Auto Explosionszeichnung

F√ľr die meisten Automobilzulieferer war 2020 ein schwieriges Jahr. So konnten nur acht Unternehmen aus den Top 100 der Automobilzulieferer ihren Umsatz steigern. (Bild: adimas - Adobe Stock)

Im Rahmen der gro√üen Top 100-Zuliefererstudie hat Berylls Strategy Advisors die 100 weltweit gr√∂√üten Automobilzulieferer bereits im elften Jahr in Folge analysiert. Nicht anders als 2020, das durch den Sondereffekt Corona seinen Stempel aufgedr√ľckt bekam, wurde auch 2021 durch die anhaltende Pandemie, durch die Chipkrise und durch die versch√§rfte Situation auf den Rohstoffm√§rkten massiv beeinflusst. Dennoch k√∂nnen viele Zulieferer im Gesch√§ftsjahr 2021 wieder deutliche Umsatz- und Profitsteigerungen ausweisen. Sie n√§hern sich Schritt f√ľr Schritt dem Vorpandemie-Niveau an. Gro√ü angelegte Kostenoptimierungsprogramme tragen ihren Teil dazu bei. So liegen die Ums√§tze der 100 weltweit gr√∂√üten Automobilzulieferer im Jahr 2021 mit 899 Milliarden Euro (+13,4 % gegen√ľber 2020) deutlich √ľber dem Niveau des von Covid-19 gepr√§gten Vorjahres, allerdings nur knapp zwei Prozent unter dem bis dato st√§rksten Jahr 2019. Auch die durchschnittliche Profitabilit√§t kann mit 6,3 % wieder deutlich gesteigert werden und liegt damit auf dem Niveau der Jahre 2018/2019. An dieser positiven Entwicklung nimmt auch die Gruppe der deutschen Zulieferer teil, allerdings weniger stark als die chinesischen Konkurrenten, die vor wenigen Jahren ihren Aufstieg begannen.

Top 10 der Automobilzulieferer verändert sich kaum

Bosch verteidigt im siebten Jahr in Folge den ersten Platz in der weltweiten Aufstellung der 100 gr√∂√üten Automobilzulieferer, insgesamt bewegt sich unter den Top 5 nichts. Wie im Vorjahr liegen zwei weitere deutsche Unternehmen auf den Pl√§tzen 3 (Continental) und 4 (ZF Friedrichshafen). Magna behauptet sich auf Platz 5. Auch f√ľr die Reifenhersteller Michelin und Bridgestone lief das Jahr 2021 gut, sie behalten ihre Platzierungen und damit die Pl√§tze 8 und 9.

2020 sorgte Weichai Power noch f√ľr eine echte Sensation. Denn Weichai Power war der erste chinesischer Zulieferer √ľberhaupt, der in die Phalanx der Top 10 vordringen konnte. Das Unternehmen, entstanden aus einem Hersteller f√ľr Dieselmotoren und heute im Segment der Software f√ľr Lkw und Pkw t√§tig, kann sich im Topsegement aber nicht halten, rutscht in 2021 auf den immer noch sehr respektablen Platz 12 ab. Doch damit ist keinesfalls Schluss mit den aufstrebenden Zuliefern aus China: Mit CATL ist weiterhin ein chinesisches Unternehmen in den Top 10 vertreten. Der Akkuhersteller springt, mit einer Umsatzexplosion von 184 % im Vergleich zum Vorjahr, erstmals in die Spitzengruppe und schreibt damit innerhalb der Top 50 eine einmalige Erfolgsgeschichte. Berylls Partner und Zuliefererexperte Alexander Timmer: ‚ÄěDas ein Batterieproduzent in die Top 10 aufr√ľcken w√ľrde, ist wenig √ľberraschend. Denn die Nachfrage nach Akkus war selbst im schwierigen Jahr 2021 so gro√ü, dass CATL in der logischen Folge zu den ganz gro√üen Gewinnern z√§hlt. Ohnehin ist der chinesische Konzern ein guter Bekannter innerhalb der Top 100. Im Ranking f√ľr das Jahr 2018 lag CATL noch auf Platz 71, hat allerdings seither eine beeindruckende Entwicklung gezeigt.‚Äú Die vollst√§ndige Liste der Top 100 finden Sie hier.

Wie sehr chinesische Zulieferer wachsen ‚Äď und wer darunter leidet

Aber Chinas Zulieferer sind nicht nur im Bereich der neuen Antriebstechnologien stark, wie das Abschneiden von Citic Dicastal belegt. Das Unternehmen, dessen Kernprodukte Leichtmetallfelgen f√ľr Pkw und Lkw sind, schoss im Top 100-Ranking um 26 Positionen nach oben und findet sich in der diesj√§hrigen √úbersicht auf dem 62. Platz. Insgesamt haben es neun chinesische Zulieferer in die Top 100 geschafft. Das Cluster der chinesischen Zulieferer kann sehr stark von der lokalen und nationalen Industriepolitik profitieren, die einerseits den chinesischen Binnenmarkt st√§rken soll und andererseits eine Expansion in internationale Leitm√§rkte befeuert.

So w√§chst der Beitrag der chinesischen Zulieferer an der internationalen Umsatzentwicklung stetig. Im Jahr 2018 lag er noch bei f√ľnf Prozent, 2021 k√∂nnen die Chinesen bereits einen neunprozentigen Anteil f√ľr sich verbuchen. Der Zuwachs geht zu Lasten der deutschen und japanischen Zulieferer. Deutschland war am Gesamtumsatz 2018 mit stolzen 23 % beteiligt, Japan steuerte 27 % bei. Beide Nationen verzeichnen seither schmerzhafte R√ľckg√§nge. Die deutschen Zulieferer tragen nur noch 21 % zum globalen Gesamtumsatz der Branche bei, die Japaner 24 %.

Berylls prophezeit: Schreiben die Chinesen ihre Erfolgsgeschichte konsequent fort, werden sie im Jahr 2028 die Vorreiterrolle im weltweiten Zulieferer-Ranking einnehmen und die deutsche Konkurrenz aus der Spitzengruppe verdrängen.

Automobilzulieferer erholen sich vom Covid-Lockdown, aber Japan leidet

Im Covid-Lockdown-Jahr 2020 mussten Zulieferer und OEMs harte Umsatz- und Profitabilit√§tseinbr√ľche hinnehmen. So konnten nicht mehr als acht der in der Top 100 √úbersicht gelisteten Unternehmen 2020 gegen√ľber 2019 √ľberhaupt ein Umsatzwachstum aufweisen. Im vergangenen Jahr hat sich das Bild praktisch komplett gedreht. Lediglich zehn der 100 weltweit gr√∂√üten Zulieferer waren nicht in der Lage ihren Umsatz zu steigern. Zu diesen Low-Performern geh√∂ren: Yazaki, Panasonic, Mitsubishi Electric, GKN, Thyssen Krupp Automotive, NSK Group, NHK Spring, NGK Spark Plug und TS-Tech. Sieben von ihnen geh√∂ren zum japanischen Zulieferer-Cluster.

Dass 2021 ein erfolgreiches Jahr f√ľr die Branche war, zeigt sich auch darin, dass 58 Zulieferer 2021 bereits wieder h√∂here Ums√§tze als vor dem Ausbruch der Pandemie erwirtschaften. Im Vergleich zu 2020 hat sich die durchschnittliche Profitabilit√§t von 2,6 auf 6,3 Prozent mehr als verdoppelt.

Allerdings ist der Erfolg nicht gleicherma√üen auf die Branche verteilt. Er betrifft vor allem Firmen im Bereich der Halbleiterindustrie. Denn so paradox es klingen mag, an der positiven Gesamtmarkt-Entwicklung hat die Halbleiter-Knappheit einen gro√üen Anteil. Was bei den OEMs zu einer Drosselung der Produktion und vollgeparkte Logistikfl√§chen mit unfertigen Fahrzeugen f√ľhrte, erm√∂glichte bei den Chip-Lieferanten 2021 Absatz-, Umsatz- und Profitrekorde. So konnten die Halbleiter-Hersteller ihre Automotive-Ums√§tze √ľberproportional um durchschnittlich 34 % steigern. Sie erzielten Margen von 19 %, w√§hrend der Top 100-Durchschnitt bei eher mageren 6,3 % lag und damit sogar unter dem der OEMs, die mit ihrer Ausrichtung auf das Premiumsegment einen Zehnjahresh√∂chstwert von 7,4 % erzielen konnten.

Umsatzentwicklung der Zulieferer  nach Region (TOP 100) 2020
Die Umsätze der Zulieferer nähern sich zwar dem Vor-corona-Niveau, allerdings legt vor allem China ein extremes Wachstum hin. Dagegen verlieren Japan aber auch Deutschland an Anteilen. (Bild: Berylls)

Welche Rohstoffe f√ľr die Zuliefererindustrie wie viel teurer geworden sind

Mit dem Ende der weltweiten Lockdowns erholte sich die Wirtschaft rasch und entwickelte einen nie dagewesenen Hunger auf Rohstoffe. Die Preise f√ľr verschiedene Metalle und Kunststoffe erreichten deshalb 2021 Rekordh√∂hen und vermiesten der Industrie das Gesch√§ft. Betroffen waren nicht nur die f√ľr die Batterie- und Elektrofahrzeug-Produktion wichtigen Metalle wie Nickel, Kobalt und Lithium. Auch die Preise g√§ngiger Industriemetalle und Kunststoffe stiegen von 2020 auf 2021 signifikant: Kupfer +23,5 %, Stahl +66,7 %, Aluminium +37,8 %, Magnesium +130,5 %, Messing +34,3 % und Polypropylen +94,4 %.

Die hohen Rohstoffpreise trafen die Zulieferer deswegen so hart, weil sie sie √ľberwiegend nicht an ihre Kunden weitergeben konnten. Eine kurzfristige √Ąnderung der Situation ist nicht zu erwarten, im Gegenteil, es ist mit einem weiteren Steigen der Preise zu rechnen, auch bedingt, durch den Krieg in der Ukraine. Das Embargo gegen Russland schneidet die Industrie von ihrem wichtigsten Lieferanten f√ľr Palladium und Nickel ab, gleichzeitig f√§llt die Ukraine zumindest teilweise als Lieferant f√ľr das Edelgas Neon aus, es ist ein wichtiger Bestandteil der Halbleiterproduktion.

Rohstoffpreisentwicklung in der Zulieferindustrie
Rohstoffpreisentwicklung in der Zulieferindustrie: 2021 war eine regelrechte Preisexplosion zu beobachten. (Bild: Berylls)

Was sich 2019 bereits abgezeichnet hatte, besch√§ftig die Branche mittlerweile vollumf√§nglich: Die E-Mobilit√§t ver√§ndert die Strategie der Automobilzulieferer. Beispielsweise sollen die Aktivit√§ten von Bosch in diesem Bereich bis zum Jahr 2025 um 500 % wachsen. Aktuell gibt der weltgr√∂√üte Zulieferer an, im vergangenen Jahr in diesem Sektor eine Milliarde Euro Umsatz erwirtschaftet zu haben. ZF kann sich im Jahr 2021 ein Auftragsvolumen in H√∂he von 14 Milliarden Euro sichern und baut damit seine Position bei elektrischen Komponenten weiter aus. Viele bedeutende Lieferanten f√ľr Komponenten des elektrischen Antriebsstrangs und des autonomen Fahrens kommen aus Deutschland. Neben den genannten Firmen Bosch und ZF, k√∂nnen auch Continental, Dr√§xlmaier und Leoni ihre Positionen im internationalen Vergleich verbessern und durchschnittliche Umsatzsteigerungen im zweistelligen Prozentbereich gegen√ľber dem Vorjahr realisieren. Dass die E-Mobilit√§t, aber auch das autonome Fahren und die ADAS-Systeme Wachstumsmotoren sind, zeigt sich im Vergleich zum Branchendurchschnitt: Hersteller aus diesen Segmenten fahren im Durchschnitt eine zw√∂lfprozentige Umsatzsteigerung ein. Aber der Weg zum Erfolg bleibt steinig, denn gleichzeitig fordert die Transformation hohe Entwicklungsausgaben mit mehrj√§hrigen Amortisationsdauern. Das dr√ľckt die Profitabilit√§t in den Anfangsjahren mit geringen Produktionsvolumina; sie liegt 2021 bei unterdurchschnittlichen 6 %.

Schwerpunktthema: E-Mobility

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(Bild: Adobe Stock, H√ľthig)

In diesem Themenschwerpunkt ‚ÄěE-Mobility‚Äú dreht sich alles um die Technologien in Elektrofahrzeugen, Hybriden und Lades√§ulen: Von Halbleitern √ľber Leistungselektronik bis E-Achse, von Batterie √ľber Sicherheit bis Materialien und Leichtbau sowie Test und Infrastruktur. Hier erfahren Sie mehr.

Das waren die Top-Automobilzulieferer 2020

Beim Ranking f√§llt auf ist, dass Sondereffekte das Jahr 2020 in der Automobilindustrie gepr√§gt haben ‚Äď nicht nur Corona dr√ľckte dem vergangenen Jahr einen Stempel auf. Erstmals seit der Wirtschaftskrise im Jahr 2009 m√ľssen sich die meisten der Top 100 Unternehmen nicht etwa um ein schwaches Wachstum sorgen, sondern um sp√ľrbare Umsatzr√ľckg√§nge: Lediglich acht Unternehmen konnten ihre Ums√§tze im Vergleich zum Vorjahr steigern. Au√üerdem schafft die Elektromobilit√§t neue Herausforderungen, die die Industrie in bisher ungekanntem Ausma√ü ver√§ndern werden.

Chinesische Automobilzulieferer erobern die Top 10

Besonders die chinesischen Zulieferer stechen heraus; eine Entwicklung, die sich bereits in den vergangenen Jahren angebahnt hat. So belegt der Motorenspezialist Weichai Power mit Platz 10 die beste Platzierung, die je ein chinesisches Unternehmen seit Beginn der Studie erreicht hat.

Bereits im zehnten Jahr in Folge hat Berylls Strategy Advisors die 100 weltweit gr√∂√üten Automobilzulieferer im Rahmen der Top 100-Zuliefererstudie untersucht. Dabei gab es √ľber die vergangenen zehn Jahre eine interessante Entwicklung: Die Einstiegsh√ľrde, um in das Feld der 100 gr√∂√üten Zulieferer zu gelangen, stieg von 1,6 Milliarden Euro Umsatz um fast 50 % auf 2,3 Milliarden Euro.

Bosch bleibt Nr. 1 der Zulieferer

Bosch verteidigt im sechsten Jahr in Folge den ersten Platz in der weltweiten Aufstellung der 100 größten Automobilzulieferer. Zwei weitere deutsche Unternehmen liegen auf den Plätzen 3 (Continental) und 4 (ZF Friedrichshafen). Magna wurde von ZF auf Platz 5 verwiesen, Continental hat den zweiten Platz aus dem Vorjahr an Denso abgegeben. Die Konkurrenten Michelin und Bridgestone haben 2020 nach mehreren Jahren mit sehr ähnlichen Zahlen nun die Plätze getauscht und liegen aktuell auf den Plätzen 8 und 9. Platz 10 belegt mit Weichai Power erstmals ein chinesischer Zulieferer.

Berylls Partner und Zuliefererexperte Dr. Jan Dannenberg: ‚ÄěDie Performance des Motorenspezialisten √ľberrascht nur auf den ersten Blick. Sie war zwar selbst im schwierigen Jahr 2020 so gut, dass Weichai Power zu den ganz wenigen Umsatzgewinnern z√§hlt, was nicht zuletzt auf dessen M&A-Aktivit√§ten zur√ľckzuf√ľhren ist. Tats√§chlich ist der chinesische Konzern aber ein guter Bekannter innerhalb der Top 100. 2011, in der ersten Auflage der Zulieferer-Studie, lag Weichai Power zwar noch auf Platz 25, hat allerding seither eine beeindruckende Entwicklung gezeigt, auch was die Transformation hin zu Themen der Elektromobilit√§t angeht.‚Äú

Einige Unternehmen schlugen sich im Krisenjahr besser als andere, was vor allem auf die geographische Lage zur√ľckzuf√ľhren ist. Zulieferer mit Sitz und/oder Abnehmern in Asien konnten von der fr√ľher wieder anziehenden Wirtschaft nach der Corona-Pandemie in diesen L√§ndern profitieren, was unter anderem Denso 2020 zur Silbermedaille verhalf.

Das sind die Top 100 der Automobilzulieferer 2020

Chinas Zulieferer wachsen stetig und sind fester Teil der Top 100

2020 haben es elf chinesische Zulieferer in die Top 100 geschafft, 2019 waren es noch sechs. Neben Weichai Power ist ein weiterer Motorenspezialist, AVIC Auto, aufgestiegen und hat sich in die Mitte der Liste auf Platz 53 vorgeschoben. China stellt außerdem verschiedene Hersteller in den Bereichen Interieur und Infotainment, etwa BHAP (Platz 28), Yanfeng (Platz 29), Joyson (Platz 37), China Fast Gear (Platz 75) und NBHX Group auf Platz 99. Mit Weichai Power, CATL und China Fast Gear kommen drei der acht Umsatzgewinner 2020 aus China.

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So ändert der Fokus auf Elektromobilität die Strategie von Unternehmen

Aufgrund der wachsenden Bedeutung der Elektromobilit√§t und weiterer Zukunftstechnologien, passen Zulieferer ihre Strategien zunehmend an. Beispielsweise verspricht sich BorgWarner durch Akquisitionen, wie die von Delphi Technologies 2020, weiteres Wachstum und will zugleich mehr Entwicklungen im Elektro-Bereich realisieren. LG steigt aus dem Smartphone-Gesch√§ft aus, um sich k√ľnftig auf die Wachstumsbereiche Bauteile f√ľr Elektrofahrzeuge, vernetzte Ger√§te und k√ľnstliche Intelligenz zu konzentrieren. Der deutsche Technologie-Zulieferer Infineon treibt seine Strategie zur St√§rkung des Kerngesch√§fts mit Halbleitern und der Erschlie√üung neuer Wachstumsm√§rkte voran, was unter anderem zur Akquisition des Halbleiterherstellers Cypress im vergangenen Jahr f√ľhrte.

Das Wachstum im Bereich Elektromobilit√§t traf 2020 auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Automobilzulieferer hatten mit Umsatzr√ľckg√§ngen und Produktionspausen zu k√§mpfen und kamen zum Gro√üteil um einen Stellenabbau nicht herum. Hersteller im Bereich Elektromobilit√§t, etwa f√ľr Batterien oder Halbleiter, sind dagegen weiter auf Wachstumskurs. CATL sucht derzeit verst√§rkt nach neuen Mitarbeitern. Und gerade bei Batterien sind europ√§ische OEMs abh√§ngig von asiatischen Herstellern wie CATL, Panasonic, BYD oder LG Chem. Deutschland wird voraussichtlich in den kommenden Jahren zum europ√§ischen Batteriezentrum ausgebaut, um diese Abh√§ngigkeit aufzul√∂sen. Dabei laufen bereits verschiedene Kooperationen mit Batteriespezialisten, sowohl seitens OEMs als auch mit Zulieferern.  Bis 2030 sollen in Deutschland bis zu 100.000 neue Arbeitspl√§tze in diesem Bereich geschaffen werden. Davon k√∂nnen auch deutsche Automobilzulieferer wie Dr√§xlmaier, Webasto oder Elring Klinger profitieren, die heute bereits als Lieferanten f√ľr Batterietechnologie auftreten.

So haben sich die Top 100 der Automobilzulieferer verändert

Seit zehn Jahren betrachtet Berylls j√§hrlich die Top 100 der weltweiten Automobilzulieferer. In dieser Zeit hat sich die geographische Verteilung der gro√üen Zulieferer massiv ver√§ndert: Es gab eine klare Verschiebungen in der Wichtigkeit von Zulieferern aus Deutschland, Japan und USA nach Asien. Asiatische Zulieferer (abgesehen von Japan) haben seit 2011 bei starkem Umsatzwachstum deutlich an Profitabilit√§t eingeb√ľ√üt, sind aber durch ihren hohen Umsatz zunehmend in den Top-100 vertreten. Hier sind vor allem die chinesischen Unternehmen zu nennen, die sich in den letzten zehn Jahren von einem auf elf Top 100-Kandidaten gesteigert haben und inzwischen f√ľr rund 66 Milliarden Euro Gesamtumsatz stehen.

Zum Zeitpunkt der ersten Berylls-Zuliefererstudie, im Jahr 2011, war die Branche nach der vorangegangenen weltweiten Finanzwirtschaftskrise im Aufschwung. Seitdem konnten die Top 100 Zulieferer Jahr f√ľr Jahr ihre Ums√§tze steigern, von 2011 an (663 Milliarden Euro) bis 2019 (914 Milliarden Euro) um insgesamt 38 %. Auch die Profitabilit√§t der 100 gr√∂√üten Zulieferer verbesserte sich bis 2017 jedes Jahr, lag dabei von 2012 bis 2018 st√§ndig √ľber 7 %. Dr. Jan Dannenberg relativiert die scheinbar durchweg positiven Zahlen: ‚Äě2020 liegen die Top 100 mit Gesamtums√§tzen von knapp Euro 800 Milliarden zwar immernoch 20 Prozent √ľber dem Niveau von vor zehn Jahren. Die Profitabilit√§t hingegen hat ein Allzeittief von lediglich etwa 3 Prozent erreicht ‚Äď wenngleich im Jahr 2020 zu gro√üen Teilen pandemiebedingt.‚Äú

Fakten zu 10 Jahren Top 100 der Automobilzulieferer

Einige Kennzahlen verdeutlichen die enormen Entwicklungen, die sich innerhalb der zehn Jahre abgespielt haben. Die größten Umsatzgewinner seit 2011 sind ZF Friedrichshafen und Tenneco, die 2020 beide innerhalb der Top 15 zu finden sind. Bosch hat seit dem Jahr 2015 Continental auf Platz 1 abgelöst und verteidigt bislang jedes Jahr diese Position. 2011 bis 2014 lag dagegen Continental auf Platz 1, stets mit geringem Vorsprung vor Bosch. Im Zeitraum 2013 bis 2016 verzeichneten die Top 100-Unternehmen vier gänzlich verlustfreie Jahre.

In das Ranking der Top 100 Automobilzulieferer sind in den vergangenen zehn Jahren einige Unternehmen aufgestiegen, andere sind verschwunden. Ein Teil dieser Ver√§nderungen geht auf M&A-Ma√ünahmen zur√ľck. Konzerne wie Johnson Controls oder Honeywell haben ihre Automotive-Sektoren abgespalten. Zulieferer TRW, Delphi Technologies, Calsonic, Wabco oder der deutsche Klimaspezialist Behr sind √ľbernommen worden. Den stetigen Umsatzsteigerungen der Top 100 konnten nicht alle Unternehmen folgen; fehlende Gr√∂√üe f√ľhrte vielfach zum Ausstieg. Der Vergleich von 2020 zu 2011 zeigt die Diskrepanz. Schafften es 2011 noch Unternehmen mit einem Jahresumsatz von Euro 1,6 Milliarden in das Ranking, waren daf√ľr 2020 mindestens Euro 2,3 Milliarden n√∂tig. Derartige Umsatzsteigerungen konnten etwa IAC, Rheinmetall Automotive oder Cooper Standard nicht erreichen. Abspaltungen von Unternehmensteilen haben im Laufe der Jahre aber auch zu Neuzug√§ngen gef√ľhrt, wodurch aktuelle Vertreter der Top 100 wie Aptiv, Adient, Clarios oder Garret Motion entstanden sind. Immer wieder haben es Zulieferer aber auch durch starkes Umsatzwachstum aus eigener Kraft in die Liste der Gr√∂√üten geschafft. Zu diesen Erfolgsunternehmen geh√∂ren beispielsweise Flex-N-Gate, der chinesische Batteriehersteller CATL, Piston Group sowie die deutschen Vertreter Aunde, Freudenberg und Infineon.

Das waren die Top 100 Automobilzulieferer 2019: CATL r√ľckt um 25 Pl√§tze nach vorn

Bosch, Continental und Denso f√ľhren das 2019er-Ranking der global gr√∂√üten Automobilzulieferer von der Beratung Berylls Strategy Advisors wie im Vorjahr mit einigem Abstand vor Magna, ZF Friedrichshafen und Aisin an. Nach Hyundai Mobis konnte Bridgestone sich knapp vor Michelin behaupten und tr√§gt die Reifenkrone. Valeo komplettiert die Top 10.

2020 k√∂nnten sich aber laut Berylls einige √úberraschungen ergeben. Die Transformation rund um CASE (Connected, Autonomous, Shared, Electric) hat 2019 deutlich an Fahrt aufgenommen, der strukturelle Wandel ist in vollem Gange. Der viel besagte Wendepunkt von alter zu neuer automobiler Welt scheint zumindest in den K√∂pfen der Top-Manager zahlreicher Zulieferer angekommen zu sein. Neben Investitionen in die Zukunftstechnologien w√ľrden Unternehmens-Carve-outs und die Abwicklung von traditionellen Unternehmensteilen und Technologien vorangetrieben. Allein bei den f√ľnf gro√üen deutschen Automobilzulieferern Bosch, Continental, ZF Friedrichshafen, Mahle und Schaeffler wurden in den vergangenen drei Jahren √ľber 40 Start-ups und Tech-Unternehmen √ľbernommen oder mit Risikokapital ausgestattet.

Die damit erworbenen Kompetenzfelder wirkten laut Beratung wie eine CASE-Checkliste zur Zukunftssicherung der Automobilindustrie. Vehement wollen sich die gro√üen Automobilzulieferkonzerne vom Mittelfeld und Marktbegleitern absetzen. Die Chancen der kleineren oder mittelst√§ndisch gepr√§gten Konkurrenz, den R√ľckstand bei zentralen Innovationsfeldern aufzuholen, w√ľrden schwinden. Neue Systemkompetenz und Wertsch√∂pfungstiefe bei Hightech-Komponenten, Software-Entwicklungskompetenz, global verteilte Entwicklungszentren, um auf Augenh√∂he mit Technologieschmieden wie Samsung, Apple, Microsoft oder den Premium-OEMs zu kooperieren, sind der Anspruch, dem nur Spitzenplayer der Top 100 gerecht werden k√∂nnten.

Weitere chinesische Automobilzulieferer d√ľrften ins Ranking kommen

Der Blick nach S√ľdkorea zeigt neben positiven W√§hrungseffekten ein starkes Wachstum fast aller s√ľdkoreanischen Vertreter in der Top 100 auf. Allen voran Hanon durch den Kauf des Gesch√§ftsbereichs Fluid Pressure & Controls von Magna aber auch LG Electronics und Hyundai Mobis katapultierten sich unter die wachstumsst√§rksten Firmen des gesamten Feldes. Umsatzgewinner in China ist das Unternehmen CATL, das nach 2018 ein weiteres Highlight setzen und seinen extremen Wachstumskurs fortsetzen konnte (+55 Prozent Umsatz, +25 Pl√§tze, jetzt Rang 43). Am Ende des Jahres 2019 stellt CATL mit 50 Prozent der gesamten chinesischen Batteriezellenkapazit√§ten einen neuen Rekord auf. Neben den mittlerweile sechs Vertretern in den Top 100, stehen weitere chinesische Automobilzulieferer mit ihrem Wachstumskurs vor dem Sprung in das Ranking.

Die sich abk√ľhlende Konjunktur und gestiegene Investitionen f√ľr CASE dr√ľcken die Margen. 77 Prozent der Top 100 (56 von 73) mussten Gewinneinbu√üen im Jahr 2019 hinnehmen. Im Jahr 2018 waren es lediglich 68 Prozent (48 von 71). Bedenklich ist laut Berylls zudem der st√§rkere R√ľckgang der Gewinnmarge (EBIT bzw. Operating Profit). Lag der R√ľckgang 2018 im Vergleich zum Vorjahr noch bei 1,2 Prozentpunkten, st√ľrzt er 2019 um weitere 1,5 Prozentpunkte im Jahresvergleich ab. Einzelne Unternehmen, wie beispielsweise Continental, Panasonic oder American Axle, verloren im Vergleich zu 2018 zwischen 5 bis 10 Prozentpunkten an Profitabilit√§t. Mit Blick auf die deutschen Top 3 sei es f√ľr Continental ein schlechtes Jahr gewesen, das mit Stagnation beim Umsatz und Verlusten beendet wurde.

Die Bosch-Gruppe hielt zwar ann√§hernd ihren Umsatz, verlor aber auf Gruppenebene 43 Prozent ihres Ergebnisses. Ein Gro√üteil der Einbu√üen stammt dabei aus dem Automotivegesch√§ft, hei√üt es aus Firmenkreisen. Diese Zahlen stehen exemplarisch f√ľr 2019 und f√ľr die Folgen des Wandels. Vor allem vor dem Hintergrund, dass beide Unternehmen 2018 noch √ľber 7 Milliarden EBIT erwirtschafteten.

Top 100 Automobilzulieferer: CATL r√ľckt um 25 Pl√§tze nach vorn
Top 100 Automobilzulieferer: CATL r√ľckt um 25 Pl√§tze nach vorn (Quelle: Berylls Strategy Advisors)
Das Jahr 2020 wird der Beratung zufolge hart. Ein Anstieg an Insolvenzen sei bereits absehbar und es k√∂nnte auch Unternehmen der Top 100 treffen. Bei m√∂glichen Umsatzeinbr√ľchen von 20 bis 25 Prozent verbleibt der Industrie nur noch ein Bruchteil der Gewinne. Bis zu 90 Prozent der Top 100 k√∂nnten laut Berylls in die Verlustzone rutschen, einzig chinesische Zulieferer liegen noch auf einem Wachstumspfad und so k√∂nnten im Jahr 2020 aus den bisher sechs Zulieferern vermutlich zehn Teilnehmer aus dem Land der Mitte stammen.

Die zuk√ľnftige Entwicklung der Automobilindustrie, im Fokus liegen hier Produktionsst√ľckzahlen und Fahrzeugklassen oder -segmente und -antriebe, ist nach wie vor mit gro√üen Unsicherheiten verbunden. Jeder Automobilzulieferer m√ľsse daher bereit sein, starke strukturelle Ver√§nderungen in Kauf zu nehmen. Erfolgsfaktoren f√ľr eine intelligente Restrukturierung in 2020/21 sind dabei laut Berylls entscheidend:

  • Prozesssicherheit: Die Restrukturierung muss nachhaltig und pragmatisch umgesetzt werden, alle Stellhebel m√ľssen verzahnt und Krisenursachen schnell identifiziert und abgestellt werden.
  • Restrukturierungsexpertise: Eigene Erfahrung und Ressourcen m√ľssen um externe Expertise erg√§nzt werden. Erfahrung, Wissen und Netzwerkkompetenz zu allen Unternehmensfunktionen ist dabei essenziell.
  • Mobilit√§ts-Know-how: Neben der Industrieexpertise braucht es Ideen, wie es besser geht. Benchmarks zu Kosten, Ertragskraft, Finanzstrukturen etc. helfen, schnell die richtigen Einsparm√∂glichkeiten oder Strukturen zu identifizieren.
  • Stakeholder-Verst√§ndnis: Was wichtig f√ľr eine Bank ist, muss noch lange nicht wichtig f√ľr den OEM sein. Der Automobilzulieferer muss aber gerade in der Krise jedem gerecht werden. 

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