1993 den Weg dieses Instituts aktiv mit und wurde schließlich im Jahr 2010 dessen Leiter.

Maßgeblich für seine Strategie am Fraunhofer IZM war der Kompetenzaufbau für die Wertschöpfungskette mikroelektronischer Systeme auf Basis fortschrittlicher Aufbautechnologie, hin zu anspruchsvollen Anwendungssystemen. Im Vordergrund standen optimierte Integrationstechniken, eine höhere Zuverlässigkeit, integrierte Sensoren und Aktoren sowie die Miniaturisierung und Anpassung an beliebige vorgegebene Bauräume. Seinem Engagement ist auch die Einrichtung von fünf Geschäftsfeldern zu verdanken, die auf die Bedürfnisse industrieller Kunden eingestellt sind.

Forscher und Unternehmer

Klaus-Dieter Langs Wirken war ganz im Sinne der Fraunhofer-Philosophie die exzellente Verknüpfung wissenschaftlicher Kreativität mit effizientem Innovationsmanagement und stabil abrufbarer Leistungsfähigkeit. Er ist Autor oder Mitautor von vier Büchern und mehr als 430 Veröffentlichungen im Bereich Aufbau- und Verbindungstechnik, Packaging, Mikrosystemtechnik und Systemintegration und hält mehr als ein Dutzend Patente. Unter seiner Ägide wurde das Fraunhofer IZM vom Wissenschaftsrat hinsichtlich der wissenschaftlichen Exzellenz zur besten deutschen Forschungseinrichtung im Bereich Elektrotechnik ausgezeichnet. Zugleich stieg der Betriebshaushalt des Instituts seit seinem Amtsantritt in 2010 als Institutsleiter um mehr als 60 Prozent (2010: 23,1 Mio. Euro, 2020: 37,6 Mio. Euro). Die Erträge aus Kooperationen mit Unternehmen verdoppelten sich nahezu (2010: 7,5 Mio. Euro, 2020: 14,4 Mio. Euro). Personell konnte er das Institutsteam in dieser Zeit um mehr als 130 Mitarbeitende ausbauen.

Diplomatischer Netzwerker

In der Fachwelt gilt er als geschickter Integrator, nicht nur unter dem Aspekt der Miniaturisierung und Integration mikroelektronischer Strukturen in nahezu beliebige Applikationsumgebungen, sondern ebenso im Hinblick auf die strukturelle Vernetzung der Forschungsakteure mit Industriepartnern. So war er z.B. Mit-Initiator des Zentrums für Mikrosystemtechnik ZEMI mit Sitz in Berlin-Adlershof, welches das regionale Forschungs- und Entwicklungspotenzial in der Mikrosystemtechnik vernetzte und dessen Sprecher er lange Jahre war.

Doch nicht nur auf regionaler und nationaler, sondern auch auf internationaler Ebene ist sein Sachverstand überaus gefragt: Im Scientific Advisory Board von Euripides (European Smart Electronic Systems) koordinierte er u.a. die Weiterentwicklung industrierelevanter Forschungs-Roadmaps auf europäischer Ebene und vernetzte das Potenzial der FuE-Einrichtungen aus über 20 Ländern mit federführenden forschungspolitischen Akteuren. Als Würdigung für seine außerordentlichen Leistungen in Wissenschaft und Forschung erhielt Klaus-Dieter Lang 2014 die Fraunhofer-Medaille und 2017 von der internationalen Fachvereinigung IMAPS den William D. Ashman Achievement Award für den Bereich Electronic Packaging und System Integration. Im Jahr 2016 wurde er mit dem DVS-Ehrenring ausgezeichnet.

Im Jahr 2018 wurde ihm der IEEE Fellow Grade im Bereich Heterointegration und Mikroelektronik-Packaging verliehen. Im Oktober 2019 wurde er außerdem mit der höchsten VDE-Auszeichnung der Gesellschaft Mikroelektronik, Mikrosystem- und Feinwerktechnik - dem GMM-Award – ausgezeichnet. Weiterhin ist er Fellow und Life Member von IMAPS.

Akquisition und Realisierung von Großprojekten

Von unschätzbarem Wert für die Fraunhofer-Gesellschaft waren Klaus-Dieter Langs Qualitäten bei der Akquise und dem Management von Großprojekten. Unter seiner Leitung wurde 2010 der Aufbau des Dresdener Zentrums zur 3D-Systemintegration, das “All Silicon System Integration Dresden“ (ASSID), maßgeblich vorangetrieben. Der Standort mit mittlerweile über 40 Mitarbeitenden entwickelt Waferlevel-Packagingtechnologien im 300-mm-Bereich für das Stapeln von Halbleiterbauelementen und überführt diese in die Anwendung. Das Zentrum ist speziell auf Forschungsprojekte und die industriekompatible Prototypenentwicklung zugeschnitten. Prof. Lang erwirkte für Aufbau und Inbetriebnahme die finanzielle Unterstützung von 49 Mio. Euro aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, dem Freistaat Sachsen sowie der Europäischen Union.

Berliner Zentrum für intelligente Systeme auf Leiterplatten- und Modulebene

Prof. Langs intensiven Anstrengungen ist hauptsächlich die dauerhafte Konsolidierung des IZM-Hauptstandorts in Berlin zu verdanken. Unter seiner Leitung konnten rund 40 Mio. Euro von der EU, vom Land Berlin dem BMBF sowie der Fraunhofer-Gesellschaft für das Innovationszentrum AdaptSys bereitgestellt werden. Dies ermöglichte neben zukunftsorientierten mikroelektronischen Anwendungen und technologischen Innovationen auch die Sicherung von mehr als 400 Arbeitsplätzen am Berliner Standort. Seit 2017 ist das Fraunhofer IZM Teil der Forschungsfabrik Mikroelektronik Deutschland, dem durch das BMBF geförderten größten standortübergreifenden FuE-Zusammenschluss für die Mikro- und Nanoelektronik in Europa.

In dem Zentrum werden neben fortschrittlichsten Integrationstechniken auf Wafer- und Substratlevel z.B. Methoden und Verfahren entwickelt, die es ermöglichen, dass beliebige Produkte wie Autositze, Werkzeuge, Küchengeräte und selbst Textilien nicht wie bislang gefertigt und Elektronik sowie Sensorik nachträglich montiert werden müssen. Stattdessen werden die elektronischen Systeme bereits während des Herstellprozesses integriert.

So entstehen Technologien und Produkte, deren Wettbewerbsfähigkeit schon während der Entwicklung klar definiert ist. Zudem verfügen die Forschenden dank der engen Verzahnung von Forschung, Entwicklung und Anwendung über ein permanent wachsendes Produkt-Knowhow und können damit ganze Branchentrends mitgestalten.

Und mehr noch: Neben seinen Standorten Berlin und Dresden ist das Institut nun auch in Cottbus aktiv, wo es mit exzellenten Partnern die Forschung an Hochfrequenz-Sensorsystemen vorantreibt und sich auf den Entwurf, Testverfahren und die Charakterisierung von integrierten Antennen, das Co-Design von Chip-Package-Antennen sowie Systemintegrationslösungen für die Realisierung von miniaturisierten Hochfrequenz-Sensorsystemen konzentriert.

Und auch den Hardware-Startups widmet sich das Fraunhofer IZM unter Langs Leitung. Seit mittlerweile vier Jahren bietet es kleinen und mittleren Unternehmen in seinem durch den Berliner Senat geförderten Prototyping-Areal “Start-A-Factory” die Möglichkeit, in einem einzigartigen Konzept aus Geräte-Infrastruktur und Arbeitsumgebung schnell von der Idee bis zum ersten professionellen Prototypen zu gelangen – mithilfe von modernsten Anlagen, eingebettet in das Netzwerk von Fraunhofer IZM-Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen und anderen unterstützenden Partnern.

Ein dickes Dankeschön

Das Verlagsteam rund um die productronic sagt „Danke“ für die jahrelange redaktionelle Unterstützung und den fachlichen Austausch und wünscht alles Gute, Gesundheit und Inspiration für den Ruhestand!

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